Ausführungen von
Dr. Dr. h.c. Andreas J. Büchting
Sprecher des Vorstands der KWS SAAT AG
anlässlich der KWS Hauptversammlung am 14. Dezember 2006
Verehrte Aktionäre und Gäste der KWS,
meine Damen und Herren,
1. Ihnen allen auch ein herzliches Willkommen seitens des Vorstands der KWS! Wir freuen uns über das zahlreiche Interesse an dieser Hauptversammlung, die wir auch auf besonderen Wunsch vieler Aktionäre erneut hier in diesen Räumen durchführen. Deshalb bitte ich Sie gleich zu Anfang um Verständnis, wenn nicht alles perfekt ist, aber wir wollen solange es irgend geht, die Hauptversammlung hier in Einbeck auf dem Gelände der KWS durchführen.
Meine Damen und Herren, das vergangene Kalenderjahr stand ganz im Zeichen unseres Gründungsjubiläums. Wir haben unterschiedliche Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilt und dabei verschiedene Zielgruppen angesprochen. Im Mittelpunkt standen die Mitarbeiter mit einem dreitägigen Fest "KWS YOUnited" hier in Einbeck, wozu auch viele Kolleginnen und Kollegen aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland angereist waren. Insgesamt waren KWSler aus 27 Nationen vertreten und jeder ob aus Chile oder der Ukraine – nahm eine Überzeugung mit nach Hause: „We all work for an Orange Company!“ und ich darf heute hinzufügen „For your Orange Company!“
Ohne auf Einzelheiten einzugehen kann ich Ihnen noch so viel verraten, dass wir durch die Veranstaltung den guten Zusammenhalt und das gegenwärtige Verständnis innerhalb der KWS Gruppe noch deutlich verbessern konnten. Jeder ist stolz, dabei gewesen zu sein, die Bilder in den Köpfen und Herzen werden noch weit in die Zukunft strahlen.
Zwei weitere Veranstaltungen will ich erwähnen: Mitte Juli hatten wir einen Tag der offenen Tür veranstaltet für das Umfeld von KWS. Mehrere Tausend Besucher haben sich über die Aktivitäten der KWS informiert. An einzelnen Stationen haben die KWS Mitarbeiter mit viel Engagement und Vorbereitung gezeigt, was so alles in einem 'Laden' wie KWS geschafft wird.
Wir haben uns im Übrigen von der Idee leiten lassen, dass ein Jubiläumsjahr nicht nur Anlass gibt zurückzublicken, sondern auch insbesondere nach vorne zu schauen. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt:
„Tradition heißt nicht die Asche anzubeten, sondern das Feuer zu bewahren!“
Dieser Lebensweisheit haben wir auch bei einem kürzlichen Zukunftsforum Rechnung getragen. Der langjährige Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und frühere Umweltminister der Bundesrepublik, Klaus Töpfer, hat uns eine Vision gegeben, wie im Jahr 2050 unser Planet Erde aussehen könnte und welche Herausforderungen dadurch nicht zuletzt auch an die Pflanzenzüchter gestellt werden. Diese Vision hat der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der auch Aufsichtsratmitglied der KWS ist, nämlich Sie, Herr Winnacker, mit einem Blick in den Mikrokosmos erweitert: Was kann man von der modernen Genforschung erwarten und wo liegen möglicherweise auch Grenzen? Verschiedene Perspektiven auf die Pflanzenzüchtung nämlich welche Herausforderungen stellen sich durch die globale Entwicklung des Planets Erde und welche Möglichkeiten ergeben sich durch unser immer besseres Verständnis von den Lebensabläufen beispielsweise in einer Pflanze haben dabei gezeigt, dass gerade das Gebiet der Pflanzenzüchtung nicht nur höchst innovativ, sondern auch äußerst bedeutsam ist.
Es gibt also auch nach 150 Jahren immer noch ein Riesenaufgabenfeld für die KWS. Darüber hinaus ist KWS heute auch im internationalen Wettbewerb so aufgestellt, dass wir ganz vorne mitspielen können. Das ist für Sie als unsere Aktionäre eine erfreuliche Nachricht. Meine Kollegen werden Ihnen gleich noch berichten, was wir alles tun, um diese gute Position der KWS zu halten und weiter auszubauen.
An dieser Stelle will ich Ihnen noch den Hinweis geben, dass nach der Hauptversammlung ab 14:00 Uhr für Sie wieder ein Film vorbereitet ist, der Sie durch die Jubiläumsfeierlichkeiten der KWS im vergangenen Jahr führt und insbesondere Einblicke in das große Mitarbeiterfest 'KWS YOUnited gibt'. Die beiden Streifen dauern jeweils knapp 10 Minuten und werden auf der Leinwand hier im Biotechnikum non-stop gezeigt – wie es sich für ein Aktualitäten-Kino gehört.
2. Wesentliche Entwicklung der KWS
Lassen Sie mich jetzt konkret über das Geschäftsjahr 2005/2006 berichten, indem ich Ihnen die wesentlichen Entwicklungen schlaglichtartig darstelle:
• Der Umsatz wurde um 2 % auf 505 Mio € gesteigert. Damit wurde zum ersten Mal die 500 Mio €-Umsatzmarke überschritten.
