7.12.1999 Jochen Beyes, Mietglied des Vorstands der KWS SAAT AG, anlässlich der Bilanz-Pressebesprechung in Hannover
Der Abschluß des Geschäftsjahres 1998/99 weist im Vergleich zum Vorjahr einige Besonderheiten auf:
1. Der AG-Abschluß enthält nicht mehr die Vertriebs- und Produktionszahlen des Bereiches Mais/Öl- und Feldsaaten, der als selbständige KWS MAIS GMBH im Laufe des Geschäftsjahres ausgegliedert wurde.
2. Das Ergebnis ist durch außerordentliche Einflüsse belastet, die insbesondere aus dem Steuerentlastungsgesetz resultieren.
3. Darüber hinaus verzeichnen wir eine stärkere Kapitalbindung im Umlaufvermögen und
4. einen leichten Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Anteil der Auslandsumsätze hat sich wiederum erhöht
Der Anteil der Auslandsumsätze am gesamten Verkaufsvolumen der KWS Gruppe erhöhte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 64 % nach 62 % im Vorjahr.
Der Umsatzrückgang des Bereichs Mais/Öl- und Feldsaaten im Inland konnte in der KWS Gruppe durch höhere Auslandsumsätze der Sparten Zuckerrüben und Mais nahezu kompensiert werden.
Zuckerrübe als stärkstes Standbein
Die konsolidierten Gruppenumsätze in Höhe von 648 Mio DM verteilen sich wie folgt prozentual auf die Produktbereiche:
- Zuckerrübe 52 % (nach 50 % im Vorjahr)
- Mais 24 % (nach 25 % im Vorjahr)
- Getreide 13 % (unverändert gegenüber Vorjahr)
- Sonstiges 11 % (nach 12 % im Vorjahr).
Würden die Währungsschwankungen eliminiert indem man eine Bewertung zum Durchschnittskurs des Geschäftsjahres 1997/98 vornimmt, hätten die Umsatzerlöse der KWS Gruppe das Vorjahr übertroffen. Nach Einführung des Euro liegen Währungsrisiken vorrangig im amerikanischen Dollar, dem britischen Pfund und der türkischen Lira.
Unverändert gute Ertragskraft der KWS Gruppe
Trotz außerordentlicher ergebnisbelastender Faktoren erzielte die KWS Gruppe einen Jahresüberschuß, der nahezu auf Vorjahreshöhe (35,9 nach 36,3 Mio DM) liegt. Diese unverändert gute Ertragslage ist im wesentlichen auf positive Entwicklungen im in- und ausländischen Beteili-gungsbereich zurückzuführen.
Im Geschäftsfeld Zuckerrüben ist im Ausland neben den guten Ergebnissen in Chile vor allem die gute Entwicklung der amerikanischen Zuckerrübengesellschaft BETASEED hervorzuheben.
Die LOCHOW-PETKUS-Gruppe (Getreide) konnte ein deutlich ver-bessertes
Ergebnis ausweisen, nachdem im Vorjahr die Aufwendungen für Kulanzleistungen das Ergebnis stark belastet hatten. Ein ebenfalls verbessertes Jahresergebnis erzielte das Geschäftsfeld Kartoffel.
Infolge dieser erfolgreichen Entwicklung verbesserten sich in der Gruppe das Betriebsergebnis um 6,9 Mio DM auf 75,4 Mio und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 7,1 Mio DM auf 76,4 Mio DM.
Im Gegensatz dazu verringerte sich das Ergebnis der KWS SAAT AG unter Einbezug des Produktbereiches Mais/Öl- und Feldsaaten und ohne Berücksichtigung der Auswirkungen des Steuerentlastungsgesetzes von 17,3 auf 14,4 Mio DM. Dabei wurden im Vergleich zum Vorjahr folgende erhöhte Belastungen verkraftet:
1. Hohe, zusätzliche Wertberichtigungen (rd. 9 Mio DM) bedingt durch den Anstieg der Vorräte.
2. Eine zusätzliche Zuführung der Pensionsrückstellungen in Höhe von 5,3 Mio DM aufgrund der Anwendung der Richttafeln 1998 von Dr. K. Heubeck, die der gestiegenen Le-benserwartung Rechnung tragen sowie
3. ein zusätzlicher Aufwand aus der Zuführung von Rückstellungen für Gleitzeitüberhänge und Altersteilzeit von rd. 1,4 Mio DM.
