Ausführungen von
Dr. C. Ahrens
Vorstand der KWS SAAT AG
anlässlich der KWS Hauptversammlung am 21. Januar 2004
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Anschluss an die Ausführungen von Herrn Büchting möchte ich Ihnen nun über den Verlauf und das Ergebnis des letzten Geschäftsjahres für das Segment Zuckerrübensaatgut berichten.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr ging der Umsatz von 205 Mio. € auf knapp 197 Mio. € zurück. Dieser Rückgang ist in erster Linie auf die bereits erwähnte Aufwertung des Euro im Verhältnis zum US-amerikanischen Dollar zurückzuführen. Der Umfang der Geschäfte, die die Sparte in Dollar abwickelt, ist mit 16 % noch recht erheblich, denn neben der Betaseed in Nordamerika gehören dazu auch Chile, Japan und Teile Osteuropas. Hier werden die Verträge zwar zunehmend von Dollar auf Euro umgestellt, aber Sie können sich vorstellen, dass Geschäftspartner, die bisher in Dollar abwickelten, angesichts der Währungsrelationen zur Zeit eher an einer Beibehaltung des status quo interessiert sind.
Der negative Umsatzeffekt des schwachen Dollar wurde zu einem gewissen Teil durch Nachsaaten kompensiert. Solche Nachsaaten wurden 2003 vor allem in Süddeutschland notwendig, nachdem ausgedehnte Aprilfröste die auflaufenden Rüben schwer geschädigt hatten und einen Umbruch notwendig machten. Auch in Frankreich, Belgien und in Holland wurden Bestände umgepflügt und neu bestellt. Eine solche nicht planbare und plötzlich auftretende Nachfrage nach Saatgut kann nur befriedigt werden, wenn Lagerbestände der marktgängigen Sorten vorgehalten wurden. Das bindet Kapital. Darüber hinaus müssen die logistischen Anforderungen schnell und effizient bewältigt werden. Da nun die KWS besser und schneller als die Mitbewerber reagierte, wenn auch mit einem erheblichen zusätzlichen Aufwand, ging der größere Teil der zusätzlichen Verkäufe an die KWS.
Das Segmentergebnis konnte gesteigert werden. Dieser Anstieg ist allerdings weniger umsatzbedingt, wie Sie später von Herrn Duenbostel im Detail hören werden, sondern beruht in erster Linie auf der Auflösung von nicht mehr benötigten Rückstellungen und geringerer Bestandführungskosten, da die Vernichtungen von Saatgut aufgrund des reduzierten Lagerbestandes signifikant zurückgeführt werden konnten. Darüber hinaus war es erstmals seit vielen Jahren nicht mehr notwendig, größere Einzelwertberichtigungen auf Forderungen auch in Osteuropa vorzunehmen.
Nun zu einigen wichtigen Einzelmärkten. In dem für das Segment wichtigsten Wirtschaftsraum Europäische Union ging die Zuckerrübenanbaufläche weiter zurück, und zwar um immerhin 7% auf nunmehr 1,72 Mio. ha. Innerhalb der EU ist Deutschland der wichtigste Einzelmarkt. Hier konnte ein Marktanteil von über 50 % gehalten werde. Gute Sortenleistungen im Standardsegment und - etwas weniger ausgeprägt - bei den Rizomania-resistenten Sorten machten dies möglich. Die eingangs erwähnten Nachsaaten konnten von uns optimal bedient werden.
Im zweitwichtigsten Markt Frankreich mussten wir wie im Vorjahr einige Federn lassen. Sehr guten Sortenleistungen unserer Wettbewerber besonders im Rizomaniasegment ist die KWS France mit intensiven Marktbearbeitungs-Maßnahmen begegnet und hat so einen Marktanteil von knapp einem Drittel halten können.
In den Beneluxstaaten konnten wir unsere starke Stellung halten, während wir in anderen Ländern der Europäischen Union erfreuliche Zuwächse erzielt haben. Dazu gehört in erster Linie das Vereinigte Königreich, wo wir aufgrund herausragender Sortenleistungen einen Marktanteil von über 80 % erreicht haben. In Italien und Spanien legten wir im Marktanteil in zweistelligen Prozentzahlen zu. Eine Region, über die ich in der Vergangenheit kaum berichtet habe, erscheint mir in diesem Jahr erwähnenswert. Die skandinavischen Länder Dänemark, Schweden und Finnland wurden bisher in einer fast monopolartigen Position von Danisco Seeds gehalten. Durch gute Sortenergebnisse und eine kreative und nachhaltige Marktbearbeitung ist es uns gelungen, in dieser Region zweistellige Marktanteile zu erringen. Die vorliegenden Versuchsergebnisse lassen erwarten, dass dieser Erfolg ausgebaut werden kann.
