Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung Januar 2006 Ausführungen von Dr. Hagen Duenbostel

Ausführungen von

Dr. Hagen Duenbostel

Vorstand der KWS SAAT AG

anlässlich der KWS Hauptversammlung am 18. Januar 2006


Dr. Hagen Duenbostel
Dr. Hagen Duenbostel

Sehr verehrte Damen und Herren,

den Ausführungen meiner Vorstandskollegen haben Sie entnehmen können, dass sich die KWS Gruppe rasant weiterentwickelt hat. Mit führenden Sortenprodukten und der gezielten Ausweitung unserer Vertriebsaktivitäten haben wir den Wachstumstrend fortgesetzt.

Unterlegt haben wir diese Entwicklung durch eine verstärkte Präsenz am Kapitalmarkt. Die erfolgreiche Umplatzierung im Dezember 2004 verschaffte uns eine Verbreiterung des Streubesitzes von 8 auf 33 %. Das lebhafte Interesse an KWS führte bei der Platzierung zu einer fast zweifachen Überzeichnung. Seither erfreut sich die Aktie einer deutlich erhöhten Aufmerksamkeit und Nachfrage.

 

Der Vorstand versteht dies als Auftrag zur kontinuierlichen Pflege des bestehenden und hinzugewonnenen Anlegerkreises. Dementsprechend haben wir die Berichterstattung stärker auf die Wünsche des Kapitalmarktes ausgerichtet. Unsere Rechnungslegung wurde auf International Accounting Standards umgestellt und mit dem Beginn des Geschäftsjahres 2005/2006 werden Quartalsberichte in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. Seit dem 1. Juli 2005 ist die KWS SAAT AG im Geregelten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen. Nach der Veröffentlichung eines ersten Halbjahresberichtes am 28. Februar 2006 werden wir die Aufnahme in den Prime Standard der Deutschen Börse AG beantragen und damit alle Zulassungsvoraussetzungen für die Aufnahme in den SDAX erfüllen.

Meine Damen und Herren,
zum ersten Mal legen wir Ihnen unseren Gruppenabschluss nach Internationalen Rechnungslegungsstandards vor. Der Übergang von der bisherigen Bilanzierungspraxis nach HGB zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) bringt nicht nur Veränderungen für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2004/05 mit sich, sondern auch notwendige Anpassungen des Zahlenwerkes des vorangegangenen Geschäftsjahres, über das wir Ihnen im Januar 2005 noch nach HGB berichtet hatten.

Insbesondere die Ertragslage des Vorjahres 2003/04 stellt sich nach IFRS verändert dar: Bei gleichem Umsatz von 444 Mio € verbesserten sich nach IFRS-Anpassung die Bruttomarge um 8 Mio € auf 164 Mio €, das Betriebsergebnis um knapp 5 Mio € auf 52 Mio € und der Jahresüberschuss um 1,4 Mio € auf knapp 30 Mio €.

Sie sehen, dass sich etliche Verschiebungen innerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung ergeben. Vor allem belasten die Zinsanteile von Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen nicht mehr das Betriebsergebnis, sondern werden erst im Finanzergebnis in Höhe von 3,2 Mio € zum Abzug gebracht. Damit ergibt sich noch keine Auswirkung auf den Jahresüberschuss.

Hingegen verbessern die nach IFRS wegfallenden planmäßigen Abschreibungen auf Firmenwerte von 2,8 Mio € den Jahresüberschuss. Unternehmenskäufe in Vorjahren hatten dazu geführt, dass die Buchwerte des hinzugewonnenen Nettovermögens regelmäßig niedriger waren als die Kaufpreise. Diese Unterschiedsbeträge wurden in der konsolidierten Bilanz der KWS Gruppe als Immaterielle Firmenwerte ausgewiesen und planmäßig abgeschrieben. Insgesamt waren hieraus zum 1. Juli 2003 noch über 15 Mio € aktiviert, die nun unter IFRS nicht mehr planmäßig abgeschrieben werden. Weitere Ausweis- und Bewertungsunterschiede waren von untergeordneter Bedeutung.

