Bilanz-Pressebesprechung vom 03. Dezember 2002 in Hannover
Ausführungen von Jochen Beyes
Mitglied des Vorstands der KWSSAATAG
Der erfolgreiche Ausbau der Kernaktivitäten der KWS hat im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut Früchte getragen. Die daraus resultierende erfreuliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der gesamten Gruppe schlägt sich entsprechend in dem vorliegenden Jahresabschluss nieder und ist geprägt durch:
- einen erneuten Umsatzanstieg,
- eine Verbesserung des Jahresüberschusses,
- eine Zunahme der Wertschöpfung.
Darüber hinaus:
- überdecken die Cash Earnings den Mittelabfluss für Investitionen und Rückführungen von Verbindlichkeiten,
- verbesserte sich das Ergebnis nach DVFA/SG und
- konnte die Eigenkapitalquote auf fast 50 % ausgebaut werden.
So führte die Abkopplung des argentinischen Peso vom US-Dollar im Januar 2002 zu Währungsverlusten der KWS ARGENTINA, die das Betriebsergebnis der Gruppe mit rund 3 Mio EUR belasteten. Und der zum Bilanzstichtag schwache Dollar reduzierte die Währungsrücklage, die im Eigenkapital der KWS Gruppe enthalten ist, um 11,8 Mio EUR, während sie im Vorjahr um 9,3 Mio EUR gestiegen war.
Außer den negativen Währungseinflüssen musste das Ergebnis der KWS Gruppe Abschreibungen von rd. 4 Mio EUR (Vorjahr 1,2 Mio EUR) auf Firmenwerte verkraften.
Veränderung des Konsolidierungskreises
Deshalb lassen Sie mich gleich auf die Veränderungen im Konsolidierungskreis eingehen, da sich die Auswirkungen daraus wie ein roter Faden durch den Abschluss ziehen. Die Beteiligungen AGRELIANT LLC, USA, und AGRELIANT INC., Kanada, wurden im Berichtsjahr von 34 auf 50 % aufgestockt. Dadurch änderte sich naturgemäß auch die quotale Erfassung im Konsolidierungskreis um 16 %-Punkte auf 50 %. Ferner wurde das zum Segment Getreide zählende Joint-Venture-Unternehmen SOCIETE DE MARTINVAL S.A., Mons-en-Pévèle/Frankreich, als Gemeinschaftsunternehmen in Höhe seiner Beteiligungs-quote von 49 Prozent erstmals quotal einbezogen.
Nachdem unser französischer Züchtungspartner RAGT SEMENCES S.A., Rodez/Frankreich an der KWS HYBRID KFT., Györ/Ungarn, mit 50% beteiligt wurde, wird die Gesellschaft anstatt voll nun quotal konsolidiert. „RAGT“ wurde in den Firmennamen aufgenommen.
Verbesserte Ergebnisse
Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse der KWS Gruppe bemerkenswert. Der Umsatz konnte erneut um über 40 Mio EUR erhöht werden. Die geografische Verteilung zeigt eine ausgewogene Drittelung zwischen Inland, Europa und Übersee (und hier vor allem Nordamerika).
Der operative Umsatz, also der Umsatz ohne Auswirkungen aus den Veränderungen des Konsolidierungskreises, stieg um 18 Mio EUR = + 4,6 %. Dabei wuchs der operative Umsatz der Segmente Mais um 14,8 Mio EUR (+ 11,0 %) und Zuckerrüben um 9,1 Mio EUR (+ 4,7 %). Dagegen erzielte das Segment Getreide einen um 5,6 Mio EUR geringeren Außenumsatz als im Vorjahr.
Trotz einer Erhöhung der Herstellungskostenum über 19 Mio EUR verbesserte sich das Bruttoergebnis vom Umsatz von 140 auf rund 162 Mio EUR; das entspricht 37,3 % der Umsatzerlöse.
Während die Vertriebskosten sich um ca. einen Prozentpunkt auf 16 % der Umsatzerlöse erhöhten - verursacht durch die bereits erwähnten Zukäufe und die Intensivierung der Marktbearbeitung im Segment Mais – konnten die Allgemeinen Verwaltungskosten von 8 auf 7 % der Umsatzerlöse reduziert werden.
Die Sonstigen betrieblichen Erträge erreichten im Berichtsjahr mit 14,8 Mio EUR das übliche Niveau früherer Jahre. Die im Vorjahr mit 20 Mio EUR ausgewiesenen Erträge waren von höheren Erträgen aus der Auflösung nicht mehr benötigter Rückstellungen sowie hohen Erträgen aus der Auflösung von Wertberichtigungen auf Forderungen und dem Eingang wertberichtigter Forderungen geprägt.
