Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung 2009 Ausführungen von Dr. Christoph Amberger

Ausführungen von

Dr. Christoph Amberger
anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG
am 17. Dezember 2009


Dr. Ch. Amberger
Dr. Ch. Amberger

Faszinierend und vielseitig ist die KWS:

Eine 150-jährige Erfolgsgeschichte der Zuckerrübe, mehr als 50 Jahre Mais mit überragenden Wachstumsraten und Roggen, der sich vom märkischen Hungerkünstler zum Hybridroggen mit Pollen Plus Technologie entwickelte.

Und, sehr geehrte Aktionäre, meine Damen und Herren, „es geht doch noch besser“. So könnte man das vergangene Wirtschaftsjahr überschreiben.

Der Mais wächst weiter, mit mehr als 50 Mio Umsatzplus auf heute 380 Mio €; ebenso das Segmentergebnis mit heute 25 Mio €. Und das, obwohl wir unsere Lizenzzahlungen für F&E und besonders unsere Aufwendungen für den Vertrieb erheblich erhöht haben. Wir haben im letzten Jahr weltweit 120 neue Mitarbeiter eingestellt und mit fast 17 Mio € kräftig investiert, doppelt soviel wie im vorangegangenen Jahr.

Unser Maissegment ist aktuell unser Wachstumsmotor No. 1!

Wir sind gewachsen in Europa, in Nord- und in Südamerika.

In Europa verkaufen wir heute ca. 3,3 Millionen Einheiten, und das trotz Finanzkrise. In einem rückläufigen Markt haben wir nicht nur Marktanteile gewonnen, sondern auch im Absatz zugelegt. Wir sind heute mit 15 % klar die Nummer 2 in Europa und beim Silomais mit über 20 % sogar Marktführer. Die meistverkaufte Maissorte in Europa stammt aus unserem Haus. Wir konnten noch einmal in Deutschland und Nordeuropa zulegen und haben dort Marktanteile von über 30 %. Auf jedem dritten Maishektar in Deutschland finden Sie heute Sorten von KWS.

Gelitten hat unser Geschäft durch Währungskursverluste und mangelnde Liquidität unserer Kunden in Südost-, Mittel- und Osteuropa.

Und trotzdem haben wir wiederum mehr Geld ausgegeben, um den Mais bei KWS noch stärker zu machen. Wir werden in den spätreifen Körnermais-Märkten noch stärker Fuß fassen. Dort liegt unser Wachstumspotential für die nächsten Jahre. Und unseren hohen Marktanteil in den frühreifen Märkten wollen wir uns nicht durch Wettbewerber abnehmen lassen. Denn wir haben innovative Produkte und eine starke Vertriebsmannschaft.

In Nordamerika haben sich unsere Kollegen von AgReliant redlich geschlagen:

Die Anbaufläche für Mais blieb konstant, aber wir haben dort starke Konkurrenz. Die hat sich anscheinend in erster Linie die Steigerung ihrer Marktanteile auch auf Kosten der Profitabilität zum Ziel gesetzt.

Wir haben dort leicht an Menge verloren. Trotzdem stieg AgReliants Umsatz um 50 Mio € und auch das Ergebnis wuchs erfreulich. Ausschlaggebend waren höhere Deckungsbeiträge für mehrfach gestackte Produkte, also Sorten, die über mehrere gentechnisch veränderte Eigenschaften gleichzeitig verfügen. Auch in Nordamerika sind wir gut aufgestellt. Wir verfügen über die neueste Technologie, ein breites Sortenportfolio und eine immer stärker werdende Vertriebsmannschaft.

