Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung 2004 Ausführungen von Dr. Ch. Amberger

Ausführungen von

Dr. Ch. Amberger

Vorstand der KWS SAAT AG

anlässlich der KWS Hauptversammlung am 21. Januar 2004


Dr. Ch. Amberger
Dr. Ch. Amberger
  1. Verehrte Aktionäre, Kunden und Freunde unserer KWS. Ich darf den Reigen der Vorstandspräsentationen fortsetzen und stelle Ihnen die Entwicklung unserer Segmente Mais und Getreide vor.
  2. Unser Ziel in beiden Segmenten ist, zu wachsen, vorrangig über organisches Wachstum wo sinnvoll und möglich, aber auch durch Akquisitionen. Im Mais wollen wir eine nachhaltige Wettbewerbsposition in Europa und Nordamerika besetzen, während wir uns im Getreide auf Europa und hier insbesondere auf die Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen fokussieren. Wachstum ist uns gelungen im Mais, wir mussten jedoch feststellen, dass die Kosten des strukturellen Aufbaues zunächst höher sind, als geplant. Nicht gelungen ist uns Wachstum im Getreide. Insbesondere der stark rückläufige Roggenanbau hat uns "einen Strich durch die Rechnung gemacht".
    Lassen Sie mich kurz, meine Damen und Herren, mit dem Mais beginnen:
  3. Wir haben im vergangenen Jahr 3,7 Mio. europäische Einheiten Mais abgesetzt. Dies bedeutet ein Mengenwachstum um ca. 3 %. Der Umsatz insgesamt stieg um ca. 8 Mio. € auf 172 Mio. €, wovon wir 56 Mio. € - also etwa ein Drittel - mit unserem 50 %igen Anteil an dem Joint Venture AgReliant in Amerika erzielen.
    In den europäischen Regionen, ohne Ukraine und Russland, erzielen wir heute einen Marktanteil von knapp 10 %. Traditionell sind wir stärker in den nördlichen Silomaisregionen wie Deutschland, Nordfrankreich und Nordeuropa, können jetzt aber zunehmend Marktanteile in Regionen mit längeren Reifezeiten wie Südfrankreich, Südeuropa und Südosteuropa erzielen.

    In Deutschland hatten wir im vergangenen Wirtschaftsjahr Versorgungsprobleme; aufgrund von Ernteausfällen in unseren südosteuropäischen Produktionsgebieten stand uns nicht ausreichend Saatgut zur Verfügung. In der Folge haben wir Marktanteile verloren und liegen heute bei 25 % im Vergleich zu 27 % zum Vorjahr. Mit Marktanteilen von 25 % in Nordwesteuropa und 19 % in Mitteleuropa, also Polen, Tschechien und Slowakei, sind dies die Regionen, wo wir mit gutem Return arbeiten können.

    Erfreulich verlief die Absatzentwicklung für uns in Frankreich, indem wir durch organisches Wachstum Jahr für Jahr Marktanteile dazu gewonnnen haben und heute bei knapp 10 % liegen. Mit ca. 2 % Marktanteil in Südeuropa und Südosteuropa können wir in diesen Regionen noch keinen Gewinn erzielen. Wir mussten im Gegenteil in Südeuropa erhebliche Restrukturierungsmaßnahmen in der Administration und dem Vertrieb unserer Gesellschaften durchführen, die zu einer Ergebnisbelastung führten. In Südosteuropa konnten wir zwar unseren Absatz um ca. 35 % gegenüber dem Vorjahr steigern; der Ausbau der Organisation ließ jedoch gleichzeitig unsere Strukturkosten so stark steigen, so dass wir in dieser Region im Vergleich zum Vorjahr ein schlechteres Ergebnis erwirtschafteten. Wir versprechen uns jedoch ein erhebliches Wachstumspotential, da die steigende Kaufkraft es den Landwirten ermöglicht, besseres und damit teureres Saatgut ertragsstärkerer Sorten einzusetzen.
    Insgesamt ist damit das Betriebsergebnis unserer Maisaktivitäten in Europa im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

