Ausführungen von
Dr. Ch. Amberger
Vorstand der KWS SAAT AG
anlässlich der KWS Hauptversammlung am 18. Januar 2006
Sehr geehrte Damen und Herren, Aktionäre und Freunde des Hauses KWS,
ich möchte Ihnen gerne die Ergebnisse und Aussichten unserer Segmente Mais und Getreide vorstellen. Der Mais, unser Segment mit den größten Wachstumsraten – nun seit mittlerweile 5 Jahren – und das Getreide, bei dem wir europäischer Marktführer in einem nicht ganz einfachen Umfeld sind.
Ich beginne mit Mais.
Der Mais ist unser wettbewerbsintensivstes Segment. Wir bewegen uns in deregulierten Märkten und konkurrieren mit globalen Unternehmen, zum großen Teil aus der Agrarchemie. Die Konzentration im Wettbewerb nahm auch im vergangenen Jahr durch die Übernahme mehrerer Maisgesellschaften in Europa und den USA zu. Fünf weltweit agierende Unternehmensgruppen bestimmen das überwiegende Angebot für neue Maissorten. Die Innovationsraten, sowohl in der Sortenentwicklung, insbesondere jedoch in der Biotechnologie, sind hoch. Patente bilden eine Einstiegshürde. Daher sind eine wettbewerbsfähige eigene Produktentwicklung und gezielte Lizenzierungsstrategien Voraussetzungen, um sich erfolgreich in diesem Markt zu bewegen.
Unser Ziel ist, alle wesentlichen Anbaugebiete in Europa und Nordamerika mit wettbewerbsfähigen Sortenprodukten zu bedienen und unsere Marktanteile so rasch wie möglich auszubauen. Wir verfügen über eine gute Marktstellung in Deutschland, Nord- und Mitteleuropa und zunehmend auch in Frankreich. Für unsere Wachstumsmärkte Südeuropa und Südosteuropa leisten wir Vorlaufinvestitionen, um – auch auf Kosten der Segmentrendite – schneller zu wachsen.
Wir sind heute Nummer 3 in Europa und mit unserem amerikanischen Joint Venture-Unternehmen AgReliant Nummer 4 in Nordamerika.
Im vergangenen Jahr konnten wir unseren Umsatz um ca. 26 Mio € auf 218 Mio € steigern. Das Segmentergebnis erhöhte sich um 1,2 Mio € auf nunmehr 10,6 Mio €.
Der Mais feiert damit ein dreifaches Jubiläum. Im 50sten Jahr der Maiszüchtung bei KWS wurde erstmals die 200 Mio-Umsatzmarke überschritten und ein zweistelliges Segmentergebnis erzielt.
In Europa konnten wir bei einem um ca. 5 % gesunkenen Marktvolumen unseren Marktanteil auf knapp 11 % ausbauen. Dabei half uns insbesondere unser Absatzwachstum in Deutschland während wir uns in Mitteleuropa, also vor allem Tschechien und Polen darauf konzentrieren, unser Preisniveau anzuheben und damit teilweise auf Absätze verzichtet haben.
Bei rückläufigen Gesamtmarktvolumina haben wir in Südosteuropa und Südeuropa Marktanteile hinzugewonnen. Wir konnten aber unsere Absätze nicht in dem Maße steigern, wie wir uns das vorgenommen hatten. Trotz eines gestiegenen Marktanteils hatten wir in Frankreich leichte Mengenverluste zu verzeichnen. Hier sank das Marktvolumen insbesondere aufgrund der Wasserknappheit im Jahr 2005 um ca. 5 %.
Sehr erfreulich hat sich unser Joint Venture-Unternehmen AgReliant in Nordamerika entwickelt. Der Absatz für Maissaatgut konnte um ca. 30 % gesteigert werden. AgReliant setzt damit heute mehr Maissaatgut in Nordamerika ab als KWS in Europa. Zu dieser positiven Entwicklung trägt auf der einen Seite solides inneres Wachstum aufgrund guter Produkte und erfolgreicher Vertriebsanstrengungen bei. Zum anderen haben wir mit dem Erwerb von Producers Hybrids, einer Maisvertriebsgesellschaft in Nebraska, im Westen der Vereinigten Staaten, besser Fuß fassen können. Dort zeigen unsere Sorten ansprechende Ergebnisse; wir verfügten jedoch bislang nicht über genügend Vertriebsstärke.
Zum Segment Mais gehören auch die Öl- und Feldsaaten. Darunter fallen Sojabohnen in Nordamerika, Sonnenblumen hauptsächlich in Südosteuropa und Winterraps vor allem in Frankreich und Deutschland. Die Öl- und Feldsaaten haben im vergangenen Jahr um mehr als 20 % zugelegt und machen heute ein Sechstel des Segmentumsatzes aus. Ich möchte Ihnen heute gerne in aller Kürze die Entwicklung des Winterrapses in der KWS-Gruppe vorstellen.
