Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung Dezember 2006 Ausführungen von Dr. Hagen Duenbostel

Ausführungen von

Dr. Hagen Duenbostel

Vorstand der KWS SAAT AG

anlässlich der KWS Hauptversammlung am 14. Dezember 2006


Dr. Hagen Duenbostel
Dr. Hagen Duenbostel

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr ungewöhnliche Herausforderungen bewältigen müssen. Insbesondere die bereits im Vorfeld erwarteten Anbauflächenkürzungen für den Zuckerrübenanbau in der EU sind nun Realität geworden und hinterlassen auch im Jahresabschluss der KWS ihre Spuren. Unter diesen Umständen ließ sich zwar das Wachstum der vergangenen Jahre nicht unvermindert fortsetzen, doch konnten wir unseren Vorjahresumsatz gut behaupten, ihn sogar leicht steigern und mit 505 Millionen Euro zum ersten Mal in der KWS Geschichte die halbe Milliarde erreichen.

Insgesamt erkennen wir im Abschluss der KWS Gruppe für 2005/2006 eine verschlechterte Ertragslage, die jedoch von einer deutlich verbesserten Vermögens- und Finanzlage begleitet ist.

Der erste Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung lässt nicht unmittelbar auf die Veränderungen in der Zusammensetzung der Ergebnisse schließen. Dahinter haben jedoch zwei wesentliche Entwicklungen stattgefunden:

Zum einen ist der Anteil der Umsätze des Segments Zuckerrüben auf 41 % des KWS Geschäftsvolumens bzw. 205 Mio € zurückgegangen.

Zum anderen hat sich das Segment Mais mit 242 Mio € zum umsatzstärksten Bereich entwickelt und steuert nunmehr 48 % des Umsatzes bei.

Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Ertragskraft der KWS?

Bereits das Bruttoergebnis der KWS Gruppe, das um fast 6 Mio € unter dem des Vorjahres liegt, deutet darauf hin, dass weniger Ergebnisse aus der Zuckerrübe nicht durch zusätzliches Wachstum aus dem Mais aufgefangen werden konnten.

Die im Vergleich zur Zuckerrübe geringe Umsatzrendite des Segments Mais ist durch hohe Vorlaufkosten für die Produktentwicklung und den Ausbau des Vertriebs begründet.

Die Vertriebskosten sind somit planmäßig um 11 Mio € auf fast 100 Mio € angewachsen. Die zusätzlichen Vertriebsmitarbeiter des Segments Mais in Nordamerika und Europa haben hierzu maßgeblich beigetragen. In den kommenden Jahren müssen sich diese noch rentieren.

Gleichwohl ist es uns gelungen, in der Erwartung zurückgehender Erträge, die Verwaltungskosten spürbar zu senken. Durch gezielte Einsparungen wurden diese um knapp 6 % auf unter 37 Mio € reduziert.

Für das Betriebsergebnis hatten wir Anfang des Jahres mit einem Rückgang von bis zu 20 % gerechnet; abgeschlossen haben wir mit 47 Mio €, das sind 17 % weniger als im Vorjahr   also etwas besser als erwartet.

Nach Zinsen und Steuern konnten wir damit einen Jahresüberschuss von gut 28 Mio € ausweisen.
Werfen wir einen Blick auf die Segmente im Einzelnen:

Die Zuckerrübe wird durch den konsequenten Ausbau der internationalen Aktivitäten stärker geographisch diversifiziert und damit auf die fortschreitende Liberalisierung der Weltmärkte ausgerichtet. Selbst unter den schwierigen Bedingungen durch Flächenkürzungen in 2006, die einen Umsatzrückgang in der EU von 17 % verursacht haben, konnten wir in den Märkten außerhalb der EU um 15 % zulegen.

Hieraus ergibt sich allerdings eine weitere Herausforderung, denn in diesen Wachstumsregionen, insbesondere in Osteuropa und Asien, werden noch keine mit dem Westen vergleichbare Margen erzielt, so dass die EBIT-Rendite auch aufgrund der veränderten Umsatzstruktur auf 12 % zurückgegangen ist.

