Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung 2007 Ausführungen von Philip von dem Bussche

Ausführungen von

Philip von dem Bussche

Vorstand der KWS SAAT AG

anlässlich der KWS Hauptversammlung am 13. Dezember 2007


Philip von dem Bussche
Philip von dem Bussche

1. Einleitung

Andreas Büchting hat in seinen Ausführungen unseren neuen Claim zitiert: "Zukunft säen – seit 1856". Das ist auch ein gutes Motto für den jetzt anstehenden Stafettenwechsel. Die KWS ist ein traditionsreiches und von den Werten der Gründerfamilien geprägtes Unternehmen – und das soll auch so bleiben.

Dieses Unternehmen hat seinen mehr als 150jährigen Erfolg der ständigen Bereitschaft zur Veränderung und Erneuerung zu verdanken. Der Fortschritt in der Pflanzenzüchtung braucht einen langen Atem, denn es dauert 10 – 15 Jahre bis zur Markteinführung einer neuen Sorte. Dafür bedarf es eines guten Gespürs bei der Abschätzung der Kunden-wünsche, denn in der Forschung und Entwicklung geht es nicht um die Kunden und Märkte von heute, sondern um die im Jahr 2020.

 

2. Stafettenwechsel

Wenn Andreas Büchting heute aus dem Vorstand der KWS ausscheidet, dann kann man auf eine 30jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die langfristige Ausrichtung von Forschung und Züchtung hat die Basis für den Unternehmenserfolg gelegt.

Die zweite wichtige Voraussetzung der erfolgreichen Unternehmensentwicklung ist eine kompetente und hoch motivierte Mannschaft. Forschung und Personalentwicklung sind zwei wesentliche Erfolgsfaktoren und zugleich die Leidenschaft des Unternehmers Andreas Büchting. Wir sind uns sehr bewusst, welche Verantwortung wir als neuer Vorstand damit übernehmen, und wir werden unser Bestes tun, dieser Herausforderung gerecht zu werden.

 

3. Segment Zuckerrüben 2006/07

Im Segment Zuckerrüben hat uns die Reform der EU-Zuckermarktordnung vor große Herausforderungen gestellt. Bisher haben wir sie sehr ordentlich gemeistert.

Trotz der Verwerfungen auf den Zuckermärkten haben wir unseren Umsatz im Jahr 2006/07 mit fast 200 Mio € weitgehend stabil halten können. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt 2,5 %.

Der Umsatz im Wirtschaftsjahr 2006/07 liegt damit deutlich über den ursprünglichen Erwartungen des Segments Zuckerrüben. Das liegt zum einen daran, dass der Flächenrückgang in der EU nicht so deutlich ausfiel wie erwartet. Ferner hat in der EU der Anteil der Zuckerrübenverarbeitung für Ethanol deutlich zugenommen.

Auf einigen wichtigen Märkten, insbesondere in Frankreich, konnten wir unseren Marktanteil deutlich ausbauen. In anderen europäischen Kernmärkten sind die Anbauflächen gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben oder haben sogar leicht zugelegt. Dazu zählen Deutschland, Polen, die Beneluxländer und UK. In den EU-27-Ländern konnten wir daher im letzten Jahr den Umsatz um 6 Mio € auf 123 Mio € steigern.

Außerhalb der EU konnten wir im Wachstumsmarkt Osteuropa, insbesondere in Russland, weiter zulegen, während in den USA aufgrund der Dollarschwäche und der hohen Konkurrenz ein leichter Rückgang eintrat. In der Türkei hat sich durch Überlager in der staatlichen Zuckerindustrie ein temporärer Umsatzrückgang ergeben. Daher ging der Umsatz außerhalb der EU-27 erstmalig zurück auf 77 Mio €. Hier erwarten wir im kommenden Jahr wieder ein überproportionales Wachstum.

Wenn wir nun auf das Segmentergebnis schauen, so ist eine sehr erfreuliche Steigerung von 25 auf ca. 35 Mio € festzustellen. Hier kommt besonders unsere rechtzeitige Anpassung bei den Kosten zur Wirkung.Wir haben unsere Vertriebsstrukturen angepasst und auch bei den Herstellkosten eine deutliche Verbesserung erzielt. Da sich der Flächenrückgang in der EU nicht so deutlich wie im letzten Jahr erwartet entwickelt hat, konnten wir außerdem in größerem Umfang wertberichtigte Vorräte abbauen.

