KWS
   
 

Ausführungen von

Philip von dem Bussche
Philip von dem Bussche

Philip von dem Bussche
Sprecher des Vorstands der
KWS SAAT AG

anlässlich der Bilanzpressebesprechung in Hannover
am Donnerstag, 30. Oktober 2008

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie zu unserer Bilanzpressebesprechung traditionell hier in Hannover. Mein Kollege Hagen Duenbostel und ich danken Ihnen für Ihr Interesse an der KWS SAAT AG.

In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit ist es besonders erfreulich, dass wir unsere ursprüngliche Umsatz- und Gewinnerwartung deutlich übertreffen konnten. Wir, das sind über 2800 Mitarbeiter der KWS Gruppe, die sich in 70 Ländern rund um den Globus mit Talent, Können und großem Engagement für den Erfolg der KWS einsetzen.

Im Geschäftsjahr 2007/2008 sind wir abermals kräftig gewachsen. Und – ich nehme das gleich vorweg – wir wollen auch im laufenden Geschäftsjahr 2008/2009 weiter wachsen. Unsere Produkte unterliegen Gott sei Dank nur sehr begrenzt konjunkturellen Schwankungen, denn Saatgut wird immer benötigt. Insofern blicken wir ohne Hochmut aber dennoch optimistisch in die Zukunft.

Doch nun zunächst zum vergangenen Jahr:

Hier die Highlights des Geschäftsjahres 2007/2008:

  • KWS hat den Umsatz um 11 % auf knapp 600 Mio € gesteigert und damit die gute globale Marktposition weiter ausgebaut.
  • Mengenmäßig wuchs KWS im In- und Ausland nahezu gleich stark. Nur der schwächere Dollar führte dazu, dass der Auslandsanteil am Gesamtumsatz um 1 %-Punkt auf 75 % sank. Zu Vorjahres-Wechselkursen wäre der Gruppen-umsatz von KWS fast 4 % höher ausgefallen.
  • Das Betriebsergebnis – EBIT – legte um 10 % zu.
  • Das Geschäft mit Zuckerrübensaat hat mit 195 Mio € den Vorjahresumsatz nahezu erreicht, obwohl sich die weltweite Anbaufläche um 17 % verringerte.
  • Die Nachfrage nach Mais nahm auch im vergangenen Jahr weiter kräftig zu. Der Umsatzanstieg um knapp 20 % auf 330 Mio € übertraf unsere Erwartungen. Damit hat dieser Bereich seine Bedeutung als größter Umsatzträger – mit einem Anteil von 55 % an den Gruppen-Erlösen – weiter ausgebaut.
  • Das Getreidegeschäft von KWS profitierte von der Ausweitung der Anbau-flächen in Europa. Mit einem Umsatzanstieg um 24 % auf 67 Mio € hat sich KWS LOCHOW unter den führenden europäischen Anbietern fest etabliert.
  • Die Kernkompetenz der KWS liegt in der Entwicklung innovativer, standort-angepasster Sorten. Damit unsere Sorten immer ertragreicher und zugleich resistenter gegen Krankheiten, Schädlinge oder negative Umwelteinflüsse werden, braucht die Züchtung einen langen Vorlauf von 10 – 15 Jahren. Im Geschäftsjahr 2007/2008 wurden 81 Mio € (Vorjahr 75 Mio €) in Forschung und Entwicklung investiert.

 

Erfreuliche Geschäftsentwicklung profitiert von globalen Marktfaktoren

Unsere sehr erfreuliche Geschäftsentwicklung hat unter anderem von den gestiegenen Preisen für Agrarrohstoffe im vergangenen Jahr und der damit einhergehenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion profitieren können. Dies zeigt sich in unseren Segmenten Mais und Getreide, deren Ertragsstärke deutlich gewonnen hat. Zudem konnten wir Auswirkungen der europäischen Zuckermarktreform weitgehend durch Umsatzsteigerungen außerhalb der EU – vor allem in den USA – kompensieren.

