7.12.1999 Dr. Andreas J. Büchting, Sprecher des Vorstands der KWS SAAT AG, anlässlich des Bilanzpressegespräches in Hannover
Das KWS Geschäftsjahr 1998/1999 stand ganz im Zeichen der strategischen Positionierung des Geschäftsfeldes Mais. Vor einem Jahr hatten wir Sie an dieser Stelle über die geplante Neuordnung dieses zweiten Standbeins der KWS unterrichtet. Wichtigster Bestandteil dieser Neuordnung war die rückwirkend zum
1. Juli 1998 vollzogene Ausgliederung und Überführung der Produktions- und Vertriebseinheiten des Geschäftsfeldes Mais in die neue KWS MAIS GMBH. Durch diese von der Hauptversammlung im Januar 1999 beschlossene Maßnahme erhielt die KWS SAAT AG ein neues Gesicht. Mit der produktübergreifenden Züchtung und Forschung sowie dem Geschäftsfeld Zuckerrüben umfaßt die AG allerdings nach wie vor Kernaktivitäten der KWS Gruppe, die auf den drei Säulen Zuckerrübensaatgut, Maissaatgut und Getreidesaatgut ruht. Diese Geschäftsfelder werden auch künftig den Fokus unserer Aktivitäten ausmachen, so wie dies auch im abgelaufenen Geschäftsjahr der Fall war.
Darüber hinaus galt es vor Antritt des 21. Jahrhunderts, noch ein paar liebgewonnene, alte Zöpfe abzuschneiden. Zum 1. Juli 1999 traten entsprechende Beschlüsse der Hauptversammlung in Kraft. Neben der Umstellung des Eigenkapitals auf Euro sowie der Nennwertaktien auf Stückaktien haben wir Abschied von dem traditionsreichen Namen "KWS KLEINWANZLEBENER SAATZUCHT AG vorm. Rabbethge und Giesecke" genommen. Der neue Firmenname "KWS SAAT AG" ermöglicht eine globale Identifikation unseres Unternehmens. Der Auslandsanteil des Umsatzes von gut zwei Dritteln belegt, daß die Marke "KWS" inzwischen erfolgreich in den internationalen Märkten etabliert ist.
Geschäftsjahr 1998/99 im Überblick
Auf der Basis der strategischen Maßnahmen des Geschäftsjahres 1998/1999 wird die Entwicklung der KWS zusätzliche Dynamik erhalten. Aber auch das operative Geschäft des zurückliegenden Jahres verlief insgesamt nicht unerfreulich. Dies möchte ich Ihnen anhand der folgenden Kennzahlen darlegen.
1. Das Umsatzvolumen der KWS Gruppe liegt mit 648,4 Mio. DM nur 2,2% unter dem Vorjahr in Höhe von 662,8 Mio. DM. Angesichts des sich abzeichnenden Rückgangs im Osteuropageschäft (minus 30 %) sowie einer flächenbedingten Absatzminderung im westeuropäischen Maisanbau entsprach diese Entwicklung unseren Erwartungen.
2. Positiv entwickelte sich abermals das Geschäftsfeld Zuckerrüben. Hier konnte das (um 30%) verminderte Osteuropageschäft durch Marktanteilsgewinne in den USA und Westeuropa kompensiert werden, so daß das Geschäftsfeld nochmals etwas zulegte.
3. Der Umsatz der KWS SAAT AG in Höhe von 300 Mio. DM ist aufgrund der Ausgliederung nicht mehr mit dem Vorjahr (420 Mio. DM) vergleichbar. Erst eine Teilkonsolidierung der AG und der KWS MAIS GMBH zeigt die Entwicklung. Die oben genannten Effekte im operativen Geschäft schlugen sich vor allem in der "alten" AG nieder, so daß der rechnerische Umsatz dort um 5,8% auf 396 Mio. DM sank.
4. Die Ertragskraft der KWS Gruppe blieb trotz erheblicher Belastungen aus dem Steuerentlastungsgesetz sowie einer notwendig gewordenen Aufstockung der Pensionsrückstellungen stabil. Der Jahresüberschuß der KWS Gruppe liegt mit 35,9 Mio. DM nur 400 TDM unter dem Vorjahresergebnis in Höhe von 36,3 Mio. DM. Allerdings liegt der teilkonsolidierte Jahresüberschuß der AG und Mais GmbH mit 16,2 Mio. DM um 6,5% unter dem Vorjahresergebnis in Höhe von 17,3 Mio. DM. Hier schlugen sich nicht zuletzt die negativen Effekte der Steuerreform nieder. Die fiskalischen Mehrbelastungen sowie die von uns ergriffenen Kompensationsmaßnahmen wird Ihnen anschließend mein Kollege Jochen Beyes näher erläutern.