Die Sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich um 5,5 Mio auf 22,5 Mio EUR, was auf Sondereinflüsse zurückzuführen ist, und zwar im Wesentlichen auf die bereits erwähnten Währungsverluste sowie die gestiegenen Abschreibungen auf die Geschäfts- und Firmenwerte in Höhe von rd. 4 Mio EUR nach 1,2 Mio EUR im Vorjahr.
Das HGB-Betriebsergebnis verringerte sich zwar um 1,1 auf 51,8 Mio EUR, es hätte aber ohne die Belastung aus Argentinien das gute Vorjahresergebnis noch um 2 Mio EUR übertroffen.
Die Steuern vom Einkommen und vom Ertrag reduzierten sich von 22,7 auf 21,6 Mio EUR. Die Entlastung aus dem verminderten Körperschaftsteuersatz in Deutschland wurde aufgrund wesentlich höherer zu versteuernder Gewinne hier nicht sichtbar. Hinzu kommt ein Aufwand von 1,5 Mio EUR aus der Verringerung der aktivischen Steuerabgrenzung, so dass die Steuerquote insgesamt nur um 2,6 %-Punkte auf 42,1 % zurückging.
Nach Abzug der Ertragsteuern ergibt sich somit ein von 28 auf fast 30 Mio EUR gestiegener Jahresüberschuss der KWS Gruppe – ein Plus von knapp 6 %.
Nach diesen Ausführungen zur Erfolgsrechnung möchte ich nun zu den wesentlichen Bilanzposten übergehen, beginnend mit dem Anlagevermögen.
Von den im Berichtsjahr getätigten Investitionen in das langfristige Vermögen, insgesamt 34 Mio EUR, wurden jeweils 13 Mio EUR im Segment Mais in Nordamerika und im Segment Züchtung & Dienstleistungen in Deutschland investiert. Die bereits erwähnten Beteiligungen an den Joint-Venture-Unternehmen AGRELIANT LLC, USA, und AGRELIANT INC., Kanada, wurden im Berichtsjahr durch die Aufstockung der Beteiligungsquote von 34 auf 50 % weiter ausgebaut. Die Entscheidung, uns verstärkt im Produktbereich Kartoffeln zu engagieren, führte zu Investitionen in Höhe von 4,8 Mio EUR in das Finanzanlagevermögen, da unsere Beteiligungen an der SAKA-RAGIS Pflanzenzucht GbR und an der SAKA-RAGIS Agrarprodukte GmbH & Co. KG mit ihrem anteiligen Eigenkapital (Equity-Methode) bilanziert werden.
Die übrigen Investitionen setzten sich zusammen aus Ersatzinvestitionen in den Bereichen F&E, Produktion und Informationstechnologie.
Darüber hinaus haben wir am 20. November den Grundstein für unser neues Verwaltungsgebäude in Einbeck gelegt, und wir planen, Weihnachten 2003 dort einzuziehen. Akuter Platzmangel, nicht mehr zeitgemäße Technologie, Verbesserung der Kommunikation sowie Wirtschaftlichkeitsfragen führten zu der Entscheidung für den Neubau. Die Investitionen von fast 10 Mio EUR verteilen sich auf das laufende und das nächste Geschäftsjahr.
Erfolgreiches Vorrats- und Forderungsmanagement
Und nun zum Umlaufvermögen, dessen erfolgreiche Bewirtschaftung zur guten Finanzlage der KWS Gruppe maßgeblich beigetragen hat.
Trotz gestiegener Umsätze verringerten sich die Vorräte der KWS Gruppe um 1,8 auf insgesamt 69,0 Mio EUR und das, obwohl durch die Änderung des Konsolidierungskreises Vorräte in Höhe von 4,5 Mio EUR neu einbezogen wurden. Gut 50 % der Bestände zum Bilanzstichtag entfallen auf das Segment Mais und knapp 40 % auf das Segment Zuckerrüben. Unsere strengen Bewertungs-grundsätze wurden unverändert beibehalten.
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände der KWS Gruppe erhöhten sich im Berichtsjahr um 0,8 auf 154,5 Mio EUR. Ohne Änderung des Konsolidierungskreises hätten sie sogar nur 145,9 Mio EUR betragen, d. h. unsere Forderungen aus dem operativen Geschäft reduzierten sich um 7,8 Mio EUR.