Die nachfolgenden Erläuterungen zur Entwicklung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Geschäftsjahres 2004/2005 beziehen sich jetzt auf die nach IFRS übergeleiteten Angaben des Vorjahres.

Meine Damen und Herren,
wir konnten auch im abgelaufenen Geschäftsjahr an die Wachstumserfolge der vorangegangenen Jahre anknüpfen. Der Umsatz legte um über 11 % auf 495 Mio € zu. Das übertraf unsere Erwartungen. Wieder war dieser Wachstumsschub durch den Ausbau des internationalen Geschäftes geprägt. In Deutschland wuchsen wir einstellig, hingegen in Europa um 10 % und in Amerika sogar um 18 %. Hier bremst erneut der schwache US-Dollar  – zu Vorjahreskursen hätte der Zuwachs sogar 25 % erreicht.

Jeweils 44 % des Gesamtumsatzes konnten Zuckerrüben und Mais beisteuern. Das Getreide trug mit stabilen Umsätzen 11 % zum Gruppenumsatz bei.

Umsatzwachstum erfordert erhebliche Vorleistungen. Wie wir Ihnen bereits in den Vorjahren erläuterten, haben wir daher noch nicht die Ertragskraft erreicht, die wir uns zum Ziel gesetzt hatten. Insbesondere die Kosten der intensiven Produktentwicklung und des Auf- und Ausbaus der internationalen Vertriebsorganisation belasteten unsere Umsatzrendite. Darüber hinaus haben vorsorgliche Wertberichtigungen auf Forderungen von 3,2 Mio € sowie zusätzliche Rückstellungen von 5,9 Mio €, die im Wesentlichen mit dem wachsenden Geschäft in
Ost- und Südosteuropa verbunden sind, auf das Ergebnis gedrückt.

Es kommen noch um rund 7 Mio € erhöhte Wertberichtigungen auf Saatgutvorräte hinzu, verursacht durch nicht vorhersehbare Rekordernten in der Saatgutproduktion. Trotz der guten Absatzentwicklung blieb mehr Ware liegen als geplant. Konsequenterweise wird diese niedriger als zu Gestehungskosten bewertet, damit keine zukünftigen Lasten entstehen.

Trotz erschwerter Bedingungen ist es dennoch gelungen, das Betriebsergebnis um 8 % gegenüber dem Vorjahr zu steigern und eine EBIT-Rendite von 11,4 % zu erzielen.

Der Jahresüberschuss konnte sogar um 17 % auf knapp 35 Mio € zulegen, wenngleich hierbei periodenfremde Steuererträge von 2,8 Mio € mitgeholfen haben. Die Steuerquote wird daher auch nicht bei den gegenwärtigen 32 % bleiben, sondern im Durchschnitt der kommenden Jahre zurückkehren auf ein Niveau von gut 37 % und damit auch dem Satz für Ertragsteuern in Deutschland in etwa entsprechen.

Das Geschäftsjahr schlossen wir mit einer Jahresüberschussrendite von 7 % ab, eine weiterhin ausgezeichnete Ertragskraft. Nach Bereinigung von Sondereinflüssen errechnet sich ein DVFA-Ergebnis je Aktie von 54 €, das sind 40 % mehr als im Vorjahr.

Die Wertschöpfung stieg entsprechend um 3 % auf knapp 161 Mio €. Die Mitarbeiter erhielten hiervon knapp zwei Drittel, dem Unternehmen und den Aktionären kamen mehr als ein Fünftel zugute. Der Staat war mit 11 % über seine Steuern beteiligt und Kreditgeber profitierten mit 5 % direkt von diesem Erfolg.

 

Die gute Ertragslage der KWS Gruppe spiegelt sich auch in der Eigenkapitalentwicklung wider. Das Eigenkapital ist um 11 % auf 327 Mio € gestiegen. Zwar konnten wir Ihnen keine entsprechende Steigerung der Eigenkapitalquote berichten, da aufgrund des Anstiegs der Vorräte und Forderungen die Bilanzsumme schneller wuchs, dennoch blieb die
Eigenkapitalquote auf einem ausgezeichneten Niveau von 57 %.