Im Bereich Forschung und Züchtung bleiben wir bei Zuckerrüben auf dem Gaspedal, um die Produktivität weiter zu steigern.

 

4. Aussichten für das Segment Zuckerrüben im Jahr 2007/08

Damit komme ich zu einem Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr 2007/08 und die bevorstehende Aussaat 2008. Nach unserer Einschätzung wird sich der Druck auf die Anbauflächen in der EU deutlich erhöhen. Kurzfristig müssen noch 3,8 Mio Tonnen Zuckerquote abgebaut werden. Diese Menge fehlt noch an der WTO-bedingt erforderlichen Kürzung von insgesamt 6 Mio Tonnen EU-Zuckerproduktion.

Wir erwarten daher, dass trotz einer gestiegenen Fläche für Industrierüben zur Aussaat 2008 der Zuckerrübenanbau in der EU-27 noch einmal um ca. 15 % zurückgehen wird. Damit wird sich die Anbaufläche in der EU von ursprünglich 2,2 Mio ha vor der ZMO-Reform auf etwa 1,5 Mio ha im Jahr 2008 reduzieren. Im letzten Jahr betrug die Fläche noch 1,76 Mio ha.

Wir erwarten aber auch, dass dieser Umsatzrückgang durch die Erschließung neuer Märkte in anderen Teilen der Welt kompensiert werden kann. Vor allem in den USA wollen wir den Absatz durch den Vertrieb unserer neuen gentechnisch verbesserten Zuckerrübensorten mit Herbizidtoleranz ausweiten. Diese sog. Roundup-Ready-Zuckerrüben bringen den Landwirten in den USA deutliche Produktivitätsfortschritte, die eine schnelle Einführung dieser neuen Technologie in den USA erwarten lassen.

Von der globalen Zuckerrübenanbaufläche von knapp 5 Mio ha entfallen in Zukunft weniger als 40 % auf die EU-27. Daher werden wir – neben den USA – auch die Wachstumsmärkte in Osteuropa, in der Türkei und in Südostasien nicht aus dem Blick verlieren.

Insgesamt werden wir also auch im laufenden Geschäftsjahr 2007/08 trotz schwieriger Marktlage versuchen, an den Umsatz und das gute Segmentergebnis von 2006/07 anzuknüpfen.

 

5. Erwartete Entwicklungen für die KWS in den nächsten Jahren

Als Pflanzenzüchter befinden wir uns am Anfang der Agrar-Wertschöpfungskette. Die Agrarwirtschaft hat in den letzen Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung eher ein Schattendasein geführt, das von Diskussionen über Überschüsse, Extensivierung und Subventionen geprägt war.

Die nicht ganz neue Erkenntnis, dass die Weltbevölkerung dramatisch weiter wächst, dass sich die Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln ausdehnt, während die verfügbaren Ressourcen bei den Agrarflächen und Wasservorräten schrumpfen, hat nunmehr auch die breite Öffentlichkeit erreicht. Dazu kommen fast im Monatstakt globale Klimakonferenzen und rasant steigende Preise für fossile Energieträger. Das Thema Energiepflanzen und Biomasse ist in aller Munde.

Leere Getreideläger, ausgetrocknete Milchseen und abgetragene Fleischberge bestimmen die Diskussion über neue Knappheiten bei Agrarrohstoffen. Damit wird die moderne Agrarerzeugung zu einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts.

Die KWS hat diese Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt und die neuen Felder wie z. B. Energiepflanzen rechtzeitig beackert. Um weiterhin erfolgreich zu sein, brauchen wir einen langen Atem in der Forschung, bei den Aktionären und bei den Mitarbeitern.

"Zukunft säen" wird auch der neue Vorstand – wie bei KWS seit 1856 und besonders in den letzten 30 Jahren unter Führung von Andreas Büchting.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

        13.12.2007
Philip von dem Bussche