Aktuelles
Neuorganisation des Bereichs Forschung & Entwicklung (F&E)
Die Forschungsaktivitäten der KWS zielen darauf ab, neue Produkteigenschaften für KWS-relevante Kulturpflanzen zur Verfügung zu stellen und somit einen kontinuierlichen Züchtungsfortschritt zu erreichen. Im Geschäftsjahr 2010/2011 hat KWS den Unternehmensbereich F&E neu organisiert, um der immer stärker werdenden Bedeutung der Forschung und Züchtung für den Erfolg des Unternehmens gerecht zu werden. Durch die Neu-Organisation wurden interne Strukturen und Prozesse optimiert, die Interaktion von Gruppen mit gleichgerichteten Aufgaben verbessert und Führungsverantwortung effektiv und effizient aufgeteilt. In dem neuen Bereich arbeiten Züchter und Wissenschaftler noch enger zusammen.
Die Kernpunkte der am 01. Juli 2011 in Kraft getretenen neuen Organisation sind:
- die Verschmelzung der PLANTA Angewandte Pflanzengenetik und Biotechnologie GmbH mit der bisherigen F&E-Einheit der KWS SAAT AG (Institut für Pflanzenzüchtung) zur neuen Gesamteinheit “Research and Development“ im Zuge eines Betriebsübergangs,
- die Zusammenführung verschiedener Forschungs- und Serviceeinheiten,
- die Integration der Getreidezüchtung in den Bereich “Research and Development“,
- die Schaffung der neuen Abteilung “Züchtung von Ölpflanzen / Neue Züchtungsaktivitäten“ und
- eine neue Aufgabenverteilung zwischen dem für F&E zuständigen Vorstand und dem Leiter “Research and Development“.
Weiterhin hohe Investitionen in F&E
KWS hat in den letzten zehn Jahren das jährliche Budget für F&E durchschnittlich um 7 % gesteigert. Mit dieser Größenordnung gehören wir zur Spitze der global agierenden Saatzuchtunternehmen. Im Geschäftsjahr 2010/2011 betrugen die Forschungsausgaben 113,5 (GJ 09/10: 97,5) Mio. €, was einer Steigerung von 16 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Erfolg der F&E spiegelt sich in den Vertriebsgenehmigungen für neue Sortenprodukte der letzten Jahre wider. Im Geschäftsjahr 2010/2011 wurden 117 Zuckerrübensorten (GJ 09/10: 120), 119 Maissorten (GJ 09/10: 109), 35 Getreidesorten (GJ 09/10: 35) und 25 Sorten (GJ 09/10: 10) weiterer Kulturpflanzenarten und damit weltweit insgesamt 296 Sorten (GJ 09/10: 274) zugelassen.
Aktuelle Schwerpunkte der F&E-Aktivitäten in den Segmenten
Im Segment Zuckerrübe befasst sich KWS im Rahmen eines langfristig angelegten Forschungsprojekts vor allem mit der Erzeugung von Winterrüben. Der Fokus liegt hier auf der Regulierung der Blütezeit bei gleichzeitiger Verbesserung der Kälte- und Frostverträglichkeit. Bis zur Marktreife dieses Forschungsansatzes werden deshalb noch etwa 10 bis 15 Jahre vergehen. Ebenfalls langfristig ausgerichtet ist ein Projekt, in dem Gene aus verschiedenen Wildrübenpopulationen analysiert werden, die zu einer Erhöhung des Züchtungsfortschritts beitragen könnten.
Im Segment Mais konzentrieren sich die Forschungs- und Züchtungsaktivitäten aufgrund der großen Potentiale bei der weltweiten Nachfrage von Maissaatgut auf die kontinuierliche Weiterentwicklung von regionalspezifischen Züchtungsprogrammen in Frankreich, Südosteuropa, Südamerika und den USA. So nimmt der weltweite Anbau von Mais derzeit in der Landwirtschaft die größte Fläche ein. Aufgrund der Verwendung von Mais als Rohstoff für die Bioenergieerzeugung wird diese Anbaufläche voraussichtlich noch weiter wachsen. KWS engagiert sich daher in Züchtungsprogrammen für standortangepasste Sorten in entsprechenden Reifegruppen mit hohem Ertragspotenzial. Zu den aktuellen Züchtungsaktivitäten der KWS gehören auch Programme, die auf eine erhöhte Widerstandskraft von Mais gegenüber abiotischen (Trockenstress, Kältestress) und biotischen (z.B. Pilzkrankheiten wie Fusarium, Helminthosporium) Schadfaktoren ausgerichtet sind. Die Züchtung von Maissorten für den ökologischen Anbau bildet einen weiteren Schwerpunkt.
