EU will mehr Erdöl im Kraftstoffsektor
Berlin, 11.9.2008. Durch den Beschluss des Ausschusses für Industrie, Energie und Forschung des Europäischen Parlaments, die bisher vorgesehene Biokraftstoffquote von zehn auf fünf Prozent zu kappen, wird faktisch die fossile Quote erhöht. Davon geht Johannes Lackmann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), aus. Die jetzt genannten Alternativen wie Wasserstoff und so genannte „Biokraftstoffe der 2. Generation“ stünden bis 2020 nicht ausreichend zur Verfügung.
Das Thema Umweltschutz sei damit einmal mehr vertagt worden und der Erdölbedarf werde steigen, so Lackmann. Die Kapazitäten traditioneller Fördergebiete wie die der Nordsee seien aber erschöpft. Es sei zu befürchten, dass die Erdölförderung zunehmend auf sensible Ökosysteme ausgedehnt werde. Dort werde die fünfprozentige Erhöhung des EU-Erdölanteils zu einer überproportionalen Steigerung der Klimabelastung führen. Umweltverbände schätzten die CO2-Emissionen drei bis sechs Mal so hoch ein wie bei der bisherigen Erdölförderung.
Nachdem die EU bei Effizienzvorgaben für die Autoindustrie – den 120 g CO2 pro Kilometer – versagt habe, stünden als Sofortmaßnahme im Verkehrsbereich nur Biokraftstoffe zur Verfügung, sagte Lackmann. Zudem verwies er darauf, dass Biokraftstoffe der 2. Generation nach Auffassung des Bundesumweltministeriums im Jahr 2020 bei einem Literpreis von über zwei Euro lediglich einen Marktanteil von 2 bis 3 % erreichten. „Biodiesel und Bioethanol bedienen schon jetzt 7,6 % des deutschen Kraftstoffmarktes. In der Bewertung von Biokraftstoffen gegenüber fossilen Energien haben Politik und Umweltverbände jeden vernünftigen Maßstab verloren“, erklärte Lackmann.