Aufbau einer Pille
Die Zuckerrübenpille bietet zudem vielfältige Möglichkeiten, schädlingsbekämpfende Beizmittel schonend, d.h. ohne phytotoxische Effekte, an das Saatgut anzulagern.
Beim Aufbau der ZR-Pille lassen sich 4 Schichten, die mit spezifischen Verfahren aufgetragen werden, unterscheiden:
Schicht 1:
Um das aufbereitete und gewaschene Saatgut wird mit Hilfe eines filmcoating-Verfahrens eine dünne Schicht mit dem Fungizid TMTD (Wirkstoff Thiram) appliziert. Dieser Wirkstoff hat desinfizierende Wirkung: noch am Saatgut befindliche (samenbürtige) pilzliche Schaderreger, z.Bsp. Phoma betae und Alternaria alternata, werden abgetötet.
Schicht 2:
Anschließend erfolgt mit Hilfe eines komplexen Pillierprozesses der Aufbau der formgebenden Pille. Diese Schicht, die Gestalt und Gewicht der Pille erheblich beeinflusst, wird durch Applikation einer Kombination von festen und flüssigen Hüllmassenkomponenten aufgebaut. Spezifische Hüllmassenkomponenten enthalten dabei verschiedene Keimungs- und Aufgangs-fördernde Stoffe wie z.Bsp. Dünger. Zudem bewirkt die Hüllmassenschicht eine räumliche Trennung zwischen dem eigentlichen Samen und den Beizmitteln, die in Schicht 3 aufgetragen werden – ein Schutz vor phytotoxischen Effekten. Nach diesem Prozess muß die feuchte Pille von ca. 50 % auf 7-8 % Feuchtegehalt getrocknet werden. Dieses erfolgt im Rahmen eines kontrollierten schonenden Wirbelschichtverfahrens.
Schicht 3:
Mit Hilfe eines weiteren filmcoating-Prozesses wird eine Suspension aufgetragen, die Fungizide (v.a. Tachigaren, Wirkstoff Hymexazol) und Insektizide (Wirkstoffe Chlothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxan u.a.) zur Bekämpfung samenbürtiger Krankheiten enthält. Diese schützt das keimende Saatgut vor dem Befall mit diversen tierischen Schaderregern sowie Pilzen wie Aphanomyces cochlioides und Pythium ultmum.
Schicht 4:
Die Applikation der abschließenden vierten Schicht schließt sich direkt an das Auftragen der vorangegangenen Schicht an. Über film-coating wird eine Pigmenthülle appliziert. Diese soll verhindern, dass beim Drillprozess Beizmittel der dritten Schicht abgerieben werden. Zudem wird der Landwirt vor dem direkten Kontakt zu diesen Beizmitteln geschützt. Letztendlich verleiht die Pigmentschicht der Pille die KWS typische brilliante orangene Färbung. Die Saatgutbehandlung wird durch einen kurzen Trocknungsprozess (Feuchtegehalt > 7-8%) abgeschlossen.