KWS
   
 

Ausführungen von

Dr. Dr. h.c. Andreas J. Büchting
Dr. Dr. h.c. Andreas J. Büchting

  Dr. Dr. h.c. Andreas J. Büchting
Sprecher des Vorstands der
KWS SAAT AG

anlässlich der Bilanz-Pressebesprechung in Hannover
am Donnerstag, 2. Dezember 2004

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen zur Bilanzpressebesprechung der KWS SAAT AG hier in Hannover. Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Es ist gute Tradition unseres Hauses, dass wir Ihnen die Vorweihnachtszeit erhellen, indem wir Licht ins Zahlenwerk des abgelaufenen Geschäftsjahres bringen.

Eine "Frohe Botschaft" sei an dieser Stelle schon vorweggenommen:

Wir wachsen wieder.

Nach der Wachstumspause im vergangenen Jahr ging es mit der KWS Gruppe wieder bergauf. Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert:

  • Erstens, weil wir einen Großteil unserer Umsätze außerhalb der Eurozone erwirtschaften und der starke Euro für heftigen Gegenwind sorgte.
  • Zweitens: Die agrarpolitischen Rahmenbedingungen waren und sind nach wie vor schwierig. Gleichwohl gelang es uns, auf unserem Wachstumskurs Fahrt aufzunehmen.

Ein altes Sprichwort sagt: "Wenn's bergauf geht, muss man anschieben". Ich möchte Ihnen im Folgenden darstellen, wie und wo es bei KWS bergauf geht und wie wir dabei anschieben.

Wie es mit KWS bergauf ging, zeigen folgende Kennzahlen:

  • Der Gruppen-Umsatz stieg um 4,6 % auf einen neuen Höchststand von 443,7 (424,3) Mio €. Gebremst wurde der Umsatzanstieg durch negative Währungseffekte in Höhe von gut 15 Mio €. Um diese bereinigt wäre der Umsatz auf rund 460 Mio € gestiegen – ein Wachstum von 8 %.
  • Der Mais-Umsatz erhöhte sich um 11 % auf 191,0 (172,0) Mio €, sodass dieses Wachstums-Segment mittlerweile 43 % zum Gruppen-Umsatz beiträgt. Damit zieht das in unserer Unternehmensgeschichte vergleichsweise "Junge Pflänzchen" Mais erstmals mit unserer traditionellen Königsdisziplin, der Zuckerrübenzüchtung, gleich.
  • Die Zahl der neuen Vertriebsgenehmigungen erreichte mit 231 Zulassungen erneut das hohe Vorjahresniveau.
  • Wir konnten unsere Marktanteile in allen Produktsegmenten ausbauen – insbesondere bei Mais und Getreide.
  • Die Auslandsquote kletterte durch die hohen Absatzzahlen in den USA und Südosteuropa auf über 71 %.
  • Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich um 7,7 % auf 2.516. Wir haben damit 180 neue Stellen in der Gruppe geschaffen.
  • Die Verbindlichkeiten wurden um 17 Mio € zurückgeführt und gleichzeitig die Eigenkapitalquote auf 57,7 % erhöht. Eine wichtige Kennzahl, die die solide finanzielle Verfassung des Unternehmens aufzeigt.

Die KWS Gruppe ist heute besser positioniert als je zuvor. Das Unternehmen genießt einen hervorragenden Ruf auch bei den Kunden. Sie schätzen KWS als Partner vor allem wegen der hohen Innovationsleistung, unserer Verlässlichkeit in der Kundenbeziehung sowie unserer Unabhängigkeit.

Wachstum aus eigener Kraft

Das Wachstum im operativen Geschäft war auch möglich, weil wir gezielt, aber kräftig angeschoben haben.

Wir haben nämlich…

  • mehr für die Erschließung und Bearbeitung der Wachstumsmärkte USA und Südosteuropa ausgegeben, was unsere Vertriebskosten erhöhte,
  • die Ausgaben für Forschung & Entwicklung weiter aufgestockt und wichtige zusätzliche Züchtungsprojekte initiiert,
  • rund ein Viertel mehr in unsere Infrastruktur investiert,
  • die Umstellung auf internationale Rechnungslegungs-Standards (IFRS) vorgenommen.

Diese umfassenden Anstrengungen haben indes dazu geführt, dass das Ergebnis nicht mit dem Umsatzwachstum mithalten konnte. Wir haben ganz bewusst antizyklisch investiert, um die Marktposition auch auf neuen Sektoren langfristig auszubauen. Davon wird KWS in der Zukunft profitieren.