Wie im Vorjahr fielen bei der AG temporäre Kostenbelastungen, wie z. B. Kosten der Umstellung auf die Systemsoftware SAP R/3, an.
Höherer Personalaufwand
Der Personalaufwand stieg in der KWS SAAT AG einschließlich der MAIS GMBH um 9,5 % auf 74,9 Mio DM und in der Gruppe um 11,8 % auf 147,3 Mio DM. Diese außergewöhnliche Entwicklung resultiert vor allem aus dem bereits erwähnten zusätzlichen Aufwand für die Altersversorgung.
Im Frühjahr 1999 wurde ein Entgelttarifvertrag mit einer Laufzeit von 28 Monaten abgeschlossen. Wie bereits 1997 wurde neben der normalen Anpassung (+ 2,6 % für 15 Monate und dann + 1,7 % für 13 Monate Laufzeit) eine Einmalzahlung vereinbart, die sich am Unternehmenserfolg 1998/99 und 1999/00 orientiert (Zahlungen jeweils in 2000 und 2001).
Auswirkungen des Steuerentlastungsgesetzes verhindern bessere
Ergebnisse
Die neuen, restriktiven Vorschriften des Steuerentlastungsgesetzes wirken sich sowohl auf den Abschluß der KWS SAAT AG als auch auf den Abschluß der KWS Gruppe negativ aus.
Im Gegensatz zur Handelsbilanz, in der KWS konsequent die gebotene vorsichtige Bewertung des Vermögens fortgeführt hat, mußte in der Steuerbilanz die in vorherge-gangenen Jahren vorgenommenen Teilwertabschreibungen im Finanzanlage- und Umlaufvermögen durch Wertaufholungen bis zur Höhe der ursprünglichen Anschaf-fungs- und Herstellungskosten rückgängig gemacht und auf zusätzliche Teilwertabschreibungen verzichtet werden. Daraus resultieren im Geschäftsjahr 1998/99 Steuerverpflichtungen in Höhe von rd. 17,8 Mio DM für die KWS SAAT AG und von 26,6 Mio DM für die Gruppe. Diese Steuern werden zu einem erheblichen Liquiditätsabfluß führen.
Berücksichtigt man dabei die durch das StEntlG bedingte Minderausschüttung der KWS MAIS GMBH und auch die Ersparnis von rd. 1 Mio DM durch Minderung des Körperschaftsteuersatzes von 45 auf 40 %, so beträgt die saldierte Gesamtbelastung in der AG 20,3 Mio DM.
Diese Belastung wurde im Geschäftsjahr durch die Zuschreibung des Beteiligungsbuchwertes der PLANTA GMBH in Höhe von 8 Mio DM, durch Sonderausschüttungen aus dem Beteiligungsbereich in Höhe von 3,6 Mio DM (nach Steuern) sowie durch die erstmalige Anwendung der aktivischen Steuerabgrenzung (8,7 Mio DM) kompensiert.
Da sich die Bewertungsunterschiede zwischen Steuer- und Handelsbilanz ihrer Art nach in den Folgejahren voraussichtlich bis auf den quasipermanenten Teil ausgleichen werden, hat KWS gemäß § 274 HGB und in Anlehnung an Internationale Bilanzierungsgrundsätze (IAS, US-GAAP) in Höhe der voraussichtlichen Minder-Ertragsteuern nachfolgender Geschäftsjahre einen aktivischen Steuerabgrenzungsposten gebildet. Davon entfallen auf die Versteuerung der zugeführten Pensionsrückstellungen in der Gruppe 3,0 Mio DM und 1,8 Mio DM in der AG.
Da KWS die quasi-permanent gebundenen Steuern auf die Wertberichtigungen nicht aktiviert hat, sondern nur die Steuern, die voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren dem Unternehmen wieder zufließen werden, ist das Vorsichtsprinzip weiterhin gewahrt.
