Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung 2005 Ausführungen von Dr. C. Ahrens

Ausführungen von

 Dr. C. Ahrens

Vorstand der KWS SAAT AG

anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG am 18. Januar 2005


Dr. C. Ahrens
Dr. C. Ahrens

Meine Damen und Herren,

sehr geehrte Aktionäre,

nach diesem Gesamtüberblick über das Geschäftsjahr 2003/2004 durch Herrn Büchting möchte ich Ihnen im Folgenden über den Verlauf und das Ergebnis dieses Geschäftsjahres mit Blick auf das Segment Zuckerrübensaatgut berichten.

Insgesamt hat die Sparte einen leichten Umsatz- und Ergebnisrückgang zu verzeichnen. Allerdings können Sie dem Geschäftsbericht entnehmen, dass allein die Wechselkurseffekte des Dollar zum Euro einen Umsatzrückgang von 5,3 Mio. Euro ausgemacht haben. Dies schlägt natürlich auch auf das Segment-Ergebnis durch. Aber noch zwei weitere Faktoren trugen zum Rückgang bei: Zum einen gingen vor dem Hintergrund der Diskussion um die ZMO-Reform, auf die ich später noch zurückkommen werde, die Anbauflächen in der Europäischen Union weiter zurück, und im Vergleich zum Vorjahr darf nicht vergessen werden, dass dieses durch erhebliche natürlich nicht geplante Nachsaaten vor allem in Süddeutschland im Frühjahr 2003 geprägt war. Eine gewisse Kompensation dieser Ausfälle konnte durch steigende Marktanteile in Osteuropa aber auch in einigen EU-Ländern wie Italien erreicht werden. Insgesamt gewertet können also Umsatz und Ergebnis der Sparte wiederum als durchaus zufriedenstellend eingestuft werden und reflektieren die nach wie vor dominierende Marktführerschaft der KWS in allen Märkten.

Nun möchte ich gerne Ihr Interesse auf einige interessante Einzelmärkte bzw. Regionen lenken. Nach wie vor bleibt der Markt in Deutschland unser größter Einzelmarkt mit gut einem Viertel des Gesamtumsatzes. Hier können wir mit einem exzellenten Produktportfolio auch den höchsten Anforderungen der Landwirte in den Anbaugebieten von Südzucker, Nordzucker sowie Pfeifer & Langen entsprechen. Diese Produktstärke kann aber nur optimal umgesetzt werden durch eine intensive Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe durch unsere hochqualifizierten Beratungsstellenleiter und das Agroservice-Team. Darüber hinaus profiliert sich die KWS immer wieder durch bedeutende innovative Schritte, wie in 2003 die Einführung eines IT-gestützten Direktbelieferungssystems an die Landwirte, durch das eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von der Saatgutpartie bis auf den Acker des Landwirtes garantiert werden kann. Damit wird auch einer zentralen politischen Forderung im Rahmen der Lebensmittelsicherheit entsprochen.

In den Kernländern der früheren EU konnte der Marktanteil gehalten werden, wie in Frankreich, Benelux, Spanien und UK, bzw. ausgebaut werden wie in Italien und den skandinavischen Ländern.

Eine besondere Erwähnung verdienen die neuen Länder der Europäischen Union, die am 1.5.2004 Vollmitglieder und damit sofort in die allgemeine EU-Agrarpolitik eingebunden wurden. Dadurch wurden wir in die Lage versetzt, auch die Saatgutpreise entsprechend anzupassen, und so wurde bis auf die Ausnahme Polen in allen Ländern das allgemeine Preisniveau der früheren EU eingeführt. Es versteht sich von selbst, dass auch die Leistung und die Qualität unserer in die neuen EU-Länder gelieferten Ware ebenso erstklassig sind wie im "alten Europa".

Bevor wir zu den neuen Märkten Osteuropas kommen, möchte ich noch einige Anmerkungen über die traditionellen Anbauländer außerhalb Europas machen. In der Türkei, wo die heimische Zuckererzeugung zu 100 % auf dem Rohstoff Zuckerrübe auf über 300.000 ha beruht, konnten wir in der jahrzehntelangen bewährten Partnerschaft mit der noch staatlichen Zuckergesellschaft Türkşeker einen Marktanteil von über 80 % halten. In den USA mit einer Anbaufläche von immerhin 500.000 ha hat sich die Partnerschaft mit der großen amerikanischen Zuckergenossenschaft American Crystal bewährt und zu einem Marktanteil von 67 % geführt. In den eher kleinen, aber sehr anspruchsvollen Märkten Chile und Japan haben wir aufgrund sehr guter genetischer Leistungen und höchster Qualität des Saatgutes die Marktführerschaft halten können.

