Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung 2007 Ausführungen von Dr. Ch. Amberger

Ausführungen von

 Dr. Ch. Amberger

Vorstand der KWS SAAT AG

anlässlich der KWS Hauptversammlung am 13. Dezember 2007


Dr. Ch. Amberger
Dr. Ch. Amberger

Unser Anspruch ist es, ein führender Anbieter von Maissaatgut für alle Reifezonen in den gemäßigten Klimaten zu werden und die führende Position bei Getreide in Europa auszubauen.

In diesem Kontext, meine sehr geehrten Damen und Herren, möchte ich Ihnen das vergangene Jahr vorstellen. Zum ersten Mal macht der Mais mehr als 50 % des KWS Gruppenumsatzes aus. Mehr als 750 Mitarbeiter tragen zum Erfolg des Segments bei. Wir haben im vergangenen Jahr unsere Mannschaft um über 10 % aufgestockt und sehen uns mit den typischen Herausforderungen einer wachsenden Einheit konfrontiert: So läuft das Geschäft den Strukturen voraus. Wir haben deshalb einen besonderen Fokus darauf gelegt, unsere Abläufe und Strukturen zu verbessern, vom zentralen Vorrats- und Forderungsmanagement über die erweiterte SAP-Anbindung von Tochterunternehmen bis zum Ausbau unserer Produktionsstruktur.

Insgesamt meine ich, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Mais diese Herausforderungen im Jahr 2006/07 hervorragend gemeistert haben. Das Resultat kann sich sehen lassen: Wir haben im Vergleich zum vergangenen Jahr unseren Mengenabsatz im Mais um 900 T Einheiten auf 6,2 Mio Einheiten gesteigert. Unser Umsatz wuchs um nahezu 14 % auf 276 Mio € und – besonders erfreulich – das Segmentergebnis legte um 28 % zu auf 13,3 Mio €. Wir sind besser geworden im Management von Vorräten und Forderungen und im Controlling. Wir haben damit in den letzten beiden Jahren zunehmend Stabilität in unseren Ergebniszuwachs gebracht.

Mit einer Segmentrendite von 4,8 % blicken wir voller Anerkennung auf unser Schwestersegment Zuckerrüben, müssen uns jedoch vor unseren europäischen Wettbewerbern keinesfalls verstecken. Im Gegenteil; wir sind in eine neue Klasse hineingewachsen und haben zugleich einen steigenden Beitrag zum Gesamtergebnis unserer KWS geleistet.

Erfreulich war sowohl die Entwicklung in Europa wie auch in Nordamerika. In den für uns strategischen Kulturen Mais und Winterraps konnten wir unsere Umsätze auf über 250 Mio € steigern. Bei Sonnenblumen und Sojabohnen mussten wir im Zuge rückläufiger Märkte Umsatzeinbußen hinnehmen.

 

Insgesamt stieg unser Umsatz in Europa von 145 Mio € in 2005/06 auf 161 Mio € im abgelaufenen Wirtschaftsjahr. Wir konnten unseren Markt-anteil im Mais damit um 0,8 % auf heute 12,1 % verbessern. In allen Regionen – mit Ausnahme Frankreichs – sind wir gewachsen. Und besonders wir freuen uns über den Zuwachs in Osteuropa, Südosteuropa und Südeuropa von jeweils 30 % und mehr.

 

Unsere Maisumsätze in Europa bestehen nahezu ausschließlich aus konventionell gezüchteten Maissorten. Wir setzen weniger als 200 T€ an gentechnisch veränderten Maissorten in Spanien, Tschechien und Deutschland ab. Auch in den nächsten Jahren sehen wir hier nur begrenztes Entwicklungspotenzial, da die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und neuerdings auch in Frankreich unseres Erachtens einer stärkeren Ausdehnung entgegenlaufen. Zusätzlich erschwert die nach wie vor fehlende gesetzliche Regelung für Schwellenwerte von GMO-Einstäubung in Saatgut unsere Produktion. Mit einem aufwändigen Qualitätssicherungssystem versuchen wir jegliche Einstäubung im Spurenbereich, insbesondere aus kontrasaisonaler Vermehrung in Chile und Argentinien, aufzuspüren und betroffene Ware von der Vermarktung auszuschließen, ohne dass es für diesen faktischen 0-Grenzwert eine wissenschaftlich begründete Plausibilität gibt. Aber die Politik fordert dies von uns.

 

Ganz anders, meine Damen und Herren, ist die Entwicklung in Nordamerika. 81 % des Gesamtumsatzes von AgReliant werden heute mit gentechnisch veränderten Sorten von Mais oder Sojabohnen bestritten. Unser amerikanisches Joint Venture-Unternehmen konnte seinen Umsatz um nahezu 16 % auf 227 Mio € ausbauen und ist damit erheblich größer als unsere angestammten Maisaktivitäten in Europa. AgReliant erzielte in einem um 18 % wachsenden Maismarkt in Nordamerika einen Marktanteil von gut 6 %.

Um unserem Absatzwachstum Rechnung zu tragen, haben wir auch im vergangenen Jahr erhebliche Investitionen zum Ausbau unserer Produktionsanlagen getätigt. Im Rahmen des mittelfristigen Masterplans Produktion für Nordamerika werden von 2005/06 bis einschließlich 2009/10 voraussichtlich mehr als 20 Mio € in die Erweiterung unserer Kapazitäten fließen.

Eine ähnliche Entwicklung sehen wir auch in Europa, wo es insbesondere darum geht, jetzt für den wachsenden Bedarf in Südost- und Osteuropa Kapazitäten zu schaffen, um hochwertiges Saatgut zu produzieren. Im Juli 2007 haben wir eine Produktionsanlage in Rumänien übernommen, die wir bis zur Ernte 2008 auf den neuesten technischen Stand bringen wollen, um dort 400 TU Maissaatgut und 80 TU Sonnenblumensaatgut aufbereiten zu können.

