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17.01.2002: Ausführungen Dr. Ch. Amberger anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG am 17. Januar 2002

"Klein aber fein", so könnte man, meine sehr geehrten Damen und Herren,
Aktionäre und Kunden der KWS SAAT AG, das Segment Getreide beschreiben. Bevor ich Ihnen jedoch über den Geschäftsverlauf und das Ergebnis berichte, darf ich mich selbst kurz vorstellen:

Ich bin seit 1. Juli 2001 der Neue im KWS Vorstand. Trotzdem kenne ich die KWS ganz gut, bisher lediglich aus dem Blickwinkel der Tochter Lochow-Petkus GmbH, für die ich in der Geschäftsführung die Bereiche Produktion, Vertrieb und Finanzen verantwortet habe. Vielleicht kennen Sie die positiven Konflikte zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft oder Zentrale und Außenstelle. Also, was ich sagen möchte: Mit dem Blickwinkel ändern sich manchmal auch die vermeintlichen Realitäten.

Ich bin 45 Jahre alt, von der Ausbildung her Agrar-Ökonom, habe zuerst in Göttingen, dann in Weihenstephan studiert und dort auch promoviert. Nach fünf Jahren in der Pflanzenschutzindustrie, davon 3 Jahre im Rheinland und 2 Jahre in Italien, kam ich 1991 zur Lochow-Petkus GmbH und bin somit als Bayer im "kalten Norden" hängen geblieben.

Für die KWS kümmere ich mich jetzt schwerpunktmäßig um unsere Maisaktivitäten in Europa, das Strategische Marketing und die Logistik. Zusätzlich dazu betreue ich aus dem Vorstand das Segment Getreide, das mir natürlich nach wie vor sehr am Herzen liegt.

Das Segment Getreide umfasst im wesentlichen unser Getreidegeschäft - aber auch einen Teil unserer Rapsaktivitäten. Im Gegensatz zur Zuckerrübe ist dies ein ausgesprochen regionales Geschäft. Unsere Kernmärkte sind Deutschland, Frankreich, UK und Polen. Unser vorrangiges Ziel war es in den vergangenen Jahren, uns in diesen Ländern über eigene Gesellschaften und Beteiligungen mit Züchtung, Produktion und Vertrieb, immer besser positionieren und damit unser Geschäft auf eine breite Basis zu stellen.

Unser Umfeld ist schwieriger geworden. So stieg zwar in Deutschland, Frankreich und Großbritannien die Getreideanbaufläche zur Ernte 2001 auf ca. 16 Mio. ha. Auch der Absatz von Z-Saatgut stieg um 1,2 % auf 1,7 Mio. t. Infolge der höheren Flächenausdehnung nahm jedoch der Saatgutwechsel in allen drei Staaten ab – dies trotz Nachbauregelung in Deutschland und Großbritannien.

Gravierend war der Rückgang des Saatgutabsatzes in Großbritannien aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen im Herbst 2000 und der schwierigen Situation der britischen Landwirtschaft infolge des hohen Außenwertes des britischen Pfundes.

Relativ konstant blieben mit 2,6 Mio. ha die Anbauflächen für Raps in diesen Staaten. Jedoch auch hier nahm der Nachbau in Großbritannien und Frankreich zu.

Die Botschaft ist also, dass trotz Nachbauregelung - ab Herbst 2002 auch in Frankreich - die Rahmenbedingungen eher schwieriger geworden sind.

Das Segment Getreide besteht aus fünf Gesellschaften. Die Muttergesellschaft Lochow-Petkus GmbH, angesiedelt in Bergen, Kreis Celle, CPB Twyford in Großbritannien, Lochow-Petkus Polska u. KonRolPasz in Polen sowie die Société de Martinval, Holdinggesellschaft der französischen Momont Gruppe, an der wir uns 1999 zu 49 % beteiligen konnten.

Hauptumsatzträger unserer Aktivitäten sind Roggen, Weizen und Raps. Die Bedeutung des Roggens für uns und für die polnische Landwirtschaft erklärt, warum der polnische Markt für uns eine hohe Priorität genießt, obwohl der Umsatz für zertifiziertes Saatgut noch schwach entwickelt ist.

Nun zum Geschäftsverlauf 2000/01 einige Details.

Insgesamt stieg der Gruppenumsatz um 7 % auf nahezu 58 Mio. €, dabei sind unsere französischen Aktivitäten nicht berücksichtigt, da at equity konsolidiert. Das Segmentergebnis legte um ca. 10 % auf knapp 5,9 Mio. € zu.

Getragen wurde dieses Wachstum durch ein sehr erfreuliches Abschneiden der Lochow-Petkus im 75. Gründungsjahr der GmbH. Aufgrund höherer Saatgutverkäufe von Roggen, Sommergerste und auch Körnererbsen konnte sie ihren Umsatz um 12 % auf 42 Mio. € ausdehnen und im Ergebnis zulegen.

Die schwierige Situation der Landwirtschaft in Großbritannien macht auch uns zu schaffen und hat auf den Umsatz unserer Tochtergesellschaft CPB Twyford durchgeschlagen. Das geschrumpfte Marktvolumen für Getreidesaatgut sowie Rückgänge bei Rapssaatgut haben das Ergebnis belastet.

Nach wie vor im Aufbau befinden sich unsere polnischen Aktivitäten mit der Vertriebsgesellschaft Lochow-Petkus Polska und dem im vorangegangenen Wirtschaftsjahr erworbenen landwirtschaftlichen Betrieb KonRolPasz. Dieser wird das Zentrum unserer gesamten polnischen Getreide-Saatgutaktivitäten mit Vermehrung, Aufbereitung und Vertrieb. Wir konnten unserer Absätze bei Hybridroggen erfreulich steigern; hohe Instandhaltungsmaßnahmen und Restrukturierungskosten auf dem landwirtschaftlichen Betrieb überstiegen dort jedoch noch die Erlöse.

Einen beträchtlichen Umsatz- und Ergebniszuwachs erzielte die Momont-Gruppe in unserem zweiten gemeinsamen Wirtschaftsjahr durch gestiegene Saatgutabsätze bei Winterraps und Zuckerrüben.

Soweit zum Geschäftsjahr 2000/01, mit dem wir insgesamt sehr zufrieden sein können.

Nun zum Abschluss noch ein Blick auf das laufende Wirtschaftsjahr.
Wie sind die Aussichten für 2001/02?
Insgesamt positiv aber etwas gedämpft im Vergleich zum Vorjahr.

Der Rückgang der Roggenanbaufläche in Deutschland im Zuge der Diskussion um den Fortbestand der Intervention und die nach wie vor schwierige Situation der Landwirtschaft in Großbritannien machen uns etwas Sorgen. Dagegen haben wir in Polen die Hauptbelastungen aus der Übernahme des landwirtschaftlichen Betriebes verdaut und den Absatz stabilisiert, während wir in Frankreich unsere Rapsabsätze weiter steigern können.

In diesen beiden Ländern sehen wir mittelfristig auch unser Hauptwachstum. Wir meinen, dass die Lochow Gruppe inzwischen gut aufgestellt und auf dem Weg zu einem europäischen Züchtungsunternehmen ein großes Stück vorangekommen ist.


 


 


 
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