Der Wachstumsträger Mais zeigt insbesondere im mehrjährigen Verlauf, dass unsere Strategie aufgeht. Mit sehr guten Produkten sind wir in den wichtigsten Maismärkten vertreten und unsere Vertriebsmannschaften bauen Marktanteile konsequent aus. Dieses Vorgehen brachte uns aus eigener Kraft auf einen nachhaltigen Wachstumskurs, den wir lediglich durch kleinere Akquisitionen unterstützt haben. In 2005/06 konnten wir in Nordamerika rund 15 Mio € und in Europa gut 12 Mio € zulegen.

Auffällig ist bei diesem Vorgehen jedoch die anhaltende Belastung der Betriebsergebnismarge. Entwicklungs- und Vertriebskosten in Nordamerika und Europa müssen auf Sicht langsamer steigen als der Umsatz. Sie tun es bis heute noch nicht und erlauben daher lediglich eine EBIT-Rendite von gut 4 %.

Auch die Ertragslage im Segment Getreide konnte im vergangenen Jahr keine positiven Akzente in der Ertragskraft setzen. Zwar lief das Getreidegeschäft operativ stabil, so dass ein Umsatz von 50 Mio € erwirtschaftet wurde, jedoch halbierte sich das Segmentergebnis auf unter 2 Mio €.

Zu dieser negativen Entwicklung hat der Fiskus erheblich beigetragen. Das Bundesfinanzministerium hat Anfang 2006 die bestehende Rechtslage in Bezug auf die zu erhebende Umsatzsteuer für Saatgutlizenzen neu ausgelegt. Neuerdings wird von allen Züchtern die rückwirkende Nachberechung des vollen Steuersatzes von 16 % statt des bislang anerkannten, ermäßigten Satzes von 7 % eingefordert.

In unserem Fall müssen wir bis 2001 nachberechnen, mit der Folge, dass einzelne dadurch entstehende Forderungen gegenüber unseren Kunden nicht mehr durchgesetzt werden können. Wir haben diese Risiken umfassend im Jahresabschluss abgebildet und betrachten den Vorgang als einmalige Belastung – wenngleich uns dadurch ein Schaden in Millionenhöhe entstanden ist.

Besonders erfreulich ist dagegen die Entwicklung der Vermögens- und Finanzlage der KWS Gruppe. Die Bilanzrelationen und Finanzkennzahlen sprechen fast für sich. Mit 577 Mio € blieb die Bilanzsumme auf Vorjahresniveau.

Trotz des Wachstums im Mais, mit dem generell ein zusätzliches Vorratsvermögen und höhere Forderungen einhergehen, ist es dennoch gelungen, die Kapitalbindung in diesem Bereich konstant zu halten. Unser erfolgreiches Working-Capital-Management hat es erlaubt, die operativen Mittel von 53 Mio € verstärkt für die Rückführung von Bankschulden zu verwenden.

Darüber hinaus hat sich die Nettoliquidität am Bilanzstichtag fast verdoppelt und beträgt 44 Mio €.

Die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten wurden um 16 Mio € zurückgeführt und begleitet von einem Anstieg des Eigenkapitals um 12 Mio  €. Mit fast 338 Mio € Eigenmitteln errechnet sich bei konstanter Bilanzsumme eine Eigenkapitalquote von 59 %, die weiterhin auch branchenübergreifend als sehr solide zu bezeichnen ist.

Noch positiver zeigt sich die verbesserte Finanzlage in der Entwicklung des Free Cashflow.

Die Einzahlungen aus dem operativen Geschäft in Höhe von 53 Mio € haben 20 Mio € Auszahlungen für Investitionen verkraftet und ergeben danach einen Free Cashflow von 33 Mio €. Im Vorjahr führten erhebliche Zuwächse von Vorräten und Forderungen sowie höhere Investitionen sogar zu einem negativen Free Cashflow von -19 Mio €. Die KWS Gruppe ist also finanziell bestens für die Zukunft gerüstet.

