Deutschland Produkte Zuckerrübe 30.01.2012: Unsere Vision (202020): 20 t Zucker pro ha bis 2020

30.01.2012: Unsere Vision (202020): 20 t Zucker pro ha bis 2020

KWS-Winterveranstaltung in Niederzier am 12.01.2012

Vom 12. bis zum 16. Januar fanden die traditionellen Winterveranstaltungen der KWS im Rheinland statt. An drei Veranstaltungstagen konnten über 360 Gäste begrüßte werden. Neben Neuigkeiten aus der KWS-Zuckerrübenzüchtung rundeten spannende Gastreferate zu hoch-aktuellen Themen die jeweiligen Programme ab.


2011, ein tolles Knollenjahr - die Einleitung für die diesjährige KWS-Winterveranstaltung fiel Dr. Jan Kuckenberg, Beratungsstellenleiter der Firma KWS, nicht schwer. Über 180 Landwirte waren seiner Einladung nach Niederzier gefolgt und wurden umfangreich über die neusten Themen am Zuckermarkt und die aktuellen Sorten informiert.

Zunächst gab Dr. Carsten Stibbe, Leiter der Abteilung KWS AgroService Zuckerrübe, einige Impulse zum Rübenanbau und dem ambitionierten Ziel „20 2020“, 20 Tonnen Zucker vom Hektar im Jahr 2020. Züchtung, Sortenwahl, Pflanzenbau und auch die Herausforderungen des Klimawandels wurden angesprochen. Letzterer stelle hohe Ansprüche an den Ackerbau, die Bodenbearbeitung sowie das Wassermanagement, so Stibbe. In diesem Zusammenhang wurde die Trockentoleranz, als ein Thema der Zuckerrübenzüchtung bei KWS, vorgestellt. „Die Veränderungen können der Rübe auch Vorteile bringen“, berichtete Stibbe. So profitiere die Zuckerrübe zum Beispiel von einem steigenden Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft. Für einen erfolgreichen Rübenanbau müssten alle Räder ineinander greifen: Ackerbau, Züchtung, Beratung und Verarbeitung.

Welchen Beitrag die Zuckerrübensorten der KWS SAAT AG leisten können, stellte Dr. Jan Kuckenberg den Gästen vor. An dreijährigen Versuchsergebnissen wurden die Leistungen der neusten und aktuellen Sorten erläutert. Besonders ausführlich ging Kuckenberg auf die robuste, ertragsstarke sowie blattgesunde Sorte ISABELLA KWS ein, die sich hervorragend für den Anbau in Maisfruchtfolgen eigne. Neben SABRINA KWS und LUDWINA KWS erweitere sie das Rizomania-tolerante Sortenangebot. Im Segment der Nematoden-toleranten Sorten wurde KRISTALLINA KWS mit ihren hervorragenden Eigenschaften im Ertrag und in der Blattgesundheit anhand von offiziellen Ergebnissen vorgestellt. Landwirte aus dem Publikum bestätigten den sehr guten Auftritt dieser Sorte im Feld. Für spezielle Anbaubedingungen unter Rhizoctoniabefall wurde die neue Sorte MATTEA KWS vorgestellt und als Spezialsorte für RHC-Standorte empfohlen. Auf Fragen aus dem Publikum zum Problem der Rotfäule im vergangenen Anbaujahr ging Dr. Willi Kremer-Schillings von der verarbeitenden Zuckerindustrie (Pfeiffer & Langen) ein. „Das Problem zeigt sich in sehr guten, ertragsstarken Jahren“, erklärte er. Wachstumsrisse, bedingt durch enorme Zuwächse im Sommer, böten dem bodenbürtigen Rotfäulepilz eine ideale Eingangspforte. Die offiziellen Institute sowie die Züchter konnten in ihren bisherigen Vergleichsversuchen keine Sortenunterschiede feststellen, so Kremer-Schillings. Auch 2012 werde es weitere Beobachtungen zum Auftreten von Rotfäule an Zuckerrüben geben.

In einem sehr anschaulichen Vortrag stellte Heinrich Brockerhoff von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen die unterschiedlichen Herbizid-strategien im Pflanzenbau dar. Brockerhoff machte den Zuhörern die Bedeutung des Wirkstoffwechsels verständlich. Insbesondere Fruchtfolgen mit großen Anteilen an Hackfrüchten verleiteten immer wieder zur Nutzung der selbem Wirkstoffe und förderten dadurch die Resistenzbildung. Auch im Getreideanbau, gerade mit Auftreten von Ackerfuchsschwanz, würden gefährliche Resistenzen drohen, wodurch der Pflanzenschutz immer schwieriger würde. Heinrich Brockerhoff riet den Landwirten die zum Teil noch bestehenden guten Wirkungen der Mittel, nicht durch einen zu häufigen Gebrauch aufs Spiel zu setzen. Vorausschauend der Resistenzbildung entgegenzuwirken, sei die sichere Strategie im Pflanzenbau, so Brockerhoffs Empfehlung.