5. Trotz der außerordentichen Belastungen ist es jedoch möglich, der Hauptversammlung am 19. Januar 2000 erneut eine - der Ertragskraft des operativen Geschäfts entsprechende - Dividende in Höhe von 13 DM pro Aktie vorzuschlagen.
6. Die KWS Gruppe geht mit über 2000 Mitarbeitern in das Jahr 2000. Genauer gesagt waren es in der KWS Gruppe im Durchschnitt des abgelaufenen Geschäftsjahres bereits 2037. Dies entspricht einem Zuwachs von 7,6%. In der AG einschließlich der KWS Mais GmbH waren durchschnittlich 804 Mitarbeiter tätig; auch hier ein Zuwachs von 1,8%.
7. In einem erweiterten Ausbildungsprogramm beschäftigte KWS im Geschäftsjahr 1998/1999 durchschnittlich 71 Auszubildende in insgesamt 6 Fachrichtungen. Mit einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 28 % stieg der Anteil der Auszubildenden an der Gesamtbelegschaft auf erfreuliche 9%.
8. Aufgrund des Abschlusses des mehrjährigen Investitionsprogramms - vor allem am Standort Einbeck - reduzierten sich die Investitionen in der Gruppe um 42 % auf 37,5 (64,2) Mio DM und in der AG um 44 % auf 22,6 (40,7) Mio DM. Das Investitionsniveau liegt indes noch deutlich über den Abschreibungen.
Die Hintergründe dieser 'facts and figures' des Geschäftsjahres 1998/99 möchte ich jetzt noch eingehender beleuchten:
Investitionen
Die zurückgegangene Investitionstätigkeit spiegelt den Abschluß des mehrjährigen Investitionsprogramms wider. Bei den "großen" Investitionen handelte es sich um das am 12. Juli 1999 von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn eingeweihte Biotechnikum, die Fertigstellung einer neuen Pillierungsanlage für Zuckerrübensaatgut sowie um die Erweiterung des Blockheizkraftwerks in Einbeck. Die Panoramaansicht auf der Titelseite des Ihnen vorliegenden neuen Geschäftsberichts mag Ihnen einen Eindruck der starken niedersächsischen Präsenz der KWS vermitteln.
Sie sehen: KWS hat neben einem neuen Namen auch ein neues Gesicht bekommen. Im Ausland wurde die Aufbereitungsanlage an unserem Zuckerrübenvermehrungs-Standort Forli in Italien fertiggestellt, mit einer Gesamtsumme von 12 Mio. DM über 2 Jahre.
F & E
Genomforschung - ein Weg zu neuen Züchtungszielen!
Von den Backsteinen zu unseren Pflanzen: Lassen Sie mich Ihnen das genetische Leistungspotential klassisch gezüchteter Zuckerrübensorten anhand eines statistischen Beispiels illustrieren. Die Zuckerrübenernte der Kampagne 1999 stellt mit einem Zuckerertrag von 8.700 Kilogramm pro Hektar einen neuen Rekord im deutschen Zuckerrübenanbau dar. Dieser Hektarertrag deckt den Jahreszuckerbedarf von rund 250 Mitteleuropäern.
Sind angesichts solcher Erträge überhaupt noch weitere Fortschritte zu erzielen; und wenn ja in welcher Art? Die Genomforschung bei Pflanzen wird sowohl der klassischen als auch der biotechnologischen Pflanzenzüchtung neue Erkenntnisse liefern, die sich im Rahmen erweiterter Züchtungsprogramme in konkrete Vorteile für den Landwirt oder den Endverbraucher umsetzen lassen. KWS stellt sich dieser Herausforderung an die moderne Pflanzenzüchtung im Rahmen der Forschungsinitiative GABI (Genomanalyse im biologischen System Pflanze).
Konkrete Ergebnisse versprechen wir uns vor allem von den GABI – Projekten Zuckereinlagerung bei Rüben, Kältetoleranz und Frühreife bei Mais, sowie Samenentwicklung bei Raps.
Dies bedeutet aber nicht, daß die klassische Pflanzenzüchtung aus sich selbst heraus keine Innovationskraft mehr entwickeln könnte. Der Beweis dafür sind weltweit 125 (128) neue Vertriebsgenehmigungen für KWS Sorten. Darunter so erfolgreiche Resistenzzüchtungen wie unsere in Frankreich zugelassene Zuckerrübensorte LAETITIA; sie weist eine Doppelresistenz gegen die neue Pilzerkrankung Rhizoctonia und die bereits weitverbreitete Viruserkrankung Rizomania auf.