• Die Bedeutung der Auslandsmärkte ist weiter gewachsen. KWS erwirtschaftet außerhalb Deutschlands mittlerweile 76 % des Umsatzes.
• Beim Ergebnis hatten wir vor einem Jahr einen Rückgang prognostiziert, der sich nicht vermeiden ließ. Ursächlich waren vor allem die Auswirkungen der EU-Zuckermarktreform mit sinkenden Zuckerproduktionen in allen 25 EU-Ländern. Dadurch war das Betriebsergebnis um 17,1 % auf 46,7 Mio € rückläufig. Ein kleiner Trost bleibt, dass wir damit etwas besser abgeschnitten haben als zu Beginn des Geschäftsjahres prognostiziert.
• Im Segment Zuckerrüben haben wir den erwähnten Umsatzrückgang in der EU durch deutliche Zuwächse in anderen Regionen teilweise kompensieren können. Per Saldo sank der Segmentumsatz damit lediglich um 5,7 %.
• Dagegen konnten wir im Segment Mais deutlich zulegen. Wie schon in den Vorjahren erzielten wir mit 11 % ein zweistelliges Umsatzwachstum auf 242 Mio €. Damit ist Mais mit einem Umsatzanteil von 48 % erstmals das größte Segment der KWS.
• Wir haben stark in zukünftiges Wachstum investiert: rund 24 Mio € flossen zum Großteil in neue Anlagen, wie z. B. in spezielle Aufbereitungsanlagen für unsere leistungsstarken Mais-Hybridsorten in Frankreich und in Nordamerika. Damit liegen die Investitionen erneut deutlich über den Abschreibungen – ein Bild, dass Sie von KWS seit vielen Jahren kennen.
• Die Beschäftigtenzahl stieg in 68 Ländern mit KWS Präsenz um 4 % auf 2.652. Die Zahl der Auszubildenden bei KWS in Einbeck liegt mit 73 Lehrlingen weiterhin auf hohem Niveau – gut 9 % der Beschäftigten.
• Seit dem 19. Juni 2006 ist die KWS Aktie nun auch im SDAX der Deutschen Börse notiert und erhält entsprechend mehr Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt.
Soweit einige wesentliche Schlaglichter auf die Geschäftsentwicklung des letzten Jahres. In einer Gesamtwürdigung kann man feststellen, dass KWS die Marktverwerfungen aufgrund der Zuckermarktordnungsreform ganz ordentlich verkraftet hat. Wir haben darüber hinaus einige wesentliche Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen. Denken Sie bitte nur an das neue Feld der Energiepflanzen. Diese werden politisch und wirtschaftlich einen immer größeren Stellenwert bekommen, nicht zuletzt aufgrund der Forderung nach CO 2-emissionsfreier Energieproduktion. Aufgrund der politischen Entscheidungen der Bundesregierung zur Beimischung biogener Kraftstoffe wird die Nachfrage nach Biodiesel aus Raps und Bioethanol aus Pflanzen wie Weizen, Zuckerrüben und Mais weiter zunehmen.
Eine besondere Perspektive versprechen wir uns indes von der Erzeugung von Biomethan. Grundlage ist die Fermentation von Biomasse zu Biogas. Das hohe Ertragspotenzial erklärt sich hier aus der Tatsache, dass nicht nur das klassische Erntegut wie Getreidekörner oder Rapskörner zur Produktion herangezogen werden, sondern die ganze Pflanze Verwendung findet. Hier haben vor allem Maispflanzen mit großer Blattmasse hervorragende Aussichten und genau solche Maistypen hat die KWS seit einigen Jahren entwickelt. Die Energiepotenziale sind beträchtlich und mit den neuen KWS Energiemais-Sorten wird man in Zukunft von einem Hektar soviel Bioenergie erzeugen können, dass damit ein PKW über 100.000 km läuft.
Meine Damen und Herren, dies ist Zukunftsmusik, aber die Zukunft hat bei KWS bereits begonnen: So wurde im abgelaufenen Jahr eine Rekordzahl von Neuzulassungen unserer Sortenprodukte erreicht, nämlich über 280 behördliche Vertriebsgenehmigungen. Diese neuen Produkte müssen natürlich auch erfolgreich vermarktet werden und dies werden Ihnen im Anschluss gleich meine Kollegen darstellen.
Aber bleiben wir noch kurz bei der Forschung und Züchtung: Wir kümmern uns bei den neuen Energiepflanzen nicht nur um den Mais, sondern prüfen auch andere Nutzpflanzen auf eine mögliche Verwendung. Dabei wird es entscheidend darauf ankommen, Pflanzen und Sorten zu entwickeln, die auch bei geringen Niederschlägen einen hohen Biomasseertrag bringen. Dies könnte der Roggen sein oder auch die Hirse. Und bei Mais arbeiten wir an trockentoleranten Sorten, die sich ebenfalls für solche Zwecke nutzen lassen.
