Ausführungen von
Dr. Christoph Amberger
anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG
am 16. Dezember 2008
Verehrte Aktionäre, meine sehr geehrten Damen und Herren,
die KWS ist gut aufgestellt! Wir haben im letzten Jahr ein ordentliches Ergebnis hingelegt. Die Segmente Mais und Getreide haben dazu einen Riesen-Beitrag geliefert: ca. 1.000 Mitarbeiter aus beiden Segmenten haben einen Umsatz von 400 Mio. EUR erwirtschaftet und mehr als 33 Mio. EUR zum Ergebnis vor Steuern beigetragen. Unsere Kollegen im Mais und Getreide haben gut gearbeitet und auch etwas Rückenwind durch den Aufschwung in der Landwirtschaft erhalten. Dabei haben beide Segmente weiterhin gute Wachstumschancen; für unseren Hybridroggen in Mittel- und Osteuropa bzw. die spätreifen Körnermaismärkte in Europa und Nordamerika.
Zur Entwicklung in den einzelnen Segmenten:
Der Mais erzielt heute einen Segmentumsatz von 330 Mio. EUR. Das ist doppelt so viel wie vor sechs Jahren. Das Segmentergebnis beträgt 23 Mio. EUR. Es hat sich damit seit 2001/02 mehr als verdreifacht. Der Mais ist seit mehreren Jahren unser umsatzstärkstes Segment und hat jetzt auch beim Gewinn erheblich zugelegt. Die hohen Investitionen der letzten Jahre beginnen sich auszuzahlen!
Das letzte Wirtschaftsjahr war das Jahr unserer Europa-Organisation. Rund 210 Mio. EUR Umsatz haben wir hier erzielt. Hier und insbesondere in den frühreifen Märkten haben wir zugelegt. Wir sind in Europa – ohne die Staaten der ehemaligen Sowjetunion – dreimal so stark gewachsen wie der Markt, nämlich um 18 % und erzielen einen Marktanteil von 14 %. Damit sind wir zweitstärkster Maiszüchter in Europa.
Auch in den spätreifen Körnermaismärkten sind wir vorangekommen. Wir haben in Südeuropa unsere Aktivitäten restrukturiert und massiv Kosten abgebaut und konnten trotzdem Umsatz und Marktanteil leicht steigern. In Südosteuropa haben wir ebenso unseren Marktanteil gesteigert und ein schönes, positives Ergebnis erreicht. In Deutschland und Nordeuropa sind wir unangefochten Marktführer.
Dabei ist Größe per se kein Wert für uns. Unser Ziel ist, die Profitabilität sicherzustellen und auszubauen. Dafür brauchen wir jedoch nennenswerte Marktanteile, um genügend Geld für unsere Züchtung zu erwirtschaften und die mit steigenden Mengen verbundene Kostendegression zu nutzen. Nur so können wir in dem wettbewerbsintensiven Maismarkt mit den Großen der Branche konkurrieren.
Unser Gemeinschaftsunternehmen AgReliant hatte große Herausforderungen in Nordamerika zu bewältigen. Dort ist die Anbaufläche für Mais um 8 % zurückgegangen. Wir haben unter dem Preiskampf der großen Wettbewerber gelitten. Dabei hat sich AgReliant wacker geschlagen. Unser Marktanteil blieb mit 6 % stabil. Wir sind damit an vierter Position und kommen dem Dritten im Markt – nämlich Syngenta – jedes Jahr etwas näher. AgReliant hat zum konsolidierten Umsatz mehr als 110 Mio. EUR beigetragen. Die Landwirte dort verlangen nahezu ausschließlich gentechnisch verändertes Saatgut. Unser Portfolio bei Sojabohnen besteht zu mehr als 95 % aus gentechnisch veränderten Sorten. Bei Mais liegt dieser Anteil heute über 85 %; davon mehr als die Hälfte mit der Kombination von drei gentechnisch erzeugten Merkmalen in einer Sorte.
Innerhalb der nächsten Jahre erwarten wir Sorten mit der Kombination von acht gentechnisch erzeugten Merkmalen. Konventionelle Sorten können damit in Nordamerika nur noch kleine Nischen bedienen.