In der Gruppe betrug die gesamte Steuermehrbelastung aus dem StEntlG 26,6 Mio DM, von der 10,5 Mio DM aktivisch abgegrenzt wurden. Unter Berücksichtigung der bereits in Vorjahren in den ausländischen Bilanzen vorgenommenen Steuerabgrenzungen in Höhe von 4,4 Mio DM beträgt die zusätzliche Belastung des Gruppenergebnisses 11,7 Mio DM. Ohne diese Auswirkungen hätte der Jahresüberschuß der Gruppe 47,6 Mio DM betragen und damit um mehr als 10 Mio DM (ca. 30 %) über dem Vorjahr gelegen.
Lassen Sie mich nun die Bilanz ein wenig analysieren:
Die Bilanzsumme der KWS Gruppe erhöhte sich um fast 100 Mio DM auf 717 Mio DM und die der KWS SAAT AG um fast 50 Mio DM auf 426 Mio DM.
Höhere Bestände an Vorräten und Forderungen
Zum Stichtag führten auf der Aktivseite insbesondere ein Bestandsaufbau an Vorräten sowie erhöhte Forderungsbestände sowohl bei der AG als auch bei der MAIS GMBH zu einer höheren Bilanzsumme (Gruppe + 16 %; AG + 17 %).
Der Aufbau der Vorratsbestände ist auf für das Saatgutgeschäft typische zyklischen Entwicklungen zurückzuführen: Biologische Ware unterliegt hinsichtlich Jahreserträgen und ausbeutbaren Mengen enormen Schwankungen.
Den konservativen Bewertungsgrundsätzen der KWS entsprechend sind auch in diesem Geschäftsjahr erhebliche Vorratsabwertungen vorgenommen worden, um möglichen Verwertungsrisiken Rechnung zu tragen. Die Produktionsplanungen wurden entsprechend angepaßt, so daß wir für das laufende Geschäftsjahr eine geringere Kapitalbindung im Vorratsvermögen erwarten.
Der höhere Forderungsbestand resultiert aus dem wachsenden Auslands-geschäft, in dem längere Zahlungsziele gewährt werden müssen. Die For-derungen stiegen in der Gruppe um ca. 24 Mio DM, von denen auf die AG ein Zuwachs von 9 Mio DM und auf die Auslandsgesellschaften (wie z. B. BETASEED) ein Zuwachs von fast 10 Mio DM entfielen.
Infolge der bekannten Schwierigkeiten im Ostgeschäft wurden die Um-sätze um rd. 20 Mio DM reduziert, so daß sich unsere Außenstände auf diesem Markt zum Stichtag verringerten.
Normalisierung der Investitionstätigkeit
Nachdem in den letzten drei Geschäftsjahren die jeweilige Investitions-summe mehr als das Zweifache der Summe der Abschreibungen betragen hatte, beliefen sich die Investitionen des laufenden Geschäftsjahres in der KWS Gruppe auf rd. 38 Mio DM bei einem Abschreibungsniveau von rd. 30 Mio DM.
Unsere Investitionen in immaterielle Vermögenswerte der Gruppe in Höhe von 8,8 Mio DM setzten sich im wesentlichen aus dem Erwerb von Zucht-material und US-Vertriebsrechten sowie von Software für die zentrale Datenverarbeitung und den Ausbau der Kommunikationstechnik zusam-men.
Veränderungen im TBG-Bereich
Der Kreis der in den Gruppenabschluß einbezogenen Unternehmen (einschließlich der AG) hat sich abermals erhöht, und zwar auf 33 (Vorjahr 31). Es handelt sich um zwei Neugründungen; bei der KWS SAAT AG um die KWS MAIS GMBH und in den USA bei der BETASEED, INC., um die Zuckerrübensaatgut-Vertriebsgesellschaft ACH SEEDS, INC., Eden Prairie, Minnesota. Beide Gesellschaften werden zu 100 % gehalten und voll konsolidiert.
Die Zugänge zu den Finanzanlagen der AG betrafen neben einer langfristigen Ausleihung an KWS ITALIA zum Bau der Aufbereitungsanlage für Zuckerrübensaatgut die Beteiligung an der KWS MAIS GMBH.
