Ausführungen von
Dr. Hagen Duenbostel
Mitglied des Vorstands der
KWS SAAT AG
anlässlich der Bilanz-Pressebesprechung in Hannover
am Mittwoch, 31. Oktober 2007
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
der Erfolg hat viele Väter, so sagt man. Das gilt auch für das außerordentlich erfolgreiche Geschäftsjahr 2006/2007 der KWS Gruppe, in dem alle Produktsegmente positiv zum Geschäftserfolg beigetragen haben. Dabei ist der Umsatz um 6,5 % auf 538 Mio € gestiegen, begleitet von einer überproportionalen Verbesserung des Betriebsergebnisses (EBIT) um 37 % auf 64 Mio €. Damit wuchs die EBIT-Marge von 9 % im Vorjahr auf 12 % im Geschäftsjahr 2006/2007. Wir haben also gezeigt, dass sich das dynamische Umsatzwachstum durchaus mit der Steigerung der Ertragskraft verbinden lässt. Beim Umsatzwachstum haben uns sogar noch zwei Effekte gebremst: Zum einen war der Zuckerrübensaatgutumsatz in Nordeuropa und in der Türkei rückläufig, und zum anderen wirkte sich der schwache US-Dollar mit rund 10 Mio € negativ auf die Umsatzentwicklung aus. Dagegen verzeichneten wir ein kräftiges Umsatzplus bei Zuckerrüben in Frankreich sowie im Maisgeschäft in Nordamerika und Südosteuropa. Der Getreideumsatz stieg aufgrund einer deutlich höheren Nachfrage nach Hybridroggen und Gerste.
Erfreuliche Entwicklung der Betriebsergebnisse
Besonders erfreulich entwickelten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr die Betriebsergebnisse aller Produktsegmente. Im Segment Zuckerrüben konnten wir durch Anpassungen der Vertriebsstrukturen sowie durch effektives Working Capital Management die Kosten senken und gleichzeitig den Absatz in margen-starken Märkten ausdehnen. Hierdurch erhöhte sich das Ergebnis um 41 % auf 35 Mio €. Das Segment Mais verbesserte sein Betriebsergebnis um 28 % auf 13 Mio €. Dies zeigt, dass sich Skalenerträge aus dem internationalen Wachstum in finanziellen Erfolg umwandeln lassen. Darüber hinaus erreichte das Segment Getreide mit einem Segmentbetriebsergebnis von über 5 Mio € wieder eine befriedigende Ertragskraft. Unsere Tochtergesellschaft Lochow Petkus profitierte von dem wieder anziehenden Markt für Hybridroggen und Gerste. Schlussendlich hat sich darüber hinaus die moderate Kostensteigerung in der Administration positiv auf den Return on Sales ausgewirkt. Trotz dieser ertragssteigernden Effekte haben wir auch im vergangenen Geschäftsjahr die Bedeutung von Forschung & Entwicklung unterstrichen und mit 76 Mio € wieder 14% vom Jahresumsatz für die Entwicklung neuer Sortenprodukte ausgegeben. Damit legen wir die Grundlagen für das Unternehmenswachstum von morgen.
Im Pflanzkartoffelgeschäft neu orientieren
Meine sehr verehrten Damen und Herren, bei einem Blick auf das Finanzergebnis fällt auf, dass sich diese um 3,5 Mio € vermindert hat. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: So verringerte sich das Ergebnis aus assoziierten Unternehmen von + 0,7 Mio € im Vorjahr auf - 0,5 Mio €. Mit Wirkung zum 1. Juli 2007 haben wir unsere Beteiligung an Saka Ragis an den Hauptgesellschafter veräußert, um uns neu orientieren zu können. Dennoch hat für uns das Pflanzkartoffelgeschäft weiterhin strategische Bedeutung, und wir werden unsere Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet aufrechterhalten.
Ferner haben wir ausgewählte Pensionsverpflichtungen ausfinanziert und durch eine Versicherung rückgedeckt. Hierfür waren Auszahlungen von 11,3 Mio € notwendig, denen 8,2 Mio € Pensionsrückstellungen gegenüberstanden. Dementsprechend belasten 3,1 Mio € das Finanzergebnis des Berichtsjahres.
Der Steueraufwand von knapp 20 Mio € ist durch die Aktivierung von Körper-schaftssteuerguthaben in Höhe von 7,2 Mio € bereits entlastet. Diese wurden infolge der Steuergesetzesänderung mit Wirkung zum 31. Dezember 2006 bereits im Halbjahresabschluss ausgewiesen. In der Folge verbesserte sich der Jahresüberschuss der Gruppe um 35 % auf 38,2 Mio € und markierte damit das beste Jahresergebnis in der Geschichte des Unternehmens. Nach Abzug der Ergebnisanteile Dritter stieg das Ergebnis je Aktie auf 5,61 €. Im Vorjahr waren es noch 4,16 €.
