Ausführungen von
Dr. Hagen Duenbostel
Vorstand der KWS SAAT AG
anlässlich der KWS Hauptversammlung am 13. Dezember 2007
Meine Damen und Herren,
das gute Geschäftsjahr 2006/07 zeigt sich auch im Jahresabschluss. Das Umsatzwachstum von gut 6 % auf 538 Mio € entsprach unseren Erwartungen. Hingegen stellt sich der Anstieg des Betriebsergebnisses um 37 % auf 64 Mio € heute deutlich besser dar, als dies noch vor einem Jahr anlässlich unserer Hauptversammlung abzusehen war. Auch für die Zukunft streben wir ein beständiges Unternehmenswachstum mit zweistelligen Betriebsergebnis-Renditen an. Ein ehrgeiziges Ziel, das jedoch zu erreichen ist, wie es der diesjährige Abschluss belegt.
Nachhaltiges Wachstum und steigende Erträge erfordern eine ausgewogene Balance zwischen Vorlaufkosten für Produkt- und Vertriebsentwicklung auf der einen Seite und Erträgen aus dem laufenden Geschäft auf der anderen. Das gilt sowohl für das Gesamtunternehmen als auch für jedes einzelne Segment. Darüber hinaus setzen wir Erweiterungsinvestitionen mit Augenmaß um.
So betrugen die Investitionen im Berichtsjahr 27 Mio € bei einem Abschreibungsniveau von 16 Mio €. Investiert wurde vor allem in Forschung & Entwicklung sowie in die Produktion, und zwar überwiegend am Standort Deutschland. Nur durch diese Anstrengungen können wir unser Wachstum unterstützen.
In Zahlen heißt das 33 Mio € mehr Umsatz, obwohl uns der schwache US-Dollar sogar um rd. 10 Mio € gegenüber dem Vorjahr zurückgeworfen hat. Besonders erfreulich ist die Rückkehr des Return on Sales auf 12 % – im Vorjahr waren wir ja aufgrund der Beeinträchtigungen im europäischen Zuckerrübensaatgutgeschäft unter 10 % gefallen.
Aus dem guten Betriebsergebnis der KWS Gruppe von 64 Mio € ergab sich nach Zinsen und Steuern ein Jahresüberschuss von 38 Mio €, das ist ein Plus von 10 Mio €. Wie sie von meinen Kollegen schon gehört haben, trugen alle Produktsegmente der KWS zu dieser positiven Entwicklung bei. Darin enthalten sind Steuererstattungsansprüche in Höhe von 7 Mio €. Die aus der Körperschaftssteuer der Vorjahre angesammelten Guthaben für noch nicht ausgeschüttete Gewinne werden in den kommenden zehn Jahren gleichmäßig der KWS zufließen.
Die Steigerung der Ertragskraft wirkte sich zunächst auch positiv auf die Finanzkraft der KWS Gruppe aus. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit verbesserte sich um 9 auf 62 Mio €. Diese Entwicklung haben wir genutzt, um im Rahmen einer teilweisen Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen zukünftige Risiken zu minimieren. Insgesamt sind gut 8 Mio € Pensionsrückstellungen rückgedeckt worden. Hierfür wurde ein Einmalbetrag von 11 Mio € gezahlt, so dass im Finanzergebnis ein einmaliger Zinsaufwand von 3 Mio € verblieb.
Der Free Cashflow, nach Abzug der Auszahlungen aus der Investitionstätigkeit, verringerte sich von 33 auf 24 Mio €. Trotzdem standen die unterjährigen Finanzmittel jederzeit ausreichend zur Verfügung. Der langfristig bereitgestellte syndizierte Kredit in Höhe von 100 Mio € zur Betriebsmittelfinanzierung wurde in der Spitze nur zu 40 % in Anspruch genommen. Wir haben also noch genügend freie Kreditlinien.
