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17.01.2002: Ausführungen von Jochen Beyes anläßlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG am 17. Januar 2002

Sehr verehrte Damen und Herren,

In diesem Jahr stehen zwei Themen im Mittelpunkt meiner Ausführungen:

Beginnen möchte ich mit der Entwicklung des Segments Mais ehe ich anschließend auf den Abschluss des Geschäftsjahres 2000/01 eingehe.

I. Das Segment Mais konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr an die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre anknüpfen. Das Umsatzwachstum von über 30 % zeigt, dass unser strategisches Konzept des konzentrierten Ausbaus, einhergehend mit Kooperationen, erfolgreich umgesetzt wird. Zum Segment gehört der Bereich Öl- und Feldsaaten – und hier insbesondere Raps und Sonnenblumen - der sich im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 6,3 (6,1) Mio Euro gut behauptete, eine wettbewerbsfähige Größenordnung jedoch noch nicht erreicht hat.

Der außerordentliche Umsatzsprung im Mais im Vergleich zum Vorjahr begründet sich zum einen durch internes Wachstum trotz rückläufiger Anbauflächen in den wesentlichen europäischen Kernmärkten, wie im Inland, in Frankreich und Polen sowie im übrigen Europa, zum anderen durch zusätzliche Umsatzanteile, die im Zuge von Akquisitionen und der damit verbundenen erstmaligen 34%igen Quotenkonsolidierung der nordamerikanischen AGRELIANT-Gesellschaften entstanden sind.

Die Gesellschaften AGRELIANT USA und AGRELIANT KANADA wurden mit Wirkung zum 1. Juli 2000 als Gemeinschaftsunternehmen der KWS SAAT AG und der französischen Gesellschaft Limagrain gegründet. Wie man der Namensgebung "AGRELIANT" entnehmen kann, will die Gesellschaft ein verlässlicher (reliable) Partner in der Landwirtschaft sein. Der Geschäftsbetrieb der Gesellschaft GREAT LAKES HYBRIDS (Michigan) wurde zum 1.7.2000 in die neue Gesellschaft AGRELIANT eingebracht. Dank der reibungslosen Integration der fünf operativen Einheiten AgriGold, Great Lakes Hybrids, LG Seeds und Wensman in den USA sowie Pride in Kanada unter dem gemeinsamen Dach "AGRELIANT" verlief das erste Geschäftsjahr des Joint Venture erfolgreich. Aufgrund der über dem Einbringungsanteil liegenden Beteiligungsquote von 34 % entstand für KWS ein konsolidierungsbedingter Mehrumsatz von 16 %.

Gleichzeitig haben LIMAGRAIN und KWS durch die Zusammenlegung ihrer nordamerikanischen Mais-Züchtungen im Rahmen einer gleichgewichtigen Partnerschaft unter der Führung der Muttergesellschaften eine wettbewerbsfähige Größe erlangt, die bereits zu neuen, konkurrenzfähigen Linien und Sorten geführt hat.

Durch die von Herrn Büchting bereits erwähnte Aufstockung unserer Kapitalbeteiligung auf 50 % an AGRELIANT hat KWS mit diesem Schritt als gleichberechtigter Partner sich in den USA gut positioniert und stärkt damit die strategische Partnerschaft zwischen LIMAGRAIN und KWS.

Obwohl sich witterungsbedingt ein verteuerter Wareneinstand negativ auf die Margen auswirkte, konnte das Segment Mais inkl. Öl- und Feldsaaten insgesamt ein um 2,1 Mio Euro höheres Betriebsergebnis von 7,1 Mio Euro erwirtschaften.

II. Ausgehend von 77 (64) erteilten Vertriebsgenehmigungen für neue Sorten im Jahre 2001 rechnen wir auch im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum in den Kernmärkten. Wie wichtig die Innovationskraft der Züchtung für das operative Geschäft ist, wird besonders im Segment Mais deutlich: 53 % des Segmentumsatzes beruhen auf Sorten, die nicht älter als drei Jahre sind. Das ist in Anbetracht unserer langen Produktentwicklungszyklen eine herausragende Leistung. Mittlerweile ist KWS hinter PIONEER und LIMAGRAIN im Segment Mais die Nummer 3 in Europa. Mit zusätzlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb sollen die Marktpositionen in Europa und in den USA im laufenden sowie in den Folgejahren kontinuierlich ausgebaut werden.

Voraussetzung für das angestrebte Wachstum im Segment Mais sind eine gute Ertragskraft und gesunde Bilanzen, womit ich nun zum zweiten Teil meiner Ausführungen komme:

III. Wie Sie an den Ausführungen meiner Kollegen und mir sehen, erfolgt die Berichterstattung über die KWS-Gruppe nach Segmenten; dies sind derer vier: Zuckerrübe, Mais, Getreide sowie Züchtung und Dienstleistungen. Andere wertschöpfende Aktivitäten, insbesondere die landwirtschaftlichen Betriebe, unsere Beteiligungen am Kartoffelgeschäft der SAKA-RAGIS sowie an MOD, runden das Segment Züchtung und Dienstleistungen ab.