Eigenkapitalbasis weiter gestärkt
Wie Andreas Büchting bereits in seinen Ausführungen dargelegt hat, werden Vorstand und Aufsichtsrat eine Dividende von 1,40 € je Aktie vorschlagen, was einer Ausschüttung von 9,2 Mio € entspricht. Ausgehend von dem Jahresüberschuss der KWS SAAT AG in Höhe von 18,2 Mio € sollen 9 Mio € den Gewinnrücklagen zugeführt werden. Infolge der Ertragskraft steigt das Eigenkapital um 28 Mio € auf 366 Mio € und erreicht mit einer Bilanzsumme von 610 Mio € eine Eigenkapitalquote von 60 %. Im Vergleich dazu machen die langfristig im Unternehmen gebundenen Vermögensgegenstände einen Anteil von 35 % der Bilanzsumme aus. Das Eigenkapital deckt damit sämtliche Vorräte und weite Teile der Forderungen ab. Die verbesserte Ertragskraft hat sich ebenfalls positiv auf die Cash-Flow-Entwicklung ausgewirkt. So stieg der Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit von 53 auf 62 Mio € vor der bereits erwähnten Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen.
Vorstand und Aufsichtsrat haben daher beschlossen, einen wesentlichen Beitrag zur Risikobegrenzung für die Zukunft zu leisten. Die Ausfinanzierung von Teilen der Pensionsverpflichtungen bewirkte den o.g. Liquiditätsabfluss von 11,3 Mio €, so dass sich nach Abzug des Mittelabflusses aus der Investitionstätigkeit eine Reduzierung des Free Cash Flow von 33 Mio € im Vorjahr auf 24 Mio € ergab. Die Netto Cash Position verbesserte sich hingegen auf 60 Mio € und liegt damit um 16 Mio € höher als im Vorjahr. Die ohnehin nur in begrenztem Umfang bestehenden langfristigen Bankschulden konnten planmäßig getilgt werden. Daraus ergab sich eine deutliche Verbesserung der Verschuldungskennziffer. Der Anteil der verzinslichen Verbindlichkeiten am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) halbierte sich von 20 auf 10 %.
Die umfangreiche Zusage der Betriebsmittelfinanzierung im Rahmen des bestehenden Syndicated Loans wurde aufgrund der guten Cash Flow Situation nur zu 40 % unterjährig in Anspruch genommen. Damit ist KWS weiterhin solide finanziert und gut gerüstet für den weiteren Ausbau des Geschäftes.
Auf Wachstumskurs – Investitionen weiter gesteigert
Ebenso ein Zeichen des Wachstumskurses sind die Investitionen. Sie liegen im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 27 Mio € weit über dem Vorjahr und erheblich über dem Niveau der Abschreibungen von 16 Mio €. Hier war der geografische Fokus unserer Investitionen der Standort Deutschland, wo zur Unterstützung von Forschung und Entwicklung sowie der Saatgutproduktion 16 Mio € investiert wurden.
Meine Damen und Herren, viel bedeutender als die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Wirtschaftsgüter ist jedoch die Förderung unserer Mitarbeiter, die mit ihrem engagierten Einsatz für das Unternehmen die Träger unseres Erfolges sind. Dementsprechend verteilt sich die hohe Wertschöpfung von 179 Mio € zu 62 % auf die Mitarbeiter, mit 16 % auf die Rücklagendotierung des Unternehmens und zu 12 % auf die öffentliche Hand sowie zu je 5 % auf Fremd- und Eigenkapitalgeber. Alle genannten Stakeholder haben entsprechend Anteil am Unternehmenserfolg und blicken damit auf ein rundes Geschäftsjahr und einen runden Jahresabschluss zurück. Damit möchte ich gerne zu den Aussichten für das laufende Geschäftsjahr 2007/2008 kommen.
Positiver Ausblick
Im Segment Zuckerrüben verheißt der Blick nach Brüssel für die bevorstehende Aussaat 2008 nicht viel Gutes. Die lange vorhergesehenen Kürzungen in der Zuckerproduktion und die damit einhergehenden Verringerungen der Anbaufläche in der EU 27 müssen bis 2009 alle umgesetzt werden. Wir rechnen daher mit einem Rückgang der Absatz- und Umsatzzahlen bei Zuckerrüben in dieser Region, sehen andererseits aber weitere Chancen für den Ausbau des Segments in Osteuropa und insbesondere in Nordamerika. Die Einführung von herbizid-toleranten Zuckerrüben in Nordamerika wird daran den wesentlichen Anteil haben, so dass wir den Segmentumsatz bei Zuckerrüben auf Vorjahresniveau erwarten. Gleiches gilt für den Ergebnisbeitrag, der aus diesem Segment erwirtschaftet werden soll.
Mit einem weiteren Ausbau des Segmentes Mais wollen wir an das Umsatzwachstum in Nordamerika und Südosteuropa anknüpfen und darüber hinaus in den anderen europäischen Märkten weiter zulegen. Im Segment Getreide stellen wir fest, dass die Nachfrage nach leistungsstarken Sortenprodukten bei Hybridroggen, Gerste und Weizen ungebrochen hoch ist, so dass ein leichtes Umsatzwachstum insbesondere in Deutschland und Mitteleuropa angestrebt wird. Aufgrund der im Geschäftsjahr 2006/2007 eingetretenen Sondereffekte im Rahmen der Kostenanpassungen und Steuerentlastungen ist für das Geschäftsjahr 2007/2008 mit einer leicht rückläufigen Umsatzrendite zu rechnen. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die EBIT-Marge weiter im zweistelligen Bereich befinden wird.
Hagen Duenbostel
Hannover, den 31.10.2007