Ohne den hohen Forschungsaufwand, der im Berichtsjahr in der KWS Gruppe die 100 Mio. DM - Grenze überschritt und damit wieder rund 15 % des Umsatzes ausmachte, ließe sich diese außerordentliche Innovationsrate nicht verwirklichen.
Selbstverständlich geht die öffentliche Diskussion über den Einsatz der Gentechnik in der Pflanzenzüchtung nicht spurlos an KWS vorüber. Wir haben bereits in der Vergangenheit immer wieder den Dialog mit der kritischen Öffentlichkeit gesucht. Dabei haben wir stets unterstrichen, daß wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Lösungen für eine umweltgerechte und damit verbraucherfreundliche sowie ökonomisch sinnvolle Bodenbewirtschaftung anbieten wollen. Die Gentechnik ist dabei ein Hilfsmittel wie viele andere auch.
Ganz konkret wird sich KWS der Öffentlichkeit im Rahmen des weltweiten EXPO – Projekts der KWS in Einbeck stellen. Den Schwerpunkt dieser Ausstellung werden die Veranschaulichung klassischer und molekularer Pflanzenzüchtungs-methoden sowie die dahinterstehenden Züchtungsziele bilden. Zur Eröffnung dieser Ausstellung mit dem Titel "Faszination Pflanzenzüchtung" hat Bundeskanzler Schröder seine Zusage gegeben und unterstützt damit den politischen Stellenwert von Pflanzenzüchtung und Biotechnik.
Geschäftsfelder im Überblick
Zuckerrüben
Wachstumsmarkt USA - 600.000 Hektar Potential
Obwohl sich die Zuckerrübenanbaufläche in der EU erneut um ca. 2,5 % auf rund 2 Mio Hektar reduzierte und die Umsätze mit den GUS-Staaten fast gänzlich entfielen, konnte der Umsatz im Geschäftsfeld Zuckerrüben nochmals um 0,7 % auf 236,7 Mio DM gesteigert werden. Hierzu trugen vor allem Marktanteilsgewinne in den USA und Großbritannien, aber auch im Inland, Österreich, der Schweiz, Belgien und den skandinavischen Ländern bei.
Die seit November 1998 bestehende Kooperation zwischen dem amerikanischen Zuckerunternehmen American Crystal Sugar Company und der KWS Tochter Betaseed stellte sich bereits in der ersten Verkaufskampagne als sehr erfolgreich dar. KWS und Betaseed erwarben das Zuchtmaterial des Partners sowie Vertriebsrechte von American Crystal-Sorten. Die Kooperation sieht weiterhin vor, daß KWS zukünftig die Produktversorgung von American Crystal sicherstellen wird. Damit hat der rund 600.000 Hektar große Zuckerrübenmarkt der Vereinigten Staaten für KWS deutlich an Bedeutung gewonnen, stammt doch mehr als jedes 3. Zuckerstück aus Rüben, die dank KWS Genetik hervorragend wuchsen. Zum Vergleich: Die Anbaufläche in Deutschland lag 1999 bei 490.000 Hektar.
Im Rahmen der jetzt angelaufenen WTO-Verhandlungen in Seattle wird auch die EU-Zuckermarktordnung zur Diskussion stehen. Die EU hatte sich in den GATT-Verträgen aus dem Jahre 1994 dazu verpflichtet, ihre Quotenzuckerexporte zu reduzieren. Da man diesen Verpflichtungen stets nachgekommen ist, sehen europäische Agrarpolitiker gegenwärtig keinen Anlaß, diese seit 30 Jahren bestehende und erfolgreich wirkende Marktordnung wesentlich zu verändern. Die geltenden Regelungen werden jedoch aufgrund der überdurchschnittlichen Zuckererträge aus der Ernte 1999 zu einer deutlichen Einschränkung der Anbauflächen im Jahr 2000 führen.
Die KWS MAIS GMBH geht auf Kurs
Im Jahr ihrer Gründung hätte man der KWS MAIS GMBH einen besseren Start gegönnt, aber der Markt für Maissaatgut war insbesondere im Inland von Anbauflächeneinschränkungen gekennzeichnet. Dieses betraf in erster Linie den Silomaisanbau, der etwa 80 % des KWS Mais-Umsatzes ausmacht. In den für KWS wichtigen Regionen der neuen Bundesländer betrug der Rückgang sogar durchschnittlich 13%. Demgegenüber verlief die Entwicklung der Tochtergesellschaften der Sparte Mais positiv. Lediglich die US-amerikanische Gesellschaft Great Lakes Hybrides hatte aufgrund von wettbewerbsbedingten Preisnachlässen Einbußen zu verzeichnen. Insgesamt sank der konsolidierte Umsatz an Maissaatgut in der KWS Gruppe um 6,4 % auf 153,0 Mio DM.
