Ausführungen von Christoph Amberger anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG am 22. Januar 2003
I. Ich freue mich Ihnen, sehr geehrte Aktionäre, Kunden und Freunde der KWS SAAT AG, im Folgenden die Entwicklung der beiden Segmente Mais und Getreide vorzustellen.
II. Beginnen wir mit dem Mais:
Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2001/02 stieg der Umsatz auf nunmehr 164 Mio. €. Nach einer Steigerung von mehr als 30 % im Vorjahr bedeutet dies wiederum einen Zuwachs von 22 %, wobei annähernde die Hälfte aus operativem Wachstum und der Rest aus Akquisitionen stammt.
Im Segmentumsatz sind enthalten, wie auch im Vorjahr, Umsätze für Öl- und Feldsaaten in der Höhe von 5,7 Mio. €; auch dies ein Umsatzanstieg von nahezu 10 % im Vergleich zum Vorjahr.
Fast 2/3 unseres Segment-Umsatzes erzielen wir im Mais in Europa, wo wir uns heute mit einem Marktanteil von 11 % an dritter Position befinden. Der Zuwachs im vergangenen Jahr betrug hier knapp 10 % und ist ausschließlich auf die Ausweitung des operativen Geschäftes zurückzuführen. Nach wie vor liegt unsere besondere Stärke in den frühen und mittelfrühen Silomaismärkten. So verfügen wir in Deutschland über einen Marktanteil von über 27 % und in den nordwest- und nordost-europäischen Staaten von über 20 %.
Bei einer leichten Einschränkung der Anbauflächen entwickelte sich der Absatz insbesondere in Frankreich und den nordeuropäischen Staaten wie Benelux, Großbritannien und Dänemark positiv. In den übrigen Ländern konnten wir unser Geschäft gut behaupten bzw. die Grundlagen für einen stärkeren Marktauftritt schaffen.
Die im Juli 2000 gemeinsam mit unserem französischen Partner Limagrain gegründeten Unternehmen AgReliant, USA, und AgReliant, Kanada, konnten Ihre Stellung am nordamerikanischen Markt ausbauen. Infolge eines um 6 % höheren Mengenabsatzes bei Mais stieg der Umsatz auf knapp 103 Mio. € (plus 6 %). Die Integration der fünf operativen Einheiten ist weiter vorangeschritten. Wir verfügen heute in Nordamerika über 10 Stationen und prüfen neues Material an mehr als 90 verschiedenen Orten.
Durch die Aufstockung unserer Beteiligungsquote von 34 auf 50 % ergaben sich konsolidierungsbedingte Umsatzsteigerungen für das Segment von 16 Mio. €.
Die positive operative Entwicklung des Segmentes Mais wurde im abgelaufenen Wirtschaftsjahr durch die Währungskrise in Argentinien überlagert. Unsere Tochtergesellschaft KWS Argentina konnte in dem zurückliegenden Jahr ihren Inlandsumsatz stetig ausbauen und führt einen großen Teil unserer strategisch wichtigen kontrasaisonalen Produktion durch. Infolge der Aufgabe der Dollar / Peso – Bindung im Januar 2002 und der massiven Abwertung der Landeswährung entstand ein Aufwand von über 3 Mio. € im Wesentlichen aus der Neubewertung gewährter Darlehen. Dadurch wurde das Segmentergebnis Mais einmalig beeinträchtigt, so dass sich mit 6,7 Mio. € ein Rückgang von 6 % gegenüber dem Vorjahr ergab.
Alles in allem lässt sich sagen, dass das Segment Mais im vergangenen Jahr das hohe Wachstumstempo bei Umsatz und operativem Ergebnis beibehalten konnte, was leider durch negative Währungseffekte im Zuge der Argentinienkrise noch nicht voll zum Tragen kommen konnte.
Unsere Züchtung erwies sich auch im vergangenen Jahr als ausgesprochen produktiv. So kamen weltweit 94 Sorten, nach 77 Sorten im Vorjahr, für das Segment Mais zur Zulassung. Wir werden damit insbesondere unsere Präsenz im mittelspäten und späten Bereich ausbauen. Ein wichtiger Wachstumsschwerpunkt liegt für uns neben Nordamerika in den Ländern Südost-Europas, den wir mit Gründung von neuen Gesellschaften, beginnend in Rumänien, Kroatien und Jugoslawien, untermauern.
