Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung Dezember 2006 Ausführungen von Dr. Ch. Amberger

Ausführungen von

 Dr. Ch. Amberger

Vorstand der KWS SAAT AG

anlässlich der KWS Hauptversammlung am 14. Dezember 2006


Dr. Ch. Amberger
Dr. Ch. Amberger

Sehr geehrte Damen und Herren, Aktionäre und Freunde des Hauses KWS,

der Mais bei KWS ist wiederum ein gutes Stück gewachsen! Das ist die erfreuliche Botschaft, die ich an den Anfang stellen möchte.

Und wenn ich Ihnen heute einen Rückblick über das abgelaufene Wirtschaftsjahr für den Mais vor meinem Kollegen, der die Sparte Zuckerrübe vertritt, geben kann, so heißt das nicht, dass wir der Zuckerrübe den Platz als selbsternannter "Königin" der Feldfrüchte streitig machen wollen, sondern es zeigt, dass der Mais das Schwestersegment zum ersten Mal im Umsatz überholt hat.

Lassen Sie mich zunächst einige Aspekte ansprechen, die mir wichtig sind, um die Segmente Mais und Getreide -  für das ich hier ja auch spreche - besser einordnen zu können.


Denn die Unterschiede sind groß. Das können Sie schon am Umsatz erkennen.

Während der Mais bei KWS eine globale Aktivität darstellt, bei der wir mit großen internationalen Unternehmen konkurrieren, die ihren Ursprung in der Agrarchemie haben, handelt es sich beim Getreide um eine europäische Aktivität. Es gibt hier quasi keine globalen Unternehmen. Unsere wichtigsten Wettbewerber haben entweder die gleiche Größenordnung oder sind kleiner als wir.

Unterschiedlich sind auch unsere Geschäftsstrategien:
Im Mais arbeiten wir daran, so rasch wie möglich zu wachsen und die wichtigen Märkte der gemäßigten Klimazone abzudecken. Dieser Strategie folgend haben wir in diesem Jahr ein eigenes Maiszuchtprogramm in Argentinien begonnen. Im Getreide konzentrieren wir uns auf den Ausbau unseres Geschäftes in Europa.

Im Mais produzieren wir das Saatgut unter eigener Regie und erwirtschaften damit in der Regel höhere Deckungsbeiträge, während das Getreidegeschäft immer mit dem Nachbau konkurrieren muss, margenschwach ist und wir zum Großteil im Lizenzgeschäft arbeiten. Der Fortschritt bei Mais ist höher, das Geschäft eröffnet größere Verdienstchancen, bei allerdings höherem Risiko. Insbesondere aufgrund des Nachbaus haben die Getreidezüchter weniger Mittel, um in Forschung und Züchtung zu investieren. Der technische Fortschritt für den Landwirt ist niedriger. Die Ertragspotenziale unseres Getreidegeschäfts sind geringer; es bringt jedoch auch weniger Risiken mit sich.

Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen nun die Entwicklung in beiden Segmenten vorstellen und beginne mit dem Mais:

Wir kommen im Mais aus den frühreifen Märkten wie Deutschland und Nordeuropa. Dort haben wir vor 50 Jahren mit der Züchtung begonnen und verfügen heute über eine sehr gute Marktstellung. Diese gute Position haben wir genutzt, um in die späteren Reifeklassen und Märkte wie Frankreich, Südosteuropa, Italien und natürlich Nordamerika vorzustoßen. Unser Segment Mais ist seit Jahren auf Wachstum ausgerichtet. Wir und Sie als Aktionäre, waren bereit, durch Wachstum Werte zu schaffen und auf schnellen Return zu verzichten.

Blicken wir zurück auf die letzten fünf Jahre, so sehen Sie, dass unsere Absatzmenge von etwas über 3 Mio U auf 5 Mio U gewachsen ist. Daher werden heute mit KWS und AgReliant-Sorten ca. 3 Mio ha Mais in der gemäßigten Klimazone angebaut. Noch eindrucksvoller ist dieses Bild, wenn wir die Umsatzentwicklung betrachten.

