Deutschland Service/Presse Pressemitteilungen Archiv 1998 15.01.1998 Neuer KWS Versuch im Freiland - gentechnisch veränderter Raps trotzt Krankheitserregern

15.01.1998 Neuer KWS Versuch im Freiland - gentechnisch veränderter Raps trotzt Krankheitserregern

Die KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG plant ab kommenden Frühjahr auf den Versuchsflächen des Klostergutes Wetze/ Landkreis Northeim gentechnisch veränderte, pilzresistente Rapspflanzen in den Jahren 1998 bis 2000 im Freiland zu prüfen.

Pilze zählen weltweit zu den wichtigsten Krankheitserregern von Pflanzen. Im Durchschnitt ist die Gesundheit jeder Kulturart von ca. 10-20 unterschiedlichen parasitären Pilzen bedroht. Im Gegensatz zu anderen Krankheitserregern (Viren, Nematoden, Bakterien) rufen Pilze nicht nur Ernteverluste hervor, sondern gefährden im Einzelfall die tierische und menschliche Gesundheit durch die Bildung von Mykotoxinen im Erntegut. Europaweit werden zur Pilzbekämpfung im Raps ca. 3,5 Millionen Liter Fungizide im Jahr eingesetzt.

Durch den gentechnischen Ansatz, die rapseigenen Abwehrmechanismen in Raps zu stärken, soll versucht werden, eine möglichst breite Feldresistenz gegen pilzliche Krankheitserreger -Pathogene - zu entwickeln und den Fungizideinsatz zu reduzieren.

Umweltgerechtere Landwirtschaft durch Züchtung pilzresistenter Pflanzen

Züchter sind auf natürlich vorkommende Resistenzquellen angewiesen, die er in sein Pflanzenmaterial einkreuzen kann. Für zahlreiche Schadpilze existieren jedoch keine oder nur ungenügende Resistenzquellen in kreuzbaren Verwandten der entsprechenden Kulturpflanze.

Durch gentechnische Methoden ist es möglich geworden, gezielt die Verbesserung bestimmter Eigenschaften zu bearbeiten. Mit Hilfe der Gentechnik kann ein geeignetes Gen in vorhandene Erbinformationen eingefügt werden und damit die Pflanze in einem bestimmten Merkmal verbessert werden. Ein Charakteristikum grüner Gentechnologie, die Übertragbarkeit von Erbinformationen über natürliche Artengrenzen auf prinzipiell jede beliebige Pflanze, ist besonders für die biotechnologische Pilzresistenzzüchtung wichtig. Können die Pflanzen sich selbst gegen Erkrankungen schützen, so verringert dies drastisch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Die Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben, die sich selbst gegen die Viruserkrankung Rizomania schützen können, sollen auch in diesem Jahr fortgesetzt werden. KWS kann bereits auf fünf Jahre Versuchserfahrung bauen und die Versuchsauswertungen zeigen, daß eine Kombination aus klassisch gezüchteter Rizomania-Toleranz mit der gentechnisch hergestellten Resistenz eine Leistungssteigerung auch bei hohem Krankheitsdruck bewirkt.