Kappung der Direktzahlungen ohne direkte Auswirkungen
Halle/Saale, 14.12.2011. Ostdeutsche Großbetriebe sind von einer Kappung der Direktzahlungen kaum betroffen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO). Sie haben die Auswirkungen der Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 in Berechnungen simuliert. Die Kürzung der Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe bzw. die vollständige Kappung ab einer bestimmten Höhe war gerade in den neuen Bundesländern befürchtet worden.
Die Wissenschaftler hatten die Simulationsrechnungen für die Region Altmark im Norden Sachsen-Anhalts durchgeführt, um die Auswirkungen einer solchen Reform exemplarisch zu veranschaulichen. „Die Untersuchungsregion ist ähnlich wie ganz Ostdeutschland von großen landwirtschaftlichen Betrieben geprägt. Dennoch wären unseren Berechnungen zufolge wenige Betriebe überhaupt von einer Kappung betroffen“, erklärte Christoph Sahrbacher, einer der Verfasser der Studie. Zu einen sehe der Kommissionsvorschlag vor, dass lediglich eine Basisprämie von 70 Prozent der bisherigen Direktzahlungen für die Kappung angerechnet werde. Andererseits könnten die Betriebe vor der Kürzungsberechnung noch Lohnkosten und Sozialversicherungsausgaben geltend machen. Insgesamt sei in der Untersuchungsregion eine Kürzung der Prämienzahlungen von unter einem halben Prozent zu erwarten, so die Wissenschaftler weiter. Auswirkungen werden in anderer Richtung erwartet. Die betroffenen Betriebe würden in ihrem Wachstum gehemmt und werden sich zur Vermeidung der Kürzungen verstärkt in arbeitsintensiven Produktionsverfahren wie der Tierhaltung engagierten. Beides führe längerfristig zu gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrtsverlusten und Verzerrungen auf den Märkten. Das Argument, eine Kappung stütze kleinere Betriebe, möchten die Wissenschaftler nicht gelten lassen. In ihren Simulationen ergeben sich für diese Betriebe nur minimale positive Entwicklungs- und Einkommenseffekte.