So stieg unser Umsatz von 134 Mio € im Jahr 2001 auf heute 242 Mio € an; wir haben dafür allerdings unsere Aufwendungen im Vertrieb um ca. 30 Mio € aufstocken müssen. Wenn wir jetzt in einem weiteren Schritt das Segmentergebnis betrachten, so sehen Sie hier eine Steigerung von 7,1 Mio € auf 10,4 Mio € im Wirtschaftsjahr 2005/06.
Sie können daraus ersehen, dass unsere Segmentrendite mit etwas über 4 % noch nicht da ist, wo wir sie haben wollen und wo sie in einem etablierten Markt sein könnte. Denn in Märkten, in denen wir die kritische Masse im Sinne eines Marktanteils von über 10 % überschritten haben, können wir auch zweistellige Margen erzielen. Wir tätigen also überdurchschnittliche Ausgaben, um möglichst rasch weitere Marktanteile hinzuzugewinnen.

Apropos Marktanteile:
Unser Marktanteil in Europa stieg im vergangenen Jahr von 11 auf 12 %. Der Umsatz erhöhte sich von 133 Mio € auf 145 Mio €. In allen europäischen Regionen konnten wir unsere Marktanteile steigern, insbesondere in Deutschland, Nordeuropa, wo wir heute bei über 26 % liegen. Aus diesem positiven Rahmen fällt die Region Südeuropa, in der wir einen Rückschlag erlitten haben, der das Segmentergebnis belastet. Qualitätsprobleme in der Saatgutproduktion haben uns trotz guter Sorten Vertrauen bei unseren Kunden gekostet und Absatzprobleme bereitet.

Nun zu einem ziemlich spannenden Bereich: Mais für Energie!
Innerhalb von wenigen Jahren ist ein neues Marktsegment entstanden. Wir haben weltweit einen Boom für Bioenergie, der den Flächenrückgang der vergangenen Jahre wieder ausgleichen wird. Dies betrifft bei Mais im Wesentlichen den Anbau für die Gewinnung von Ethanol und Biogas. So werden heute in Nordamerika bereits 20 % der Maisanbaufläche für Ethanol genutzt und es ist das erklärte Ziel der US-Regierung, diesen Anteil auf 30 % auszubauen, also 9 Mio ha Mais allein für Bioethanol. Ernstzunehmende Prognosen gehen davon aus, dass die USA wegen der hohen Binnennachfrage als Exporteur von Mais in einigen Jahren ausfallen werden.

Wie Sie von Herrn Büchting gehört haben, setzen wir nicht nur auf Bioethanol aus Körnermais, sondern verstärkt auf Biogas, gewonnen aus Biomasse, die unsere Maissorten ja reichlich produzieren. Wir halten dies gerade für Europa für die effizienteste und wirtschaftlichste Form der Bioenergiegewinnung. Insbesondere, wenn das Biogas direkt in das Gasnetz eingespeist oder als biogener Kraftstoff genutzt werden kann. Bei dem heute noch beschrittenen Umweg über die Verstromung ist der Energieverlust leider viel zu hoch. In Deutschland sind in den letzten Jahren mehr als 3000 Biogasanlagen entstanden und die Maisanbaufläche dafür dürfte zur Ernte 2006 um 100 % auf 150 T ha zugenommen haben, was in etwa 10 % der deutschen Maisanbaufläche entspricht. KWS gilt europaweit als der Spezialist für Bioenergiesorten. Als einziges Unternehmen verfügen wir über ein eigenes Zuchtprogramm. Die erste speziell für Biogas gezüchtete Mais-Sorte ATLETICO konnte gut in den Markt eingeführt werden und eine neue Sortengeneration steht in der amtlichen Zulassungsprüfung. Wir erwarten hier weiteres Wachstum in Europa und sehen uns mit unseren Sorten und unserem Know-how als führend im Markt.

Ein weiterer Ausbau der Marktanteile gelang unserem Joint Venture AgReliant in Nordamerika. AgReliant konnte im vergangenen Jahr seinen Umsatz noch einmal um 18 % auf 196 Mio € steigern.
Trotz eines heftigen Verdrängungswettbewerbes und einer aggressiven Rabattpolitik der Hauptwettbewerber, konnten wir in Nordamerika unseren Marktanteil bei 6 % stabilisieren.