Dr. Christian Bickert, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift DLG-Mitteilungen, rundete die Veranstaltung ab. Als kritischer Analyst des Marktgeschehens ging er auf die aktuelle Finanzkrise ein und erklärte deren Hintergründe und Entstehung. „Die großzügige Umschichtung von Privatschulden in Staatschulden hat eine Schuldenblase und dann gezwungener Maßen auch eine Inflation zur Folge“, so Bickert. Die schnelle Genesung der Hedgefonds und deren Handelsvolumen begründete sich auf einer waren Finanzflucht der Anleger in Rohstoffe. Dieses Geld fehle den Staaten. An Hand der Börse Chicago und der MATIF in Paris veranschaulichte Bickert die Macht der Börsen. Allein die US-Sojabohnenernte werde in Chicago 72mal gehandelt, dagegen gehe die EU-Rapsernte in Paris nur 5mal über das Parkett. Im Trend folge die deutlich kleinere Börse in Paris immer der großen Schwester in den USA. Die Konsequenz dieser Börsengeschäfte sei zusätzlicher Preisdruck auf Rohstoffe und eine sinkende Kaufkraft. Langfristige Geldanleger suchten also, um der Inflation zu entgehen, Geldanlagen mit Abgrenzungen, z.B. Ländereien, so Bickert. In diesem Zug flössen große Mengen Geld aus der EU in andere Länder, wie Brasilien und Russland. In diesen Ländern profitiere auch der Agrarsektor vom Finanzzuschuss, besonders die Bereiche Zucker-, Geflügel- und Schweineproduktion.

Ausführlich ging Bickert auch auf die Preissituation von Zucker auf dem Weltmarkt ein. In einem Rechenbeispiel zeigte Bickert den möglichen Zuckerpreis, wenn die EU Zucker vom Weltmarkt importiert. Mit Fracht, Raffination und Importzoll kaufe die EU auf dem Weltmarkt zu rund 700€/t Weißzucker, so Bickerts Beispiel. Auch innerhalb der EU sei der Quotenzuckerpreis gestiegen und liege über dem EU-Mindestpreis von 404€/t. Aus Frankreich, Polen und Österreich, berichtet Bickert wie die Zuckerunternehmen den höheren Preis an ihre Anbauer weiterreichen. „In Deutschland fehlen klare Regelungen, wie die Rübenanbauer an den höheren Zuckerpreisen beteiligt werden“, mahnte Bickert an. Als mögliche Dimension nannte er für Deutschland einen Rüben-Basispreis von 43,3€/t.

Abschließend sprach Bickert noch die in seinen Augen zu verhaltene Betriebsentwicklung in vielen Regionen an. Langfristige und einkommensstarke Strategien auf den Höfen würden fehlen. Im Vergleich zu einem selbstständigen Handwerksmeister stünden die landwirtschaftlichen Betriebe mit zu kleinen Einkommen da. Es fehle den Betriebsnachfolgern an Perspektive, so Bickert. Um im Vergleich zu bestehen sollten 700€ - bis 1.000€/ha erwirtschaftet werden können. Teils drastische Konsequenzen könnten die Folge sein: „3 von 4 Betrieben sind in dieser Region zuviel“, führte Bickert aus. Er zeigte aber auch Strategien auf, um einen Betrieb weiter zukunftsfähig zu machen. Doch die Umstellung zum Beispiel auf biologische Produktionsweise, der Einstieg in einen neuen Betriebszweig oder die Intensivierung brächten auch Herausforderungen für den Betrieb. In vielen Regionen sei ein Wachstum über Ackerfläche nur sehr schwer möglich. Bickert führte ein persönliches Beispiel an und berichtete von seinen Aktivitäten in Rumänien. „Auf dem Heimatstandort bei Frankfurt waren die betrieblichen Entwicklungsmöglichkeiten sehr begrenzt“, so Bickert. Doch auch die zum Teil familiären Konsequenzen eines solchen Betriebsentwicklungsschritts seien nicht immer leicht. Egal wie sich die Betriebe entscheiden, eines stehe fest, so Bickert: „Die Betriebsstrukturen im Rheinland werden sich radikal ändern, auch die Rübe wird diesen Wandel nicht stoppen“. Am Ende des Vortrags sprach er den Zuhörern Mut zu, die betriebliche Weichenstellung der nachfolgenden Generation zu übergeben und die Betriebe fit für die Zukunft zu machen.

Winterveranstaltung in Niederzier (Jan Kuckenberg)

Winterveranstaltung in Niederzier (Jan Kuckenberg)

Winterveranstaltung in Niederzier (Jan Kuckenberg)

Winterveranstaltung in Niederzier (Jan Kuckenberg)

Winterveranstaltung in Niederzier (Jan Kuckenberg)

Winterveranstaltung in Niederzier (Jan Kuckenberg)