Ernte durch Regenfälle teilweise unterbrochen
Berlin, 04.08.2010. Die diesjährige Ernte ist weiterhin durch einen schwierigen Witterungsverlauf geprägt: Führte die von Mitte Juni bis Ende Juli anhaltende Trockenheit bei hohen Temperaturen zu einer schnellen Abreife des Getreides mit zügigem Ernteverlauf, geht die Ernte derzeit aufgrund der Niederschläge nur noch schleppend voran, erklärte der Deutsche Bauernverband (DBV) in seiner zweiten Erntemeldung. Auch würden sich die Sorgen der Bauern mehren, dass durch die nunmehr feuchte und schwüle Witterung die Gefahr von Qualitätseinbußen bei Getreide wächst.
Die Ernte der Wintergerste sei weitgehend abgeschlossen. Eine Ausnahme bildeten hier Schleswig-Holstein und die Spätdruschgebiete Baden-Württembergs und Niedersachsens. Die Erträge der Wintergerste liegen bundesweit 8 % unter dem Niveau des Vorjahres, mancherorts - Schleswig-Holstein, Teile von Rheinland-Pfalz und in Thüringen - sei ein Ertragsrückgang von 15 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die Erzeugerpreise konnten sich nochmals etwas steigern und lägen derzeit bei 120 bis 140 Euro pro Tonne, so der DBV. Die bisherigen Ernteergebnisse bei Sommergerste deuteten auf Mindererträge von 10 bis 15 % im Vergleich zum Vorjahr hin. Belastbare Aussagen zur Qualität ließen sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht treffen. Es gebe jedoch bereits Hinweise auf geringe Vollgerstenanteile. Die Erzeugerpreise bewegten sich im Bereich von 130 bis 150 Euro pro Tonne. Der Fortgang der Ernte von Winterweizen sei bundesweit sehr unterschiedlich. Im Rheinland und in Brandenburg wurde bereits mehr als die Hälfte der Flächen gedroschen. In den Hauptanbauregionen habe die Winterweizenernte dagegen erst begonnen. Zwar ließ die bisherigen Ergebnisse eine fundierte Einschätzung der Erträge und Qualitäten noch nicht zu, allerdings deuteten sich Mindererträge von etwa 10 bis 15 % gegenüber dem Vorjahr an. Die vielerorts während der Kornfüllungsphase fehlenden Niederschläge hätten zu vermehrten Schmachtkornanteilen und stark schwankenden Hektolitergewichten geführt. Zudem seien durch die regenbedingten Ernteverzögerungen Qualitätseinbußen zu befürchten. Aktuell bewegten sich die weiter steigenden Erzeugerpreise im Bereich von 140 bis 175 Euro pro Tonne.
Im Bereich der Ölsaaten habe zwischenzeitlich auch die Ernte von Raps begonnen. Am weitesten fortgeschritten sei die Rapsernte im Rheinland, auf den leichten Böden Niedersachsens, in Westfalen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die bisherigen Ergebnisse ließen auf Ertragsminderungen von etwa 12 % gegenüber dem Vorjahr bei stark schwankenden Ölgehalten von unter 40 bis 44 % schließen. Die Erzeugerpreise für Raps bewegten sich derzeit im deutlich erhöhten Bereich von 320 bis 360 Euro pro Tonne. Trotz Regen seit Ende Juli bleibe die Lage bei den Kartoffeln angespannt. Bundesweit werden niedrige Erträge erwartet. Hinzu komme, dass die Anbaufläche für Speise- und Veredlungskartoffeln um rund 3 % eingeschränkt wurde. Während auf gut beregneten Flächen nur 10 % niedrigere Erträge zu verzeichnen seien, würden auf unberegneten Flächen teils Einbußen zwischen 30 und 40 % erwartet. In Niedersachsen seien kurz vor Ende der Frühkartoffelsaison bis zu 15 % Ertragseinbußen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Bei den Speise- und Veredlungskartoffeln, deren Ernte bald beginne, zeigten erste Proberodungen große Unterschiede im Knollenansatz. Bei den Speisekartoffeln werden zwischen 15 und 20 % weniger Ertrag erwartet, der Anteil vermarktungsfähiger Ware werde noch niedriger liegen. Voraussichtlich wird die Kartoffelernte in der Summe ähnlich schwach ausfallen wie im Jahr 2006, so der Bauernverband.