Finanzierung weiterhin gesichert
Der stichtagsbedingte Anstieg des Bestands an liquiden Mitteln der KWS Gruppe (plus 20 Mio DM auf 123 Mio DM) ist insbesondere auf die Liquidität der LOCHOW-PETKUS GMBH zurückzuführen, die aus einer erhöhten Verschuldung (um 24 Mio DM) zur Finanzierung der Investition MOMONT resultierte. So wurden in einem sehr rentablen Fonds gebundene Mittel nur zum Teil verwandt, um günstige Konditionen am Kapitalmarkt nutzen zu können.
Die Zunahme der gesamten Verbindlichkeiten der KWS Gruppe um 47 Mio DM, die zum großen Teil auf die von LOCHOW-PETKUS gewählte Finanzierungsform bei der Beteiligung an MOMONT zurückzuführen ist, verursachte vor allem auf der Passivseite die Ausweitung der Bilanzsumme im Vergleich zum Vorjahr. Der Rest setzt sich zusammen aus verschiedenen Lieferantenverbindlichkeiten.
Der Cash flow nach DVFA/SG (nach Steuern) erhöhte sich in der Gruppe um 12 Mio DM auf 71,3 Mio DM und deckte die Investitionstätigkeiten sowie den Bestandsaufbau der Vorräte vollständig ab. Der Cash flow der AG ist mit 20,8 Mio DM nach 33,8 Mio DM im Vorjahr infolge der Ausgliederung des Be-reichs Mais in die KWS MAIS GMBH nur noch bedingt vergleichbar.
Erhöhung des Eigenkapitals in AG und Gruppe
Den Gewinnrücklagen der KWS sollen auf Grundlage eines HV-Beschlusses am 19.1.2000 sechs Mio DM zugeführt werden, so daß das Eigenkapital der AG dann 144 Mio DM beträgt. Bei einer um 46 Mio DM auf 426 Mio DM gestiegenen Bilanzsumme verringert sich die Eigenkapitalquote von 36,3 im Vorjahr auf 33,8 % im abgelaufenen Geschäftsjahr. (Der Vorjahreswert wurde um die Ausgliederung der Sparte Mais in die KWS MAIS GMBH bereinigt.)
Das Eigenkapital der Gruppe erhöhte sich wie im Vorjahr um rd. 30 Mio DM auf jetzt rd. 290 Mio DM. Bei Eliminierung der Währungseinflüsse ergäben sich für die Geschäftsjahre 1997/98 und 1998/99 Zugänge von jeweils insgesamt rd. 25 Mio DM. Die gestiegene Bilanzsumme führte auch hier zu einer Verringerung der Eigenkapitalquote von 42,0 % im Vorjahr auf 40,3 % im abgelaufenen Geschäftsjahr.
Kennzahlen zeigen weiterhin Stabilität
Die Umsatzrendite nach Steuern blieb in der Gruppe mit 5,5 % unver-ändert und stieg in der AG von 4,1 auf 4,8 %. Das Bilanzsummen-wachstum führte sowohl bei der Eigenkapitalrendite als auch bei der Gesamtkapitalrendite der AG und Gruppe zu einem leichten Rückgang. In der Gruppe verringerte sich die Eigenkapitalrendite um 2%-Punkte auf 14,3 % und die Gesamtkapitalrendite um 0,7 %-Punkte auf 6,0 %, liegt aber im Vergleich mit dem Wettbewerb auf beachtlichem Niveau.
Das Ergebnis DVFA/SG wird nach den neuen Richtlinien nur noch für die Gruppe ermittelt und beträgt 28,3 nach 29,2 Mio DM im Vorjahr. Je Stückaktie sind dies 42,86 DM nach 44,25 DM.
Insgesamt konnte KWS trotz eines leichten Umsatzrückgangs an die guten Ergebnisse der beiden letzten Geschäftsjahre auch 1998/99 anknüpfen.
Im Geschäftsjahr 1998/99 hat sich die stabile Ent-wicklung der Gruppe fortgesetzt. Das internationale Geschäft nahm weiter zu. Diese Trends zeigen, daß sich sowohl die geografische Diversifikation als auch die wesentlichen Geschäftsfelder Zuckerrüben, Mais und Getreide optimal ergänzen. Mit anderen Worten: KWS steht gut gerüstet an der Schwelle ins neue Millennium.