Dennoch sind wir im Geschäftsfeld Mais ein gutes Stück vorangekommen. Dies belegt der Abschluß des Kooperationsvertrages mit dem französischen Saatgutunternehmen RAGT am 22. September 1999. Von der entsprechenden Absichtserklärung hatten wir Ihnen vor einem Jahr berichtet. Auf der Basis der sich ergänzenden Erfahrungen in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Produktion sollen die europäischen Marktpositionen beider Unternehmen verbessert werden. Insbesondere in der Aufbauphase der zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres gegründeten KWS Mais France ist die Unterstützung durch einen französischen Partner sehr wertvoll. Der Kooperationsvertrag sieht ferner eine wechselseitige Beteiligung der Muttergesellschaften an den jeweiligen Töchtern KWS MAIS GMBH und der französischen RAGT Semences von zunächst 10 % vor, welche nach 3 Jahren auf 34 % aufgestockt werden soll.
Öl- und Feldsaaten – Flächen ausgedehnt
Auch die Öl- und Feldsaatenaktivitäten der AG wurden in die KWS Mais GmbH überführt und sind ebenfalls Gegenstand der Kooperation mit RAGT. Darüber hinaus werden diese Produkte jedoch in der KWS Gruppe über die Lochow-Petkus Tochtergesellschaft CPB-Twyford sowie Great Lakes Hybrids vertrieben. Im Geschäftsjahr 1998/99 profitierte das Produktsegment von der Ausdehnung der Körnerrapsflächen, wodurch der Umsatz in der KWS Gruppe um 4,6 % auf 43,5 Mio. DM stieg.
Im Rahmen des sogenannten Blair-Haus-Abkommens wurden jedoch die Flächenbeihilfen für den Rapsanbau in Großbritannien erheblich gekürzt. Aufgrund dessen hat sich die Körnerrapsaussaat im Herbst 1999 wieder deutlich reduziert.
Getreide / Lochow-Petkus
Produktdiversifizierung sichert die Geschäftsentwicklung
Der Umsatz der Lochow-Petkus Gruppe liegt mit 104,8 Mio DM trotz des berichteten Ausfalls der Hybridroggensorte Farino nahezu auf dem Vorjahresniveau. Aufgrund von Mindererträgen im Vegetationsjahr 1998 hatte sich Lochow-Petkus entschieden, die Sorte Farino vom Markt zu nehmen. Aufgrund einer daraus resultierenden mangelnden Saatgutverfügbarkeit reduzierte sich der Hybridroggenumsatz der Gesellschaft im Berichtsjahr um rund 20 %. Dies konnte aber nahezu vollständig durch Umsatzzuwächse in anderen Kulturarten aufgefangen werden. Hierzu trug vor allem der erwähnte Rapssortenvertrieb der britischen CPB-Twyford bei.
Bedauerlicherweise ließen sich Rechtsstreitigkeiten mit den betroffenen Landwirten trotz des unmittelbaren Kulanzangebots der Lochow, welches den Ersatz der Saatgutkosten beinhaltete, nicht gänzlich vermeiden. Bis heute liegt kein rechtskräftiges Urteil gegen die Gesellschaft vor. Hingegen wurden 114 Klagen zum Teil nach Durchlauf eines Berufungsverfahrens inklusive mehrerer Oberlandgerichtsurteile rechtskräftig abgewiesen. Die Kulanzleistungen hatten das Vorjahresergebnis der Gesellschaft stark belastet; im Geschäftsjahr 1998/99 erzielte die Lochow-Petkus Gruppe bei gleichem Umsatzvolumen daher wieder ein deutlich besseres Ergebnis.
Auch für das Geschäftsfeld Getreide hatten wir Ihnen im letzten Dezember eine deutsch-französische Kooperation in Aussicht gestellt. Hier galt es einerseits, die Weizenaktivitäten der Lochow-Gruppe auszubauen sowie einen verbesserten Zugang zum französischen Getreidesaatgutmarkt zu bekommen. Mit der zum 1. Juli 1999 vollzogenen 49 %-igen Beteiligung an dem französischen Züchterhaus Momont erhöhte Lochow ihre kritische Masse sowohl in den Weizenaktivtitäten als auch auf dem französischen Markt. Im Gegenzug zu der Beteiligung wird die Lochow-Petkus France in der Momont Henette S.A. aufgehen.
