Deutschland Service/Presse Nachrichten aus der Landwirtschaft 2003 Noch erhebliches Potenzial für Roggen

Noch erhebliches Potenzial für Roggen

Roggenforum setzt Arbeitsschwerpunkt weiterhin auf Futterverwertung

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Bergen und Isernhagen, 17. 02. 2003  „Die niedrigen Roggenpreise des letzten Herbstes spiegeln nicht den tatsächlichen Marktwert des Getreides wieder“, unterstrich der erste Vorsitzende des Roggenforums Dr. Harald Isermeyer, bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Vereins in Berlin. Grund dafür, so waren sich die Teilnehmer aus Handel, Verbänden und der Praxis einig, sei das riesige Futtergetreideangebot der Ernte 2002.  Momentan sei jedoch Brotroggen sogar knapp, so dass die Mühlenversorgung nur mit Freigaben aus der Intervention sicherzustellen sei. Dies werde auch im nächsten Jahr nicht viel anders sein, da die Landwirtschaft in einer Überreaktion auf die Erzeugerpreissituation zur Aussaat 2002 die Aussaatflächen stark reduziert habe. Mit der voraussichtlichen Abschaffung der Roggenintervention stehe einer kontinuierlichen Belieferung der Mischfutterindustrie nichts mehr im Wege. Trotz zunehmender Nutzung von Roggen als preiswerte und hochwertige Futtermittelkomponente sei noch deutliches Steigerungspotenzial für den Einsatz im Futter vorhanden.

Roggen – Aufklärungskampagne wird fortgeführt
Diese Entwicklung will das Roggenforum durch die Weiterführung ihrer Aufklärungsarbeit fördern. „Eine auffällige Anzeigenkampagne in Fachzeitschriften und eine aktive Öffentlichkeitsarbeit soll die Botschaft: Roggen – Energie mit der Sie rechnen können, weitertransportieren, so Sven Böse, einer der beiden Geschäftsführer. Über die höhere Akzeptanz solle erreicht werden, dass sich die Auszahlungspreise näher am tatsächlichen Futterwert orientieren.
Roggen als nachwachsender Rohstoff könnte in den kommenden Jahren eine interessante Perspektive haben. Allerdings seien die politischen Rahmenbedingungen noch nicht bestätigt. Insbesondere durch den fehlenden Außenschutz für Bioethanol bestünde noch eine Unsicherheit für potenzielle Investoren.

  Roggen als Bioethanol ist ein zusätzlicher Verbrauchsfaktor
„Das Thema Bioethanol ist ein willkommenes Zusatzbonbon bei der Verwertung von Roggen“ schätzt Thomas Blumtritt, ebenfalls Geschäftsführer des Vereins, die Situation ein. Mit dem Start der ersten Bioethanolanlagen wird zur Ernte 2004 gerechnet. Mittelfristig geht das Roggenforum von einem Verbrauchspotenzial von 500.000 t Roggen für die Produktion von Bioethanol aus.
Vorerst will sich das Roggenforum in erster Linie auf die Erhöhung des Roggenanteils im Futtertrog von Schweinen und Rindern konzentrieren. Insbesondere in Nord- und Ostdeutschland bestünde noch erhebliches Potenzial, so Blumtritt: „eine Verdoppelung des Roggenanteils in den Rationen ist durchaus realistisch“.
Die Roggenanbaufläche wird sich nach Ansicht des Vereins mittelfristig bei rund 600.000 bis 650.000 ha einpendeln. Die ökologischen Vorteile und die Ertragssicherheit des Roggens insbesondere auf leichten Standorten spielten eine wichtige Rolle bei der Anbauentscheidung der Landwirte, betonte Dr. Wolfgang von Gagern, zweiter Vorsitzender des Roggenforums.

Immer wieder diskutiert wurden während der Veranstaltung in Berlin die zurzeit niedrigen Preise für Roggen. Auch wenn für die Erfassung der Ernte 2004 die Abschaffung der Roggenintervention beschlossene Sache zu sein scheint, glaubt der Vorstand des Roggenforums, dass der Boden beim Roggenpreis erreicht sei.

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Johann Tj. Gerdes
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