Anwendung der Nachhaltigkeitsverordnung verschoben
Berlin, 27. April 2010. Die Regierungskoalition hat sich darauf verständigt, die verschiedenen Dokumentations- und Zertifizierungsvorgaben zur Nachhaltigkeitszertifzierung für Biokraftstoffe und flüssige Biomasse erst zum 1. Januar 2011 voll in Kraft zu setzen. Bisher war der 1. Juli als Frist gesetzt.
Die ölsaatenverarbeitende Industrie begrüßt diese Verschiebung. „Dennoch drängt die Zeit, und die Wirtschaft muss weiter mit Hochdruck an der Umsetzung der Verordnungen arbeiten“, so Petra Sprick, Geschäftsführerin des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). Obwohl die Nachhaltigkeitsverordnungen für Biostrom und Biokraftstoffe nun erst ab 2011 angewendet werden sollen, müssten die Voraussetzungen bereits deutlich früher von den Wirtschaftsbeteiligten erfüllt werden.
„Die Mineralölindustrie braucht einen Vorlauf von knapp zwei Monaten, um die Biokraftstoffe einzusetzen, so dass bereits ab Ende Oktober zertifizierte Ware von unseren Herstellern geliefert werden muss“, erklärt Sprick. Das bedeute, dass für die komplette Rapsernte 2010, die bereits im Sommer dieses Jahres eingefahren werde, eine Selbsterklärung der Landwirte vorliegen müsse. Während bei Landwirten eine Selbsterklärung über die nachhaltige Produktion der Biomasse ausreiche, müssten sich der Landhandel und die landwirtschaftlichen Genossenschaften sowie die nachfolgenden Verarbeitungsbetriebe wie Ölmühlen und Biokraftstoffhersteller zertifizieren lassen. Insgesamt seien das rund 3.000 sogenannte Schnittstellen in Deutschland, deren Zertifizierung zwischen einem und sechs Tagen dauere. Hinzu komme die Zertifizierung der Ware aus der EU und aus Drittstaaten. Derzeit besitzen ein Zertifizierungssystem und sechs Zertifizierungsstellen eine Anerkennung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). „An diesen Zahlen wird deutlich, dass die Wirtschaftsbeteiligten keinen Gang zurückschalten können, um bis zum 1. Januar 2011 ausreichend zertifizierte Biomasse zu generieren. Es besteht jetzt aber eine realistische Chance, dies zu schaffen. Zudem werden durch die Verschiebung des Termins Marktverwerfungen innerhalb der EU verhindert“, kommentiert Sprick.