Haploidenzüchtung - nicht so schwierig, wie der Name klingt
Die Träger der Erbsubstanz sind die Chromosomen - so der Fachausdruck. Pflanzenzellen haben – normalerweise - einen doppelten Chromosomensatz: je einen Satz von der Mutter und einen vom Vater. Sie sind diploid.
Manchmal kommt es vor, dass Pflanzen nur einen Chromosomensatz haben. Sie sind haploid. Haploide Pflanzen sind kleinwüchsig und an sich nicht vermehrungsfähig.
Warum interessieren sich die Pflanzenzüchter für solche Pflanzen?
Wenn der Chromosomensatz einer solchen Pflanze wieder verdoppelt wird, entstehen diploide Pflanzen mit einer ganz besonderen Eigenschaft: man sagt, sie sind genetisch stabil. Das bedeutet, ihre Erbanlagen sind reinerbig. Ein Vorteil, den man sonst erst nach jahrelanger Selbstbefruchtung erreicht.
Den Züchtern erspart das eine Menge Zeit und Arbeit. Sie benutzen dazu einen Trick:
Die haploiden Pflanzen werden mit Colchizin behandelt. Das führt zur Verdoppelung der Chromosomen. Im Unterschied zu normalen diploiden Pflanzen nennt man solche Pflanzen Doppelhaploide.
Was ist Colchicin?
Colchicin ist ein Inhaltsstoff der Herbstzeitlosen. Es verhindert die Teilung der Zellen: Wenn die Zellen einer mit Colchizin behandelten Pflanze sich teilen wollen, verdoppeln sie alle ihre Bestandteile, auch die Chromosomen. Wird die Teilung verhindert, bekommt die Zelle den doppelten Chromosomensatz.