Zuckerrüben: Guter Absatz von gentechnisch verbessertem Saatgut

Lassen Sie mich nun detailliert auf die einzelnen Segmente der KWS eingehen. Zunächst zum Geschäft mit Zuckerrübensaatgut: Hier sind wir seit Jahrzehnten Weltmarktführer.

In der EU-27 kam es weitgehend zur planmäßigen Rückgabe von Zuckerquoten. Insgesamt ging die Anbaufläche um 16,3 % auf 1,49 Mio ha zurück. Dabei redu-zierte sich die Fläche zur Produktion von Quotenzucker auf 1,27 (1,58) Mio ha. Das hatten wir schon anteilig für das Geschäftsjahr 2006/2007 erwartet und uns auf diese Reduzierung eingestellt. Die Umsätze von KWS verringerten sich in der EU-27 um 12 % auf 108 Mio € und damit unterproportional zum Flächenrückgang.

Außerhalb der EU stieg der Zuckerrübenumsatz um 13 % auf 87 Mio €. Aufgrund der attraktiven Konsumpreise für Mais, Weizen und Raps im Frühjahr 2008 bauten die Landwirte insbesondere in Osteuropa deutlich weniger Zuckerrüben an. Die dortigen Umsatzausfälle haben wir jedoch mit dem Absatzerfolg gentechnisch veränderter, herbizidresistenter Zuckerrübensorten in den USA mehr als ausgleichen können. Bereits im ersten Jahr betrug der Marktanteil dieser Spezialsorten gut 60 %. Gegenüber der konventionellen Unkrautbekämpfung senkten die amerikanischen Zuckerrübenanbauer mit diesen innovativen Sorten ihre Kosten für die Unkrautbekämpfung um ein Drittel und sparten erhebliche Mengen an Spezialherbiziden ein.

Mais: Wachstum bringt Ertrag

Meine Damen und Herren, Mais ist wegen seiner vielseitigen Verwendungs-möglichkeiten und der kontinuierlichen Ertragssteigerungen weltweit zu einer der bedeutendsten Ackerkulturen geworden. Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Im Vegetationsjahr 2008 führte das sogar teilweise zu Engpässen in der Verfügbarkeit von Saatgut. Aufgrund ausreichender Warenbestände konnten wir die große Nachfrage bedienen und unseren Umsatz stärker als erwartet ausweiten.

In unserer strategischen Wachstumsregion Südosteuropa haben wir beim Umsatz um mehr als 60 % zugelegt. Die langjährigen Vorlaufinvestitionen in dieser Region zeigen nun ihre Wirkung. Auch in Deutschland und dem größten europäischen Agrarmarkt Frankreich haben wir den Absatz um jeweils 20 % gesteigert. Das nordamerikanische Joint Venture AgReliant – ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Züchterhaus Vilmorin – konnte im Berichtsjahr trotz der um 7 % rückläufigen Maisanbaufläche in den USA und des schwachen US-Dollars den Umsatz geringfügig auf 235 Mio € ausbauen. Besonders durch die Erweite-rung des Sortenspektrums mit mehrfachresistenten gentechnisch veränderten Produkten hat AgReliant seinen Marktanteil gegenüber dem Vorjahr gehalten.

Ölsaaten tragen rund 15 % zum Umsatz des Segmentes Mais bei. Dieser Teilbereich umfasst im Wesentlichen Winterkörnerraps und Sonnenblumen. Obwohl die Ausweitung der europäischen Getreideflächen in erster Linie zu Lasten des Anbaus von Winterkörnerraps ging gelang es, den Umsatz auch hier um gut 20 % zu steigern. Dies ist vor allem auf den sich rasch vollziehenden Wechsel von Liniensorten auf Hochleistungshybriden zurückzuführen.

Der Sonnenblumenanbau hat im Vegetationsjahr 2008 in Europa eine beachtliche Fläche von rund 12 Mio ha erreicht. Davon liegen ca. 70 % in Russland und der Ukraine. Im Berichtsjahr haben wir dort erstmals bedeutende Mengen abgesetzt. Weitere ca. 15 % der Sonnenblumenanbaufläche liegen in Südosteuropa. Durch unsere effiziente Vertriebsorganisation in dieser Region haben wir unsere Marktanteile in den jeweiligen Ländern weiter vergrößert.