Sie sehen, es ist viel in der Pipeline der KWS. Über den Einsatz neuer Sorten, die mit Hilfe der Gentechnik verbessert worden sind, werden Ihnen meine Kollegen nachher weitere Einzelheiten aus den Auslandsmärkten darstellen. In Deutschland tut sich die Bundesregierung schwer mit der Novellierung des Gentechnikgesetzes, auch wenn Innovation einen hohen Stellenwert im Regierungsprogramm hat. Letztlich geht es um gesetzlich vorgeschriebene Regelungen, die den Landwirten ermöglichen, auch die neuen gentechnisch verbesserten Sorten auszuprobieren und die Landwirte für den Einsatz dieser Innovation nicht zu bestrafen. Wir rechnen damit, dass im ersten Quartal des nächsten Jahres eine größere Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen speziell in Deutschland herbeigeführt wird. Rechtzeitig zur Aussaat 2007 wird indes noch kein neues Gesetz verabschiedet sein. Insofern rechnen wir nicht damit, dass der Anbau dieser neuen Sorten in Deutschland deutlich über die bisherigen 1.000 ha hinausgehen wird. Insofern brauchen wir weiterhin einen langen Atem.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich an dieser Stelle noch ein Wort zur Mannschaft der KWS, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sagen. Sie sind nach wie vor das wichtigste Kapital in unserem Unternehmen. Aber auch dieses Kapital muss gehegt und gepflegt werden. Fördern und Fordern heißen die beiden Seiten der Medaille.
Wir tun eine ganze Menge für die Fortbildung, die bekanntlich Voraussetzung für eine sinnvolle Personalentwicklung ist. Fortbildung bei KWS unterliegt qualitativ hohen Maßstäben und wird quantitativ Jahr für Jahr gemessen und mit einer Zielgröße verglichen. Genauso machen wir es mit den so genannten Mitarbeitergesprächen, die jedes Jahr mindestens einmal nach einem bestimmten Muster geführt und dokumentiert werden müssen. Auch hier gibt es einen Wettstreit zwischen den Abteilungen, denn wer will schon die rote Laterne mit den wenigsten Mitarbeitergesprächen halten? Immerhin liegen wir im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einer Rate von 75 %, was nicht schlecht ist, aber durchaus verbessert werden soll.
Und wir haben noch etwas für unsere Mitarbeiter gemacht: Wir haben ein Barometer für das Unternehmensklima eingeführt: Alle Mitarbeiter wurden anonym befragt über ihre persönliche Situation im Unternehmen und ihre Erwartungen an die Zukunft. Das Ergebnis war ein ausgesprochen gutes Bild, zeigt zugleich aber einige Brennpunkte im Unternehmen auf, um die wir uns verstärkt kümmern mussten und inzwischen auch gekümmert haben. Wir wollen dieses moderne Instrumentarium weiterführen und dann die Ergebnisse jeweils auch mit den Vorjahren vergleichen.
A propos Vorjahr: Auch in diesem Jahr werden die Mitarbeiter der KWS am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Wir können uns zwar nicht mit Porsche messen, liegen aber doch immerhin bei über 14,2 Monatsgehältern, sofern Sie heute dem Dividendenvorschlag zustimmen. Denn KWS hat eine erfolgsabhängige Komponente, die direkt an die Dividendenhöhe gekoppelt ist.
3. Gesamtwürdigung (inkl. Dividendenvorschlag und Ausblick)
Damit wären wir bei dem Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 2005/06. Sie haben gelesen, dass wir Ihnen eine Dividende von 1 € pro Stückaktie vorschlagen, das entspricht 10 € vor dem Aktiensplit. Dieser Dividendenvorschlag spiegelt die gesunkene Ertragslage des Unternehmens wider. Wir bekennen uns zu einer ertragsorientierten Dividendenpolitik. Darüber hinaus aber soll das Jubiläumsjahr nicht ohne Bonus verstreichen, weshalb wir Ihnen einen Jubiläumsbonus von 20 Cent vorgeschlagen haben, so dass sich daraus insgesamt dann eine Ausschüttung bemisst, die auf der Vorjahreshöhe liegt.
Wenn ich nun noch einen Ausblick auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres wage, so sind wir gedämpft optimistisch. Die weltweite Nachfrage nach Energie und damit auch nach Energie- und Nahrungspflanzen hat die Preise für diese Rohstoffe in die Höhe getrieben und die Nachfrage nach Qualitätssaatgut verstärkt. Wir gehen deshalb trotz eines weiteren Dämpfers in der Anbauflächenentwicklung bei Zuckerrüben davon aus, das Umsatzniveau des letzten Jahres zumindest wieder zu erreichen und das Ergebnis aufgrund bereits verkrafteter Belastungen wieder leicht zu steigern. Unsere Verkaufskampagne hat indes noch nicht begonnen, so dass wir Ihnen heute noch keine genauere Prognose geben können.
Sie werden jetzt aber weitere wesentliche Informationen erhalten über die Entwicklung in unseren drei Produktsegmenten und dann als Abschluss die Erläuterung des vorgelegten Zahlenwerks in Form von Bilanz und GuV. Damit möchte ich schließen.
Es gilt das gesprochene Wort.
14.12.2006
Andreas J. Büchting