Ich habe Ihnen im vergangenen Jahr über den Ausbau unserer Maisproduktion berichtet. Wir haben diesen jetzt weiter beschleunigt. Unsere Anlage in Rumänien, die erste komplett eigene große Saatmais-Aufbereitungsanlage der KWS mit einer Kapazität von 400.000 U, ist nahezu fertig gestellt. Gleichzeitig haben wir eine neue Aufbereitungsanlage in der Türkei gebaut. Dort wird Maissaatgut mit hervorragender Qualität für unseren steigenden Inlandsbedarf aber auch für den Export nach Europa produziert. Die Anlage in der Ukraine, von der ich im letzten Jahr berichtet habe, ist planmäßig in Produktion gegangen.

Wir haben jetzt mit dem Ausbau einer weiteren Anlage in Südfrankreich für Mais und Raps begonnen. Diese betreiben wir zusammen mit unseren Kollegen von der Zuckerrübe. Unsere Vermehrer sind froh, weitere Kulturen in die Fruchtfolge zu bekommen und unsere Kollegen von der Rübe sind Experten in der Saatgutaufbereitung; das sind die besten Voraussetzungen für die hochwertige und kostengünstige Produktion von Mais- und Rapssaatgut.

Auch in den nächsten Jahren wird uns der Ausbau der Produktion begleiten. Wir werden in ähnlicher Höhe in Feldproduktion und Aufbereitung von Saatgut investieren. So sichern wir die Saatgutqualität, verbessern unsere Prozessabläufe und optimieren die Einstandskosten.

Was uns Sorgen – vor allem in Deutschland bereitet – ist, dass wir immer noch keine Schwellenwerte für gentechnisch erzeugte Eigenschaften (GMOs) in konventionellem Saatgut haben. Unsere kontrasaisonale Maisvermehrung in Südamerika trennen wir strikt von der Vermehrung gentechnisch veränderter Sorten für Nordamerika. Wir prüfen jede Partie aus Übersee und haben für Europa ein engmaschiges Kontrollsystem aufgebaut, um nur absolut GMO-freies Saatgut in Verkehr zu bringen. Und trotzdem lassen sich – wie überall in der Natur – Einstäubungen über Pollenflug im Spurenbereich nicht ausschließen.

Im Frühjahr 2009 hat ein deutsches Landesamt in Saatgut unserer Sorte Krassus Spuren von GMO gemessen. Das Saatgut kam jedoch aus Ungarn und der Türkei, beide gentechnikfrei! Wir haben dreimal durch ein anerkanntes Labor Proben untersuchen lassen: ohne Befund! Es war offensichtlich ein Messfehler, und das ist bei Messungen im Spurenbereich nicht zu vermeiden. Trotzdem gab es eine große Pressekampagne, in der gefordert wurde, den gesamten Aufwuchs von 170 ha umzubrechen. KWS wurde verpflichtet, sicherzustellen, dass die gesamte Ernte für die Biogasproduktion verwendet wird. Wir mussten sämtliche angrenzenden Nachbarschläge mit Mais in einem Radius von 300 m mit großem Aufwand begleiten und haben unter amtlicher Aufsicht sämtliches Erntegut auf GMO Eintrag untersuchen zu lassen. Nichts war zu finden; das konnten Sie dann aber in der Presse nicht mehr lesen.

KWS, aber auch unsere Kunden, die Landwirte, brauchen praktikable Schwellenwerte. Wir fordern dies seit Jahren erfolglos; doch die Politik handelt nicht.

Jetzt, meine Damen und Herren, zum Getreide.

Ein hervorragendes Ergebnis haben unsere Kollegen bei KWS LOCHOW hingelegt. Mit einem Umsatz von 84 Mio € und einem Segmentergebnis von 12 Mio EUR wurde ein noch nie dagewesenes Resultat erzielt. Insbesondere der Hybridroggen brachte uns höheren Umsatz und ein höheres Ergebnis. KWS LOCHOW ist der stärkste europäische Getreidezüchter in Umsatz und Ergebnis. Wir konnten ca. 30 neue Stellen schaffen und haben ca. 8 Mio. € investiert.

