Ausführungen von Andreas J. Büchting anlässlich der KWS Hauptversammlung am 22. Januar 2003
I. Ein herzliches Willkommen Ihnen allen als Aktionäre und Gäste der heutigen Hauptversammlung im Namen Ihres Vorstands. Die Ihnen vorgelegten Zahlen sind deutlich besser als wir es Ihnen vor einem Jahr an dieser Stelle prognostizieren konnten. Darum berichten wir natürlich besonders gern über das abgelaufene Geschäftsjahr. Lassen Sie mich mit drei wesentlichen Schlaglichtern beginnen:
- Es ist bekanntlich unser Ziel, zu den ertragsstärksten Unternehmen der Branche weltweit zu gehören. Dies ist im abgelaufenen Geschäftsjahr zweifellos gelungen. Wir gehen davon aus, unter den drei besten Unternehmen der internationalen Branche zu liegen.
- Es gehört zu unserer Unternehmensphilosophie, gute Allianzen zu schmieden und mit verlässlichen Partnern gemeinsam erfolgreich zu sein. Auch dies ist im vergangenen Jahr in erfreulicher Weise gelungen, wobei ich nur unsere beiden Kooperationspartner aus Frankreich kurz nennen will, nämlich die Agrargenossenschaft Limagrain, mit der uns vor allem das Gemeinschaftsunternehmen AgReliant im Cornbelt der USA verbindet; und das unabhängige französische Züchtungsunternehmen RAGT, mit dem wir in Europa vor allem im Vertrieb von Maissaatgut erfolgreich zusammengearbeitet haben.
- KWS ist gut aufgestellt, solide und ertragsstark. Erfolg hat bei uns Tradition und das schon seit über 140 Jahren.
Lassen Sie mich bei diesem letzten Punkt kurz verweilen, denn wir werden immer wieder gefragt, was das Erfolgsgeheimnis der KWS ist. Nun, der Erfolg von KWS hat viele Väter (und natürlich Mütter). Dazu gehören
- eine hohe Produktvielfalt mit weltweit über 200 neuen Sorten pro Jahr,
- eine breite internationale Präsenz in rund 70 Ländern
- der Ausbau der Gesellschaft in drei starke Produktsegmente, nämlich Mais und Getreide neben dem Flagschiff Zuckerrübensaatgut
- die permanent hohen Investitionen in Forschung und Züchtung (mehr als 15 %) und
- der daraus resultierende Innovationsvorsprung.
All dies konnten und können wir nur erreichen, weil wir unabhängig sind. Das sichert langfristiges Handeln unbd zugleich Flexibilität. Damit haben wir es zweifellos besser als die meisten unserer global tätigen Konkurrenten, vor allem aus den USA. Unsere Unabhängigkeit von einseitigen Interessen oder Einflussnahmen versetzt uns in die Lage, Marktchancen schnell und flexibel zu nutzen. Seit über 20 Jahren gibt es Unkenrufe, dass KWS sich nicht im Konzert der Großen behaupten könne und deshalb Anlehnung brauche. Das Gegenteil ist der Fall. KWS kann die erfolgreiche Langfriststrategie dank ihrer Eigenständigkeit unbeirrt verfolgen. Und das werden wir auch in Zukunft tun.
- Wenn Sie sich in unserer Branche umschauen, meine Damen und Herren, dann ist das Umfeld von großen Veränderungen geprägt. Große Unternehmen wie Monsanto und auch unser Konkurrent Advanta stehen zum Verkauf, andere Unternehmen kämpfen mit ihrer Profitabilität. Hinzu kommt, dass neue Technologien wie die Grüne Gentechnik in Europa nicht Fuß fassen können aufgrund des allzu bekannten politischen Moratoriums. In Deutschland soll einseitig der biologische Landbau gefördert werden, und auch dies verunsichert viele Marktteilnehmer.
