KWS
   
 

Ausführungen von

Dr. Hagen Duenbostel
Dr. Hagen Duenbostel

Dr. Hagen Duenbostel
Mitglied des Vorstands der
KWS SAAT AG

anlässlich der Bilanz-Pressebesprechung in Hannover
am Donnerstag, 2. Dezember 2004

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch ich begrüße Sie herzlich zur diesjährigen Bilanzpressebesprechung der KWS SAAT AG. Ich führe Sie nachfolgend durch den Jahresabschluss der KWS Gruppe:

 

Der Konsolidierungskreis der KWS Gruppe hat sich leicht vergrößert. In den KWS Gruppenabschluss wurden neben der KWS SAAT AG nunmehr 42 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften einbezogen.

Durch Neugründung sind hinzu gekommen:

  • die KWS SCANDINAVIA/Schweden und
  • die KWS SEMENA in Slowenien.

Nicht mehr enthalten ist die (SSR) SEMILLAS SELECCIONADAS DE REMOLACHA / Spanien. Dieses Joint Venture wurde liquidiert, da die Aktivitäten von unserer Tochtergesellschaft KWS SEMILLAS IBERICA übernommen wurden. Die Auswirkungen aus diesen Veränderungen auf den Abschluss sind jedoch unwesentlich.

 

Aktuelle Bilanzierungsvorschriften bewirken Bilanzverlängerung und Ertragsdruck

KWS hat den vorliegenden Konzernabschluss letztmalig nach deutschem Handelsrecht erstellt. Hierbei wurden die gravierenden Veränderungen der Vorschriften im HGB sowie die erstmalige Anwendung des DRS 10 zu latenten Steuern berücksichtigt. Gleichzeitig wurde der Konzernabschluss erstmals für das Geschäftsjahr 2003/2004 nach den Regelungen der IFRS erstellt, dieser wird jedoch erst mit dem nächsten Jahresabschluss veröffentlicht. In der Compliance-Erklärung haben wir entsprechend darauf hingewiesen.

Der Fortfall des § 308 Abs. 3 HGB hat bewirkt, dass im Gruppenabschluss per 1. Juli 2003 alle in der Vergangenheit vorgenommenen steuerlichen Sonderabschreibungen auf noch vorhandene Wirtschaftsgüter rückgängig gemacht und durch Normalabschreibungen ersetzt werden mussten.

Das Anlagevermögen wurde durch diese Maßnahme um 28,6 Mio € höher ausgewiesen. Außerdem musste der Sonderposten mit Rücklageanteil in Höhe von 0,6 Mio € aufgelöst werden.

Hieraus entstand jedoch kein Ertrag, denn diese Wertaufholungen waren erfolgsneutral in der Bilanz abzubilden. Die damit verbundenen latenten Steuerbelastungen wurden durch Bildung einer Rückstellung zum 30. Juni 2004 in Höhe von 10,0 Mio € antizipiert. Die Gewinnrücklagen erhöhten sich um 16,3 Mio €, so dass das Eigenkapital entsprechend anstieg.

Das Betriebsergebnis wurde jedoch deutlich auf Grund der zusätzlichen Abschreibungen auf das erhöhte Anlagevermögen mit insgesamt 2,3 Mio € belastet. Die erfolgsneutrale Bilanzverlängerung wird somit von einem abschreibungsbedingten Mehraufwand begleitet.

Aus der erstmaligen Anwendung des Standards 10 der Deutschen Rechnungslegungsstandards zur Berücksichtigung aller latenten Steuerwirkungen ergab sich zum 1. Juli 2003 im Vergleich zur bisherigen Bilanzierungspraxis eine Erhöhung des Aktiven Steuerabgrenzungspostens um 8,9 Mio €. Der gleiche Betrag wurde ergebnisneutral in die Gewinnrücklagen eingestellt und erhöht das Eigenkapital entsprechend.

Zusammengefasst ergibt sich vor allem aus den oben genannten Einflüssen eine Bilanzverlängerung um 38 Mio € auf insgesamt 469 Mio €.