Im Segment Getreide kommt es bei der Züchtung von Weizensorten insbesondere auf eine hohe Ertragsfähigkeit und Pflanzengesundheit an. Dies gilt für alle Qualitätsgruppen – von der „Backqualität“ über die „Futterqualität“. Ähnliches gilt auch für Gerste, wobei es hier auf die Brauqualität ankommt. Da Roggen bevorzugt auf benachteiligten Standorten angebaut wird, ist hier das Merkmal Ertragsstabilität besonders wichtig.
In allen Segmenten ist die Forschung & Züchtung von resistenten Sorten ein zentrales Anliegen von KWS. Auf diese Weise kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft reduziert und dadurch ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden.
Überblick über aktuelle F&E-Schwerpunkte in den Segmenten
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Zuckerrüben |
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Mais und Raps |
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Getreide |
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Übergeordnete Themen |
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Stärkere Nutzung von Biotechnologie und Gentechnik
Bei der KWS arbeiten Züchter und Wissenschaftler im Bereich „Research and Development“ eng zusammen. Die Forschungsaktivitäten zielen darauf ab, neue Produkteigenschaften für KWS-relevante Kulturpflanzen zur Verfügung zu stellen und somit einen Züchtungsfortschritt zu erreichen. In allen Züchtungsprogrammen strebt KWS eine noch stärkere Nutzung biotechnologischer Methoden an. Bereits heute trägt die so genannte Markertechnologie entscheidend dazu bei, erwünschte Pflanzeneigenschaften auf Basis von molekularen Daten aus der Genomanalyse zu selektieren. Durch die hiermit einhergehende Effizienzsteigerung bei den Züchtungsprozessen wird ein gezielter Einsatz von Ressourcen ermöglicht. Während bei der herkömmlichen Züchtung hingegen meist spontane unkontrollierte und auch durch äußere Einflüsse hervorgerufene genetische Veränderungen von Pflanzen genutzt werden, werden bei der Gentechnik einzelne Gene gezielt in das Erbgut eingeschleust.
Erfolgreichstes gentechnisches Produkt war bisher die Entwicklung der herbizidtoleranten Roundup Ready® -Zuckerrübe. Das Saatgut ist seit 2007 auf dem amerikanischen Markt und wird über die amerikanische Tochtergesellschaft BETASEED an Landwirte in den USA und Kanada mit seither ungebrochener Nachfrage vertrieben. So nehmen die gentechnisch veränderten Zuckerrüben bereits 500.000 ha, das sind ca. 97 % der nordamerikanischen Zuckerrübenanbaufläche, ein. Der Landwirt hat den Vorteil, dass die Unkrautkontrolle mit dem Anbau dieser Sorten zum einen kostengünstiger, zum anderen umweltfreundlicher gestaltet werden kann. Die Unkrautkontrolle gehört zu den größten Herausforderungen im nordamerikanischen Zuckerrübenanbau. Eine Klage von vier Interessenverbänden gegen das Zulassungsverfahren für Roundup Ready®-Zuckerrüben durch das US-Landwirtschaftsministerium wurde 2008 vor Gericht abgewiesen. Jedoch wurde die weitere Zulassung davon abhängig gemacht, dass die zuständige Genehmigungsbehörde die für den Zulassungsprozess erforderlichen Umweltstudien zu den Auswirkungen der gentechnisch veränderten Zuckerrüben auf die Umwelt vorlegt. Bis dahin hat das US-Landwirtschaftsministerium den weiteren Anbau der Roundup Ready®-Zuckerrüben für 2011 mit einer Übergangsregelung ermöglicht.
2010 hat KWS eine Kooperation mit BASF Plant Science begonnen. Ziel ist es, Zuckerrüben zu entwickeln, die einen höheren Ertrag liefern und widerstandsfähiger gegenüber Stress, z.B. Trockenheit sind. Ab 2020 sollen neue Sorten für den globalen Markt zur Verfügung stehen und den Landwirten einen Mehrertrag von 15 Prozent ermöglichen.
Im Geschäftsjahr 2010/2011 trugen gentechnisch veränderte Sorten mit insgesamt 28 % zum Gesamtumsatz der KWS Gruppe bei.
Ausbau der Kartoffelzüchtung
Bereits seit über 90 Jahren ist die Züchtung und der Vertrieb von Pflanzkartoffeln ein fester Bestandteil des Kerngeschäfts von KWS. Die beiden Partner des internationalen 2008 gegründeten Joint Ventures für Kartoffelzüchtung, van Rijn – KWS B.V., haben entschieden, dass KWS zum 1. April 2011 den 50%igen Anteil von van Rijn übernimmt. KWS intensiviert damit ihre Aktivitäten in Züchtung, Produktion sowie Vertrieb und Marketing von Pflanzkartoffeln und gründet eine 100%ige Tochtergesellschaft, KWS POTATO B.V., mit Sitz in Emmeloord/Niederlande. Van Rijn konzentriert sich hingegen wieder stärker auf sein Kerngeschäft Produktion, Lagerung, Logistik und internationaler Handel mit Speisekartoffeln, Obst und Gemüse.
