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Erhaltung der Biodiversität

Ohne Biodiversität keine Pflanzenzüchtung – ohne Pflanzenzüchtung keine Biodiversität.

Biodiversität oder biologische Vielfalt umfasst gemäß der UN-Konvention zur Biologischen Vielfalt von 1992 (CBD, Convention on Biological Diversity) die Vielfalt der Ökosysteme, die Vielfalt der Arten in diesen Ökosystemen und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. In der UN-Konvention wurden folgende Ziele festgelegt: Die Erhaltung der Biologischen Vielfalt, die Sicherung der nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile sowie der gerechte und ausgewogene Vorteilsausgleich, der bei der Nutzung der genetischen Ressourcen entsteht.

Die nachhaltige Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für den Lebensmittel- und Agrarbereich ist wiederum in dem Internationalen Vertrag (IT, International Treaty on Plant Genetic Resources for Food and Agriculture) der Welternährungsorganisation FAO geregelt, den bislang 121 Länder weltweit ratifiziert haben. Der Vertrag regelt den erleichterten Zugang und den Gewinnausgleich durch Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen für den Lebensmittel- und Agrarbereich.

Für die Pflanzenzüchter ist es von großer Bedeutung, eine möglichst große Variation an Pflanzenmaterial für die Auswahl und Selektion zur Entwicklung von Sorten zu erhalten. Nur mit einer stetigen Verbesserung der Kulturpflanzen kann den Anforderungen von Bevölkerungswachstum und Klimawandel begegnet werden. Durch die kontinuierliche Entwicklung neuer Sorten wird wiederum ein maßgeblicher Beitrag zum Erhalt und zur Erweiterung der genetischen Variation geleistet, d.h. Pflanzenzüchtung und biologische Vielfalt bedingen sich gegenseitig.

Auch KWS trägt zur Nutzung und Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen bei. Die Nutzung von pflanzengenetischen Ressourcen in Deutschland ist über den sogenannten Züchtervorbehalt im Gesetz zum Sortenschutz (§10a Abs.1 SortSchG) geregelt. Dieser ermöglicht es den Pflanzenzüchtern, zugelassene Sorten anderer Züchter für die eigenen Züchtungsprogramme zu nutzen. Bei dieser Erhaltungsform spricht man von in situ-Erhaltung – im Feld.

Die Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen ex situ – also nicht im Feld – wird über sogenannte Genbanken realisiert. Dort wird Saatgut von zahlreichen Pflanzenarten gelagert und über regelmäßige Vermehrung vital gehalten. Eine der weltweit größten Genbanken befindet sich im IPK Gatersleben, welche einen Gesamtbestand von 151.002 Mustern aus 3.212 Pflanzenarten und 776 Gattungen aufweist.
Die Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen ist vor allem in den weltweit vorhandenen Biodiversitätszentren von Bedeutung, die eine hohe Vielfalt an pflanzengenetischen Ressourcen aufweisen. Viele dieser Biodiversitätszentren befinden  sich in Entwicklungsländern, denen häufig die nötigen finanziellen Mittel, Kapazitäten und oftmals das entsprechende Wissen, um diese Ressourcen in geeignetem Maß sichern zu können, fehlen.

KWS ist es ein wichtiges Anliegen, sich für den Erhalt pflanzengenetischer Ressourcen und die Unterstützung wissenschaftlicher Projekte in Entwicklungsländern vor Ort einzusetzen - unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben und des Internationalen Vertrages.

Daher engagiert KWS sich im Rahmen einer Initiative für die Nutzbarmachung von pflanzengenetischen Ressourcen für die Pflanzenzüchtung in Peru vor Ort. Ziel ist die Aus- und Weiterbildung von peruanischen Wissenschaftlern im Bereich der Pflanzenzüchtung und der Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen. Im Rahmen des Programms werden Fragestellungen zu den für Peru besonders wichtigen Kulturarten Mais und Quinoa behandelt. Die peruanischen Wissenschaftler werden bei der Auswahl von geeigneten Züchtungsmethoden zur Verbesserung der Züchtungsleistung beraten. Hinsichtlich der Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen stehen die Anwendung von Methoden für den Erhalt und die Evaluierung der Ressourcen im Vordergrund. Die wissenschaftliche Ausbildung wird in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Nutzpflanzenbiodiversität und Züchtungsinformatik der Universität Hohenheim durchgeführt.

Weiterhin engagiert sich KWS seit 2012 gemeinsam mit der GFP (Gemeinschaft zur Förderung der privaten deutschen Züchtung e.V.) im Rahmen des öffentlich geförderten Kooperationsprogramms Deutschland – Äthiopien mit einem Projekt zur Stärkung des äthiopischen Saatgutsektors. Bestandteil des Projekts sind Weiterbildungsangebote für äthiopische Züchter und Techniker sowie Schulungen in der Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) unterstützt diesbezüglich die Vernetzung des äthiopischen Biodiversitätsinstitutes (IBC) mit anderen Genbanken weltweit, u. a. mit der deutschen Genbank in Gatersleben.


 
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