 

Abschließend zu diesem Segment noch einige Worte zu dem Bereich Ölfrüchte, den Sojabohnen in Nordamerika sowie den Sonnenblumen und dem Winterraps in Europa. Der Gesamtumsatz blieb mit rd. 40 Mio € nahezu konstant im Vergleich zum Vorjahr und macht heute 14 % des Gesamtsegmentumsatzes aus. Im Zuge rückläufiger Sojabohnen-Anbauflächen in Nordamerika und Sonnenblumen-Anbauflächen in Europa haben wir hier Einbußen hingenommen (4,9 Mio € bzw. 19 %). Ganz erfreulich konnten wir jedoch unsere Umsätze bei Rapssaatgut ausbauen. So stieg der Umsatz von 12,6 Mio € im Jahr 2005/06 auf 18,3 Mio € im Jahr 2006/07. Auch in diesem Sommer konnten wir unseren Rapsabsatz noch einmal ausdehnen, so dass wir heute mit einem Umsatz von knapp 20 Mio € rechnen. Mit einem Marktanteil von ca. 17 % haben wir uns auf die dritte Position in Europa hochgearbeitet.

 

Nun zum Getreide, dem zweiten Segment, über das ich Ihnen heute berichten möchte.

LOCHOW-PETKUS kann mit erfreulichen Zahlen aufwarten. Der Segmentumsatz stieg um 8,5 % auf nahezu 55 Mio € und das Segmentergebnis machte einen Sprung von 1,7 Mio € auf 5,3 Mio €. Die LOCHOW-PETKUS-Gruppe hat damit wieder zur alten Ertragskraft zurückgefunden. Hauptumsatzträger sind der Hybridroggen mit mehr als 36 %, der Weizen mit 29 % sowie die Gerste mit 17 %. Wesentliche Umsatz- und Ergebnistreiber waren im vergangenen Jahr der Hybridroggen und die Wintergerste, in der LOCHOW-PETKUS heute unangefochten der Marktführer ist. Während die Beteiligungsgesellschaft MOMONT in Frankreich erfreulich in Absatz und Ergebnis zulegen konnte, verlor die englische Gesellschaft insbesondere an Weizenum-sätzen und musste einen Marktanteilsverlust von 28 auf 22 % hinnehmen.

Die im vergangenen Jahr eingeleitete Restrukturierung der Aktivitäten bei LOCHOW-PETKUS in Deutschland, mit einer Beendigung der Zuchtprogramme für Triticale und Körnererbsen und eine Straffung der Anzahl deutscher Zuchtstationen hat sich bewährt. Der zentrale Standort in Bergen-Wohlde wurde und wird weiter ausgebaut, mit neuen Gewächshäusern und einer Aufbereitungsanlage für Basissaatgut Hybridroggen, die bis zur neuen Ernte in Betrieb gehen soll.

 

Auch im neuen Geschäftsjahr 2007/08 konnte die LOCHOW-PETKUS einen guten Start hinlegen. Aufgrund knapper Ernten und guter Sortenergebnisse war auch in diesem Jahr der Hybridroggen rasch ausverkauft. Die LOCHOW-PETKUS wird hier ihren Marktanteil wieder auf über 50 % gesteigert haben. Während wir mit etwas sinkenden Winterweizen-Umsätzen in Deutschland rechnen, deutet sich bei den anderen Kulturarten und in Frankreich und Großbritannien eine gute Entwicklung an. Wir gehen deshalb davon aus, dass die LOCHOW-PETKUS auch in diesem Geschäftsjahr ein ansprechendes Ergebnis erzielen wird.

Zum Abschluss, meine Damen und Herren, möchte ich Ihnen einen kurzen Ausblick über die Aussichten des Segments Mais in 2007/08 geben:

Nach einem guten Start im Rapsabsatz erwarten wir heute für Mais ein steigendes Marktvolumen in Europa und Anbaueinschränkungen in Nordamerika zugunsten der Sojabohnen. Mit etwas Sorge blicken wir jetzt auf die Saatgutversorgung. Unsere Produzenten erwarten einen Ausgleich für die gestiegenen Rohstoffpreise beim Saatgut. Gleichzeitig haben wir aufgrund der großen Dürreperiode in Südosteuropa Produktionsmengen verloren, die wir nur teilweise durch teure kontra-saisonale Produktion ersetzen können. Deshalb wird uns dort ein Wachstumssprung wie im vergangenen Jahr nicht gelingen können. Die Sortenergebnisse, sowohl in Nordamerika als auch in Europa, sind ansprechend und wir verfügen auch in diesem Jahr über ein gut marktgerechtes Portfolio. Für die kommende Vertriebsperiode haben wir moderate Preisanhebungen in den Hauptmärkten angekündigt, um so die Mehraufwendungen in der Produktion aufzufangen und am zusätzlichen Wertbeitrag neuer Sorten – gemeinsam mit unseren Kunden – zu partizipieren. Mit Restrukturierungsmaßnahmen, die wir in der Region Südeuropa bereits im August vorgenommen haben, sind die größten Herausforderungen in Italien jetzt gemeistert, so dass die Belastungen aus der Region in diesem Wirtschaftsjahr spürbar zurückgehen werden.

Alles in allem gehen wir deshalb davon aus, dass wir bei wiederum hohen Vorleistungen in Produktion und Vertrieb für weiteres Wachstum ein ähnliches Ergebnis wie in 2006/07 erzielen können.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

13.12.2007
Christoph Amberger