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KWS hat sich in diesen unruhigen Zeiten entschlossen ganz klar Position zu beziehen: Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die neue Biologie - also auch die Grüne Gentechnik - zu technologischen Durchbrüchen führen wird. Aus diesem Grunde investieren wir unverändert in die Erforschung dieser Technologien, auch wenn entsprechende Produkte in den nächsten Jahren in Europa nicht zu vermarkten sein werden. Wenn man an etwas glaubt, muss man auch entsprechend handeln. Oder in den schöner gesetzten Worten des unvergesslichen Alfred Herrhausen:
Was du denkst, musst du sagen,
was du sagst, musst du tun,
was du tust, musst du sein.Der große Innovationsschub der neuen Technologien ist das eine an das wir glauben und woran wir arbeiten. Das andere ist die Vielfalt unserer Kunden und damit die Vielfalt von Anforderungen an unsere Produkte. KWS hat sich entschlossen, nicht nur dem Mainstream zu folgen und die klassische Landwirtschaft mit geeigneten Produkten zu versorgen, sondern auch den kleinen Spezialmarkt der ökologischen Landwirtschaft. Heute sind es 3 oder 4 % in Deutschland und Europa, aber das Segment scheint zu wachsen, zumal es gegenwärtig aus der Politik erheblichen Rückenwind erhält. Nicht nur aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, selber Erfahrungen auf dem Gebiet des Ökolandbaus zu sammeln, um dort auch unsere Produkte ausprobieren und sie maßgeschneidert entwickeln zu können. Auf den Seiten 8 und 9 unseres Geschäftsberichtes haben wir darüber berichtet, zumal wir nun seit Mitte letzten Jahres das Klostergut Wiebrechtshausen bei Northeim ökologisch bewirtschaften.
Zusammengefasst lässt sich zur Positionierung der KWS somit feststellen, dass wir ein technologieorientiertes Unternehmen in einer sehr innovativen Branche sind und dass wir unsere Produktentwicklung eng ausrichten an den Entwicklungen unserer Märkte. Dabei gilt es, wenigstens ein Jahrzehnt vorauszudenken und auch zu handeln.
- Meine Damen und Herren, ich komme damit konkret zum abgelaufenen Geschäftsjahr, welches Ihnen im Anschluss dann meine 3 Kollegen entsprechend ihrer Ressortverantwortung im Einzelnen erläutern werden. Dabei wird die Gesamtzusammenschau der Bilanz und GuV der KWS-Gruppe abschließend von meinem Kollegen Jochen Beyes dargestellt. Wir alle konzentrieren uns in unserer Berichterstattung auf die KWS-Gruppe, was auch in dem Ihnen vorliegenden Geschäftsbericht der Fall ist. Wen die konkreten Zahlen der AG interessieren, für den haben wir entsprechende Exemplare hier vorne beim Notar ausgelegt und schicken Ihnen auf Wunsch sonst auch gerne diesen Teilbericht zu.
Die wesentlichen Fakten des letzten Jahresabschlusses lassen sich in folgenden Daten ausdrücken:
- Der Umsatz der Gruppe stieg um gut 10 % auf rund 434 Mio €. Dieser Zuwachs beruht jeweils zur Hälfte etwa auf Wachstum des operativen Geschäftes und auf akquiriertem Wachstum.
- Der Jahresüberschuss erhöhte sich um knapp 6 % auf jetzt 29,7 Mio € gegenüber dem ohnehin sehr guten Vorjahr. Dadurch sank die Nachsteuerrendite leicht auf 6,8 %.
- Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich weltweit ebenfalls um 6 % auf nunmehr gut 2.200 Mitarbeiter, wovon die Hälfte in Deutschland beschäftigt ist. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass auch die Produktivität der Mitarbeiter stieg um rund 4 % auf jetzt einen Umsatz von 194 T€ pro Kopf. Ich hoffe es ist auch in Ihrem Sinne, wenn ich an dieser Stelle einmal allen tüchtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KWS für diese tolle Leistung herzlich danke.
Es wird Sie sicherlich freuen zu hören, dass die Mitarbeiter hier vor Ort partizipiert haben an dem schönen Ergebnis durch einen Erfolgsbonus von einem zusätzlichen halben Monatseinkommen, was insgesamt über 800 T€ (1,6 Mio DM) ausmacht. - Viertens und letztens: Auch Sie als unsere Aktionäre werden von der verbesserten Ertragslage profitieren - die Dividende soll um 10 % auf 11 € pro Aktie steigen.
