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    Zukunft

Sprechen wir über die Zukunft: Neue Züchtungsmethoden und Genome Editing in der Landwirtschaft

Unsere Erfahrung zeigt: Neuerungen in der Pflanzenzüchtung werden grundsätzlich von allen gesellschaftlichen Gruppen begrüßt. Neue Züchtungsmethoden wie Genome Editing sind jedoch ein komplexes Thema mit vielen Fragen:

  • Weshalb ist Genome Editing eine Chance für eine nachhaltigere Landwirtschaft?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, Nutzpflanzen, die widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen sind, schneller zu züchten?
  • Weshalb können durch bestimmte Genome Editing-Methoden gezüchtete Pflanzen als naturidentisch gelten?

Umso wichtiger ist der Dialog. Um Fragen zu klären und Entscheidungen zu Akzeptanz und Nutzung dieser Methode zu treffen. Unser Grundsatz: Um Fortschritte für eine nachhaltige Landwirtschaft zu ermöglichen, sollte eine sorgfältige Abwägung zwischen wissenschaftlicher Innovation und regulatorischen Anforderungen vorgenommen werden.

Warum wir über Genome Editing nachdenken

Im Jahr 2050 werden knapp zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben – fast doppelt so viele wie im Jahr 1990. Die wachsende Weltbevölkerung stellt die Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen.

Mehr denn je kommt es auf eine nachhaltige Flächennutzung an. Und auf stabile und verlässliche Erträge. Das ist das Ziel, das Fortschritte in der Pflanzenzüchtung notwendig macht. Pflanzen wie Mais, Weizen oder Kartoffeln ernähren den Menschen seit vielen Jahrhunderten. Dabei haben veränderte Umweltbedingungen und Lebensweisen die Menschheit immer wieder herausgefordert, die Erkenntnisse ihrer Zeit zu nutzen, um die Landwirtschaft den Ernährungsbedürfnissen anzupassen.

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Wie kann Genome Editing hier helfen?

Die neuen Züchtungsmethoden mit ihrer Einfachheit und Stabilität in der Anwendung bieten hier einzigartige Möglichkeiten. Die Entwicklung neuer, standortangepasster und ertragreicher Sorten wird hiermit beschleunigt. Zunehmenden Problemen durch Schädlingsbefall, Pflanzenkrankheiten, klimawandelbedingte Trockenheit und Degradierung von Ackerland kann wirkungsvoller begegnet werden – bei gleichzeitiger Sicherung der Nahrungsmittelproduktion in ausreichender Menge zu erschwinglichen Preisen.

Wie genau funktioniert Genome Editing?

Gentechnik oder nicht?

Die neuen Methoden können vielfältig eingesetzt werden. Je nach ihrer Anwendung können einige von ihnen gentechnisch veränderte Pflanzen hervorbringen. Deshalb ist es wichtig, die Methoden differenziert zu bewerten. Zinkfinger, TALEN und CRISPR/Cas können auf verschiedene Arten angewandt werden. Die Varianten 1 und 2 zeigen jene Verfahren, bei denen keine Gene übertragen werden. Eine Auswahl zeigt, wie Pflanzen mithilfe der neuen Methoden entstehen.

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Was die Natur nur per Zufall hervorbringt, was der traditionelle Züchter aufwendig über Jahre erarbeitet, kann mit Genome Editing gezielt und präzise in kurzer Zeit erreicht werden. Die Ergebnisse gehen nicht über die Natur und über die auf Mendel basierenden Kreuzungs- und Rekombinationsmöglichkeiten hinaus. Aber sie machen den Zufall planbar und ermöglichen eine effizientere und effektivere Züchtung.

Die Pflanzen, die bei einer Vielzahl der neuen Methoden entstehen, sind also naturidentisch. Das heißt, sie hätten auch mit traditionellen Züchtungsmethoden oder zufällig durch natürliche Mutationen entstehen können. Die Resultate unterscheiden sich weder in ihrer genetischen Zusammensetzung noch in ihren Eigenschaften von konventionell gezüchteten Pflanzen. Sie enthalten keine artfremden oder außerhalb der Pflanze veränderten Gene.

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Genome Editing: unser Prinzip

Wir sehen in den neuen Züchtungsmethoden mit ihrer Einfachheit in der Anwendung großes Potenzial. Durch die Möglichkeiten von Genome Editing können neue ertragreichere Sorten effektiver und schneller gezüchtet werden. Fragen zur Nachhaltigkeit und Zukunft der Landwirtschaft lassen sich so einfacher beantworten. Und da die neuen Methoden effektiv und leicht anwendbar sind, können sie zudem auch von kleinen und mittelständischen Pflanzenzüchtern genutzt werden.

Für eine regulatorische Beurteilung ist es unter der gegenwärtigen Gesetzeslage wichtig, zwischen den verschiedenen Genome Editing-Anwendungen zu differenzieren. Einige können zu gentechnisch veränderten Pflanzen führen, andere sind dagegen mit der klassischen Züchtung vergleichbar. Diese wahren die Artengrenze und führen im Ergebnis zu Pflanzen, die auch auf natürliche Weise oder durch klassische Züchtung entstehen können und damit als Produkt naturidentisch sind. Ausschlaggebend für eine regulatorische Einordnung ist daher aus unserer Sicht eine kombinierte Betrachtung aus der angewendeten Methode während des Herstellungsprozesses und dem daraus resultierenden Produkt.

Naturidentische Ergebnisse

Wenn durch den Einsatz neuer Züchtungsmethoden wie Genome Editing Pflanzen entstehen, die auch von selbst in der Natur oder durch klassische Kreuzungs- und Kombinationszüchtung hätten entstehen können, so sind diese als naturidentisch einzustufen. Eine gesonderte Regulierung ist nicht notwendig.

Gentechnik

Dagegen fallen Pflanzen, bei denen eine gerichtete, gezielte Übertragung artfremder Gene oder Genbestandteile vorgenommen wurde, in der Europäischen Union unter das Gentechnikgesetz.

Unser Prinzip

Klassische und neue Verfahren, die naturidentische Pflanzen erzeugen, haben heute für uns Vorrang in der Produktentwicklung für Europa. Danach richten wir uns, dem verpflichten wir uns. Die Anforderungen, die Kunden und Gesellschaft an unsere Arbeit als Pflanzenzüchter stellen, sind die Leitlinie unseres Handelns. Die Bedingungen unterscheiden sich in den 70 Ländern, in denen die KWS SAAT SE tätig ist. Deshalb ist es wichtig, immer die passende Lösung für vielfältige Anforderungen zu finden. Grundsätzlich sollten Pflanzen anhand ihrer Eigenschaften beurteilt werden.

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Thilo Resenhoeft
Thilo Resenhoeft
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