Auch zu einem anderen Marktgebiet möchte ich gerade in diesem Jahr einige besondere Anmerkungen machen. Am 1. Mai dieses Jahres werden 10 neue Länder der Europäischen Union beitreten, darunter für uns wichtige Länder wie die baltischen Staaten, Polen, die Slowakei und Tschechien, Ungarn und Slowenien mit einer kumulierten Rübenanbaufläche von gut 500.000 ha. In allen diesen Ländern haben wir hohe bis sehr hohe Marktanteile, z.B. in Ungarn über 60 %. Das wichtigste Land ist zweifellos Polen, wo es noch eine sehr starke nationale Züchtung gibt. Hier halten wir direkt zwar nur knapp 20 % Marktanteil, wenn wir aber die gute kooperative Partnerschaft mit der nationalen Gesellschaft Kutno mit einbeziehen, wird dieser Anteil mehr als verdoppelt.
Die Länder Russische Föderation, Ukraine, Moldawien sowie die Länder Mittelasiens wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr in einer Geschäftsregion Osteuropa zusammengefasst. Dadurch wird eine effiziente Koordination der Geschäftsstrategie in diesem zunehmend integrierten Wirtschaftsraum der GUS ermöglicht. Die Entwicklung in der Russischen Föderation ist erfreulich, die Geschäftsbeziehungen zu soliden und zahlungskräftigen Betrieben wird zielgerichtet ausgebaut. Kurz- bis mittelfristig soll dort ein Umsatz von über 10 Mio. € erzielt werden. Das Forderungsrisiko ist aufgrund der immer besseren Marktkenntnis und engerer Beziehungen zu den Kunden deutlich reduziert worden. Die Ukraine dagegen ist noch nicht auf diesem positiven Weg. Die Wirtschaft und damit auch die Landwirtschaft leiden unter einem erheblichen Reformstau, und wir befürchten, dass bis zu den Präsidentenwahlen im Herbst 2004 sich nicht sehr viel bewegen wird. In den mittelasiatischen Ländern haben wir über unsere Tochtergesellschaft Gersem mit Sitz in Moskau erste und durchaus vielversprechende Kontakte aufgebaut.
Werfen wir noch einen Blick auf die Regionen jenseits des eurasiatischen Kontinents: In den USA erreichte unsere Tochter Betaseed durch exzellente Sortenleistungen, eine hohe Qualität unseres Saatgutes und durch die sehr fruchtbare Partnerschaft mit der großen amerikanischen Zuckergenossenschaft American Crystal einen Marktanteil von fast zwei Drittel. Diese vor einigen Jahren kaum vorstellbare Marktposition wird wohl auch mittelfristig gehalten werden können. Die Leistung des genetischen Materials, die Qualität der Vermehrung und Aufbereitung vor Ort sowie ein sehr kundennahes Marketing berechtigen durchaus zu dieser Erwartung. Und immerhin ist ein Markt von gut 500.000 ha mit sehr anspruchsvollen Kunden eine wirkliche Herausforderung.
Abschließend seien noch zwei besondere Märkte erwähnt, weniger wegen ihres Marktvolumens als vielmehr der besonderen Anforderungen an die Sortenleistungen. Chile ist das einzige Land auf der südlichen Erdhalbkugel, das Zuckerrüben anbaut. Mit sehr anspruchsvoller Anbautechnik werden dort höchste Zuckererträge erzielt. Nach der Fachliteratur erzielte ein chilenischer Landwirt im Jahre 2002 einen Spitzenertrag von 23 t Zucker/ha. So kann man durchaus mit Stolz darauf hinweisen, dass KWS in diesem Markt einen Anteil von knapp 50 % hält. Dasselbe gilt für Japan, wo mit einer aufwändigen Pflanzmethode, der sogenannten Paper-Pot-Technik, auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido unter besonders schwierigen klimatischen Bedingungen durchaus annehmbare Zuckerträge erzielt werden. In jahrzehntelanger bewährter Zusammenarbeit mit der Zuckergesellschaft Nitten halten wir dort gut 40 % Marktanteil.
Zusammenfassend lässt sich sagen, meine Damen und Herren, dass die Rolle der KWS als Marktführer sowohl in der Europäischen Union als auch in anderen Regionen des Weltmarktes verteidigt werden konnte. Allerdings haben wir aufmerksam zur Kenntnis genommen, dass die Sortenleistungen unserer Wettbewerber in einigen Produktsegmenten sehr stark geworden sind. Es muss unser Ziel sein, so rasch wie möglich wieder vergleichbare oder bessere Leistungen anbieten zu können. Im laufenden Geschäftsjahr sind wir zuversichtlich, insgesamt die Marktführung zu halten und Ihnen somit binnen Jahresfrist einen wiederum positiven Bericht vorlegen zu können.