Ausführungen von
Dr. Hagen Duenbostel
Vorstand der KWS SAAT AG
anlässlich der KWS Hauptversammlung am 21. Januar 2004
Sehr verehrte Damen und Herren,
bevor ich Ihnen einen Überblick über das abgelaufene Geschäftsjahr gebe, möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen: Mein Name ist Hagen Duenbostel. Seit dem 1. Juli 2003 verantworte ich als stellv. Mitglied des Vorstands die Bereiche Finanzen, Controlling, Informationstechnologie. In den vergangenen Jahren war ich als Geschäftsführer der KWS MAIS GmbH tätig. Ich freue mich daher besonders, wenn der Ausbau des Maisgeschäftes gelingt.
Ich bin 33 Jahre alt und als "alt eingesessener" Hannoveraner fühle ich mich Niedersachsen fest verbunden. Studiert habe ich allerdings in Passau, also im tiefsten Niederbayern. Meine berufliche Entwicklung begann 1995 in der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft C & L Deutsche Revision, die heute unter PricewaterhouseCoopers firmiert. 1998 haben dann KWS und ich das gegenseitige Interesse aneinander entdeckt. Mein verehrter Vorgänger im Vorstand, Herr Jochen Beyes, war daran maßgeblich beteiligt, wofür ich ihm an dieser Stelle nochmals danken möchte.
Der Mensch, also auch ich, braucht Ausgleich und Balance. Für mich sind hierbei vor allem meine Frau, die Familie und Freunde wichtig – Als "Sahnehäubchen" empfinde ich, wenn es sich hin und wieder einrichten lässt, Segeln zu gehen und im Winter Snowboard zu fahren.
Nun aber zum Jahresabschluss 2002/03 der KWS:
Die KWS Gruppe hat sich im Geschäftsjahr 2002/03 gut behauptet. Zur nach wie vor stabilen Ertragskraft hat sich darüber hinaus die Finanzlage der Gruppe positiv entwickelt. Wir haben eine sehr gute Bonität und eine starke Kapitalstruktur. Durch angemessene Gewinnthesaurierungen sind wir für die Herausforderungen des geplanten Wachstums gut gerüstet
Die Entwicklungen im Einzelnen:
Der Ausbau des Internationalen Geschäfts geht voran.
In den Gruppenabschluss wurden neben der KWS SAAT AG weitere 41 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften einbezogen. 35 Gesellschaften wurden voll- und 4 quotenkonsolidiert. Weitere 3 Gesellschaften sind per Equity-Methode in dem Abschluss der KWS Gruppe enthalten.
Wir haben im Berichtsjahr zur direkten Marktbearbeitung in unseren Wachstumsregionen Vertriebsgesellschaften in Rumänien, Kroatien, Jugoslawien und Spanien gegründet.
Meine Damen und Herren,
mit der zunehmenden Internationalisierung über den Euro-Raum hinaus wird KWS stärker abhängig von Währungseinflüssen. Der KWS Gruppenumsatz in Höhe von 424,3 Mio € wurde währungsbedingt um 24,7 Mio € gegenüber dem Vorjahr belastet. Bewertet zu Durchschnittskursen des vorangegangenen Geschäftsjahres hätte KWS einen Umsatz in Höhe von 449 Mio € ausweisen können; das entspräche einem Wachstum von 3,5 %.
Das Segment Zuckerrüben hat wechselkursbelastet leicht unter dem Vorjahresumsatz von 204,9 Mio € mit 196,7 Mio € abgeschlossen. Das Segment Mais konnte jedoch trotz der negativen Währungseinflüsse in Höhe von 15 Mio € im Umsatz von 163,7 Mio € auf 172 Mio € zulegen. In diesen Umsätzen sind erstmals Technologielizenzen in Höhe von 8,1 Mio € für gentechnisch verbesserte Sorten enthalten, die im nordamerikanischen Maismarkt abgesetzt wurden. In den vorangegangenen Jahren waren nur die Deckungsbeiträge aus diesen Lizenzgeschäften ergebniswirksam.
