Deutschland Investor Relations Hauptversammlungen Hauptversammlung 2009 Ausführungen von Dr. Hagen Duenbostel

Ausführungen von

Dr. Hagen Duenbostel
anlässlich der Hauptversammlung der KWS SAAT AG
am 17. Dezember 2009


Dr. Hagen Duenbostel
Dr. Hagen Duenbostel

Sehr verehrte Aktionäre, meine sehr geehrten Damen und Herren,

mit großer Zufriedenheit und einer Prise Überraschung blicken wir zurück auf das Geschäftsjahr 2008/2009. Ein Umsatzwachstum von 20 % und ein Betriebsergebnis von plus 11 % hatten wir weder geplant noch hatten wir damit gerechnet.

Nicht nur die Ertragskraft mit 11 % Betriebsergebnisrendite, sondern auch unsere Finanzlage hat sich besser entwickelt, als wir es im Laufe der Finanz- und Wirtschaftskrise befürchten mussten. Nach der Bilanzpressebesprechung war in den Zeitungen zu lesen, KWS sei immun gegenüber der Krise. Dass das leider nur bedingt stimmt, dürfte klar sein. Insbesondere die desolaten Marktentwicklungen in den Ländern Südost- und Osteuropas haben uns schwer belastet und nicht nur Geschäft gekostet, sondern auch in erheblichem Umfang Risiken mit sich gebracht, die wir entsprechend im Jahresabschluss 2008/09 im Rahmen der Vorsorge vorsichtig bewertet haben.

Meine Damen und Herren, wie von meinen Kollegen zu hören war, haben alle Produktsegmente positiv zu dieser Geschäftsentwicklung beigetragen. Insbesondere der Umsatzzuwachs beim Mais war von großer Bedeutung, da die Wachstumspotenziale dieser weltweit bedeutenden Kulturart für KWS von größter Bedeutung sind.
Von den 717 Mio € Umsatz entfallen somit 382 Mio auf Mais, 228 Mio auf Zuckerrübensaatgut und 84 Mio auf Getreide. Der Umsatz des Züchtungs- und Dienstleistungssegments in Höhe von 23 Mio € ist geprägt von der erstmaligen Konsolidierung unserer neu erworbenen Kartoffelaktivitäten.

Insgesamt haben die zusätzlich erwirtschafteten Deckungsbeiträge in Höhe von 43 Mio € die planmäßigen Kostensteigerungen in Forschung & Entwicklung und Vertrieb kompensieren können. Außerdem konnte das Betriebsergebnis trotz der erwähnten zusätzlichen Aufwendungen aus der Risikobewertung der Ostmärkte sogar auf 78 Mio € gesteigert werden.

Das Finanzergebnis ist erwartungsgemäß schlechter ausgefallen als im Vorjahr. Damals konnten wir Ihnen berichten, dass die Beteiligungsveräußerungen der ehemaligen Kartoffelaktivitäten das Finanzergebnis einmalig positiv beeinflusst haben. Darüber hinaus hat sich das aktuell niedrigere Zinsniveau an den Finanzmärkten negativ auf die Rendite unserer verfügbaren liquiden Mittel ausgewirkt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verbleibt somit bei 75 Mio €.

Nach Steuern ergibt sich für 2008/09 ein Jahresüberschuss von 50 Mio €, der um 8 % unter dem des Vorjahres liegt. Grund für die höhere Steuerquote sind die steuerfreien Veräußerungserträge des Vorjahres. Die jetzige Steuerquote von 33 % befindet sich damit auf dem Niveau des für die nächsten Jahre zu erwartenden normalisierten Steuersatzes, der bei ca. 32 % liegen sollte.

Bevor ich nun zur Vermögens- und Finanzlage komme, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass unser Geschäft erheblichen Währungseinflüssen ausgesetzt war. So verbesserte allein der stärkere US-Dollar im Geschäftsjahr 2008/09 die Umsatzentwicklung im Vergleich zum Vorjahr um 16 Mio €. Andererseits haben insbesondere die Währungen im südost- und osteuropäischen Ausland deutlich nachgegeben und fast in gleicher Höhe reduzierend zu Buche geschlagen.

Bei dem Blick auf die Bilanz fallen insbesondere Veränderungen im Vorratsvermögen und bei den Forderungen auf. Die Produktsegmente Zuckerrüben und Mais verzeichneten einen Bestandsaufbau, der beim Mais einer angemessenen Vorratshaltung im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung entspricht und bei der Zuckerrübe den verstärkten Einkauf von Saatgut-Beizmitteln widerspiegelt.

Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen konnten von 224 Mio € auf 217 Mio € reduziert werden, was angesichts der Umsatzausweitung eine äußerst erfreuliche Entwicklung unseres Forderungsmanagement ist. Sicherlich haben auch staatliche Interventionen, wie die Zahlungszielverkürzung in Frankreich, unterstützend mitgewirkt. Wir dürfen uns dennoch über die hohe Nettoliquidität-Position freuen. Nach Abzug von Finanz-Verbindlichkeiten verfügten wir zum Ende des Geschäftsjahres über 117 Mio € Nettoliquidität.