Insgesamt erwarten wir auch in diesem Jahr für das Segment Mais ein weiteres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis, wozu auch unsere Gesellschaft in Argentinien ihren positiven Beitrag liefern wird.
III. Nach mehreren Jahren mit überdurchschnittlichen Ergebnissen hat sich das Bild für unser drittes Segment, das Getreide, etwas eingetrübt. Die bereits im Vorjahr angesprochenen Trends, rückläufiger Saatgutwechsel in Frankreich und UK, rückläufiger Roggenanbau in Deutschland, setzen sich weiter fort. So ging in diesen Ländern der Gesamtabsatz von Zertifiziertem Saatgut für Getreide um ca. 6 % auf 1,6 Mio. t zurück, während die Anbauflächen um 4 % auf 17,2 Mio. ha stiegen. Der Roggenanbau in Deutschland ging zur Aussaat 2001 um ca. 100T ha, deutlich mehr als 10 %, auf 730T ha zurück..
Der Segmentumsatz blieb mit 57,6 Mio. € konstant. Jedoch war das Ergebnis mit 4,2 Mio. € nach 5,9 Mio. € im Vorjahr rückläufig.
So musste die Lochow-Petkus GmbH, Kerngesellschaft unserer Getreidegruppe mit Gesellschaften in Frankreich, UK und Polen, trotz stabiler Marktanteile einen Rückgang des Hybridroggenabsatzes hinnehmen, der nicht durch höhere Absätze von Weizen und Gerste ausgeglichen werden konnte.
Unsere 49 % - Beteiligung an dem Familienunternehmen Momont wurde in diesem Jahr erstmals quotenkonsolidiert. Momont verzeichnete einen erfreulichen Zuwachs beim Rapsabsatz und erzielte dort Marktanteile von deutlich über 20 % in Frankreich, musste jedoch einen Umsatzrückgang bei Zuckerrübensaatgut hinnehmen. Erstmalig fielen auch in Frankreich Einnahmen aus der Nachbaulizenz an. Damit ist die Gebühr für Nachbau in den bedeutendsten EU-Staaten etabliert.
Nach wie vor schwierig ist das Umfeld in der britischen Landwirtschaft, mit niedrigen Erzeugerpreisen und sinkendem Saatgutwechsel. CPB Twyford verlor Umsätze bei Weizen und Raps.
Die beiden polnischen Gesellschaften konnten eine geringfügige Steigerung beim Umsatz erzielen. Die Lochow-Petkus Gruppe hat sich dort rechtzeitig vor der Erweiterung der europäischen Union mit Züchtungsaktivitäten, einem landwirtschaftlichen Betrieb mit einer modernen Saatgutaufbereitung und einem Vertriebsteam gut etabliert. Aufgrund anhaltender Kosten, für Instandsetzung und Restrukturierung, auf dem 1999 erworbenen landwirtschaftlichen Betrieb, wurde jedoch insgesamt noch ein negatives Ergebnis erzielt. Beide Gesellschaften, Lochow-Petkus Polska und KonRolPasz, wurden in dem jetzt laufenden Wirtschaftjahr fusioniert.
Auch der Ausblick bei Getreide fällt gemischt aus. Während sich der Saatgutwechsel insgesamt zu stabilisieren scheint, ging der Roggenanbau in Deutschland noch neuerer Schätzung um weitere 150T ha, also 20 %, zurück. Wir erwarten neben rückläufigen Umsätzen bei Roggen auch einen Rückgang des Umsatzes mit Lizenzsorten in Frankreich.
Damit ergibt sich eine weitere Ergebnisbelastung für die Lochow-Petkus GmbH. Die übrigen Gruppen-Unternehmen werden insgesamt ihr Ergebnis voraussichtlich verbessern können.
Alles in allem, meine sehr geehrten Damen und Herren, also der Ausblick für Getreide verhalten, für Mais positiv.
Ich bin damit am Ende meiner Ausführungen, danke Ihnen für Ihr Interesse und gebe weiter an meinen Kollegen Jochen Beyes.
Ch. Amberger