Die Beendigung der Absatzpreisgarantie in der EU für Konsumroggen hat das Segment Getreide belastet. Die Marktanteile konnten zwar gehalten werden, doch die Flächenrückgänge brachten Umsatzeinbußen bei Lochow-Petkus mit sich. Mit einem Umsatzminus von knapp 14% schloss das Getreide mit 49,6 Mio € ab.
Für die Ertragslage ergibt sich folgendes Bild.
Der Ausbau des Segmentes Mais in Süd- und Südosteuropa sowie in Nordamerika verursacht naturgemäß Vorlaufkosten. Mit dem Aufbau von Vertriebsstrukturen und den Gründungen eigener Gesellschaften sowie der Etablierung eigener Zuchtprogramme verkraftet die Gruppe erhebliche Belastungen, die sich erst in den kommenden Jahren bezahlt machen werden.
Dennoch liegt das Betriebsergebnis der KWS Gruppe von 50 Mio € auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Die insgesamt befriedigende Ertragslage zeigt sich auch im Jahresüberschuss von 28,9 Mio €. Im Vorjahr schloss die KWS Gruppe mit 29,7 Mio € nach Steuern ab.
Nach Bereinigung außerordentlicher, periodenfremder Geschäftsvorfälle errechnet sich ein Ergebnis in Höhe von 25,5 Mio €. Je Aktie ergibt dies ein DVFA/SG Ergebnis von 38 Euro und 66 Cent nach 41 Euro und 12 Cent im Vorjahr.
Auch die Rentabilität der KWS Gruppe zeigt sich annähernd stabil. Die Umsatzrendite liegt unverändert bei rund 6,8 %.
Die Verzinsung des eingesetzten betriebsnotwendigen Vermögens (Return on Capital Employed) erreichte 17,5 % nach 18 % im Vorjahr.
Kurz noch ein paar Worte zur Wertschöpfung. Von den in 2002/03 erwirtschafteten 151,7 Mio € erhielten in diesem Jahr die Mitarbeiter 97 und die Banken 3,8 Mio €. Unser stiller Teilhaber, das Finanzamt, war mit 22 Mio € beteiligt, das sind 14,5 % der Gesamtwertschöpfung.
Die verbleibenden 28,9 Mio € kommen dem Unternehmen und Ihnen, den Aktionären, sowie Mitgesellschaftern zu Gute.
Kommen wir nun zur Finanzlage.
Die Finanzkraft der KWS Gruppe stellt sich auch in diesem Jahr wieder gut dar. Der Cashflow nach den Richtlinien der DVFA/SG (nach Steuern) liegt mit 52,1 Mio € auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Aus dieser Liquiditätsentwicklung resultiert zum Bilanzstichtag eine Verbesserung der Netto-Cash-Position um 6,7 Mio € auf nunmehr 42,8 Mio €. Die um 6,4 auf 31 Mio € zurückgeführten Bankverbindlichkeiten sind dabei bereits abgezogen.
Insgesamt konnten wir seit 1999 die Bankschulden der KWS Gruppe halbieren. Mit 28,5 Mio € wurde der überwiegende Teil der Kredite langfristig aufgenommen. Erfreulich ist außerdem die Entwicklung des Leverage. Die Relation der Bankschulden zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist innerhalb der vergangenen drei Jahre um die Hälfte gesunken und beträgt nur noch 43,6 %.
Meine Damen und Herren, das ist eine hervorragende Position und sichert uns günstigste Finanzierungskonditionen.
Der Jahresüberschuss in Höhe von 28,9 Mio € stärkt das Eigenkapital auf insgesamt 226,1 Mio €. Gleichzeitig bleibt die Bilanzsumme annähernd konstant. Hieraus ergibt sich erstmals eine Eigenkapitalquote von über 50 %, genauer gesagt sind es 52,5 % nach 49 % im Vorjahr.