Aber auch die Währungseffekte und vor allem die Änderungen bei den Konzernbilanzierungsvorschriften brachten erhebliche Ergebnisbelastungen mit sich, die Ihnen mein Kollege Hagen Duenbostel im Anschluss näher erläutern wird.

Dennoch blicken wir auf einen ertragreichen Jahresabschluss. Die KWS Gruppe erreichte einen Jahresüberschuss von 28,3 Mio € - also fast wieder die Vorjahreshöhe (28,9). Das entspricht einer Nach-Steuer-Rendite von 6,4 % - ein interessanter Wert auch im Hinblick auf die Positionierung der KWS Aktie an der Börse.

Die "Kleine Wanze" aktiver an der Börse

Diese Entwicklung werden Sie sicher nach unserer Ad hoc-Mitteilung vom vergangenen Freitag in den kommenden Wochen intensiver beobachten. Lassen Sie mich dazu noch folgenden Hintergrund geben:

Kontinuität und Unabhängigkeit in der Unternehmensführung waren und bleiben die beiden Schlüsselfaktoren für unseren Erfolg. Das ist in den vergangenen Jahren auch im internationalen Vergleich immer wieder deutlich geworden. Die Eigenständigkeit der KWS nutzen wir im aktiven Geschäft. So sind wir in der Lage, mit unterschiedlichen Forschungspartnern zusammenzuarbeiten und so unseren Kunden alle Innovationen aus einer Hand anbieten zu können.

Wenn nun die Südzucker AG und die HypoVereinsbank ihre KWS Aktien – wie angekündigt – veräußern, wird der Streubesitz der KWS Aktien von 8,2 % auf etwa ein Drittel steigen. Dies liegt aus mehreren Gründen im Unternehmensinteresse: Das Gewicht der KWS am Kapitalmarkt nimmt zu, die KWS Aktie wird durch den erhöhten Streubesitz liquider, d. h. sie ist durch die erhöhten Börsen-Umsätze handelbarer und last but not least damit weniger volatil. Die KWS Aktie wird damit deutlich attraktiver, auch für institutionelle Anleger.

Vielleicht interessiert Sie in diesem Zusammenhang ein kurzer Blick in die Historie.

KWS und die ehemalige Hoechst AG schlossen im Jahr 1985 einen Vertrag über eine intensive Zusammenarbeit in der Pflanzenforschung. Diese Forschungskooperation wurde mit einem KWS Aktienpaket von 15 % unterlegt. Durch Fusionen auf der Seite unseres Partners Hoechst ging die Beteiligung im Zeitablauf von Hoechst – später gemeinsam mit Schering in der AgrEvo GmbH – auf Aventis CropScience (Hoechst und Rhône Poulenc) und schließlich auf Bayer CropScience über. Die Forschungskooperation wurde nach dieser kleinen Odyssée beendet und das Aktienpaket war aus vertraglichen Gründen von Bayer wieder abzugeben.

Dieses Aktienpaket (15 %) wurde vor wenigen Monaten bei der Familienaktionärsgruppe Büchting/Oetker/Giesecke (4,4 %) sowie bei einem ebenfalls langfristig orientierten, privaten Investor, der Tessner Beteiligungs GmbH aus Goslar, platziert. Damit beläuft sich der Anteil der Familienaktionärs-Gruppe auf gut 56 % und der Tessner Beteiligungs GmbH auf 10,6 %.

Nun haben Sie bereits gehört, dass die Südzucker AG kund getan hat, dass sie ihre KWS Beteiligung von knapp 10 % aufgrund der bestehenden festen Geschäftsbeziehungen nicht mehr als unbedingt notwendig erachtet und sich davon trennen möchte. Nachdem Südzucker im vergangenen Jahr bereits mehr als die Hälfte ihrer KWS Aktien – nämlich 15 % – an die HypoVereinsbank übertragen hatte, war dies absehbar.

Sie fragen sich jetzt sicherlich, was es für das operative Geschäft der KWS bedeutet, wenn Südzucker seine Minderheitsbeteiligung abgibt. Dies erfolgt – das kann ich Ihnen aus meinen Gesprächen mit dem Südzucker-Management versichern – in aller Freundschaft. Wir pflegen auf allen Ebenen nach wie vor gute partnerschaftliche Beziehungen. Das Kunden-Lieferanten-Verhältnis ist bestens intakt. Wir haben das gemeinsame Ziel, einen wettbewerbsfähigen Zuckerrübenanbau in Deutschland und in Europa sicherzustellen. Und dafür wollen wir weiterhin ein Menge tun.

