KWS
   
 

17.01.2002: Ausführungen Dr. C. Ahrens anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG am 17. Januar 2002

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Anschluss möchte ich Ihnen nun eine Zusammenfassung über den Verlauf und das Ergebnis des letzten Geschäftsjahres für das Geschäftssegment Zuckerrübensaatgut vorlegen. Ich werde auch die Darlegungen über die KWS Aktivitäten in Osteuropa mit einbeziehen, da der weit überwiegende Teil der dortigen Umsätze mit ZR-Saatgut getätigt wird.

Wie bereits im letzten Jahr prognostiziert gingen die Anbauflächen für Zuckerrüben vor allem in der Europäischen Union sowie auch in den mitteleuropäischen Ländern als Folge der Rekordernte des Erntejahres 2000 noch einmal leicht zurück. Trotz dieser Schrumpfung des Marktvolumens schaffte die Sparte einen Umsatzanstieg von 12 % auf knapp 194 Mio. Euro. Auch das Ergebnis stieg erfreulich an, wobei hier anzumerken ist, dass dazu einige außerordentliche Erträge aus dem Eingang von Altforderungen aus Osteuropa beigetragen haben. Dazu später mehr.

Solche Umsatzzuwächse können bei stagnierenden bzw. reduzierten Marktvolumina nur über kräftige Zugewinne von Marktanteilen erzielt werden. Diese waren vor allem in den Kernmärkten Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu verzeichnen, aber auch in den USA und in den mitteleuropäischen Ländern.

In Deutschland wurde wiederum ein deutlicher Marktanteilszugewinn erreicht - jede zweite Rübe auf deutschen Äckern war im Erntejahr 2001 eine KWS Rübe. Dies galt erfreulicherweise sowohl für die Standardsorten wie für das zunehmende Rizomania-Segment. Auch in Frankreich konnte der hohe Marktanteil von über 40 % noch einmal leicht ausgebaut werden. In diesem überaus wichtigen und hart umkämpften Markt hat der Bau unserer neuen Zuchtstation im nordfranzösischen Roye sicherlich das bereits hohe Ansehen der KWS noch gefestigt. In England und Belgien wurde die starke Marktstellung der KWS noch etwas ausgedehnt bzw. gehalten. Marktanteilsverluste waren aufgrund guter Sortenleistungen des Wettbewerbs in den amtlichen Leistungsprüfungen in Holland und in Italien zu verzeichnen.

Obwohl die Zuckerindustrie in den USA eine durchaus mit Risiken verbundene Neuorientierung durchmacht, war unsere Tochtergesellschaft BETASEED wie im vergangenen Geschäftsjahr sehr erfolgreich und konnte die bereits hohen Marktanteile besonders in den Kerngebieten des amerikanischen Zuckerrübenanbaus im Red River Valley in Minnesota und North Dakota noch etwas ausbauen. In der Türkei hat unsere Beteiligungsgesellschaft Pan Tohum, an der die KWS 51 % und die türkische staatliche Zuckerindustrie 49 % halten, die hohen Marktanteile verteidigen können. Auch in Chile hat die KWS Chile die guten Erfolge der letzten Jahre fortgesetzt. Der Ausbau unserer großen Züchtungsstation Porvenir - wichtig sowohl für die contrasaisonale Mais- wie die Zuckerrübenzüchtung - wird planmäßig weitergeführt. Im Sommer 2001 wurde der Neubau der Aufbereitungsanlage für Zuckerrübensaatgut ebenfalls in Porvenir beendet und zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres in einer weithin beachteten Einweihungsfeier seiner Bestimmung übergeben.

Wenden wir nun den Blick auf die Region Mittel- und Osteuropa:

Insgesamt bietet sich hier ein durchaus nicht unerfreuliches Bild. In den mitteleuropäischen Ländern besteht nach wie vor ein hoher Reformeifer gerade auch im landwirtschaftlichen Bereich, um die Kriterien zum Beitritt zur Europäischen Union zu erfüllen. In der Russischen Föderation ist weiterhin ein wirtschaftlicher Aufschwung zu beobachten, der auch die Landwirtschaft einschließt. Die Ukraine bewegt sich zwar mühsamer und langsamer als Russland, aber doch stetig nach vorne, und in der VR China ist nach der Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO ein ehrgeiziges Wirtschaftsprogramm aufgelegt worden, das auch den nationalökonomisch und sozial wichtigen Sektor der Landwirtschaft mit einschließt.

Für die KWS Gruppe bedeutet diese insgesamt positive Entwicklung, dass die Umsätze nachhaltiger steigen und die Risiken beherrschbarer werden. Das in den 90er Jahren eingerichtete und effiziente Risikomanagement bei der KWS war im Rückblick auf die letzten Jahre sehr erfolgreich, im abgelaufenen Geschäftsjahr hat es sogar dazu geführt, dass mehrjährige Altforderungen, die wertberichtigt und zum Teil sogar ausgebucht waren, eingingen und damit das Ergebnis des Segmentes Zuckerrübe verbesserten.

