Geht es ganz ohne Schosser?
(Einbeck, 0802, Nr.13, sp) In diesem Jahr sind in einigen Regionen vereinzelt Schosser in Rübenbeständen zu beobachten - ein Jahreseffekt? Die Zuckerrübe ist eine zweijährige Pflanze: im ersten Jahr (vegetative Phase) wird das Speicherorgan, der Rübenkörper, gebildet. Im zweiten Jahr, der generativen Phase, bildet die Pflanze Samenträger (Schosser). Ein Kältereiz während der Wachstumsruhe im Winter leitet die Vermehrungsphase ein. Im Zuckerrübenanbau zur Zuckergewinnung ist die Schosserbildung unerwünscht, während beim Anbau zur Saatgutvermehrung Schosser Voraussetzung sind. Deshalb ist das Ziel für den Züchter und Vermehrer, das Auftreten von Schossern im ersten Jahr zu minimieren und im zweiten Jahr alle Pflanzen zum Schossen zu bringen. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Schossern:
- Genetisch bedingte Schosser, die aus der Erbanlage resultieren.
- Annuelle Schosser, die durch unerwünschte Fremdeinstäubung in der Saatgutvermehrung entstehen. Sie benötigen in der Regel keine besonderen auslösenden Faktoren.
- Unkrautrüben als Nachkommen von nicht bereinigten Schossern aus den früheren Jahren. Auch sie benötigen keine schossauslösenden Umweltbedingungen.
Ein vermehrtes Auftreten von Schossern kann also die Folge von Umweltbedingungen (Witterung), Schlaghygiene oder Vermehrung sein. Der Grundstein für nahezu schosserfreie Bestände wird somit in der Züchtung und der Vermehrung gelegt. Zudem ist es unerlässlich, dass der Landwirt auftretende Schosser im Sinne einer langfristigen Feldhygiene entfernt.
Die KWS SAAT AG betreibt ein sehr strenges und aufwändiges Qualitätssicherungs-System, welches aus vielfältigen vorbeugenden Maßnahmen und Nachkontroll-Untersuchungen besteht. Vorbeugende Maßnahmen sind z.B. die Sicherstellung der Reinheit des für die Vermehrung verwendeten Basissaatgutes, agrotechnische Maßnahmen zur Erzielung einer optimalen Übereinstimmung im Blühzeitpunkt zwischen Mutter- und Vaterkomponente, Reinhaltung der näheren Umgebung von Wildrüben und Unkrautrüben durch regelmäßige Kontrollen. Die Nachkontroll-Untersuchungen werden in Form von Prüfungen auf Schosser im Gewächshaus sowie in Feldversuchen mit Frühsaaten durchgeführt. Für die Feldversuche wird das Saatgut nach der Ernte auf die Südhalbkugel (Chile) transportiert, um den dortigen Sommer für Prüfungen zu nutzen. Jede einzelne Vermehrungspartie von insgesamt fast 1.000 Partien pro Jahr wird an jedem Standort mit mehreren Tausend Pflanzen in beträchtlichem Aufwand geprüft. Allein für die Gewächshausprüfungen in Einbeck und Klein Wanzleben steht eine Fläche von 5.000 m² zur Verfügung.
Die guten Ergebnisse des KWS Saatgutes in der Anbaupraxis in diesem Jahr und in den vergangenen Jahren bestätigen die Qualitätssicherungs-Anstrengungen, die KWS unternimmt. Der Aufwand lohnt sich. ___________________________________________________________________
Weitere Informationen bekommen Sie über:
Stephan Pusch, Tel.: 05561 / 311-242, E-Mail: s.pusch@kws.de