Getreide: Ertragskraft deutlich verbessert

Seit mehr als 40 Jahren haben wir in der traditionsreichen Getreidezucht LOCHOW-PETKUS unsere Getreideaktivitäten zusammengefasst. Anfang Februar 2008 haben wir im Zuge einer überarbeiteten Markenstrategie die Lochow-Petkus GmbH in KWS LOCHOW GMBH umfirmiert. Mit diesem Schritt profitieren unsere inter-nationalen Getreideaktivitäten künftig von der Marke KWS, ohne im Heimatmarkt Deutschland auf den Traditionsnamen LOCHOW verzichten zu müssen.

Die KWS LOCHOW Gruppe verbesserte den Getreideumsatz um 24 % auf 67 Mio €. Neben Deutschland bleiben die wichtigsten Auslandsmärkte Großbritannien, Polen und Frankreich. Mit einem stabilen Auslandsanteil von gut 50 % hat sich KWS LOCHOW unter den führenden europäischen Getreide-züchtern gut behauptet.

Bei allen wesentlichen Kulturarten, Hybridroggen, Weizen, Gerste und Raps stiegen im vergangenen Geschäftsjahr die Erlöse. Der Hauptumsatz- und Ergebnisträger war Hybridroggen, der den Vorjahresumsatz um 34 % übertraf. Gestiegene Preise an den Agrarmärkten machten den Getreideanbau für viele Landwirte zunehmend attraktiv. Das führte unter anderem dazu, dass die vorhandenen Saatgutbestände kaum die extreme Nachfrage decken konnten.

Züchtung & Dienstleistungen: Wieder eigenständige, strategische Züchtungsposition im Markt für Pflanzkartoffeln

Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Bereich Züchtung &  Dienstleistungen ist die Keimzelle von KWS. Neben Züchtung und Forschung gehören die zentralen Unternehmensfunktionen sowie die Landwirtschaft zu diesem Segment.

Innovative Technologien und neue Produkte sichern unsere Wettbewerbsvorteile. Sie sind gerade bei Pflanzenzüchtern der entscheidende Wachstumstreiber. So steigern wir kontinuierlich die Leistungsfähigkeit unseres zertifizierten Saatguts. Ein Beispiel für eine solche technische Entwicklung sind die gegen das Herbizid Glyphosat resistenten Zuckerrüben von KWS.

Im Rahmen der internationalen amtlichen Sortenprüfungen erhielt KWS im Kalenderjahr 2008 insgesamt 266 Vertriebsgenehmigungen für neue Produkte. Darunter 114 Zulassungen für Zuckerrüben, 90 für Mais, 56 für Getreide und 6 für den Produktbereich Ölsaaten. Diese zugelassenen Sorten werden den einzelnen Produktsegmenten gegen marktübliche Lizenzen zur Verfügung gestellt.

KWS hat sich nach dem Verkauf der RAGIS Kartoffelzucht- & Handelsgesellschaft GmbH im vergangenen Geschäftsjahr im Pflanzkartoffelgeschäft neu orientiert: Zum 1. Juli 2008 haben wir das 50 - 50 Joint Venture Van Rijn –  KWS gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen ist mit seinem Netzwerk von Vermehrungs- und Vertriebspartnern in rund 60 Ländern aktiv. Es verfügt über ein wettbewerbs-fähiges Sortenportfolio von Kartoffeln für den Verarbeitungsbereich und den Frischkonsum. Die Marktposition in Nord- und Südeuropa sowie in Nordafrika basiert auf langjährigen Partnerschaften der Van Rijn Gruppe in der Wert-schöpfungskette von Kartoffeln, Obst und Gemüse. Der Markteinstieg in Ost- und Südosteuropa eröffnet auch dort mittelfristig gute Wachstumspotenziale.