Die Platzierung der Aktien soll angabegemäß bei institutionellen Investoren erfolgen und wird damit auch den KWS Unternehmenszielen gerecht. Die Federführung der Platzierung liegt bei der HypoVereinsbank. Das Bankhaus Sal. Oppenheim, die DZ BANK sowie unsere hiesige Landesbank – die NORD/LB – sollen zum platzierenden Konsortium gehören. Das Transaktionsvolumen wird auch die 15 %-Beteiligung der HypoVereinsbank umfassen, die sie kurzzeitig von Südzucker übernommen hatte. Insgesamt werden also rund 25 % der KWS Aktien umplatziert. Das Gewicht der KWS wird dadurch am Kapitalmarkt zunehmen – ein Schritt, den wir aus Unternehmenssicht begrüßen.

Sie sehen, es geht in vielerlei Hinsicht aufwärts mit der KWS. Und Sie sehen auch, dass wir kräftig angeschoben haben, um auch zukünftig Erfolge vermelden zu können. Wir sind uns den Ansprüchen unserer Aktionäre durchaus bewusst und tun alles, sie auch in Zukunft zu erfreuen.

Ich möchte Sie nun einladen, nach diesen grundsätzlichen Neuigkeiten in einige Details unseres operativen Geschäfts hineinzuschauen.

Unsere Segmente im Überblick:

Zuckerrüben: Weltmarkt-Position ausgebaut

Die KWS Gruppe konnte die weltweite Spitzenposition bei Zuckerrüben-Saatgut weiter ausbauen. Wir erzielten im Geschäftsjahr 2003/2004 einen Umsatz von 193,1 Mio € und damit rund 1,8 % weniger als im Vorjahr. Vor dem Hintergrund von witterungsbedingten Mehrumsätzen im Vorjahr und einem erneuten Flächenrückgang in Europa sind wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Zudem wäre der Umsatz um 5,3 Mio € höher ausgefallen, bereinigt man die negativen Wechselkurseffekte. D.h. der Segment-Umsatz übertraf den Vorjahreswert bereinigt um rund 1 %. Das Betriebsergebnis der Sparte reduzierte sich um rund 10 % auf 28,7 Mio € – allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass das Vorjahresergebnis durch Rückstellungsauflösungen einmalig begünstigt war. Die Betriebsergebnis-Marge ging damit von 16 % auf 15 % zurück.

Die KWS Gruppe hat ihre Marktposition bei Zuckerrüben-Saatgut in drei wichtigen Märkten ausgeweitet. So stieg der Marktanteil des nordamerikanischen Tochterunternehmens Betaseed von 60 auf 67 %. In Süd- und Südosteuropa verbuchten wir erneut Umsatzzuwächse von 21 %. Auch in der Russischen Föderation nahm der Absatz um über 67 % zu. Der Deutschland-Anteil bei Zuckerrüben-Saatgut liegt erneut bei über 50 %.

Mais: Starkes Wachstum hält weiterhin an

Mais ist seit Jahren der Wachstumsmarkt für die KWS. Jahr für Jahr erzielen wir in diesem Segment neue Umsatzrekorde. Im Berichtsjahr wurde der Wert von 191 Mio € erreicht. Ein Plus von 11 %. Bei einem unveränderten Euro-Dollar-Verhältnis wären die Erlöse um über 16 % auf 200 Mio € gestiegen. Mais trägt jetzt zu 43 % zum Gruppenumsatz bei – im Vorjahr waren es noch 40 %. Dies ist ein vortreffliches Beispiel für den Erfolg unserer Diversifikationsstrategie: Vor rund 10 Jahren lag der Mais-Anteil bei der KWS nur bei 29 %. Das Umsatzvolumen dieses Segmentes hat sich seither mehr als verdreifacht.

Das Betriebsergebnis stieg überproportional und erreichte eine Höchstmarke. Trotz der Währungseffekte konnten wir das Ergebnis nahezu verdoppeln auf 8,9 Mio €. Die Vorlaufkosten und Investitionen in den Vorjahren zeigen nun deutlich positive Ergebnisauswirkungen.

Sie fragen sich sicherlich, warum es uns gelingt, im Mais-Markt so kräftig zu wachsen. Die Antwort ist vielschichtig, aber ich möchte sie in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen: Mais wird weltweit wegen des hohen Nährwertes und der Bedeutung für die Tierfütterung zunehmend angebaut. KWS verhilft den Landwirten mit innovativen und leistungsstarken Sorten zu mehr Produktivität und erhöht damit indirekt die Kaufkraft auch in strukturschwachen Regionen. In vielen Ländern, insbesondere in Süd- und Südosteuropa, nehmen die Anbauflächen zu und die Marktanteile verschieben sich zu Gunsten innovativer, vertriebsstarker Anbieter. Jetzt bestehen die besten Chancen, in diese Märkte einzusteigen und Marktanteile zu sichern.