Die Sachinvestitionen im Segment Mais liegen seit Jahren über den jährlichen Abschreibungen. Im Rahmen eines Masterplanes Produktion bauen wir unsere Kapazitäten in Nordamerika seit einigen Jahren kontinuierlich aus. Jetzt sind wir auch an die Kapazitätsgrenzen unserer europäischen Produktion gestoßen. Wir haben deshalb allein dafür einen mittelfristigen Investitionsplan mit einem Volumen von mehr als 36 Mio. EUR beschlossen. Neben der Produktionsanlage in Rumänien, die in diesem Jahr erste Mengen Saatgut aufbereitet, investieren wir zurzeit insbesondere in der Türkei und in der Ukraine. Die guten klimatischen Verhältnisse in der Türkei ermöglichen die Produktion von Saatgut höchster Qualität. Die Türkei hat als Produktionsstandort daher für uns einen festen Platz auch für die Versorgung der europäischen Märkte. In der Ukraine bauen wir eine Aufbereitungsanlage für die Versorgung des wachsenden Bedarfes in der Ukraine und den Export v. a. nach Kasachstan. Auch nach Fertigstellung dieser drei Projekte werden wir weiter investieren müssen, um in der Saatgutproduktion mit unserer erfolgreichen Züchtung Schritt halten zu können.
Schauen wir uns jetzt das Getreide an:
Im vergangenen Jahr Umfirmierung der drei Gesellschaften des Segments Getreide, die sich mehrheitlich in unserem Eigentum befinden. Aus Lochow-Petkus wurde KWS LOCHOW, aus CPB Twyford KWS UK und aus Lochow-Petkus Polska wurde KWS LOCHOW POLSKA. Wir haben uns damit gruppenweit für die Marke KWS und ihre Farbe Orange entschieden. Unsere Kunden sollen wahrnehmen, dass sie bei der KWS Saatgut für alle wichtigen landwirtschaftlichen Kulturarten bekommen, von der Zuckerrübe über Mais, Raps und Weizen bis hin zu Roggen und Gerste und neuerdings auch wieder Kartoffeln. Die Marke KWS ist unser Versprechen für Leistung und Verlässlichkeit.
Das Segment Getreide hat im vergangenen Jahr mit 67 Mio. EUR einen Spitzen-Umsatz erreicht und mit einem Ergebnis von 9 Mio. EUR unsere Erwartungen übertroffen. In den wichtigen Getreideanbauländern der europäischen Union, Deutschland, Frankreich, UK und Dänemark, erzielen wir mit Weizen und Gerste einen Marktanteil von ca. 14 % und liegen an zweiter Position. Vom Ertrag her sind wir klar die Nummer 1.
Das liegt am erfolgreichen Absatz von Hybridroggen-Saatgut. Der Roggen hat in der EU wieder einen festen Platz in der Fruchtfolge gefunden. Die Sorten von KWS LOCHOW sind Spitzenreiter in den offiziellen Versuchsergebnissen und erzielen heute wieder Marktanteile über 50 %. Neben einer guten Entwicklung in Deutschland und Nordeuropa sehen wir jetzt auch immer mehr den Markt in Mitteleuropa, insbesondere Polen, für Hybridroggen anspringen. Damit zeigen sich für KWS LOCHOW für die nächsten Jahre gute Perspektiven. Auch bei Weizen und Gerste konnte KWS LOCHOW sowohl im Umsatz als auch im Ertrag zulegen. Besonders erfreulich war in diesem Zusammenhang die Geschäftsentwicklung unserer Beteiligungsgesellschaft Momont in Frankreich und unseres Tochterunternehmens KWS UK, die ihren Marktanteil bei Weizen wieder auf 27 % mit weiter steigender Tendenz ausbauen konnten.
Die Baumaßnahmen am zentralen Standort der KWS Lochow in Bergen-Wohlde sind im vergangenen Jahr zum Abschluss gebracht worden. Eine moderne Saatgutaufbereitungsanlage für Basissaatgut-Hybridroggen, ein neues Saatgutlabor zur Durchführung privater Beschaffenheitsprüfungen sowie neue Gewächshäuser wurden planmäßig in Betrieb genommen.
