Ausführungen von
Dr. Léon Broers
Vorstand der KWS SAAT AG
anlässlich der KWS Hauptversammlung am 13. Dezember 2007
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrte Gäste,
Seit Februar diesen Jahres bin als stellvertretender Vorstand bei KWS und habe nach einer Einarbeitszeit von 5 Monaten im Juli 2007 das Vorstandsressort Forschung & Entwicklung übernommen. Mit der Übernahme des Vorstandsressorts F&E habe ich die Verantwortung bekommen, eine nachhaltige Produktversorgung aller Kulturarten mittels konkurrenzfähiger Sorten sicherzustellen. Grundlage sind dabei effiziente, zielgerichtete und schnelle Züchtungsprogramme, die unterstützt werden von modernen Technologien und einer effizienten Organisation. Teil einer effizienten Organisation ist die Kapazität, neue Entwicklungen zu verfolgen und in der Züchtung zu integrieren. Zurzeit finden viele Entwicklungen in der Genomforschung statt, die potenzielle neue Wege für die Pflanzenzüchtung öffnen. Wir sind über GABI, die deutsche Pflanzengenomforschungsinitiative, an vielen Projekten beteiligt. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir unsere solide Organisation so weiterentwickeln und verstärken, dass wir Ergebnisse der Genomforschung optimal in unsere Züchtung integrieren können.
Eine weitere Aufgabe ist es, unsere Züchtung so weiter zu entwickeln, dass wir weiterhin signifikante Zuchtfortschritte erzielen und vorbereitet sind auf neue Ziele, zum Beispiel neue Krankheitsresistenzen, neue Produkteigenschaften oder Anpassungen an neue Umweltbedingungen. Die genetische Breite in unseren Zuchtprogrammen ist dabei entscheidend. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir verstärkt die genetische Variation in unseren soliden Zuchtprogrammen verbreitern. Wir werden uns dabei nicht nur auf klassische Möglichkeiten begrenzen. Auch die Grüne Gentechnik wird mit in unsere Forschung einbezogen.
Ab 1. Januar 2008 werde ich auch die Verantwortung des Bereichs Energiepflanzen tragen. Auf Grund der zurzeit sehr dynamischen Entwicklung der nachwachsenden Rohstoffe als Ressource für Bioenergie und der wichtigen Rolle, die Bioenergie bei der Unternehmensentwicklung der KWS spielt, möchte ich Ihnen kurz die Rahmenbedingungen und die KWS Strategie verdeutlichen.
Erneuerbare Energien sind weltweit ein wichtiges politisches Thema. Sie werden gesehen als nachhaltig und effizient, als umweltschonend und als eine Möglichkeit, die Abhängigkeit der Energieversorgung von politisch instabilen Regionen zu verringern.
Die Bundesregierung hat für die Entwicklung von erneuerbaren Energien ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2020 sollen erneuerbare Energien einen Anteil von 14 % bei der Erzeugung von Wärme, 17 % bei Kraftstoffen und 27 % bei Strom erreichen. Auch Europa stimuliert die Produktion von erneuerbaren Energien und bis 2020 sollen 20 % der primären Energie aus erneuerbarer Energie versorgt werden.
Aus energetischer Sicht ist Biomasse schon heute der wichtigste erneuerbare Energieträger in Deutschland. Die Bioenergie trägt mit fast zwei Dritteln zur Energieerzeugung mit erneuerbaren Energien bei, sei es als Kraftstoff, zur Wärmeerzeugung oder zur Stromproduktion.
Bei KWS haben erneuerbare Energien schon eine sichtbare wirtschaftliche Bedeutung bekommen. Rund 7 % unseres Gesamtumsatzes sind auf die Nutzung der Endprodukte für die Erzeugung von Bioenergie zurückzuführen. Insbesondere spielen Bioethanol in Amerika und Frankreich, Biogas in Deutschland und Biodiesel in Frankreich und Deutschland eine Rolle. KWS hat damit eine führende Position im Bereich Bioenergie und wird in ihrem Umfeld als Spezialist gesehen. Unser F&E-Budget im Bereich Energiepflanzen umfasst jetzt schon über 2,5 Mio € und wir planen, unsere Spitzenposition weiter auszubauen und uns auch international als führendes Unternehmen im Bereich Bioenergie zu etablieren.
Wir erwarten, dass Bioenergie aus Ganzpflanzenverwertung von Energiepflanzen, so wie bei Biogas, sich zu einer nachhaltigen Form von erneuerbarer Energie entwickeln wird. Ganzpflanzenverwertung ist dann auch der Fokus in der Züchtung von Energiepflanzen. Wir konzentrieren uns dabei auf vier Kulturarten, die sich auf Grund ihrer technologischen Eignung zur Vergärung, ihrer Wirtschaftlichkeit, und ihrer Rolle in der Fruchtfolge besonders für Bioenergie eignen: Mais, Hirse, Zuckerrübe und Roggen.
Die effizientesten Pfade in der Biomasse für Energiezwecke werden sich langfristig durchsetzen. Das erwarten wir und dafür haben wir die strategischen Weichen gestellt. Seien Sie versichert, dass ich bei diesen tollen Perspektiven für unsere Energiepflanzen mich mit großem Elan für weiteren Erfolg einsetzen werde – und das gilt natürlich auch für die übrige Züchtungspalette der KWS. Wir wollen weiter Erfolg säen – seit 1856!
Es gilt das gesprochene Wort.
13.12.2007
Léon Broers