Ausführungen von
Dr. Hagen Duenbostel
anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG
am 16. Dezember 2008
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben geschafft, was wir Ihnen im Frühjahr dieses Jahres angekündigt haben.
Nachdem das Getreidegeschäft im Herbst 2007 gut anlief, zeichnete sich im Frühjahr 2008 ab, dass auch der Umsatz im Mais deutlich zulegen würde. Hier konnten Marktanteile und Preise in Europa angehoben werden. Die verhältnismäßig günstigen Herstellungskosten aus der Ernte 2007 haben der Ertragskraft geholfen. Aus diesen Gründen haben wir Sie im Mai bereits informieren können, dass wir ein um 10 % steigendes Betriebsergebnis in der KWS Gruppe erwarten.
Verbunden waren diese positiven Aussichten allerdings mit einem klaren Hinweis auf die weitere Ertragsentwicklung. Denn was uns auf der Absatzpreisseite in 2007/08 geholfen hat, bedeutet auf der Produktionsseite eine Verteuerung in den Vermehrungskosten, die sich im Folgejahr 2008/09 negativ bemerkbar machen wird.
Unabhängig von unseren Unternehmensnachrichten hat der Kapitalmarkt auf den Agrarsektor euphorisch reagiert. Die KWS Aktie ist bis zum Sommer in diesem Sog bis auf 176 € je Stückaktie gestiegen – und wie wir alle wissen - anschließend mit dem Markt in den Keller gefallen.
Gegenwärtig kehren wir etwas zur Normalität zurück und dringen mit der Investor-Relations-Arbeit stärker durch. Im Rahmen dieser Entwicklungen zeigt der Jahresabschluss 2007/08 ein ausgezeichnetes Bild. Die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage hat sich positiv entwickelt.
Es ist erneut gut gelungen, das Umsatzwachstum mit einer hohen Profitabilität zu verbinden. Die Betriebsergebnisrendite von fast 12 % ist Ausdruck dieser Ertragskraft.
Das Betriebsergebnis ist auf 70 Mio. € gestiegen, die steuerfreien Erträge aus Beteiligungsverkäufen sowie die erstmalige Anwendung der verminderten Ertragssteuersätze nach der Unternehmenssteuerreform in Deutschland haben den Jahresüberschuss beflügelt, der um über 40 % auf 55 Mio. € zulegen konnte.
Das Eigenkapital in der KWS Gruppe wuchs auf fast 400 Mio. € an und stellt knapp 60 % der Bilanzsumme dar. Die Eigenkapitalrendite konnte dabei auf 15 % gesteigert werden.
Auch die Finanzlage kann sich sehen lassen.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit erhöhte sich um 46 % auf 75 Mio. €.
Bei einem Mittelabfluss für Investitionen von 30 Mio. € und Zahlungseingängen aus der Veräußerung der Kartoffelaktivitäten, ergibt sich ein Free Cashflow von 57 Mio. € – mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr.
Die liquiden Mittel, einschließlich der Wertpapiere, erhöhten sich um zwei Drittel auf 113 Mio. €. Nach Abzug der Finanzverbindlichkeiten konnte das Jahr mit einem Net-Cash-Bestand von 107 Mio. € abgeschlossen werden.
Unsere Betriebsmittelfinanzierung im Rahmen des bestehenden Syndicated Loan wurde aufgrund der guten Cashflow-Situation unterjährig nur zu 38 % in Anspruch genommen.
Die Kapitalbindung im Netto-Umlaufvermögen konnten wir trotz weiteren Ausbaus von Umsatz und Produktvielfalt auf dem Vorjahresniveau halten. Insgesamt entfielen auf Vorräte und Forderungen mit 310 Mio. € rund 46 % des Gesamtvermögens.
Um unsere gute Marktposition auszubauen und den Wachstumskurs fortzusetzen, investieren wir kontinuierlich in den Ausbau von Züchtung und Produktion und zwar mehr, als wir abschreiben.
Die Investitionen stiegen um mehr als 10 % auf die genannten 30 Mio. €. und übertrafen damit die Abschreibungen von 17 Mio. € deutlich. Die größten Einzelinvestitionen gingen in Produktionsanlagen für Maissaatgut in Rumänien, Getreide in Deutschland und Zuckerrübensaatgut in der Türkei sowie in die Erweiterung des Bürogebäudes hier in Einbeck.
Unsere Wertschöpfung konnten wir um gut 12 % auf über 200 Millionen Euro ausbauen. Sie verteilt sich zu ca. 60 % auf Mitarbeiter und zu 20 % auf die Rücklagendotierung im Unternehmen. Die öffentliche Hand erhielt 11 %, Kreditgeber und andere Gesellschafter zusammen 4 %. Sie, die Aktionäre, haben durch die Dividendenerhöhung auf 1,70 € je Stückaktie und damit eine Ausschüttung von 11,2 Mio. €, einen Anteil von 6 % an der Wertschöpfung.
Als traditionsreiches und unabhängiges Familienunternehmen legen wir großen Wert auf eine verantwortungsvolle, wertorientierte Unternehmensführung. Den Empfehlungen des Corporate Governance Codex folgend, hat der Aufsichtsrat einen Prüfungsausschuss eingerichtet, der die externe Rechnungslegung und das Risikomanagement eingehend erörtert.
Mit Blick nach vorne, wird KWS auch im Geschäftsjahr 2008/2009 den Wachstumskurs fortsetzen. Wir erwarten einen Umsatzanstieg um rund 10 %.
Im Segment Zuckerrüben führen steigende Kosten bei konstantem Umsatz zu einem geringeren Segmentergebnis. Im Bereich Mais rechnen wir mit weiter steigenden Umsätzen und mit ebenfalls höheren Kosten, so dass das Segmentergebnis etwa auf Vorjahreshöhe liegen wird. Das erneut gute Ergebnis im Bereich Getreide wird aus heutiger Sicht das schwächere Zuckerrübenergebnis ausgleichen können. Insgesamt glauben wir, das Spitzenergebnis des vergangenen Geschäftsjahres wieder zu erreichen.
Wir sehen die fundamentalen Trends nicht durch die Finanzkrise ausgehebelt. Das Bevölkerungswachstum erzeugt eine steigende Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln und klimaschonend erzeugter Energie. Dies bleibt auch künftig die Basis für den nachhaltigen Geschäftserfolg von KWS.
Wir stellen uns diesen Herausforderungen und freuen uns auf ein weiteres erfolgreiches Geschäftsjahr.
Es gilt das gesprochene Wort.
16.12.2008
Hagen Duenbostel