Lassen Sie mich, meine sehr geehrten Damen und Herren, noch zu einem weniger erfreulichen Thema Stellung nehmen. Völlig unbefriedigend verläuft meines Erachtens die Diskussion um die Nachbaulizenz bei Getreide in Deutschland. Die Züchter haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Lizenz, wenn der Landwirt das Getreide im eigenen Betrieb nachbaut. Diese beträgt 50 % der Lizenz für zertifiziertes Saatgut. Ständige gerichtliche Auseinandersetzungen aufgrund einer unklaren Gesetzeslage und deshalb besonders aufwändige Erhebungsmethoden haben dazu geführt, dass das Aufkommen aus der Nachbaulizenz immer mehr zurückgeht und immer weniger beim Züchter ankommt. Von einem theoretisch bestehenden Anspruch in Deutschland für Getreide in der Höhe von 11 Mio. € konnten im letzten Jahr noch 4,5 Mio. erhoben werden.
Und doch schadet dies weniger den Züchtern, die ihre Budgets auf das ausgerichtet haben, was sie von ihren Kunden bezahlt bekommen. Ich meine, es schadet viel mehr den Landwirten selbst und anscheinend ist dies den Interessensvertretern nicht bewusst. Es kommt nur soviel züchterischer Fortschritt beim Landwirt an, wie er bereit ist zu bezahlen und der ist bei Getreide leider viel geringer als bei Zuckerrüben, Mais oder Raps. Die Ursache ist, dass in der Getreidezüchtung erheblich weniger moderne Zuchtmethodik entwickelt und zur Anwendung gebracht wird – und dabei spreche ich nicht von Gentechnik. Es ist kein Geld dafür da! Das würde mir als Landwirt Sorgen machen, denn Getreide und insbesondere Weizen ist die wichtigste Kultur für die mitteleuropäische Landwirtschaft. Hier sind wir noch weltweit wettbewerbsfähig.
Jetzt noch ein kurzer Ausblick auf das seit 1. Juli 2008 laufende Wirtschaftsjahr. Hier könnte ich mit Karl Valentin sagen: „Sicher ist, dass nix sicher ist, drum bin ich vorsichtshalber misstrauisch.“
Das Rapsgeschäft haben wir bereits getätigt. Wir haben einen Marktanteil in Europa von ca. 16 %. Unsere Erwartungen haben sich nicht ganz erfüllt, aber wir gehen mit einem Ergebnis ähnlich dem des vorangegangenen Jahres nach Hause.
Das Getreide-Geschäft war für Hybridroggen gut, für Weizen und Gerste aufgrund zunehmenden Nachbaus etwas durchwachsen. Insgesamt sieht es so aus, als würde unsere Sparte Getreide noch einmal einen schönen Ergebnissprung im Vergleich zu dem schon guten Vorjahr hinlegen.
Bei Mais sehen wir eine rückläufige Anbaufläche in Europa und Zuwächse in Nordamerika. Was zurzeit an Sortenergebnissen hereinkommt, lässt sich gut an. Wir haben gute Chancen unsere Marktanteile weiter auszubauen. Die Saatgutproduktion läuft bei erheblich gestiegenen Kosten bisher reibungslos. Sorgen bereitet uns das Aussetzen der Zulassung für wichtige insektizide Beizen, insbesondere in Deutschland und Italien. Unsere gestiegenen Einstandspreise veranlassen uns zu einer moderaten Preissteigerung. Diese durchzusetzen ist gar nicht so einfach, denn im Zuge der allgemeinen Finanzkrise sind auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
Alles in allem sind wir bisher gut unterwegs, werden uns aber auch nicht ganz der allgemeinen Konjunktur in der Landwirtschaft entziehen können. Wir erwarten, dass beide Segmente in diesem Jahr mit einer weiteren Steigerung in Umsatz und Ergebnis aufwarten können.
Es gilt das gesprochene Wort.
16.12.2008
Christoph Amberger