Vor vier Jahren haben wir begonnen, unsere Produktentwicklung im Raps gruppenweit stärker zu fokussieren. Aus drei unabhängigen Zuchtprogrammen entstanden ein europäisches Hybridzucht- und ein Linienzuchtprogramm. Die Neuzüchtung erfolgt insbesondere für Deutschland und Frankreich, den Ländern mit der größten Anbaufläche für Winterraps. In allen wichtigen Rapsanbauländern werden umfangreiche Produktprüfungen durch unsere Mitarbeiter durchgeführt und erfolgversprechende Sorten in die amtlichen Prüfungen gestellt.
Seit nunmehr drei Jahren wächst unser Rapsumsatz mit hohen Steigungsraten. Wir konnten im Wirtschaftsjahr 2004/05 konsolidiert um 8 % zulegen. In der EU-25 haben wir damit einen Marktanteil von gut 10 %. In Deutschland liegen wir jetzt bei 8 % und in Frankreich – gemeinsam mit unserer Beteiligungsgesellschaft Momont – bei über 20 %. Es ist uns gelungen, in den neuen Rapsanbauländern Südosteuropas schon heute eine führende Position zu besetzen.
Wir gehen davon aus, dass die Anbauflächen in Europa aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Biodiesel und pflanzlichen Ölen weiter steigen werden und wollen daran partizipieren.
Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, nun noch einige Schlaglichter auf das Getreide werfen.
Unser Segment Getreide bewegt sich in einem schwierigen Marktumfeld, das gezeichnet ist von niedrigen Erzeugerpreisen und einem rückläufigen Saatgutwechsel; d.h. die Landwirte nutzen vermehrt den eigenen Ernteaufwuchs als Saatgut. Auch hier schreitet die Konzentration unter den Züchtungsunternehmen weiter voran. Drei große europäische Züchterhäuser decken mehr als 50 % des Marktes in Deutschland, Frankreich, UK und Skandinavien ab. Die Lochow-Petkus hat sich dabei gut geschlagen und dürfte heute der umsatzstärkste Getreidezüchter in Europa sein. Besonders erfreulich dabei ist, dass es in den vergangenen Jahren gelang, rückläufige Roggenumsätze aufgrund des gesunkenen Marktvolumens durch andere Getreidearten – insbesondere Winterweizen – zu ersetzen.
Im vergangenen Wirtschaftsjahr konnte der Segmentumsatz des Getreides mit 52 Mio € stabil gehalten werden. Auch das Segmentergebnis blieb mit 3,6 Mio € konstant. Wie auch in den Vorjahren war Lochow-Petkus Marktführer bei Hybridroggen, verlor jedoch Marktanteile in Deutschland aufgrund einer auslaufenden Lizenzsorte. Gesteigert werden konnte der Marktanteil bei Winterweizen, dem zweiten großen Umsatzträger. Auf nahezu jedem dritten Weizenfeld in Deutschland und jedem vierten in Großbritannien finden Sie heute eine Sorte der KWS-Gruppe.
Lassen Sie mich mit einem kurzen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr abschließen, bevor Sie dann mein Kollege Hagen Duenbostel in das trockene Reich der Zahlen entführt.
Im Getreide ist ja die Hauptvertriebssaison schon gelaufen. Wir rechnen heute mit einem niedrigeren Ergebnis als im Vorjahr aufgrund gestiegener Herstellungskosten, vor allem bei Hybridroggen im Zuge der schwierigen Erntebedingungen für das Saatgut. Positiv zu vermelden ist, dass es unserer Lochow-Petkus GmbH in diesem Jahr gelungen ist, die Pollen Plus-Technologie in den Markt einzuführen. Dadurch wird das Risiko eines Mutterkornbefalls – das ist ein schädlicher Pilz – bei Konsumroggen erheblich verringert. Diese Technologie findet sich exklusiv in allen neuen Hybridroggensorten der Lochow-Petkus.
Die Lochow-Petkus hat im vergangenen Jahr die restlichen 26 %-Anteile von CPBTwyford in England übernommen. Das erleichtert die Zusammenarbeit innerhalb der KWS-Gruppenaktivitäten und wird der Gesellschaft weitere Wachstumsimpulse geben.
Bei Mais erwarten wir weiteres Wachstum, sowohl in Europa als auch in Nordamerika. Unsere Sorten haben ansprechende Ergebnisse in den Prüfungen des Jahres 2005 gezeigt und die Saatgutproduktion läuft nach guten Ernten auf Hochtouren.
Steil nach oben zeigen die Flächen für Bioenergiemais. Dabei wird Mais in sogenannten Biogasanlagen vergoren und das entstehende Methangas zu elektrischer Energie umgewandelt. Die KWS verfügt schon heute über einen überdurchschnittlichen Marktanteil auf diesem Innovationsfeld und wird als einziges Unternehmen mit einem Spezialzuchtprogramm für Bioenergiemais in den nächsten Jahren überproportional von diesem Wachstumsfeld profitieren.
Insgesamt also, meine Damen und Herren, gute Aussichten für weiteres Wachstum bei Mais und damit gebe ich weiter an meinen Kollegen Hagen Duenbostel.
Christopher Amberger
18. Januar 2006