Nun etwas mehr ins Detail:

Die Situation der Landwirtschaft und der Zuckerindustrie in den mitteleuropäischen Ländern vom Baltikum bis nach Südosteuropa war in den letzten Jahren durch eine starke Reduzierung der Zuckerrübenanbauflächen gekennzeichnet. Für die KWS bedeutet dies jedoch nicht unbedingt eine Reduzierung der Marktchancen, da der Anteil der Sorten aus den nationalen Züchtungsprogrammen seit Jahren zurückgeht und von den leistungsstarken Sorten aus den westlichen Zuckerhäusern übernommen wird. Das Zahlungsrisiko hat sich insgesamt bedeutend vermindert, da in allen Ländern dieses Wirtschaftsraumes der größere Teil der Zuckerindustrie von westlichen Gesellschaften übernommen worden ist. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist naturgemäß das große Agrarland Polen, aber auch in den anderen Ländern bis hin zu Serbien, Rumänien und Bulgarien bauen wir unsere Präsenz behutsam aber doch zielbewusst aus.

In Russland hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr unter der Präsidentschaft Putins das neue Wirtschaftsprogramm der Regierung positiv ausgewirkt. Es klingt etwas paradox, aber die schwere Währungskrise von 1998 und die folgende drastische Abwertung des Rubels haben sich für die Land- und Ernährungswirtschaft segensreich ausgewirkt. Auch der neue Bodenkodex und das zur Entscheidung anstehende Grundstücksverkehrsgesetz, welche - wenn auch in ganz bescheidenen Ansätzen - Privatbesitz und Privatpacht von Grund und Boden erlauben, haben der heimischen Landwirtschaft einen belebenden Schub gegeben. Es wird erneut in die Landwirtschaft investiert. Nun zahlt sich für uns aus, dass wir in den schwierigen Jahren unsere Position gehalten haben und nun mit unserer Tochtergesellschaft GERSEM über eine gute Startposition verfügen.

Im Vergleich zu Russland stellt sich die Situation in der Ukraine komplizierter und rückständiger dar. Die Regierung bemüht sich um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch für die Landwirtschaft, macht dabei aber nur kleine Fortschritte. Für uns steht im Vordergrund, die Umsätze auszuweiten, dabei aber das Forderungsrisiko unter Kontrolle zu halten. Zur Bewältigung der schwierigen Restrukturierung unserer Beteiligungsgesellschaft UNISEM in Vinnitsa haben wir ein Projekt eingerichtet und arbeiten mit einer deutschen Geschäftsführung vor Ort daran, Transparenz in die Geschäftsvorgänge zu bringen und die Situation zu verbessern. Nach Änderung der entsprechenden Gesetze wurde zur Schaffung einer eigenständigen strategischen Basis eine 100 % Tochtergesellschaft KWS Ukraine gegründet, die ihren Sitz in der Hauptstadt Kiew haben wird.

In der VR China erschweren nach wie vor hohe Importzölle auf Saatgut unsere Arbeit. Daher haben wir unsere Bemühungen, gemeinschaftliche Züchtungsprogramme mit chinesischen Instituten auf dem Gebiet Zuckerüben und Sonnenblumen weiter intensiviert. Der Aufbau einer Lizenzproduktion von Saatgut im Lande macht gute Fortschritte. Insgesamt gehen wir davon aus, dass der Beitritt der VR China zur Welthandelsorganisation WTO die makro- und mikroökonomischen Bedingungen im Lande verbessern und ausländischen Investoren das Leben erleichtern wird.

Meine Damen und Herren, die Grundlagen für den anhaltenden Erfolg des Geschäftssegmentes Zuckerrübensaatgut sind eine erfolgreiche Züchtung von neuen und leistungsstarken Sorten, eine durchorganisierte Produktion von qualitativ höchstwertigem Saatgut, ein effizientes Bestandsmanagement, sowie starke und kreative Vertriebsteams, die die Züchtungs- und Produktionserfolge im Markt umsetzen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist besonders hervorzuheben die erstmalige Markteinführung von doppel- und sogar dreifach toleranten Sorten, die gleichzeitig gegen die Rizomania, die Cercospora und die Rhizoctonia resistent sind. Hier hat die KWS Züchtung vor dem Wettbewerb einen neuen Meilenstein gesetzt, der für die Zukunft eines umweltfreundlichen und nachhaltigen Zuckerrübenanbaus überaus wichtig sein wird.

Zusammenfassend kann für das Berichtsjahr gesagt werden, dass KWS nach wie vor Weltmarktführer ist mit einem recht deutlichem Abstand vor dem Wettbewerb. Der allerdings unternimmt große Anstrengungen, um den Abstand zu verringern. Die Ihnen im letzten Jahr vorgetragene Unsicherheit über die Fortschreibung der Zuckermarktordnung ist insofern gewichen, als die ZMO letzten Endes doch um 5 Jahre bis 2006 fortgeschrieben wurde. Das bringt in unsere Mittelfristplanung eine größere Sicherheit, wobei wir uns bewusst sind, dass im Zuge der EU-Agrarreform, der Osterweiterung der EU und der WTO-Verhandlungen eine Liberalisierung des Zuckermarktes mit einem noch härteren Wettbewerb zu erwarten ist.

Insgesamt schätzen wir die Entwicklung des Segments Zuckerrübensaatgut im laufenden Geschäftsjahr verhalten positiv ein. In den westlichen Märkten ist der Wettbewerb stärker geworden, andererseits wird sich das Marktpotential in Osteuropa nach unserer Einschätzung weiterhin positiv entwickeln und uns zusätzliche Chancen bieten, die wir nutzen können und nutzen wollen. Weiterhin arbeiten wir sehr intensiv daran, interne Rationalisierungsmaßnahmen umzusetzen, um die Kosten zu senken, denn die Marktführerschaft wollen wir durch eine Kostenführerschaft absichern und uns damit gleichzeitig auf künftige Herausforderungen vorbereiten.

 


 


 
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