Auch die Kapitalverzinsung kann sich sehen lassen. Mit einer Eigenkapitalrendite von 11 % und einer Gesamtkapitalrendite von knapp 8 % legten beide Kennziffern um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr zu.

Meine Damen und Herren,
die gute Mittelausstattung und die hervorragende Finanzkraft der KWS Gruppe sind wichtige Voraussetzungen für das weitere Wachstum. Wir haben immer wieder auf diesen Zusammenhang hingewiesen, und insbesondere im abgelaufenen Geschäftsjahr zeigte sich, dass es richtig war, für Phasen der steigenden Kapitalbindung ausreichende finanzielle Freiräume zu schaffen. Die gute Ausgangslage zusammen mit den um 11 % auf 47 Mio € erhöhten Cash Earnings aus dem operativen Geschäft finanzierten weitgehend den Geschäftsausbau auf der Basis von Akquisitionen, Investitionen sowie den Anstieg von Vorräten und Forderungen. Saldiert sind allein für Investitionen gut 30 Mio € abgeflossen. Hauptsächlich entfielen diese auf Sachanlageinvestitionen für Produktion und Vertrieb im Segment Mais.

Zwar reduzierte sich durch diese Maßnahmen unsere Netto-Cash-Position zum Ende des Geschäftsjahres um 46 % auf ein Guthaben von 24 Mio €, doch konnten wir die wichtigsten Kennzahlen auf sehr gutem Niveau halten. Der rechnerische Betrag für das Gearing war weiterhin negativ, da wir zum Bilanzstichtag keine Nettoverschuldung ausweisen und der Leverage, der Anteil der verzinslichen Verbindlichkeiten an dem Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, betrug lediglich 40 %. Damit blieb KWS solide finanziert.


Meine Damen und Herren,
Die KWS Gruppe wird voraussichtlich im laufenden Geschäftsjahr den Umsatz weiter ausbauen, jedoch nicht an die sehr guten Erträge des abgelaufenen Geschäftsjahres anschließen können.

In unserem Quartalsbericht zum 30. September 2005 haben wir berichtet, dass wir den Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres behaupten konnten. Hauptsächlich ging dieser Umsatz jedoch auf den Absatz von Getreide und Raps zurück und gab daher saisonal bedingt wenig Aufschluss über die für den Gesamtumsatz entscheidenden Absätze von Zuckerrüben- und Maissaatgut in der Frühjahrsaussaat 2006. Dementsprechend wird sich auch noch keine Tendenz aus dem Halbjahresabschluss ablesen lassen, den wir Ende Februar 2006 veröffentlichen werden.

Erkennbar ist jedoch, dass durch die erstmalige Einbeziehung des akquirierten Geschäfts von Producers Hybrids und durch die Forcierung der Vertriebs- und Produktentwicklungsaktivitäten in Süd- und Südosteuropa das Betriebsergebnis nach dem ersten Quartal erwartungsgemäß um 7,6 Mio € schlechter ausfällt als im Vergleichszeitraum.

Kurzfristig, in den Jahren 2006 und 2007, wird sich innerhalb der EU-25 das Wachstum im Segment Zuckerrüben nicht fortsetzen lassen. Hier ist mit wesentlichen Rückgängen in Umsatz und Ergebnis zu rechnen. Dabei stehen die Chancen auf den internationalen Wachstumsmärkten außerhalb der EU-25 nicht schlecht. Hier soll das dynamische Wachstum beibehalten werden.

Mittel- und langfristig bleibt KWS also auf Wachstum ausgerichtet. Alle Produktsegmente werden hierzu beitragen. Das gilt auch und in besonderem Maße für das Segment Mais. Dementsprechend bleibt es unser erklärtes Ziel, mittelfristig nicht nur im Umsatz, sondern auch im Ertrag weiter zuzulegen.


Hagen Duenbostel
18. Januar 2006