Die Deckung des Anlagevermögens durch Eigenmittel verbesserte sich von 170 auf 187 %. KWS ist damit nach wie vor solide finanziert.
Die Investitionen unterlegen das Unternehmenswachstum.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden verschiedene Rationalisierungs- und Ersatzinvestitionen durchgeführt. Das Gesamtvolumen von 20,7 Mio € liegt unter dem Vorjahresniveau von 34,2 Mio €.
Im Wesentlichen ist dies auf die umfangreichen Investitionen des Vorjahres in Nordamerika zurückzuführen, mit denen wir unsere Anteile am Joint Venture AgReliant von 34 % auf 50 % aufgestockt haben.
Die Investitionen des Geschäftsjahres wurden zu knapp 2/3 in Deutschland getätigt. Hierzu zählte vor allem der Neubau des Bürogebäudes in Einbeck, das Ende des Jahres 2003 fertiggestellt und bezogen wurde.
Aufgrund der Aufstockung der Beteiligung an einer inländischen Vertriebsgesellschaft von 76 % auf 100 % sind unsere bilanzierten Firmenwerte angestiegen. Der gesamte Goodwill wird bei KWS planmäßig über zehn Jahre abgeschrieben.
Der Dividendenvorschlag reflektiert die Ertragslage.
Für das Geschäftsjahr 2001/02 haben wir im Januar 2003 11,00 € je Stückaktie ausgeschüttet. Der für die Ausschüttungen maßgebliche Jahresüberschuss der KWS SAAT AG hat sich im Geschäftsjahr 2002/03 mit 14,7 Mio € gut behauptet.
Daher schlagen Vorstand und Aufsichtsrat Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, eine Bardividende von erneut 11,00 € je Stückaktie vor. Aus dem Jahresüberschuss der AG würden folglich 7,3 Mio € ausgeschüttet. Die andere Hälfte des Jahresüberschusses wurde in die Gewinnrücklagen eingestellt.
Gestatten Sie mir abschließend einen kurzen Ausblick.
Im laufenden Geschäftsjahr 2003/04 soll KWS weiter wachsen. Insbesondere im Auslandsumsatz wollen wir daher weiter zulegen. Auch in Nordamerika treiben wir daher den Ausbau des Maisgeschäftes kontinuierlich voran. Die Entwicklung steht jedoch stark unter dem Einfluss von Währungseffekten, vor allem durch den gegenwärtig schwachen US-Dollar.
Im Segment Mais ist eine begrenzte Saatgutverfügbarkeit in einigen europäischen Märkten festzustellen, die das Wachstumstempo kurzfristig verlangsamt. Die Intensität des Ausbaus des Segmentes Mais erzeugt auch im laufenden Geschäftsjahr Belastungen im Bereich der Entwicklungs- und Vertriebskosten. Für das Betriebsergebnis und damit für die Rentabilität von KWS sind folglich noch Potenziale zu heben.
Das Segment Zuckerrüben kann sich im Umsatz behaupten. Es bleibt aber noch abzuwarten, wie sich die Wechselkurse im zweiten Halbjahr entwickeln werden. Durch planmäßige Kostenanstiege wird die Ertragslage nicht ganz an die des abgelaufenen Geschäftsjahres anknüpfen können.
Hingegen wird sich das Getreidegeschäft sowohl im Umsatz als auch im Ergebnis stabilisieren. Hybridroggen, Winterweizen und Wintergerste tragen hierbei gemeinsam zu der Positiventwicklung bei.
Durch eine Gewinnthesaurierung mit Augenmaß und Weitblick haben wir diesen Herausforderungen in angemessenem Umfang Rechnung getragen.
Meine Damen und Herren, die Ausführungen des Vorstands möchte ich mit der Feststellung schließen, dass KWS somit fit für die Zukunft bleibt - auch in einem stetig stärker werdenden Wettbewerbsumfeld.
Vielen Dank.
- Dr. Hagen Duenbostel -