Segmente
Soweit der Überblick zu unserem Jahresabschluss, die drei Produktsegmente werden ja gleich noch vertieft. Wir haben aber noch ein viertes Segment in unserem Geschäftsbericht ausgewiesen, welches den Namen "Züchtung und Dienstleistungen" trägt. Dieses Segment bildet sozusagen den Motor unseres Unternehmens, nämlich die Forschung und Produktentwicklung. Der Segmentumsatz stieg um rund 10 % auf 123 Mio €. Das Ergebnis verbesserte sich um 8 % auf beachtliche 12 Mio €. Dazu trugen vor allem erhöhte Lizenzeinnahmen aus den operativen Segmenten für die Produktentwicklung bei. Weltweit wurden im Jahr 2002 205 Vertriebsgenehmigungen für neue KWS-Sortenprodukte erteilt. Wenn man berücksichtigt, dass eine behördliche Zulassung nur dann erteilt wird, wenn die Sorte in mindestens einer Eigenschaft besser ist als alle bereits verfügbaren Produkte am Markt, dann wird unsere Innovationskraft hier klar sichtbar.
In dem Segment Züchtung und Dienstleistungen sind zusätzlich noch einige Orchideen verborgen wie beispielsweise unsere landwirtschaftlichen Betriebe, die erneut durch ein unabhängiges Büro mit anderen guten Betrieben verglichen wurden. Das Ergebnis: Sie lagen jeweils in ihrem Segment mit an der Spitze. Darauf sind wir stolz: Denn wer exzellente Sorten für exzellente Betriebe entwickeln will, muss auch seine eigenen Pachtbetriebe erfolgreich bewirtschaften können und dies ist offensichtlich der Fall.
Eine weitere Orchidee ist bei uns die Kartoffel. Sie sehen eine Kartoffelblüte auf dem Cover unseres Geschäftsberichtes. Wenn man diese ästhetisch wunderschöne Form betrachtet, dann kann man gut nachvollziehen, dass die Kartoffel ursprünglich als Zierpflanze aus Mittelamerika nach Europa gebracht wurde. Wir haben unser Engagement an der Saka-Ragis Pflanzenzucht bekanntlich vor einem Jahr auf 45 % ausgebaut. Gerade im Hinblick auf die sich erweiternde Europäische Union wollen wir züchterisch die Kartoffelpflanze gezielt verbessern im Hinblick auf die Eignung als Speisekartoffel, Pommes Frites und auch Chips, denn schließlich ist gerade in unseren östlich gelegenen Nachbarländern die Kartoffel teilweise noch ein Grundnahrungsmittel.
Und damit Sie auch etwas von unserem Engagement im Bereich der Kartoffeln zur Erinnerung mit nach Hause nehmen können, haben wir uns für dieses Jahr ein sehr gewichtiges HV-Geschenk für Sie ausgedacht. Wenn Sie am Ende der Hauptversammlung wieder Ihre Heimreise antreten, möchten wir Ihnen einige Kilo "Princess" mitgeben. Unsere "Königliche Hoheit" ist überwiegend festkochend und hervorragend im Geschmack - also ein gesundes und nahrhaftes, aber dabei nicht dick machendes Geschenk der Natur und unserer Pflanzenzüchtung. Dort gegenüber an der Verladerampe geben Sie bitte Ihre Gutscheine ab, dann bekommen Sie 2,5 Kilo goldene Stärke.
Bauvorhaben BOB
Meine Damen und Herren, wie komme ich jetzt von der Kartoffel zurück zu Rüben und Mais? Vielleicht am besten so: Der Mensch hat neben dem Grundbedürfnis auf gute Nahrung auch ein Grundbedürfnis auf eine anständige Behausung. Dies gilt natürlich auch für die Mitarbeiter der KWS. Nun sind die meisten Mitarbeiter aus Vertrieb und Administration hier in Einbeck in dem 7-stöckigen Hochhaus untergebracht, wo sie für Rübe und zum Teil Mais arbeiten. Dieses Hochhaus war vor rund 30 Jahren ganz modern und ist heute leider veraltet. Offenbar kannte man das Wort Nachhaltigkeit damals noch nicht. Inzwischen gelten nämlich Bauvorschriften für den Brandfall, die bloß noch ein außenliegendes Treppenhaus zulassen. Der ganze Kern unseres Turmes würde dadurch hinfällig und wir müssten ein neues Treppenhaus mit Fahrstühlen anflanschen. Damit aber nicht genug: Die Isolierung des Gebäudes ist so schlecht, dass es nicht nur eine Energieschleuder ist, sondern bei schrägstehendem Wind regnet es munter in die Ritzen. Also wäre eine Außenhautfassade fällig. Und last but not least erfüllt das Gebäude nicht unsere Vorstellungen an Transparenz und Kommunikation. Die Mitarbeiter haben zwar einen schönen Ausblick, aber keinen Einblick in die Arbeitsphäre der Kollegen. Auf das heute notwendige Teamwork ist das Gebäude jedenfalls nicht ausgelegt.