Das Qualitäts- und Risikomanagement hat für KWS weiterhin einen sehr hohen Stellenwert. Im Berichtsjahr wurde das Qualitätsmanagement um die Bereiche Arbeitssicherheit und Umweltschutz prozessorientiert erweitert und zertifiziert. In unserem Risikomanagement, das alle Anforderungen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) erfüllt, sind auch die Tochter- und Beteiligungsgesellschaften einbezogen. Es wird laufend aktualisiert und weiterentwickelt.

Der Jahresabschluss der Muttergesellschaft, der KWS SAAT AG, liegt als Sonderdruck hier beim Notar vor und wird Ihnen gern auf Wunsch ausgehändigt oder zugeschickt.

Die Anzahl der Tochter- und Beteiligungsgesellschaften, die neben der KWS SAAT AG in den vorliegenden Gruppenabschluss der KWS einbezogen wurden, blieb per Saldo mit 35 Gesellschaften gegenüber dem Vorjahr unverändert. Eine Aufstellung der in den Konsolidierungskreis einbezogenen Gesellschaften finden Sie auf Seite 30 des Geschäftsberichtes. Im Segment Züchtung und Dienstleistungen sind aus dem Kreis der vollkonsolidierten Unternehmen die AGRAR CONSULTING GMBH EINBECK und die INTERAGRARKOOPERATION GMBH, Liebertwolkwitz/Leipzig, ausgeschieden, im Segment Mais sind die bereits angesprochenen AGRELIANT-Unternehmen in Nordamerika hinzugekommen.

Im Geschäftsjahr 2000/01 verzeichnete die KWS-Gruppe ein Umsatzwachstum von 18 % auf nunmehr 392,8 (333,9) Mio Euro. Dazu trugen die Veränderungen im Konsolidierungskreis mit 6,2 % (= 20,6 Mio Euro) und das operative Geschäft mit 11,5 % (= 38,3 Mio Euro) bei. Rund drei Viertel des Umsatzwachstums entfielen auf unsere Geschäftstätigkeit im Ausland. Rund zwei Drittel der Gruppe wird in Euro abgewickelt (258 Mio Euro, der Rest des Umsatzes wird im Wesentlichen (20 % bzw. 71 Mio Euro) in Dollar erzielt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden negative Währungseinflüsse infolge der hohen Inflation in der Türkei größtenteils durch positive Entwicklungen des polnischen Zlotys und des harten US-Dollars kompensiert.

Dank der unterproportional gestiegenen Herstellungs-, Verwaltungs- und Vertriebskosten verbesserte sich das Betriebsergebnis. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wuchs um 42 % auf 50,8 Mio Euro und der Jahresüberschuss um 22 % auf 28,1 Mio Euro.


Der starke Anstieg des Steueraufwandes um rund 10 Mio Euro auf 22,7 Mio Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr ist im Wesentlichen die Folge des höheren Gewinns, wurde aber auch verursacht durch die geringere Auflösung von versteuerten Wertberichtigungen und den Aufwand aus der Auflösung der aktivischen Steuerabgrenzung.

IV. Und nun zur Bilanz:

Von den im Berichtsjahr durchgeführten Investitionen in das Anlagevermögen von 24,2 (15,7) Mio Euro entfiel mit 13 Mio Euro der Löwenanteil auf Nordamerika. Die Investitionen in die Joint-Venture-Unternehmen AGRELIANT USA und AGRELIANT Kanada finden sich nicht im Finanzanlagevermögen wieder, sondern werden bedingt durch die Quotenkonsolidierung direkt im Sachanlagen- und Umlaufvermögen ausgewiesen.

Darüber hinaus sind neben den allgemeinen Ersatzinvestitionen vor allem der Neubau einer Pillierungsanlage bei BETASEED in USA, der Bau einer Produktions- und Lagerhalle sowie die Fertigstellung eines Vertriebs- und Verwaltungsgebäudes in Frankreich, die Modernisierung der Zuckerrüben-Saatgutaufbereitungsanlage der KWS-Chile und der Neubau einer Saatguthalle für Getreide in Polen zu nennen.

In den folgenden Geschäftsjahren wird unser Hauptaugenmerk auf einem Investitionsvorhaben am Sitz der Muttergesellschaft in Einbeck liegen: Im November 2001 hat der KWS-Aufsichtsrat den vom Vorstand vorgelegten Plänen für den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes und eines Besucherzentrums am Standort Einbeck zugestimmt. Unser siebenstöckiges Verwaltungsgebäude, inzwischen ein markantes Gebäude in Einbeck, ist in vielfacher Hinsicht sanierungsbedürftig, eine Renovierung jedoch aus wirtschaftlicher Sicht nicht vertretbar. Es ist günstiger, neu zu bauen. Am Standort des jetzigen Verwaltungsgebäudes soll ein Besucherzentrum mit einer Cafeteria für Gäste und Mitarbeiter errichtet werden. Das neue Verwaltungsgebäude wird auf unserem Betriebsgelände, zur linken Hand der Einfahrt entstehen. Die gesamten Investitionen werden sich auf gut 10 Mio Euro belaufen und verteilen sich im Wesentlichen auf die nächsten beiden Geschäftsjahre.