Darüber hinaus verstärkte Lochow ihr Engagement in Polen. Dort erwarb die Lochow-Petkus Polska eine 85 %-ige Beteiligung an einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Wroclaw / Breslau. Diese Investition dient der Effizienzsteigerung der Saatgutproduktion und Aufbereitung vor Ort.
Kartoffeln / SAKA-RAGIS - mit jungen Sorten in weitere Märkte.
Der Produktbereich der Pflanzkartoffeln wird innerhalb der KWS Gruppe durch eine 34 %-ige Beteiligung an der Saka-Ragis Pflanzenzucht in Hamburg abgedeckt. Die Saka-Ragis verfügt derzeit über ein höchst leistungsfähiges Produktportfolio. 50 % der Sortenpalette wurde innerhalb der letzten 5 Jahre zugelassen. Dies verdeutlicht angesichts eines Sortenschutzes bei Kartoffeln von 30 Jahren die Innovationskraft der Gesellschaft.
Die seit Anfang des Geschäftsjahres bestehende Zusammenarbeit der Saka-Ragis und ihrer Exportgesellschaft Solana mit der erfolgreichen holländischen ZPC (Leenwarden) ist durch eine weitere Kooperation mit dem holländischen Pflanzkartoffelunternehmen Hettema verstärkt worden.
Aufgrund dieser erweiterten Vertriebsperspektiven dehnte die Saka Ragis ihre Vermehrungsflächen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 12% aus. Sowohl die Umsätze als auch das Ergebnis der Gesellschaft liegen auf Grund von gestiegenen Absatzmengen sowie einer Preisstabilisierung bei Pflanzkartoffeln deutlich über dem Vorjahr, so daß ein gutes Ergebnis erwirtschaftet werden konnte.
Zusammenfassung und Ausblick 1999/2000
Lassen Sie mich zusammenfassend für das abgelaufene Geschäftsjahr sagen, daß KWS einen großen Schritt nach vorne gekommen ist, auch wenn sich das in den Abschlußzahlen so nicht direkt niederschlägt. Unser Gruppenergebnis konnte neben einer ganzen Reihe von Maßnahmen zur Zukunftsvorsorge auch noch außerordentliche Steuerbelastungen aus dem sogenannten Steuerentlastungsgesetz in Höhe von rund 10 Mio DM verkraften.
Unter dem Strich konnte ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr erreicht werden, welches ja den bisherigen Spitzenwert für KWS darstellte.
Wichtiger noch als diese nicht unbefriedigende Geschäftsentwicklung sind die guten Fundamente, die wir durch kreative Kooperationen gelegt haben. Es entspricht unserer Unternehmensphilosophie, die auf Eigenständigkeit ausgerichtet ist, Akquisitionen und Fusionen nur im Einzelfall vorzunehmen und statt dessen eher sinnvolle Kooperationen und Allianzen einzugehen. Die Herausforderung des Geschäftsjahres 1999/2000 liegt in der Dynamik der auf den Weg gebrachten Kooperationen. In den Geschäftsfeldern Zuckerrüben und Kartoffeln hat diese Dynamik bereits gute Früchte getragen. In den Geschäftsbereichen Mais und Getreide sind interessante Kooperationen mit französischen Partnern begonnen worden. Diese Art von Allianzen wollen wir weiter ausbauen. Wir müssen künftig noch stärker europäisch denken, ohne die transatlantische Dimension aus den Augen zu verlieren. Interkulturelle Kompetenz ist angesagt.
Für Europa stehen die Zeichen in der Agrarwirtschaft nicht auf Wachstum. Dies wird nicht zuletzt durch die Beschlüsse der EU-Staaten im Rahmen der Agenda 2000 deutlich. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir jedoch kaum Konsequenzen für das Saatgutgeschäft, da relevante Regelungen, wie die Senkung der Interventionspreise für Getreide, erst im Geschäftsjahr 2000/2001 greifen oder, wie die EU-Zuckermarktordnung, von den Agenda-Beschlüssen nicht betroffen sind. Dementsprechend prognostizieren wir für das laufende Geschäftsjahr eine Umsatzstabilisierung auf dem Niveau des Berichtsjahres.
Summa summarum gilt: KWS befindet sich in einer ausgesprochen interessanten Phase der Unternehmensentwicklung, wir haben ein unglaublich engagiertes Team von Mitarbeitern an wichtigen Stellen in der gesamten KWS Gruppe und freuen uns schon auf viele Begegnungen – hoffentlich auch mit Ihnen – während unseres EXPO-Projektes zum Thema "Faszination Pflanzenzüchtung" im Millenniumsjahr 2000.