Verbesserte Liquidität und weiterhin gute Kennzahlen
Die positive Geschäftsentwicklung äußert sich auch in einer verbesserten Liquiditätssituation. Die Flüssigen Mittel sind zum Bilanzstichtag um 10 Mio EUR auf fast 50 Mio EUR gestiegen und überdecken jetzt zusammen mit den Wertpapieren des Umlaufvermögens in Höhe von rund 25 Mio EUR die kurzfristigen Bankschulden und langfristigen Kredite um über 36 nach im Vorjahr 18 Mio EUR.
Der erfolgreiche Geschäftsverlauf zeigt sich zudem in den Kennzahlen der Gruppe: Diese wurden, wie in den Vorjahren, nach den Grundsätzen der „Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung e. V. (DVFA)“ und der Schmalenbach-Gesellschaft - Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft (SG) ermittelt.
Der Cashflow (nach Steuern) erhöhte sich um 4,6 Mio EUR auf über 53 Mio EUR, während die Cash Earnings von 48,8 Mio EUR auf 52,2 Mio EUR stiegen. Das Ergebnis nach DVFA/SG beträgt 27,1 nach 24,7 Mio EUR im Vorjahr. Pro Aktie entspricht dies 41,12 EUR nach 37,37 EUR. Die Wertschöpfung erhöhte sich von 140 Mio EUR im Vorjahr um 10 % auf nunmehr 154 Mio EUR.
Die Umsatzrendite nach Steuern erreichte aufgrund des Umsatzwachstums von über 10 % mit 6,8 % nicht ganz das Vorjahresniveau von 7,2 %. Die Eigenkapitalrendite beläuft sich auf 15,4 (im Vorjahr 17,0) % und die Gesamtkapitalrendite auf 7,8 (im Vorjahr 8,2) %.
Der Return on Capital Employed (Verzinsung des betriebsnotwendig gebundenen Kapitals) beträgt im Berichtsjahr 26,4 nach 27,6 % im Vorjahr. Dabei stieg das Capital Employed um 12,5 Mio EUR auf 265 Mio EUR.
Aufgrund der positiven Ergebnisentwicklung erhöhte sich das Eigenkapital der Gruppe um über 10 Mio EUR auf jetzt rund 212 Mio EUR. Bereinigt um Währungseinflüsse, Kapitaleinzahlungen und Ausschüttungen wäre das Eigenkapital im Berichtsjahr um 29,7 Mio EUR - im Vergleich zu 26,1 Mio EUR im Vorjahr - gestiegen. Trotz einer abermals höheren Bilanzsumme – nun 430 Mio EUR nach 414 Mio EUR - stieg die Eigenkapitalquote der KWS Gruppe folglich erneut, und zwar von 48,6 auf 49,2%.
Soweit die Entwicklungen wie Sie sie aus dem vorliegenden Geschäftsbericht entnehmen können. Falls Ihrerseits Interesse am Jahresabschluss der KWS SAAT AG besteht, werden wir Ihnen diesen gern als Sonderdruck zur Verfügung stellen, da er nicht in dem Geschäftsbericht der Gruppe mit abgedruckt ist.
Dividendenerhöhung von 10,00 auf 11,00 EUR.
Lassen Sie mich nun zum Schluss zur Ausschüttung kommen:
Für das Vorjahr haben wir 10,00 EUR je Stückaktie, also 6,6 Mio EUR ausgeschüttet. Da der Jahresüberschuss der KWS SAAT AG sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 14,6 Mio EUR nach 13,2 Mio EUR im Vorjahr beläuft, werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2003 die Ausschüttung einer Bardividende von 11,00 EUR je Stückaktie vorschlagen.
Aus dem Jahresüberschuss der AG würden folglich 7,3 Mio EUR ausgeschüttet und der gleiche Betrag den Gewinnrücklagen zugeführt werden.
2001/02 gilt für Aktionäre, die der deutschen Einkommensteuer unterliegen, erstmals das Halbeinkünfteverfahren. Dieses neue Verfahren sieht vor, dass die von der KWS SAAT AG gezahlte Körperschaftsteuer den Aktionären nicht mehr als Körperschaftsteuerguthaben gewährt wird, dafür ist jetzt nach der neuen Regelung nur noch die Hälfte der Bardividende steuerpflichtig.
Abschließend möchte ich betonen, dass KWS, entgegen den Entwicklungen der Branche und trotz des schwierigen Umfeldes, wiederum auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblickt. Durch angemessene Gewinnthesaurierung haben wir für das weitere Wachstum des Unternehmens Vorsorge getroffen und blicken optimistisch in die Zukunft.
- Jochen Beyes -
3. Dezember 2002