Zu einem zukunftsgerichteten Finanzmanagement gehört auch, die Finanzmärkte aktiv zu nutzen. Wir haben daher unsere Betriebsmittelfinanzierung auf einen syndizierten Kredit mit fünfjähriger Laufzeit umgestellt, der uns in einem Rahmen von 100 Mio € margengünstige Kreditaufnahmen sichert. Unsere Hausbanken haben die Syndizierung engagiert unterstützt und damit die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit KWS untermauert.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
in der Gesamtleistung der KWS Gruppe von gut 530 Mio € ist eine Wertschöpfung von 30 % bzw. 161 Mio € enthalten.

Unsere Mitarbeiter sind weiterhin die tragende Säule für den Erfolg und haben daher auch den größten Anteil an der Wertschöpfung des Unternehmens. Sie erhielten hieraus 68 % durch Einkommen und Ansprüche, 12 % wurden den Gewinnrücklagen des Unternehmens zugeführt. Die Öffentliche Hand beansprucht weitere 10 % an Steuern. Die verbleibenden 10 % verteilten sich je zur Hälfte auf Sie, die Aktionäre, in Form von Dividenden sowie auf Anteile anderer Gesellschafter und Kreditgeber.

Rund um die KWS Aktie haben wir viele Anstrengungen unternommen, um ihre Attraktivität zu erhöhen. Damit fördern wir aktiv eine breitere Verteilung des bestehenden Streubesitzes im Kapitalmarkt. Seit Anfang April 2006 wird KWS im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse geführt und ist am 19. Juni 2006 in den SDAX aufgenommen worden. Seither genießen wir mehr Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt, was nicht zuletzt den Handel mit KWS Aktien unterstützt. Hinzu kommt, dass wir den Aktiensplit von 1:10 umgesetzt haben, so dass die Aktie leichter geworden ist.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wie Sie über die Jahre hinweg verfolgen konnten, haben wir die Dividendenpolitik immer an der Ertragsentwicklung orientiert. Mit einem Jahresüberschuss der KWS Gruppe in Höhe von 28 Mio € ist hierfür ein Eckpunkt gesetzt. Das Ergebnis je Aktie ist nach 5,09 € mit nun 4,16 € rückläufig.

Die KWS SAAT AG hat dabei in 2005/06 einen Jahresüberschuss von rund 13 Mio € ausgewiesen, nach rund 15 Mio € im Vorjahr. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen Ihnen daher vor, eine Dividende in Höhe von 1,00 € je Stückaktie auszuschütten. Hinzu kommt jedoch noch ein Jubiläumsbonus in Höhe von 20 Cent je Stückaktie, anlässlich des 150-jährigen Bestehens der KWS. Die Bruttodividende beträgt demnach 1,20 € und entspricht in ihrer Gesamthöhe dem Vorjahresbetrag.

Aus dem Bilanzgewinn werden damit rund 8 Mio € ausgeschüttet. Die Zuführung zu den Gewinnrücklagen der KWS SAAT AG beträgt entsprechend gut 5 Mio €.
Zum Abschluss noch die Aussichten für 2006/07:

Im aktuellen Geschäftsjahr erwarten wir einen gegenüber dem Vorjahr gut behaupteten Umsatz. Dabei werden erneute Anbauflächenkürzungen für Zuckerrüben in der EU, der schwache US-Dollar sowie der Abbau von Saatgutbeständen der staatlichen türkischen Zuckerindustrie den Umsatz des Segments Zuckerrüben weiter reduzieren.

Das gute Wachstum im Mais setzt sich indes fort und wird durch eine bereits erfolgreich gelaufene Absatzsaison im Getreide unterstützt.

Das erwartete Betriebsergebnis der KWS Gruppe wird sich daher im laufenden Geschäftsjahr gegenüber 2005/06 leicht verbessern.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ein frohes Weihnachtsfest!


Es gilt das gesprochene Wort.


      14.12.2006
Hagen Duenbostel