Weiterhin hohe Investitionen in Innovationskraft

Zum Ausbau der weltweiten Marktposition hat KWS im Berichtsjahr in Sachanlagen und immaterielle Wirtschaftsgüter insgesamt 24,4 (19,2) Mio € investiert; davon zwei Drittel in Deutschland. Größte Einzelinvestitionen waren der Bau eines Mehrzweckgebäudes für Mais- und Rapszüchtung, ein Besucher- und Mitarbeiterinformationszentrum und die Fertigstellung des neuen Verwaltungsgebäudes am Standort Einbeck. Zur effizienten Aufbereitung dezentral angelegter Versuchsreihen wurde ein mobiles Zuckerrübenlabor entwickelt und fertiggestellt.

Die Investitionen liegen damit um knapp 5 Mio € über den Abschreibungen.

Verschuldung weiter zurückgefahren

Die gute Liquiditätssituation wurde genutzt, um Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten um 20,6 Mio € auf nun 10,4 Mio € abzubauen, dabei schloss die KWS Gruppe das Geschäftsjahr 2003/04 mit einem Nettoguthaben von knapp 48 Mio € ab. Das zurzeit günstige Zinsniveau wurde durch Zinsswaps langfristig gesichert.

Obgleich der Cashflow mit 48,7 Mio € nicht die Vorjahreshöhe von 52,1 Mio € erreicht, stellt sich die Finanzkraft der KWS Gruppe erneut sehr gut dar. Erfreulich ist wiederum die Entwicklung des Leverage. Zum Bilanzstichtag ist der Anteil der Bankschulden am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte gesunken und beträgt nunmehr lediglich rund 15 % nach 100 % vor vier Jahren.

Der Kapitalfluss ist geprägt von einem Aufbau der Vorräte um 6,8 Mio € und Erhöhung der Forderungen um 4,4 Mio € aufgrund erweiteter Umsätze in Osteuropa.

Die Wertberichtigungen auf Forderungen wurden auf 11,4 nach 10,8 Mio € erhöht. Nennenswerte Forderungsausfälle sind nicht eingetreten.

Die Eigenkapitalquote steigt auf 58 %

Das Eigenkapital erhöhte sich durch ein solides Jahresergebnis und die zuvor genannten bilanztechnischen Effekte um insgesamt 44,3 auf 270,4 Mio €. Das ist ein Plus von 20 %; davon stammen aus dem Jahresüberschuss 28,3 Mio €.

Das um 37,9 Mio € erhöhe Gesamtkapital von 469 (431) Mio € besteht zu 57,7 % aus Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote steigt damit um 5 %-Punkte gegenüber dem Vorjahr. Das Anlagevermögen und die Vorräte werden vollständig und darüber hinaus die Forderungen zu 27 % durch Eigenkapital gedeckt. Diese solide Finanzlage des Unternehmens ist auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das weiterhin angestrebte Wachstum des operativen Geschäfts.

Umsatzwachstum trotz schwachem US-Dollar

Der erfreuliche Umsatzanstieg wurde durch negative Währungseinflüsse in Höhe von 15 Mio € gemindert. Hierzu hat hauptsächlich die schwache Entwicklung des US-Dollars beigetragen. Dennoch konnte KWS einen Rekordumsatz von 444 Mio € nach 424 Mio € im Vorjahr erwirtschaften. Über die einzelnen Segmentergebnisse hat bereits Herr Büchting berichtet.

Der Umsatzanstieg um 20 Mio € und die um die betrieblichen Aufwendungen saldierten betrieblichen Erträge in Höhe von 1,6 Mio € konnten die insgesamt gestiegenen Funktionskosten und die zuvor genannten Sonderbelastungen nicht vollständig kompensieren, sodass das Betriebsergebnis mit 47,6 € um 2,4 Mio € geringer als im Vorjahr ausgewiesen werden musste.

Hoher Aufwand für Zukunftsmärkte

Neben den genannten erhöhten Abschreibungen in Höhe von 2,3 Mio €, die aus der Wertaufholung des Anlagevermögens resultieren, haben sich die Vertriebskosten im Wesentlichen durch die Erschließung und Bearbeitung der Wachstumsmärkte Süd-/Südosteuropa, Frankreich und USA um 5,9 Mio € ausgeweitet. Das entspricht einer Mehrbelastung in der Marktbearbeitung um gut 8 %. Des Weiteren wurden die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung erneut erhöht. Jährliche Züchtungs- und Biotechnologieaufwendungen von über 15 % vom Umsatz tragen wesentlich dazu bei, dass die hervorragenden Leistungen von KWS Sortenprodukten in allen Kernmärkten abgesichert bleiben.