Den starken operativen Cashflow von 82 Mio € haben wir maßgeblich dafür verwendet, unser anspruchsvolles Investitionsprogramm zu finanzieren. Vor allem der Ausbau von Forschung und Entwicklung sowie diverse Erweiterungen unserer Produktionsanlagen und nicht zuletzt der Anteilserwerb an dem Kartoffel-Joint-Venture Van Rijn - KWS führten zu Investitionen von 61 Mio €. Das ist fast das Dreifache der Abschreibungen. Nach Berücksichtigung der auszahlungswirksamen Maßnahmen verblieb sogar noch ein Free Cashflow von 23 Mio €.

Trotz der damit verbundenen Verlängerung der Aktivseite der Bilanz konnte das auf 434 Mio € angestiegene Eigenkapital das gesamte Anlagevermögen, sämtliche Vorräte und einen guten Teil der Forderungen abdecken. KWS bleibt damit ausgesprochen solide finanziert. Auch die erneute Steigerung der Wertschöpfung auf 218 Mio € unterlegt das positive Gesamtbild. Dabei haben unsere Mitarbeiter mit 62 %, das Unternehmen inklusive der Anteile fremder Gesellschafter mit 18 %, die Öffentliche Hand sowie Kreditgeber mit insgesamt 15 % davon profitiert, so dass gut 5 % der Wertschöpfung auf die Dividende entfallen.

An dieser Stelle komme ich gern auf unser Stammhaus, die KWS SAAT AG, zu sprechen, da der hier erwirtschaftete Bilanzgewinn Grundlage für die Ausschüttung ist. Die KWS SAAT AG hat mit einem Umsatz von 201 Mio € einen Jahresüberschuss von 11,5 Mio € ausgewiesen. Hierzu ist jedoch anzumerken, dass diese Gesellschaft sowohl die Holdingfunktionen für die Gruppe wahrnimmt als auch die Vorlaufkosten für Forschung und Entwicklung trägt - im Gegenzug jedoch die operative Geschäftsentwicklung der Produktsegmente sich auf die vielen Gesellschaften der KWS Gruppe verteilt. Insoweit lässt sich keine sinnvolle Geschäftsentwicklungsanalyse aus der Erfolgsrechnung der KWS SAAT AG ableiten.

Festzuhalten bleibt, dass sich der Jahresüberschuss der AG, bedingt durch den einmaligen Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf von Beteiligungen im Geschäftsjahr 2007/08, halbiert hat.

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung in Anbetracht der guten Geschäftsentwicklung der KWS Gruppe vor, die Dividende um 10 Eurocent auf 1,80 € zu erhöhen. Hieraus ergibt sich eine Ausschüttung von 11.880.000 €, die aus dem Bilanzgewinn von 12.310.000 € entnommen wird, so dass sich ein Gewinnvortrag von 430.000 € ergibt.

Sehr geehrte Damen und Herren, das laufende Geschäftsjahr 2009/2010 begann für uns nicht in Euphorie. Sie haben bereits von Herrn Amberger gehört, dass unser Herbstgeschäft im Winterraps und im Getreide deutlich unter dem außergewöhnlich starken Vorjahr liegt. Darüber hinaus hat sich der US-Dollar ausgesprochen ungünstig entwickelt. Ungeachtet dessen haben wir das Unternehmen weiterhin auf Wachstumskurs ausgerichtet, mit zusätzlichen Aktivitäten in Forschung, Entwicklung und Vertrieb. In Summe erwarten wir bei einer erfolgreichen Frühjahrsaussaat 2010 und unter der Voraussetzung, dass sich der US-Dollar wieder erholt, einen leichten Umsatzanstieg in der KWS Gruppe. Dabei kann man vereinfacht sagen: Eine Veränderung des Dollarkurses um 10 % wirkt sich mit rund 20 Mio € auf den Umsatz der KWS Gruppe aus.

Vor diesem Hintergrund an das hohe Betriebsergebnisniveau von 2008/09 anzuknüpfen bleibt eine Herausforderung. Die mittel- und langfristigen Marktentwicklungen für die landwirtschaftliche Produktion unserer Kulturarten schätzen wir jedoch nach wie vor als fundamental positiv ein. Dabei beeinträchtigt die zunehmende Volatilität der Preise für Agrarrohstoffe, die Planungssicherheit maßgeblich. Auf der anderen Seite ergeben sich ebenso zyklisch unerwartete Chancen, für deren Nutzung wir gut aufgestellt sind, wie das abgelaufene Jahr gezeigt hat.




Es gilt das gesprochene Wort.


17.12.2009
Hagen Duenbostel