Deutschland Service/Presse Nachrichten aus der Landwirtschaft 2006 Wie ökologisch sind BtL-Kraftstoffe ?

Wie ökologisch sind BtL-Kraftstoffe ?

Gülzow, 20. Dezember 2006. Der Tendenz nach sind Reststoffe wie Waldrestholz und Stroh besonders umweltverträgliche Rohstoffe, aber auch Anbaubiomasse wie Kurzumtriebsholz und Getreide zeigt große ökologische Potenziale. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des IFEU-Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg über synthetische Biokraftstoffe, die so genannten BtL (Biomass-to-Liquid)-Kraftstoffe.

Hackschnitzel aus Restholz heizen den KWS Öko-Hof in Wiebrechtshausen
Hackschnitzel aus Restholz heizen den KWS Öko-Hof in Wiebrechtshausen

Zunächst verglich das Forscherteam BtL-Kraftstoffe mit fossilen Kraftstoffen. Mit der Nutzung des pflanzlichen Sprits könne eindeutig fossile Energieträger und Treibhausgase gegenüber Diesel und Benzin eingespart werden, trage aber zur Verstärkung negativer Umwelteffekte wie Versauerung, erhöhtem Nährstoffeintrag in Böden und Ozonabbau bei. Wie bei vielen anderen Biokraftstoffen auch seien dafür zum Großteil Emissionen ursächlich, die durch die landwirtschaftliche Produktion und den Einsatz stickstoffhaltiger Düngemittel entstehen. Dieser Nachteil sei aber weniger ausgeprägt, wenn BtL aus Reststoffen gewonnen oder Biomassen mit geringem Düngerbedarf wie zum Beispiel Kurzumtriebsholz angebaut werden. BtL aus diesem Rohstoff schneiden auch im Vergleich zu anderen Biokraftstoffen positiv ab, nur Ethanol und ETBE aus Zuckerrohr seien bezüglich der eingesparten fossilen Energie und Treibhausgase noch vorteilhafter. In der Gegenüberstellung mit Biodiesel und reinem Pflanzenöl sei BtL aus Getreide oder aus Kurzumtriebsholz die ökologisch vorteilhaftere Variante. Setze man Biomasse statt zur BtL-Produktion zur Erzeugung von Strom und Wärme ein, ist dies ökologisch vorteilhafter, wenn in hocheffizienten Anlagen wie Heizkraftwerken mit hocheffizienter Vergasertechnologie gearbeitet werde.

Im Rahmen diverser Sensitivitätsanalysen gingen die Forscher außerdem der Frage nach, in welchen Bereichen ökologische Optimierungen die größten Auswirkungen haben. Dies seien der Wasserstoff-Import, die Pelletierung, die BtL-Nutzung in Fahrzeugen und die Auswahl der Biomasse: So wirkte sich ein Zukauf von Wasserstoff zur Erhöhung der BtL-Ausbeute aus Umweltsicht in der Regel eher kontraproduktiv aus. Ist die Pelletierung erforderlich, verschlechtere dies die Energiebilanz deutlich. Zeitpunkt und Ausmaß des BtL-Einsatzes und die dann verbreitete Motortechnologie haben signifikanten Einfluss auf die Emissionseinsparungen, die durch den Kraftstoff realisiert werden können, und schließlich sei auch die Auswahl der Rohstoffe relevant für die Ökobilanz. Reststoffe seien, so sie überhaupt verglichen werden können, ökologisch vorteilhafter als Anbaubiomasse und bei dieser ist Kurzumtriebsholz ökologisch vorteilhafter als Getreide.

 

 

Biokraftstoffe auf der Erfolgsspur

Berlin, 27. November 2006. „Die Entwicklung der Biokraftstoffe und deren Markteinführung dokumentiert, wie innovativ und erfolgreich die Landwirtschaft im Zusammenwirken mit den nachgelagerten Branchen wie Mineralöl- und Automobilwirtschaft sowie Anlagenbau sein kann“, erklärte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Helmut Born, anlässlich des 4. Internationalen Fachkongresses „Kraftstoffe der Zukunft 2006“. 800 Teilnehmer aus der Landwirtschaft, der Biokraftstoffbranche, der Mineralölwirtschaft, dem Transport- und Logistikgewerbe, der Politik und der Wissenschaft erörtern die zukünftigen Biokraftstoffstrategien in Deutschland und Europa.
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