Kontinuierliche Steigerung der Erträge in der Landwirtschaft

Meine Damen und Herren, Agrarprodukte als Grundlage der Ernährung einer wachsenden Erdbevölkerung werden knapp, denn landwirtschaftliche Anbau-flächen müssen zunehmend Bau- und Industrieland weichen. Klimabedingte Naturkatastrophen vernichten Ernten. Dazu kommt eine wachsende Nachfrage nach klimaschonend erzeugten Energieträgern. Der wachsende Wohlstand in den Entwicklungs- und Schwellenländern lässt die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln ansteigen, denn die Verzehrgewohnheiten ändern sich. Dies betrifft vor allem Veredelungsprodukte wie Milch, Fleisch oder Süßigkeiten. Auch der gegenwärtige zyklische Abschwung auf den Agrarmärkten ändert diesen langfristigen Trend nicht. Die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Agrarsektor sind zurzeit jedoch noch nicht genau einzuschätzen. Aber auch in früheren zyklischen Abschwüngen haben Qualitätssaatgut und Ertragssteigerungen zur ökonomischen Stabilität der Landwirte entscheidend beigetragen.

Nach Schätzungen der UN wird innerhalb der kommenden 8 Jahre allein in den Schwellenländern zwischen 30 % und 50 % mehr Fleisch verzehrt. Je nach Tierart und -haltung werden für die Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch zwischen zwei und zehn Kilogramm Weizen benötigt. Bereits in den vergangenen drei Jahren hat diese Entwicklung dazu geführt, dass die wichtigsten Preise für Agrarrohstoffe kräftig angestiegen sind. Daher muss die Produktion von Agrarstoffen immer effizienter und produktiver werden. Nur durch weitere Fortschritte in der Pflanzenzüchtung kann die Produktivität der Landwirtschaft erhöht werden. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die verfügbaren Ressourcen wie Wasser und Boden soweit wie möglich zu schonen, denn eine intakte Natur ist die elementare Grundlage für das Wachstum von Pflanzen.

Darüber wollen wir Sie künftig umfassender informieren. Daher freue ich mich, Ihnen heute neben dem Geschäftsbericht nach 152 Jahren unserer Geschäftstätigkeit den ersten Nachhaltigkeitsbericht der KWS überreichen zu können. Darin finden Sie Informationen über ökologische und soziale Aspekte unserer Aktivitäten am Standort Einbeck mit dem Fokus auf Umweltschutz in der Saatgutaufbereitung für Zuckerrüben, z. B. Verbrauch von Energie und Wasser, Emissionen und Abfälle. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in den gesellschaftlichen und sozialen Belangen. Was tun wir für unsere Mitarbeiter? Wie engagieren wir uns für die Region, Wissenschaft und Kultur? Und nicht zuletzt berichten wir über unseren Dialog mit den Stakeholdern aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft, Kirche und NGO´s zum Thema „Grüne Gentechnik“.

Den Rahmen für diese Berichterstattung, liefert uns der internationale Standard der Global Reporting Initiative mit seinen 79 Berichtsindikatoren. 'Zukunft säen' bedeutet für uns nachhaltiges und zukunftsorientiertes Handeln. Ökologische, soziale und ökonomische Werte müssen stets gleichermaßen berücksichtigt werden. Damit komme ich zur ökonomischen Seite des Geschäftsjahres 2007/2008 – der Dividende:

Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2007/2008 eine um 0,30 € auf 1,70 € erhöhte Dividende je Stückaktie vorschlagen. Die Bardividende für die 6.600.000 Stückaktien beläuft sich somit auf 11,2 Mio € nach 9,2 Mio € im Vorjahr. Aus dem Jahresüberschuss der KWS SAAT AG in Höhe von 24,1 Mio € wurden 12,0 Mio € in die Gewinn-rücklagen der KWS SAAT AG eingestellt. Mit diesen Rücklagen werden wir die Zukunft der KWS nachhaltig gestalten.

Über die genauen Zahlen wird Sie nun mein Kollege Hagen Duenbostel detailliert informieren.


Philip von dem Bussche

Hannover, den 30.10.2008


 
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