Auf der Aktivseite der Bilanz zeigte sich durch die Mittelverwendung für Investitionen ein Anstieg der immateriellen Vermögenswerte und Sachanlagen. Das Working Capital blieb stabil, wenngleich sich seine Struktur deutlich verändert darstellt. Die Vorräte konnten von 109 auf 91 Mio € abgebaut werden, jedoch stiegen die Forderungen umsatzbedingt auf 204 Mio €, so dass das Working Capital von 50 % auf 47 % vom Umsatz gesunken ist. Aus der Cashflow-Entwicklung und der aufgezeigten Mittelverwendung ergab sich ein Bestand an liquiden Mitteln zum 30. Juni 2007 von 68 Mio €. Nach Abzug der Finanzverbindlichkeiten von 8 Mio € verblieb eine Netto Cash Position von 60 Mio €, das waren 15 Mio € mehr als im Vorjahr.
Auf der Passivseite der vorgelegten Bilanz dominiert das gestärkte Eigenkapital mit 366 Mio €, das nunmehr rund 60 % der Bilanzsumme ausmacht. Die Pensionsrückstellungen verminderten sich insgesamt um 10 Mio €, was wesentlich durch die bereits erwähnte Ausfinanzierung von gut 8 Mio € bewirkt wurde.
Die Wertschöpfung in Höhe von 179 Mio € verteilte sich zu 62 % auf die Mitarbeiter, zu 16 % auf die Rücklagendotierung im Unternehmen und zu 11 % auf die öffentliche Hand sowie zu je 5 % auf Fremd- und Eigenkapitalgeber. Die Dividende des Vorjahres soll von 1,00 € plus 0,20 € Jubiläumsbonus auf 1,40 € je Stückaktie kräftig steigen und unterlegt mit diesem Schritt die ertragsorientierte Dividendenpolitik von KWS.
Eine wesentliche Maßnahme nach dem Bilanzstichtag war die Veräußerung unserer Beteiligungen an dem Kartoffelgeschäft der SAKA-RAGIS-Gruppe. Damit war und ist die Absicht verbunden, die Kartoffelaktivitäten in der KWS Gruppe auch künftig wieder auf- und auszubauen. Zum einen werden die Forschungsaktivitäten zur Entwicklung einer Pilzresistenz unvermindert fortgesetzt, zum anderen strebt KWS eine eigene, unternehmerische Position in der Kartoffelzüchtung an. Dies war in der bisherigen Konstellation nicht erreichbar.
Der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr zeigt Licht und Schatten:
Im Segment Zuckerrüben verheißt der Blick nach Brüssel – wie sie schon vernommen haben – nicht viel Gutes. Wir rechnen mit einem Rückgang des Zuckerrübenumsatzes in der EU auf ca. 100 Mio €, sehen aber andererseits gute Chancen für den Ausbau des Segments in Osteuropa und insbesondere in Nordamerika, so dass wir den Segmentumsatz bei Zuckerrüben auf Vorjahresniveau erwarten. Gleiches gilt für den Ergebnisbeitrag, der von diesem Segment erwirtschaftet werden soll.
Mit einem weiteren Ausbau des Segmentes Mais wollen wir an das Umsatzwachstum in Nordamerika und Europa anknüpfen. Im Segment Getreide stellen wir fest, dass die steigende Nachfrage nach unseren leistungsstarken Sortenprodukten bei Hybridroggen und Gerste weiter ungebrochen ist, so dass sich bereits im ersten Quartal ein leichtes Umsatzwachstum, insbesondere in Deutschland und Mitteleuropa, abzeichnete.
Aufgrund der im Rahmen der Kostenanpassungen und Steuerentlastungen im Geschäftsjahr 2006/07 eingetretenen Sondereffekte ist für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 mit einer eher rückläufigen Umsatzrendite zu rechnen. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die EBIT-Marge weiter im zweistelligen Bereich befinden wird.
Freuen wir uns also auf ein weiteres, erfolgreiches Geschäftsjahr.
Es gilt das gesprochene Wort.
13.12.2007
Hagen Duenbostel