Ganz anders ist die Situation in Nordamerika, obgleich die Wachstumsraten mit rd. 20 % ebenso zweistellig sind. Das Wachstum wird dort vorrangig durch unsere hohe Produktkompetenz getrieben. Über 48 % der Umsatze erlösen wir mit gentechnisch verbesserten Sorten. Nordamerika ist und bleibt kommerziell der weltweit interessanteste Einzelmarkt für Maissaatgut. Auch technologisch ist Nordamerika führend; KWS setzt dort umgerechnet für rund 29 Mio € gentechnisch veränderte Spezialsorten ab, das entspricht einem Anteil von 6,5 % des Gruppenumsatzes. Im Jahr 2000/2001 lag dieser Wert noch bei 2 %.

Getreide: Umsatz- und Ergebniszuwachs

Auch im Segment Getreide konnten wir bei Umsatz und Ergebnis Zuwächse verzeichnen. Nach dem Ende der staatlichen Roggenintervention erholte sich der Markt, was zu einer Steigerung des Hybrid-Roggen-Absatzes führte. Hier ist LOCHOW-PETKUS Marktführer.

Wachstum war aber auch durch eine hohe Nachfrage nach innovativen Sorten möglich. Allein 2004 erhielt die LOCHOW-PETKUS Gruppe 39 neue Vertriebsgenehmigungen – im Vorjahr waren es 28. Durch diese positiven Einflüsse gelang es im Berichtsjahr, den Getreide-Umsatz um 6,4 % auf 52,7 Mio € zu steigern. Das Betriebsergebnis legt noch deutlicher zu – von 1,6 auf 2,3 Mio €.

Züchtung und Dienstleistungen: Wachstum durch Innovation

Im Segment Züchtung und Dienstleistungen fasst die KWS Gruppe ihre Kernkompetenz zusammen - nämlich forschen und züchten. Ausgerichtet auf die Anforderungen unserer Kunden wird in Zusammenarbeit mit Forschungspartnern nach Lösungen für die Ernährungsindustrie gesucht. 2004 erhielten wir im Rahmen der internationalen amtlichen Sortenprüfungen insgesamt 231 neue Vertriebsgenehmigungen. Diese Kennzahl ist ein Gradmesser für unsere Innovationsstärke. Wir erhalten eine behördliche Zulassung nur dann, wenn die Sorte in mindestens einer Eigenschaft besser ist als bestehende Produkte.

In diesem Segment werden die Produkte entwickelt, die in den vorgenannten Segmenten vertrieben werden. Aus entsprechenden Lizenzeinnahmen erzielte das Segment Züchtung und Dienstleistungen Umsatzerlöse in Höhe von 124,7 Mio € – ein Plus von 3,1 %.

Im Geschäftsjahr 2003/04 haben wir schließlich eine Reihe neuer Forschungsprojekte angestoßen, um die technologische Marktposition weiter auszubauen. Vermehrte Investitionen sind auch der wesentliche Grund für den Ergebnisrückgang in diesem Segment von 11,5 auf 7,7 Mio €.

Das neue Gentechnikgesetz: eine mächtige Hürde

Bevor ich zum Ausblick komme, erlauben Sie mir an dieser Stelle einen kleinen Exkurs zum Thema "Grüne Gentechnik". Wir sind in Deutschland drauf und dran, den Anschluss bei dieser zukunftsweisenden Methode zu verlieren. Das von der Bundesregierung eingebrachte und inzwischen verabschiedete Gentechnikgesetz stellt eine schwer zu überwindende Hürde für Innovation dar. Forschungsarbeiten für die Praxis werden fortan in Deutschland auf dem Gebiet der Bio- und Gentechnologie sehr erschwert. Das neue Gesetz wird einen jahrelangen Innovationsstau nach sich ziehen und wir werden die ökologischen und ökonomischen Vorteile zunächst dem Ausland überlassen müssen. Trotzdem werden gentechnisch verbesserte Produkte in zunehmendem Maße importiert werden.