Somit haben wir uns entschlossen - und Sie haben das beim Hereingehen gesehen - ein neues Bürogebäude im Westen des Geländes zu bauen und schweren Herzens unseren Turm dann im nächsten Jahr abzutragen und in ein modernes Besucher- und Mitarbeiterzentrum mit Caféteria und Versammlungsräumen etc. zu wandeln. Diese Entscheidung wurde uns erleichtert durch die Tatsache, dass Grundrenovierung und Veränderungsbau am alten Gebäude in etwa so teuer gekommen wären wie ein bescheidenes neues Gebäude. Den Grundriss und eine Ansichtsskizze können Sie auf der Seite 7 unseres Geschäftsberichtes bereits bewundern. Wir wollen Ende diesen Jahres umziehen und werden Ihnen dann nach der Hauptversammlung im nächsten Jahr einen persönlichen Eindruck von dem Gebäude verschaffen, sofern Sie daran interessiert sind.
Nach der heutigen Hauptversammlung bieten wir Ihnen wiederum eine Betriebsbesichtigung an, wie Sie sie ja in den letzten Jahren schon kennen gelernt haben. Der Treffpunkt ist hier an dieser Stelle, wo etwa eine ¾ Stunde nach Beendigung der Hauptversammlung die erste Führung beginnt und dann im Halbstundentakt weitere Führungen bei entsprechendem Interesse gestartet werden. Bitte fragen Sie dort einfach die netten Auszubildenden der KWS.
Corporate Governance
Meine Damen und Herren, damit komme ich bereits zum Ende meiner Ausführungen und möchte Sie lediglich noch darauf hinweisen, dass KWS als eines der ersten Unternehmen in Deutschland die praktische Umsetzung des sogenannten German Code of Corporate Governance beschlossen hat. Sie haben möglicherweise auf Seite 31 gesehen, dass wir den neuen Verhaltensempfehlungen der Regierungskommission in mehr oder weniger allen Punkten folgen. Einiges ist aus Zeitgründen in diesem Jahr noch nicht umgesetzt, steht aber für das laufende Jahr an. Sie werden sicher verstehen, dass wir allerdings diejenigen Empfehlungen nicht umsetzen werden, die branchenüblich keinen Sinn machen. Aber auch darüber werden wir schriftlich und mündlich berichten.
IV. Damit komme ich zum Abschluss und gleichzeitig zu einem kleinen Ausblick. Dank der guten Ertragslage der KWS-Gruppe schlägt Ihnen die Verwaltung vor, eine Dividende von 11 € pro Aktie auszuschütten. Aus dem Jahresüberschuss der KWS SAAT AG in Höhe von 14,6 Mio € werden folglich insgesamt 7,3 Mio € ausgeschüttet, während der gleiche Betrag in Höhe von 7,3 Mio € bereits in die Gewinnrücklage eingestellt wurde, um die geplanten Investitionen der nächsten Jahre mit einem angemessenen Eigenkapital finanzieren zu können. Über den Dividendenvorschlag werden Sie nachher abstimmen.
Summa summarum haben wir es also mit einem starken Geschäftsjahr zu tun, auf das wir zurückblicken können. Bei der Beurteilung des laufenden Geschäftsjahres geht es mir so wie den Tennisspielern bei den Australian Open: Das nächste Match ist immer das schwerste. Wir haben ordentlich zu tun und nicht alles läuft nach Plan. Die stolze Umsatzhöhe des letzten Jahres wird voraussichtlich nicht wieder ganz erreicht werden können, da Sonderfaktoren wie Nachsaaten voraussichtlich fehlen werden. Außerdem verursacht der schwache Dollar einen technisch bedingten Umsatz- und Ergebnisrückgang. Für die Ertragskraft, sprich den Jahresüberschuss der Gruppe, gehen wir davon aus, dass er etwa 10 % unter dem jetzigen Abschluss liegen wird. Sie sehen also, die Bäume wachsen auch bei KWS nicht in den Himmel - und das ist gut so. Jedenfalls werden wir alles daran setzen, Ihnen auch im nächsten Jahr wieder einen respektablen Abschluss vorzulegen.
KWS / AB 22.01.2003