29.10.98 Greenpeace bevormundet Verbraucher
Der Kunde muß frei entscheiden können, ob er gentechnisch veränderte Lebensmittel einkauft oder nicht
Die Vermarktung des Schokoriegels "Butterfinger" der Firma Nestlé sorgt neuerdings für Aufregung bei den Verbrauchern. Viele Jahre wurde über den Einsatz der Gentechnik im Lebensmittelbereich diskutiert - jetzt kommen die ersten Produkte auf den Markt, wie kürzlich in Hannover und Göttingen. Zentraler Kritikpunkt vieler Verbraucher- und Umweltverbände war in den vergangenen Jahren immer wieder die fehlende Kennzeichnungsregelung. Seit 1. September diesen Jahres besteht nun Klarheit. Auf Basis entsprechender europäischer Gesetze sind solche Lebensmittel zu kennzeichnen, die sich von bisherigen unterscheiden lassen.
Mit dem Aufruf, "Butterfinger" aus den Regalen zu nehmen, versucht Greenpeace offensichtlich, die Vermarktung von gentechnisch bearbeiteten Produkten generell zu verhindern. Gelingt dies, muß Greenpeace letztlich die Verantwortung dafür übernehmen, daß neue Methoden der Landwirtschaft mit geringerem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht zum Einsatz kommen können, obwohl solche umweltfreundlicheren Verfahren heute zur Verfügung stehen.
"Die Kennzeichnung ist von Greenpeace immer als Grundlage für eine freie Verbraucherentscheidung gefordert worden. Händler jetzt zu drängen, die Produkte aus den Regalen zu nehmen, entmündigt die Verbraucher", kritisiert Jens Katzek aus dem Bereich Unternehmenskommunikation der KWS die Greenpeace-Politik. "Wenn man den Verbraucher wirklich ernst nimmt, dann muß man ihm auch die Auswahl lassen".
Allerdings: Erfahrungen in anderen Lebensmittelgeschäften zeigen, daß die Verkaufszahlen des Produktes "Butterfinger" nach Blockadeaktionen durch Greenpeace sogar ansteigen. "Ein Händler sagte uns, daß nach den Aktionen Studenten zum Teil sogar "Butterfinger-Parties" organisiert haben und das Produkt kistenweise einkauften - aber das paßt natürlich nicht in das Bild von Greenpeace", so Katzek. Also übt man Druck auf die Händler selber aus. "Es ist verständlich, daß Verbraucher gegenüber neuen technischen Entwicklungen im Lebensmittelbereich skeptisch sind. Aber mit Slogans und Halbwahrheiten kommt man hier doch nicht weiter. Damit werden nur ungerechtfertigte Ängste geschürt, die ihrerseits die Menschen krank machen können. Im Interesse der Konsumenten ist eine sachliche Auseinandersetzung erforderlich. Dazu waren wir immer und sind wir auch in Zukunft jederzeit bereit."
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