    Unsere nordamerikanische Gesellschaft AgReliant, ein 50 :50 Joint Venture mit Limagrain, konnte den Mengenabsatz und Marktanteil im vergangenen Jahr steigern. Die veränderte Wechselkursrelation zwischen US$ und Euro hat jedoch einen großen Teil dieser Umsatzsteigerung kompensiert. Mit knapp 4 % Marktanteil sind wir noch nicht da, wo wir hinwollen. Unsere eigene Produktentwicklung zeigt jetzt vielversprechende Erfolge. Chancen sehen wir vor allem im Ausbau unserer Vertriebsbasis in den westlichen Provinzen des Corn Belts wie Iowa und Nebraska. Nebenbei sei hier erwähnt, dass 40 % unseres Mais-Saatgutes in Nordamerika gentechnisch mit Resistenzen gegen Schädlinge oder Herbizide ausgestattet ist.

    Insgesamt haben sich mit dem Rückgang des Segmentergebnisses von 6,7 Mio. € auf 4,8 Mio. € unsere Erwartungen im Mais nicht erfüllt. Für das laufenden Wirtschaftsjahr erwarten wir ein höheres Ergebnis, sowohl was unsere Maisaktivitäten in Europa, aber auch in Nordamerika betrifft. Zu diesem bislang positiven Trend wird auch ein verbessertes Ergebnis aus dem Absatz von Sonnenblumen und Raps in Europa beitragen.
  4. Wenn ich eingangs sagte, dass uns der rückläufige Roggenanbau einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, so bedeutet dies in Zahlen, dass wir in unserem Segment Getreide ca. 8 Mio. € Umsatz verloren haben und heute bei knapp 50 Mio. € liegen. Der Umsatzrückgang hat insbesondere unseren margenstarken Hybridroggen betroffen. Dies und eine vorsorgliche Goodwill Abschreibung führten dazu, dass das Ergebnis im Segment Getreide mit 1,6 Mio. € signifikant unter dem Vorjahr liegt.

    Trotz allgemeinen Mengenrückganges in Folge von verringerten Anbauflächen - so hat der Roggenanbau in Deutschland allein in den letzten beiden Jahren ca. 290T ha verloren - blieben die Marktanteile der Lochow-Petkus Gruppe mit knapp über 60 % in Deutschland unverändert. Weiter zulegen konnte die Lochow-Petkus Gruppe bei der größten Kulturart, dem Winterweizen. So stiegen dort die Marktanteile sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien von 15 auf 18 %. Mit gegenwärtig 4 % besteht nach wie vor ein erhebliches Wachstumspotential für Winterweizen in Frankreich. Insgesamt erzielt die Lochow-Petkus Gruppe im Getreide in Deutschland einen Marktanteil von knapp 20 %, in UK von 10 % und in Frankreich von 3 %. Von den einzelnen Gesellschaften erzielte Lochow-Petkus Deutschland immer noch ein befriedigendes Ergebnis, während CPBTwyford und die Momont-Gruppe nur wenig zum Gruppenerfolg beitragen konnten.

    In Polen beginnen die Investitionen in Züchtung, Produktion und Vertrieb sowie in den l999 erworbenen landwirtschaftlichen Betrieb, erste Früchte zu tragen. Beide polnischen Gesellschaften wurden im vergangenen Wirtschaftsjahr fusioniert.

    Der Ausblick bei Getreide fällt wiederum positiver aus als die Entwicklung im vergangenen Jahr. So hat sich der Roggenanbau zur Aussaat 2003 "gefangen" und die Lochow-Petkus konnte ihren Hybridroggenabsatz in diesem Jahr wieder geringfügig steigern. Weiterhin positiv werden sich insbesondere die Marktanteile bei Winterweizen in Großbritannien und Deutschland entwickeln. In Frankreich unternehmen wir alle Anstrengungen, das Wachstum zu beschleunigen.

    Damit, meine sehr geehrten Damen und Herren, bin ich am Ende meiner Ausführungen und gebe an meinen Kollegen Hagen Duenbostel weiter, der Sie nun in die Welt der Zahlen entführen will.

 

Ch. Amberger