Über 70 % unseres angebauten Saatgutes in Nordamerika sind gentechnisch verändert. Dabei haben wir auf die rasche Einführung so genannter "triple stacks", also neuer Sorten, in denen gentechnisch drei zusätzliche Eigenschaften kombiniert sind, gesetzt: Herbizidresistenz, Resistenz gegen Mais-/ Wurzelbohrer und Resistenz gegen Maiszünsler. Wie in den vergangenen Jahren haben wir weiter investiert in Züchtung, Vertrieb und Produktion, um unsere Marktdurchdringung, insbesondere im Westen des Corn Belts zu steigern. Die neu erworbene Vertriebsgesellschaft Producers Hybrids hat in ihrem ersten vollen Jahr im AgReliant-Verbund erwartungsgemäß positiv abgeschnitten.

Jetzt, meine sehr geehrten Damen und Herren, noch einige Schlaglichter zum Getreide:

Auch die Lochow-Petkus GmbH hat in diesem Jahr Jubiläum gefeiert: Vor 125 Jahren begann Ferdinand von Lochow mit der Roggenzüchtung in Petkus.

Zum Segment Getreide hatte ich im vergangenen Jahr ausgeführt, dass sich das Segment in einem schwierigen Marktumfeld bewegt, das gekennzeichnet ist von niedrigen Erzeugerpreisen und einem rückläufigen Saatgutwechsel. Die Konzentration im Getreidebereich ist weiter vorangeschritten, so dass es heute eine klare, europaweite Spitzengruppe von drei Wettbewerbern gibt, zu denen die Lochow-Petkus Gruppe gehört.

Unser Segment Getreide hat im vergangenen Jahr 4 % Segmentumsatz verloren, was insbesondere auf niedrigere Umsätze bei Roggen und Weizen zurückzuführen war. Der Segmentumsatz betrug 50,2 Mio €.
Darüber hinaus hat die Finanzverwaltung rückwirkend die Mehrwertsteuer auf zertifiziertes Saatgut von 7 auf 16 % angehoben, die wir bei unseren Kunden nicht mehr vollständig nachbelasten konnten. Damit kam es bei der Lochow-Petkus GmbH zu einer außerordentlichen Ergebnisbelastung. Insgesamt ist das Segmentergebnis Getreide von 3,6 Mio € im Jahr 2004/05 auf 1,8 Mio € im Jahr 2005/06 zurückgegangen.

Die Lochow-Petkus hat dieses Jahr genutzt, um sich stärker auf die Zukunft auszurichten. Es wurde beschlossen, die Körnererbsen- und die Triticalezüchtung wegen abnehmender Marktgrößen einzustellen und die Züchtungs- und Produktionsstandorte in Deutschland stärker zu konzentrieren.

Das bereits angelaufene Wirtschaftsjahr hat sowohl für Getreide als auch für das Segment Mais positiv begonnen. Die Lochow-Petkus-Gruppe konnte Ihr Geschäft mit Roggen und Gerste erheblich ausdehnen und wird daher das Ergebnis des Segments Getreide gegenüber dem Berichtsjahr mehr als verdoppeln, also über das Niveau des Vorjahres hinauskommen können.

Einen schönen Erfolg können wir auch im Produktbereich Rapssaatgut verbuchen. Einerseits wächst der Markt mit der steigenden Biodieselnachfrage und andererseits setzen wir zunehmend Rapshybriden ab. Im Berichtsjahr betrug der Umsatzzuwachs mit unseren Rapssorten, die wir über die Segmente Mais und Getreide vermarkten, bereits knapp 20 %. Zur Aussaat im laufenden Jahr konnten wir abermals gut 20 % zulegen, womit der Produktbereich ein Volumen von rund 16 Mio € erreicht.

Entscheidend für das Segment ist aber die Entwicklung unseres Maisgeschäftes. Unsere Maissorten haben ansprechende Ergebnisse in den offiziellen Prüfungen erzielt und wir setzen alles daran, in 2006/07 einen weiteren deutlichen Wachstumsschritt zu machen, wobei wir auch das Ergebnis trotz der sich abzeichnenden Belastung durch den schwachen US-Dollar verbessern wollen.

Alles in allem ein gutes und über den Erwartungen liegendes Herbstgeschäft bei Getreide und Raps sowie hohe Erwartungen an unser Maisgeschäft, wobei uns in diesem Jahr die allgemeine Flächenentwicklung helfen könnte.

Damit gebe ich weiter an meinen Kollegen Philip von dem Bussche und die "Königin der Feldfrüchte".


Es gilt das gesprochene Wort.


       14.12.2006
Christoph Amberger