Freilandversuche mit neuen Produktentwicklungen sind unter derartigen rechtlichen Rahmenbedingungen kaum zu verantworten. Wir können gegenwärtig auch keine mit Hilfe der Gentechnik veredelten Sortenprodukte auf den deutschen Markt bringen. Für KWS heißt das konkret, dass wir unsere Forschungsarbeiten auf diesem Sektor reduzieren müssen. Im Ergebnis kann die deutsche Landwirtschaft nicht an diesen Produktivitätsfortschritten partizipieren und zudem werden hoch qualifizierte Arbeitsplätze in der Forschung nicht in Deutschland entstehen – im Gegenteil.

Dies ist eine Entwicklung, die ich persönlich mit großer Sorge um den Standort Deutschland betrachte. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob die Bundesregierung pragmatische Brücken baut, wie sie dies angekündigt hat. Ein pragmatischer und besonnener Umgang mit der Grünen Gentechnik – wie wir sie in einer freiwilligen Selbstbeschränkung schon seit Jahren praktizieren – würden die Chancen dieser Technologie auch für Deutschland nutzbar machen. Lassen wir uns überraschen, es kann eigentlich nur besser werden. Wir warten auf Einsicht "von oben".

Nun will ich abschließend aber von dem reden, was ich zusammen mit meinen Vorstandskollegen wirklich beeinflussen kann – unsere Strategie.

Ein Ausblick

Wir haben in den vergangenen Jahren – insbesondere im zurückliegenden – viel bewegt, damit es mit dem Unternehmen KWS weiterhin bergauf geht. Bergauf bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass wir Umsätze und Ergebnisse gleichermaßen steigern. Heute gehören wir als einziges deutsches Unternehmen zu den internationalen "Top Five" in der Züchtung landwirtschaftlicher Nutz-und Nahrungspflanzen. Diese Position wollen wir langfristig sichern bzw. weiter ausbauen. Ziel ist es, schneller zu wachsen als unsere Wettbewerber.

Wir haben klare Vorstellungen davon, wie wir dieses Wachstum erreichen können. Drei Stoßrichtungen hat KWS definiert:

  • Erstens werden wir die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten weiter ausbauen, um unseren Kunden neue Wertschöpfungspotenziale in Form von produktiveren, resistenteren und damit leistungsstärkeren Sorten zu bieten. Wir werden hier eine differenzierte Strategie fahren, mit und ohne Bio- und Gentechnik.
  • Zweitens werden wir unsere Vertriebsaktivitäten in den Regionen Süd- und Südosteuropa durch einen Direktvertrieb verbreitern und zwar in allen Produktsegmenten.
  • Drittens werden wir in Nordamerika gerade im Segment Mais die Marktstellung von AGRELIANT weiter ausbauen und Marktanteile hinzugewinnen.

Sie sehen, Produktkompetenz und Vertriebsstärke sind auch für die KWS das A und O für mehr organisches Wachstum. Das heißt aber nicht, dass wir Akquisitionschancen völlig ausschließen.

Der Ausblick auf das aktuelle Geschäftsjahr fällt - trotz der vielen positiven Tendenzen - besonders schwer. Die Einflüsse von Politik und Währung - insbesondere zwischen Euro und US-Dollar - könnten die Fortschritte im operativen Geschäft spürbar schmälern. Ich kann aber ein wenig konkreter werden: Wir rechnen damit, dass wir beim Betriebsergebnis das Vorjahresniveau zumindest halten können.

Lassen Sie mich dazu eine kurze Bemerkung am Rande machen: Durch den Höhenflug des Euro in den vergangenen vier Jahren hatten wir Belastungen bei Umsatz und Ergebnis zu verkraften. Trotzdem sind die Ergebnisse nicht signifikant zurückgegangen und die Umsätze sind sogar gestiegen. Eine Umkehrung des Trends ist zwar noch nicht in Sicht, aber auch nicht ausgeschlossen. Falls allerdings der Dollar wieder stärker werden sollte, wird das unsere Ergebnisse durchaus positiv beeinflussen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

KWS hat nicht nur ein gutes Geschäftsjahr hinter sich, sondern – das ist noch viel wichtiger – eine vielversprechende Zukunft vor sich. Mit unserer Eigenständigkeit und mit den hervorragenden Perspektiven in den Wachstumsmärkten wollen wir dafür sorgen, dass es mit KWS noch lange bergauf geht.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und gebe das Wort an meinen Vorstandskollegen Dr. Hagen Duenbostel weiter. Er wird Ihnen als Finanzvorstand nun die Einzelheiten zum Jahresabschluss der KWS Gruppe ausführlich erläutern.

Andreas J. Büchting 2. Dezember 2004


 
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