Vielzahl an Kooperationsprojekten
Zusätzlich zu eigenen bzw. bilateralen Forschungsaktivitäten partizipieren Wissenschaftler der KWS auch an einer Vielzahl von kooperativen Forschungsprojekten mit mehreren Partnern (öffentliche und private Forschungseinrichtungen). Ein aktuelles Beispiel ist das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Genomforschungsprogramm GABI (Genom-Analyse im Biologischen System Pflanze), an dem sowohl öffentliche Institutionen als auch Unternehmen beteiligt sind. Über 30 Unternehmen aus Pflanzenzüchtung, Pflanzenschutz, verarbeitender Industrie und Biotechnologie, darunter auch die KWS Saat AG mit ihren Tochter - und Beteiligungsgesellschaften, engagieren sich in dem WPG (Wirtschaftsverbund Pflanzengenomforschung e.V.). In einer auf „GABI“ basierenden 2011 neu initiierten Förderinitiative „Pflanzenbiotechnologie der Zukunft“ sind Wissenschaftler der KWS und KWS Lochow an 16 der insgesamt 28 Forschungsvorhaben beteiligt.
Zusammen mit Forschungspartnern von Universitäten, Max-Planck-Instituten und anderen Großforschungseinrichtungen wie dem IPK Gatersleben (Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung) werden seit 2000 die genetischen und molekularen Prozesse der wichtigsten agronomischen Merkmale wie Ertrag und Krankheitsresistenzen erforscht. Dabei werden sowohl Grundlagen geschaffen (z.B. die erste vollständige Sequenzierung des Zuckerrübengenoms), als auch ganz konkrete Fragestellungen bearbeitet (z.B. Kühletoleranz bei Mais). Die gewonnenen Erkenntnisse werden konsequent für die Sortenentwicklung genutzt. Die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Industrie und Akademie hat sich dabei zu einem erfolgreichen Modell einer „Public-Private-Partnership“ entwickelt.
Erschließung neuer Märkte – Einrichtung von Züchtungsstationen
Für ein global agierendes Saatzuchtunternehmen wie die KWS ist es besonders wichtig, regionalspezifische Besonderheiten bei der Züchtung neuer Sorten zu berücksichtigen. Die Eröffnung der neuen Zuchtstation im russischen Lipetzk am 8. Juli 2010 ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Unternehmen diesen Anforderungen gerecht wird. In einer der größten Zuchtstationen der KWS, rund 400 km südlich von Moskau gelegen, werden Zuckerrüben, Mais, Getreide, Raps, Kartoffeln und Sonnenblumen züchterisch bearbeitet. KWS schafft damit die Voraussetzungen, um die russische Landwirtschaft in Zukunft mit noch leistungsfähigeren, standortangepassten Sorten versorgen zu können.
Neben dem osteuropäischen Markt spielt der chinesische Saatzuchtmarkt in den strategischen Planungen der KWS eine bedeutende Rolle. KWS hat bereits seit den 1970er Jahren gute Geschäftsbeziehungen zu China aufgebaut und dort im Jahr 2010 eine neue Tochtergesellschaft für die Züchtung von Mais gegründet. Mehr als 80 % der chinesischen Maisanbaufläche befindet sich in den gemäßigten Zonen, welche das primäre Ziel des im Aufbau befindlichen Zuchtprogramms der KWS sind. Zwischen 2010 und 2011 wurde bereits der Versuchsumfang durch personelle und technische Aufstockungen um das Dreifache gesteigert. Erste konkurrenzfähige Sorten für den chinesischen Markt stehen in Leistungs- und Zulassungsprüfungen
Der Ausbau von Züchtungsaktivitäten geht mit einem höheren Bedarf an Züchtungs-Infrastruktur einher. KWS hat darauf mit einer Stärkung des Bereichs für die Datenverarbeitung reagiert, um die wachsenden Datenmengen in den Züchtungsprogrammen nutzen zu können.
Sparten und länderübergreifende Patent- und Sortenschutzstrategie
Die schutzrechtliche Absicherung eigener Ergebnisse aus der Züchtung und Forschung ist insbesondere zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit zunehmend bedeutsam. Ein wesentliches Element der sparten- und länderübergreifenden Schutzrechtsstrategie von KWS ist es daher, Patent- und Sortenschutzrechte zu erhalten. Die für Patent- und Sortenschutz zuständige Abteilung Schutzrechtswesen sorgt dafür, dass Schutzrechte angemeldet, verteidigt und durchgesetzt werden. Ebenso werden Schutzrechte Dritter überwacht, um die Gefahr von Schutzrechtsverletzungen frühzeitig ausschließen zu können. KWS beteiligt sich aktiv an der Diskussion über ein angemessenes Verhältnis zwischen Schutz von/und breitem Zugang zu geistigem Eigentum.
