Einflussfaktoren auf die Qualität
In seiner Sortenentscheidung beruft sich der Landwirt auf Informationen über die Leistungsfähigkeit und Qualität der entsprechenden Sorten, die eingehend und mehrjährig in offiziellen Sortenprüfungen getestet und gemeinsam von Vertretern der Rübenanbauer und Zuckerunternehmen beurteilt wurde.
Stickstoff und Qualität
Für die wirtschaftliche Gewinnung des Zuckers benötigt die Zuckerfabrik den Rohstoff Rübe in einer stofflichen Zusammensetzung, die den Zucker möglichst leicht kristallisieren und wenig Melasse und Verluste entstehen lässt. Dabei spielt Stickstoff eine wichtige Rolle.
Stickstoff ist für alle Pflanzen der wichtigste Nährstoff, da er ein wesentlicher Bestandteil des Eiweißes ist. Für das Massenwachstum und die Entwicklung der Rübe sind N-haltige Verbindungen wie lösliche Proteine, Aminosäuren, Amide, Ammoniumsalze, Betain und Nitrat essentiell. In Form von Nitrat wird Stickstoff von der Pflanze aus dem Boden aufgenommen und in den organischen N-Stoffwechsel überführt für den Aufbau von Aminosäuren. Aus den Aminosäuren entstehen Pflanzenenzyme und Proteine, die für den Rübenertrag entscheidend sind. Diese löslichen organischen N-Verbindungen behindern andererseits aber die Zuckerkristallisation, wodurch mehr nicht kristallisierbarer Melassezucker entsteht.
Steigende N-Düngung steigert zwar den Rübenertrag, beeinflusst dabei aber den Alpha-Amino-N-Gehalt negativ und vermindert so den Bereinigten Zuckergehalt.
Bei keiner anderen Fruchtart ist in den letzten Jahren die Bedarfsempfehlung zur N-Düngung so reduziert worden wie bei der Zuckerrübe. Eine optimal dosierte Stickstoffdüngung wirkt sich nicht nur positiv auf den Bereinigten Zuckerertrag aus, sondern ist auch aus ökologisch umweltverträglicher Sicht und nachhaltigem Zuckerrübenanbau günstig zu bewerten. Das Risiko potentieller Nitrat-Auswaschungen von überschüssigem, ungenutzten Stickstoff im Boden wird somit erheblich reduziert.
Nur 15 % des aufgenommenen Stickstoffs befinden sich im Wurzelkörper, der größte Anteil ist in den Stengeln und Blättern zu finden. Besonders anhaftende Blattreste erhöhen den Stickstoffgehalt der Rüben. Daher ist die Köpfqualität für den Stickstoffgehalt zur Ernte und damit für die Qualität der Rübe wichtig.
Einfluss der Köpfhöhe auf Rübenertrag und Qualität
Durch die Sortenwahl werden nicht nur die qualitätsbestimmenden Inhaltsstoffe beeinflusst, auch in den Eigenschaften wie Köpf- und Rodequalität unterscheiden sich die Sorten deutlich.
Angemessene Stickstoffdüngung ist demzufolge eine qualitätslenkende Maßnahme und sollte unbedingt auf Ergebnissen einer Bodenuntersuchung basieren. Maßnahmen zur Senkung des Stickstoffs in Zuckerrüben beinhalten die Optimierung von N-Düngung, da Stickstoff gerade zu Beginn des Massenwachstums bei Zuckerrüben rechtzeitig verfügbar sein muss. Ein hohes Stickstoffangebot bis in den Herbst hinein mindert allerdings in starkem Maße die Zuckergewinnung. Aber auch die richtige Sortenwahl ist entscheidend für eine Senkung des Stickstoffs, da der Amino-Stickstoff-Gehalt sortenspezifisch variiert und ein genetisch beeinflussbares Sortenmerkmal ist.
Kalium/Natrium und Qualität
Eine durchschnittliche Rübenernte entzieht dem Boden zwischen 250 und 300 kg K/ha. Diese müssen dem Boden durch Düngung wieder zugeführt werden. Dabei befinden sich ca. 80 % des aufgenommenen Kaliums und Natriums im Blattapparat und nur rund 20 % im Rübenkörper.
Besonders das Kalium ist für die Rübe ein lebensnotwendiger Nährstoff: Es aktiviert wichtige Enzyme und kann nur teilweise durch Natrium ersetzt werden. Weiterhin fördert es u.a. die Wasseraufnahme und den Wassertransport, erhöht die Assimilationsleistung und verbessert den Assimilattransport. Natrium besitzt im Rübenstoffwechsel keine so speziellen Aufgaben und kann in den meisten Fällen durch Kalium ersetzt werden. Trotzdem wirkt sich Natrium positiv auf das Rübenwachstum aus.
Auf der anderen Seite führen überschüssige Gehalte an Kalium und Natrium in den Rüben zu Qualitätseinbußen, so dass die Zuckerge-winnung negativ beeinträchtigt wird. Um einen niedrigen Kalium- und Natriumgehalt in den Fabrikrüben zu erreichen, sollte eine angemessene Kaliumdüngung am besten nach den Ergebnissen einer Bodenuntersuchung bestimmt werden.
Auch auf die Wahl der richtigen Zuckerrübensorte kommt es an, da sich die einzelnen Sorten deutlich in ihren Gehalten an Kalium und Natrium unterscheiden. Richtiges Köpfen ist entscheidend für die Rübenqualität; in den grünen Pflanzenteilen und im Rübenkopf sitzt viel Kalium.
Erntezeitpunkt: Die Kaliumaufnahme ist i.d.R. bis Mitte September abgeschlossen. Während der restlichen Vegetationszeit wird das aufgenommene Kalium nur noch innerhalb der Pflanze umverteilt. Da in dieser Zeit noch deutliches Massenwachstum stattfindet, sinkt bei späterer Ernte der Kaliumgehalt.