Das gute Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) konnte mit 67,2 Mio € das Vorjahr mit 71,0 Mio € nicht erreichen; übertrifft jedoch leicht die Erwartungen.

Das Beteiligungsergebnis fiel niedriger aus als im Vorjahr, im Wesentlichen bedingt durch geringere Erträge im Kartoffelgeschäft. Da sich auch die Erträge aus Ausleihungen verminderten, wird das Finanzergebnis insgesamt um 1,1 Mio € geringer ausgewiesen. Als Konsequenz ergibt sich ein um insgesamt 3,5 Mio € verringertes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 47,3 Mio €.

Gesunkene Aufwendungen aus der Veränderung aktiver und passiver latenter Steuern sowie geringere Effektivsteuern im Inland verursachten die deutlich um 3,0 auf 19,0 Mio € gesunkenen Ertragssteuern, so dass ein noch befriedigender Jahresüberschuss in Höhe von 28,3 nach 28,9 Mio € erreicht werden konnte. Die Steuerquote verbesserte sich von 43,3 % im Vorjahr auf nunmehr 40,1 %.

DVFA - Ergebnis gestiegen

Nach Bereinigung außerordentlicher, periodenfremder Geschäftsvorfälle errechnet sich ein Ergebnis nach DVFA/SG in Höhe von 26,3 Mio €, welches um 0,8 Mio € höher als im Vorjahr liegt.

Das DVFA-Ergebnis je Aktie beträgt somit 39,90 nach 38,66 € im Vorjahr.

Wenngleich die hervorragenden Renditekennzahlen des Vorjahres nicht ganz erreicht werden konnten, bleibt die Rentabilität der KWS Gruppe insgesamt annähernd stabil. Die Umsatzrendite liegt bei 6,4 % (6,8 %). Die Verzinsung des eingesetzten betriebsnotwendigen Vermögens (Return on Capital Employed) erreichte noch 15 % nach 17, 5 % im Vorjahr. Die Eigenkapital-rendite liegt bei 13 % und die Gesamtkapitalrendite weiterhin bei rund 7 %.

Die Wertschöpfung von 153,9 (153,4) Mio € verteilt sich auf Mitarbeiter mit 101,7 (97,0) Mio €; auf Kreditgeber mit 2,9 (3,8) Mio €; auf die Öffentliche Hand mit 21,0 (23,1) Mio € und auf die Aktionäre mit 8,5 (8,1) Mio €. Im Unternehmen verbleiben 19,8 nach 20,8 Mio € im Vorjahr. An der Verteilung können Sie leicht ablesen, welchen Stellenwert die Mitarbeiter bei KWS haben. KWS bleibt darüber hinaus ein nicht unwichtiger Arbeitgeber in Niedersachsen.

Dividende erneut 11,00 € je Stückaktie

Für das Geschäftsjahr 2002/2003 haben wir im Januar 2004 einen Betrag von 11,00 € je Stückaktie, also in Summe 7,3 Mio € ausgeschüttet. Der Jahresüberschuss der KWS SAAT AG beläuft sich im Geschäftsjahr 2003/2004 auf 14,8 Mio € und liegt damit auf Vorjahresniveau.

Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung im Januar 2005 die Ausschüttung einer Bardividende erneut in Höhe von 11,00 € je Stückaktie vorschlagen. Aus dem Jahresüberschuss von 14,8 Mio € werden 7,3 Mio € ausgeschüttet. Weitere 7,5 Mio € werden in die Gewinnrücklagen eingestellt.

Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass KWS im abgelaufenen Geschäftsjahr dank einer stabilen Ertragslage erneut im Stande war, die Vermögens- und Finanzlage deutlich zu verbessern.

Die Unternehmensleitung begrüßt die Ihnen erläuterte vorgesehene Erhöhung des Free Float auf rund ein Drittel aller Aktien und wird den Prozess aktiv begleiten. Neben Kontinuität und Unabhängigkeit des Unternehmens werden wir den Unternehmensgrundsatz der Transparenz im Hinblick auf die Bedürfnisse des Kapitalmarktes weiter in den Vordergrund stellen.

Mit dem vorgelegten Abschluss und den guten Perspektiven für den weiteren Ausbau des globalen Geschäftes dokumentiert KWS die ausgezeichnete Positionierung als international führendes Saatzuchtunternehmen.

Hagen Duenbostel  2. Dezember 2004


 
KWS