KWS im DIALOG
Der Newsletter „KWS im Dialog“ – Aktuelles für Entscheidungsträger“ ist seit seinem ersten Erscheinen im Geschäftsjahr 2008/2009 zu einer viel beachteten Informationsquelle für Interessenten in Wirtschaft, Politik und anderen Vertretern des öffentlichen Lebens geworden. Der Themenkreis bewegt sich in den Themen: Bioenergie, Freilandversuche, Biodiversität, Gentechnik, Klimawandel und Pflanzenzüchtung, Landwirtschaft als globale Herausforderung. Der Verteilerkreis ist auf mehr als fünfhundert Empfänger angewachsen.
Auch die aktuelle Ausgabe des Newsletters KWS im DIALOG (Mai 2011) widmet sich der Grünen Gentechnik. Darin erörtert KWS, das Dilemma der Politik. Einerseits muss Politik die Rahmenbedingungen schaffen für die Bewältigung großer Zukunftsaufgaben. Deshalb erkennt sie das Potential moderner Technologien, forciert die Forschung und fördert Innovationen in diesen Bereichen. Andererseits sehen sich die politischen Interessenvertreter gesellschaftlichem Druck ausgesetzt. So ist in Deutschland ein Großteil der Bevölkerung neuen Technologien erst einmal sehr kritisch eingestellt. Auch auf die Grüne Gentechnik reagieren viele Menschen sehr emotional, weil der individuelle Umgang mit gefühlten Risiken und Ängsten in diesen Themen eine Rolle spielt. Die Berichterstattung in den Medien zu kontrovers diskutierten Themen in unserer Gesellschaft kann zu einer zusätzlichen Polarisierung führen und den sachlichen Diskurs weiter erschweren. Weiterhin werden in dem Newsletter die Erkenntnisse der mittlerweile 25jährigen Begleitforschung zur Grünen Gentechnik aufgezeigt: gentechnisch veränderte Pflanzen sind ebenso sicher wie andere, konventionell gezüchtete Pflanzen. Folgerichtig wird in vielen Ländern auch auf gentechnisch verändertes Saatgut gesetzt. In Deutschland gelten für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) besonders strikte Regelungen. Es wird zum Beispiel erwartet, dass sich in konventionellem Saatgut keinerlei Spuren von GVO befinden. Dieser Null-Toleranz-Ansatz berücksichtigt jedoch nicht die Gegebenheiten einer modernen, längst globalisierten Landwirtschaft. Er schadet vielmehr der konventionellen Landwirtschaft, enttäuscht die Verbraucher und ist praktisch nicht umsetzbar.
Auf diese Problematik hat die KWS bereits vor langer Zeit aufmerksam gemacht, zum Beispiel schon in ihrem Geschäftsbericht 2002/03. Bereits damals war klar, dass praktikable Lösungen erforderlich sind, unter denen ein Nebeneinander von gentechnisch veränderten, konventionellen und ökologisch produzierten Sorten auf unseren Kulturflächen stattfinden kann. Bislang gibt es diese Lösungen nicht.
Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine nächste „Verunreinigung“ aufgedeckt wird. Treffen kann es jedes Unternehmen, jeden Landwirt – mit großem wirtschaftlichem Schaden im Einzelfall. Vor der derzeit praktizierten Null-Toleranz-Regelung versagt jedes noch so gute Qualitätsmanagementsystem. Darüber hinaus täuscht diese Regelung die Verbraucher, weil sie glauben machen soll, Gentechnik in Nahrungs- und Futtermitteln sei in Deutschland nicht existent. Es ist höchste Zeit für einen offenen Diskurs, an dem sich alle Akteure – Politiker, Landwirte, Verbrauchervertreter und die Pflanzenzüchter - konstruktiv beteiligen.
»Grüne Gentechnik und das Dilemma der Politik«
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