Neben einem Rekordergebnis unserer Kollegen von KWS LOCHOW in Bergen haben sich auch die Auslandsgesellschaften des Segments Getreide – also KWS UK und MOMONT – gut geschlagen. Beide erzielten das beste Ergebnis ihrer Unternehmensgeschichte; in UK hauptsächlich durch innovative Weizensorten, mit denen wir heute einen Marktanteil um die 40 % erreichen. Die französische Gesellschaft erzielt ihre Haupteinnahmen mit Raps aber auch mit mehrzeiliger Wintergerste, wo MOMONT heute einen Marktanteil von über 20 % in Frankreich hat.

Bewegung kommt in die Diskussion um die Nachbaulizenz und um Technologie bei Getreide.

Der Ertragsfortschritt bei Weizen hat sich in den vergangenen Jahren beängstigend verlangsamt. Wo wenig investiert wird, kann es auch nur wenig Fortschritt geben. Wir haben in Deutschland ca. 60 % Nachbau bei Weizen. Und nur etwa ein Drittel der nachbauenden Landwirte führt dafür Lizenzen ab. Das Geld der 2/3 Nichtzahler – zu Deutsch: Trittbrettfahrer –kann dementsprechend nicht in Forschung investiert werden.

Nachbau, meine Damen und Herren, schadet in erster Linie den Landwirten selbst.

Auch die Bauernverbände haben wahrgenommen, dass es Innovation nicht zum Nulltarif gibt. Auf europäischer Ebene fordern Züchter und Bauernverbände inzwischen gemeinsam eine solide und einfache rechtliche Basis für die Erhebung der Nachbaugebühren.

Das wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen und deshalb arbeiteten wir selbst an einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Saatgutes über gezielte Investitionen in Vermehrung und Vermarktung, selbst wenn uns dies am Anfang Marktanteile kosten sollte.

Weltweit ist die Getreidebranche im Umbruch, getrieben durch Investitionen von großen Technologieunternehmen. In den USA wird davon ausgegangen, dass innerhalb der nächsten 10 Jahre GMOs auch im Weizen Einzug finden werden. Das wird auf lange Sicht die Züchterstruktur deutlich verändern. Wir reagieren frühzeitig und investieren in moderne Technologien wie Markerentwicklung und markerbasierte Selektion, aber auch in GMO Entwicklung.

Insgesamt also ein gutes Jahr für Mais und Getreide, das man gerne vorstellt und das der Verdienst hoch motivierter, fachkundiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist.

Und jetzt zum schwierigeren Teil dieser Vorstellung, dem Ausblick auf das Wirtschaftsjahr 2009/10.

Winston Churchill sagt:

„Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat.“

Ich möchte es trotzdem versuchen:

Die ersten Verkaufsergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2009/10 liegen vor. Diese sind nicht ganz so ermutigend wie im vergangenen Jahr. Wir haben im Raps Umsatz und Deckungsbeitrag verloren.

Unser Getreidegeschäft hat wegen niedriger Konsumpreise gelitten. Der Nachbau steigt. Im Hybridroggen haben wir weiter Marktanteile durch gute Sorten gewonnen; der Roggenanbau ist jedoch erheblich zurückgegangen. Wir haben weniger Einnahmen als im Vorjahr.

Also, Getreide und Raps deutlich unter Vorjahr.

Das Maisgeschäft läuft – trotz unter Druck stehender Saatgutpreise – erfolgreich an. Wir haben gute Sortenergebnisse in Europa und Nordamerika. Wir verfolgen eng die Börsennotierungen für Mais, die zurzeit tendenziell ansteigen und damit auch die Maisanbauflächen zumindest in Nordamerika stabilisieren sollten.

Ich meine, wir haben gute Voraussetzungen, den Umsatz und das Ergebnis des Vorjahres beim Mais übertreffen zu können.


Es gilt das gesprochene Wort
17.12.2009
Christoph Amberger