Nun zur Geschäftsregion Osteuropa: Die Entwicklung in der Russischen Föderation ist außerordentlich erfreulich, unsere inzwischen voll konsolidierte Tochtergesellschaft Gersem mit Sitz in Moskau hat 15 % Marktanteil bei Zuckerrübensaatgut überschritten und bewegt sich auf einen Umsatz von immerhin 10 Mio Euro zu. Die Gersem, die binnen kurzem in KWS-RUS umbenannt wird, betreut auch sehr erfolgreich die Geschäftsbereiche Mais, Getreide und Kartoffeln. Mit diesem guten Produktportfolio und einer sehr qualifizierten Beratungsmannschaft sind stabile Kundenbeziehungen aufgebaut worden, was nicht zuletzt mit Blick auf das Forderungsrisiko von großer Bedeutung ist. Leider läst sich ähnlich Positives nicht über das andere große Zuckerrübenanbauland, die Ukraine, berichten. Wie bereits im letzten Jahr dargestellt, leiden die Wirtschaft und auch die Landwirtschaft unter einem erheblichen Reformstau und weit verbreiteter Korruption. Ob die neue Regierung, die im Dezember 2004 gewählt wurde, diese beiden Problembereiche schnell lösen wird, darf bezweifelt werden. Daher haben wir die Prognose für die Aussaat 2005 auf ein Minimum reduziert. Das gleiche gilt für die früher so blühende Republik Moldawien.

Wenn ich nun einen Ausblick auf die vor uns liegenden Jahre gebe, denken wir natürlich alle gemeinsam an die Diskussion um die Reform der Zuckermarktordnung. Wir wissen: Diese Reform kommt mit Sicherheit, wird allerdings noch nicht in 2005 greifen, wie die Kommission der EU ursprünglich beabsichtigte. Die Konturen der Reform werden sichtbar, sind aber noch nicht quantifizierbar: Die Preise für Zucker und für Rüben werden gesenkt werden, aber in welchem Ausmaß? Die Produktionsquoten werden reduziert werden, aber um wie viel, und werden sie zwischen den Regionen und den Ländern der EU handelbar werden? Oder werden sie vielleicht ganz abgeschafft werden?

Als Züchter müssen wir uns in diesem Zusammenhang sicherlich auf eine deutliche Reduzierung der Anbaufläche einstellen, was natürlich auch einen negativen Einfluss auf den Saatgutbedarf haben wird. Mit diesem Phänomen müssen wir jedoch schon seit langem leben. Allein in den letzten zehn Jahren sank die Anbaufläche in der EU 15 um über 20 %, zurückzuführen in erster Linie auf den genetisch bedingten Produktivitätsfortschritt. Dennoch haben wir im gleichen Zeitraum unsere Aufwendungen in der Zuckerrübenzüchtung kontinuierlich erhöht. Das Ergebnis waren hoch leistungsfähige Sorten, wertmäßig steigende Saatgutumsätze und stetig wachsende Erträge bei unseren Kunden. Eine ganz zentrale Frage wird weiterhin sein, über welchen Zeitraum die Reform umgesetzt werden wird. Landwirte, Zuckerindustrie und wir Züchter benötigen Zeit zur Anpassung – die erforderliche Flexibilität haben bisher alle hinreichend unter Beweis gestellt.

Die neue EU-Kommission muss sich in die komplizierte Materie einarbeiten und wird sicher nicht vor dem Sommer 2005 mit definitiven Vorschlägen kommen. Dann wird wohl auch der Schiedsspruch der Welthandelsorganisation WTO in dem Verfahren entschieden werden, das Brasilien, Australien und Thailand in Sachen Zucker gegen die EU angestrengt haben. Aber eines ist aus unserer Sicht schon jetzt ganz klar: Die Produktivität der Zuckerrüben- und damit der Zuckerproduktion pro Hektar muss weiterhin rasch und deutlich erhöht werden, wenn der hohe Deckungsbeitrag der Rübenkultur erhalten werden soll. Wir haben uns ein Etappenziel von 15 t Zucker pro Hektar in den nächsten 5 Jahren gesetzt. Zur Erreichung dieses Ziels muss die Intensität der Forschung und Züchtung zumindest auf dem bisherigen Niveau fortgeführt werden. Die dafür benötigten finanziellen Mittel können nur über die Saatgutpreise generiert werden, was meiner Überzeugung nach auch von unseren Partnern aus Landwirtschaft und Industrie akzeptiert wird. Die ZMO-Reform ist eine große Herausforderung, die aber letzten Endes meiner Meinung nach erfolgreich bestanden werden wird.

A propos letzten Endes: Irgendwann einmal geht auch die Amtszeit eines KWS-Vorstands zu Ende. In dieser Eigenschaft stehe ich heute das letzte Mal vor Ihnen, da ich am Ende dieses Geschäftsjahres, also am 30.6.2005 nach fast 20 Jahren aus dem Vorstand ausscheiden werde. Es waren aufregende Jahre, in denen viel bewegt worden ist - und für die Zukunft wünsche ich Ihnen und Ihrer Gesellschaft weiterhin viel Erfolg und allzeit reiche Ernte.

Danke fürs Zuhören.

Christopher Ahrens

18. Januar 2005