Deutschland Service/Presse Pressemitteilungen Archiv 1998 20.04.98 Mitteilungen der KWS AG zu Freilandversuchen 1997/98

20.04.98 Mitteilungen der KWS AG zu Freilandversuchen 1997/98

KWS Freilandversuche 1998: Neue Projekte

Übersicht
1. Einleitung
2. Ziel: Gentechnisch veränderter Raps trotzt Krankheitserregern
3. Ziel: Lichteffizienz bei Kartoffeln sorgt für höhere Erträge
4. Erfolgreicher Verlauf der Freilandversuche 1997
5. Neue gentechnisch veränderte Zuckerrübensorten

Einleitung

Die KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG hat sich zum Ziel gesetzt, in der Pflanzenzüchtung Lösungen anzubieten, die der Landwirtschaft einen nachhaltigen und umweltschonenden Anbau ermöglichen. Eine der Methoden in der Züchtung ist die Gentechnik, die die klassische Züchtung nicht ersetzen, sondern in bestimmten Fragestellungen ergänzen kann. Wie bereits in den Vorjahren informieren wir über unsere neuen Projekte 1998: "Pilzresistenter Raps" und "Steigerung der Lichtwahrnehmung bei Kartoffeln".


Ziel: Gentechnisch veränderter Raps trotzt Krankheitserregern

Für zahlreiche Schadpilze existieren keine oder nur ungenügende Resistenzquellen in kreuzbaren Verwandten der entsprechenden Kulturpflanze. Mit Hilfe der Gentechnik kann ein geeignetes Gen in vorhandene Erbinformationen eingefügt und damit die Pflanze in einem bestimmten Merkmal verbessert werden. Ein Charakteristikum grüner Gentechnologie, die Übertragbarkeit von Erbinformationen über natürliche Artengrenzen auf prinzipiell jede beliebige Pflanze, ist besonders für die biotechnologische Pilzresistenzzüchtung wichtig. Können die Pflanzen sich selbst gegen Erkrankungen schützen, so kann sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln drastisch verringern. <Bild>Die KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG plant ab kommenden Sommer auf den Versuchsflächen des Klostergutes Wetze/ Landkreis Northeim gentechnisch veränderte, pilzresistente Rapspflanzen in den Jahren 1998 bis 2000 im Freiland zu prüfen.

Pilze zählen weltweit zu den wichtigsten Krankheitserregern von Pflanzen. Im Durchschnitt ist die Gesundheit jeder Kulturart von ca. 10-20 unterschiedlichen parasitären Pilzen bedroht. Im Gegensatz zu anderen Krankheitserregern (Viren, Nematoden, Bakterien) rufen Pilze nicht nur Ernteverluste hervor, sondern gefährden im Einzelfall die tierische und menschliche Gesundheit durch die Bildung von Mykotoxinen im Erntegut.

Europaweit werden zur Pilzbekämpfung im Raps ca. 3,5 Millionen Liter Fungizide im Jahr eingesetzt. Durch den gentechnischen Ansatz, die Abwehrmechanismen der Pflanze zu stärken, soll versucht werden, eine möglichst breite Feldresistenz gegen pilzliche Krankheitserreger - Pathogene - zu entwickeln und den Fungizideinsatz zu reduzieren.


Ziel: Lichteffizienz bei Kartoffeln sorgt für höhere Erträge

Das Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Göttingen hat einen Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffelpflanzen von 1998 bis 2000 in Oberviehhausen/Bayern beantragt. Die Versuche werden in Zusammenarbeit mit der KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG durchgeführt. Die Versuchspflanzen sollen das Lichtangebot effizienter nutzen und dadurch höhere Erträge erzielen.

Durch das Einbringen eines Gens, das für einen Photorezeptor kodiert, kommt es zu einer vermehrten Entwicklung unterirdischer Organe (Sproß, Wurzel, Knolle), teilweise verbunden mit einer Erhöhung der Photosyntheseleistung der Blätter und einem reduzierten Stengelwachstum. Die Pflanzen reifen langsamer ab. Betrachtet man das Gesamtgewicht der Knollen im Vergleich zu nicht gentechnisch veränderten Pflanzen, ließ sich bereits bei Gewächshausversuchen eine Zunahme des Gesamtertrags um 10 bis 30% feststellen.


Erfolgreicher Verlauf der Freilandversuche 1997

KWS hat auch im Jahr 1997 Freilandversuche mit dem Ziel durchgeführt, Pflanzen zu züchten, die sich selbst gegen Krankheiten schützen, eine breitere Verwendung als nachwachsende Rohstoffe haben oder resistent sind gegen Herbizide. Die Versuche wurden in Deutschland, Frankreich, Italien und den USA im Rahmen folgender Projekte durchgeführt:

• Rizomania-Resistenz bei Zuckerrübe
• Insekten-Resistenz bei Mais
• Kontrollierte Bestäubung bei Mais
• Herbizid-Toleranz bei Mais und Zuckerrübe
• Raps mit veränderter Fettsäurezusammensetzung
• Kartoffeln mit veränderter Stärkezusammensetzung

Die Freilandversuche verliefen erfolgversprechend. Bei den schon langjährig durchgeführten Versuchen konnten die Ergebnisse der Vorjahre bestätigt werden. Von diesen Ergebnissen hängen im jetzigen Stadium der Prüfung die Entscheidungen von Sortenanmeldungen ab. Die 1997 erstmalig durchgeführten Versuche mit Raps und Kartoffeln dienten der Selektion erfolgversprechender Linien unter Umweltbedingungen. Alle Freilandversuche werden 1998 fortgesetzt.

Neue gentechnisch veränderte Zuckerrübensorten

Ab 1998 werden im Bundessortenamt auch gentechnisch veränderte Zuckerrübensorten geprüft. KWS und ein anderes Pflanzenzüchtungsunternehmen haben die ersten Anträge auf Sortenzulassung für gentechnisch veränderte, herbizidtolerante Zuckerrüben gestellt. Für diese neuen Sortenanmeldungen gilt, wie bei den konventionell gezüchteten Sorten auch, daß sie in der Gesamtheit ihrer wertbestimmenden Eigenschaften einen deutlichen Fortschritt in der Verwertung oder dem Anbau erwarten lassen müssen. Die Eigenschaft Herbizidtoleranz allein kann den landeskulturellen Wert nicht begründen.

Der Anbau herbizidtoleranter Sorten läßt eine gezieltere Unkrautbekämpfung und eine größere Flexibilität in der Anwendung des Herbizides erwarten. Als weiterer Vorteil wird die schnelle biologische Abbaubarkeit und somit ein verminderter Austritt ins Grundwasser diskutiert. Erfahrungen in den USA haben gezeigt, daß sich der Herbizideinsatz um ca. ein Drittel verringern läßt. Dies ermöglicht einen schonenderen Umgang mit der Natur.

Die Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben, die sich selbst gegen die Viruserkrankung Rizomania schützen können, sollen auch in diesem Jahr fortgesetzt werden. KWS kann bereits auf fünf Jahre Versuchserfahrung bauen, und die Versuchsauswertungen zeigen, daß eine Kombination aus klassisch gezüchteter Rizomania-Toleranz mit der gentechnisch hergestellten Resistenz eine Leistungssteigerung auch bei hohem Krankheitsdruck bewirkt.


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