Die Entwicklung des Umlaufvermögens zeigt, dass trotz gestiegener Umsätze die Bestände zum Stichtag um über 6 Mio Euro abgebaut werden konnten. Die strengen Bewertungsgrundsätze der KWS-Gruppe, die sowohl mengenmäßigen als auch qualitätsmäßigen Risiken durch Bewertungsabschläge Rechnung tragen, wurden beibehalten.

Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände der KWS-Gruppe stiegen im Berichtsjahr um knapp 30 Mio Euro auf rund 154 Mio Euro, und zwar durch die bereits erwähnten gestiegenen Umsätze in Europa und Nordamerika um jeweils rund 15 Mio Euro.

Das Eigenkapital der Gruppe erhöhte sich aufgrund der guten Ergebnisentwicklung um über 28 Mio Euro auf jetzt gut 200 Mio Euro. Bereinigt um Währungseinflüsse, Kapitaleinzahlungen und Ausschüttungen errechnet sich im Berichtsjahr ein Erhöhungsbetrag von 26,1 Mio Euro.

Der Jahresüberschuss der KWS SAAT AG, als ausschüttende Gesellschaft, beläuft sich im Geschäftsjahr 2000/01 auf 13,2 Mio Euro nach 10,2 Mio Euro im Vorjahr. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen unseren Aktionären die Ausschüttung einer Bardividende in Höhe von 10,00 Euro je Stückaktie vor. Einschließlich der Steuergutschrift erhalten damit inländische, unbeschränkt steuerpflichtige Aktionäre wie im Vorjahr insgesamt 14,29 Euro je Stückaktie. Aus dem Jahresüberschuss von 13,2 Mio Euro der KWS SAAT AG werden folglich erneut 6,6 Mio Euro ausgeschüttet. Der Restbetrag in Höhe von ebenfalls 6,6 Mio Euro (3,6 Mio Euro) wird den Gewinnrücklagen zugeführt.

Auch unsere Mitarbeiter profitieren in diesem Jahr von der guten Entwicklung der Gesellschaft. Ein mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt abgeschlossenes erfolgabhängiges Tarifmodell auf Basis der Dividendenentwicklung bringt unseren Mitarbeitern ein zusätzliches Einkommen von annähernd 20 % eines Monatsgehalts. Zusammen mit einem Jahresbonus von 45 % erhalten alle Mitarbeiter damit 14,15 Gehälter p.a.

V. Meine Damen und Herren, lassen Sie mich das Wesentliche des Abschlusses zusammenfassen:

1. Die flüssigen Mittel in Höhe von fast 40 Mio Euro und die Wertpapiere des Umlaufvermögens in Höhe von rund 26 Mio Euro überdecken die kurzfristigen Bankschulden und langfristigen Kredite um mehr als 18 Mio Euro. Im Vorjahr bestand noch eine geringe Unterdeckung.

Der Finanzierungsbedarf für die im abgelaufenen Geschäftsjahr getätigten Investitionen in das Anlage- und Umlaufvermögen sowie die Dividendenzahlung konnte vollständig aus dem nach DVFA/SG ermittelten Jahres-Cash-flow von rund 49 (40) Mio Euro gedeckt werden.

2. KWS verbesserte dank gestiegener Umsätze und effektivem Kostenmanagement das Ergebnis deutlich: Die Umsatzrendite nach Steuern stieg auf 7,2 (6,9) %. Das Ergebnis nach DVFA/SG beträgt 24,7 Mio nach 18,1 Euro im Vorjahr. Dies entspricht 37 Euro pro Aktie nach 27,39 Euro im Vorjahr.

Also konnte im Geschäftsjahr 2000/01 die Liquidität und die Rentabilität erneut gesteigert werden. Die Eigenkapitalquote beläuft sich nunmehr auf annähernd 50 %, was im Vergleich zur durchschnittlichen EK-Quote der deutschen Industrieunternehmen, die bei 24 % liegt, von einer guten Stabilität und Solidität der KWS-Gruppe zeugt.

3. Somit blicken wir auf ein erfolgreiches Jahr zurück, in dem wir – entgegen dem allgemeinen Branchentrend - beweisen konnten, dass KWS im Markt bestens positioniert ist.

An diesem Erfolg partizipieren sowohl die Aktionäre und Mitarbeiter als auch das Unternehmen, indem durch Gewinnthesaurierung für weiteres Wachstum Vorsorge getroffen wird.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

 

 

 

 

 

 

 


 
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