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Rhizoctonia solani

Befallsgebiete der späten Rübenfäule in Deutschland
Befallsgebiete der späten Rübenfäule in Deutschland

Rhizoctonia solani ist ein weltweit verbreiteter Pilz, der als bodenbürtiger Schaderreger eine Vielzahl von Kulturarten befällt. An Zuckerrüben können verschiedene Herkünfte von Rhizoctonia solani unterschiedliche Krankheiten verursachen.

Nach bisherigem Kenntnisstand kann Rhizoctonia solani als Erreger im Komplex der Umfallkrankheit („Wurzelbrand“) beteiligt sein und in der frühen Entwicklungsphase der Zuckerrüben zu nennenswerten Ausfällen führen. Die größte Bedeutung kommt aber der Krankheit zu, die als Späte Rübenfäule bezeichnet wird. 

Nachdem der Pilz schon seit vielen Jahren in den USA, Chile, Japan und Südeuropa als wirtschaftlich relevanter Schaderreger auftritt, hat er in Mitteleuropa erst seit Beginn der 90er Jahre als Krankheit an Zuckerrüben Bedeutung erlangt. Die mit der Späten Rübenfäule befallene Fläche wird in der EU auf ca. 70.000 ha geschätzt, mit einer zunehmenden Bedeutung dieser Krankheit ist zu rechnen. Im Jahr 2007 waren in Deutschland etwa 5 % der Zuckerrübenfläche befallen.


Rhizoctonia erkennen

In kleinen, meist scharf abgegrenzten Nestern setzt zunächst eine plötzliche Welke oder Chlorose der Blätter von außen nach innen ein. Befallene Rüben zeigen oft einen deutlichen Minderwuchs. Im oberen Drittel des Rübenkörpers, oft unmittelbar unterhalb der Bodenoberfläche, finden sich dann graubraune bis schwarze Faulstellen oder Risse, die zunächst nur an der Wurzeloberfläche zu beobachten sind. Im fortgeschrittenen Stadium gehen diese Faulstellen ineinander über. Ein Schnitt quer durch den Rübenkörper zeigt meist eine deutliche Abgrenzung von gesundem und krankem Gewebe.

Die Späte Rübenfäule beginnt kurz unterhalb der Bodenoberfläche und verteilt sich mit zunehmender Krankheitsentwicklung über den gesamten Rübenkörper. Bei stark fortgeschrittener Fäule liegen die welken Blätter sternförmig auf dem Boden um die Rübe; diese versucht noch neue Blätter zu bilden, bevor sie abstirbt. In Befallsnestern sind oft alle Befallsstadien nebeneinander zu finden. Durch den Befall erkrankter Rüben mit pilzlichen und/oder bakteriellen Sekundärerregern kann es zu Trocken- oder Nassfäulen des Rübenkörpers kommen.

Späte Rübenfäule (Rhizoctonia)
Durch die Späte Rübenfäule hervorgerufene Bestandslücken

Späte Rübenfäule (Rhizoctonia)
Typisches Bild einer stark befallenen Zuckerrübe –
die abgestorbenen Blätter liegen sternförmig auf dem Boden

Späte Rübenfäule (Rhizoctonia)
Anfangssymptome der Späten Rübenfäule.
Die Fäule beginnt im oberen Drittel des Rübenkörpers

Späte Rübenfäule (Rhizoctonia)
Symptom der Späten Rübenfäule im Endstadium

Späte Rübenfäule (Rhizoctonia)
Vergleich kranker und gesunder Rübenkörper – fortschreitende Verfärbung des Rübenkörpers von außen nach innen

Ertrag und Qualität

Rhizoctonia solani verursacht oft starke Schäden an Einzelpflanzen. Die Verluste im Rübenertrag sind sehr variabel, in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Infektion und der Größe der befallenen Fläche können sie zwischen 2 % und mehr als 50 % betragen. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Zuckergehalt bei starkem Befall mit Rhizoctonia solani um mehr als 60 % reduziert werden kann. Neben einer geringen Lagerfähigkeit ist besonders die Verarbeitungsqualität befallener Rüben stark beeinträchtigt. Je nach Befallsstärke kann ein Aussortieren fauler Rüben erforderlich sein.

Einfluss der Späten Rübenfäule
Einfluss der Späten Rübenfäule auf den Zuckergehalt von Zuckerrüben

Einfluss der Späten Rübenfäule
Einfluss der Späten Rübenfäule auf den Kaliumgehalt von Zuckerrüben

Einfluss der Späten Rübenfäule
Einfluss der Späten Rübenfäule auf den Natriumgehalt von Zuckerrüben

Einfluss der Späten Rübenfäule
Einfluss der Späten Rübenfäule auf den Amino-N-Gehalt von Zuckerrüben


Maßnahmen zur Minderung des Schadens

Wie auch bei anderen bodenbürtigen Krankheitserregern der Zuckerrübe werden der Krankheitsverlauf und das Ausmaß des Schadens vom Infektionspotenzial im Boden sowie von der Witterung und den Anbaumaßnahmen bestimmt. In Abhängigkeit vom Auftreten und vom Infektionszeitpunkt von Rhizoctonia solani kann es zu Ertragsausfällen von über 50 % kommen. Mit den nachfolgend genannten acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen können Sie einem Schaden entgegenwirken:
 
Fruchtfolge

  • Durch die Erweiterung der Fruchtfolge wird das Inokulum im Boden reduziert, der Anteil der Zuckerrüben sollte daher nicht mehr als 33 % betragen.
  • Mais ist in der Fruchtfolge als problematisch einzustufen, da Rhizoctonia solani (AG 2-2) auf Maisstroh überdauern kann. Ein weiterer Nachteil kann eine späte Ernte von Mais und die damit verbundene Gefahr von Strukturschäden sein. Nach Körnermais muss ein vernünftiges Strohmanagement für eine gute Strohrotte erfolgen.
  • Ein Anbau von geeigneten Zwischenfrüchten ist in der Fruchtfolge einzuplanen. Empfehlenswert ist der Anbau von Ölrettich dabei stehen nematodenreduzierende Sorten zur Verfügung.

Bodenbearbeitung

  • Es sollten Voraussetzungen für eine ausreichende biologische Aktivität geschaffen werden (Durchlüftung, pH-Wert etc.)
  • Strukturschäden durch nicht termingerechte Bodenbearbeitung und Einsatz von Erntemaschinen sollten vermieden werden.
  • Bei stärkerem Befall ist ein früher Rodetermin zu bevorzugen.

Sortenwahl

Die größte Bedeutung hat die Sortenwahl. Durch die Züchtung neuer, gegenüber Rhizoctonia solani resistenter Zuckerrüben stehen Ihnen auf Befallsflächen leistungsfähige Sorten zur Verfügung.

 

 
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