Auswinterung, Bestandesdichte und Herbizideinsatz im Getreide

08.03.2018

Nachdem im gesamten Winter eher milde Temperaturen vorherrschten, gab es ausgangs des Winters noch einen richtigen Kälteeinbruch, der regional zu Auswinterungen geführt haben könnte. Neben der klassischen Auswinterung kann es in diesem Jahr zu Pflanzenschäden durch Auffrieren von wassergesättigten Böden gekommen sein. Häufig sind die Bestände aufgrund späterer Aussaattermine noch nicht zu weit entwickelt, sodass sie die niedrigen Temperaturen vertragen konnten.

Die ersten Bonituren der Getreidebestände ergaben, dass verschiedene Getreidearten je nach Region unterschiedliche Frostreaktionen gezeigt haben. Grundsätzlich hat der Roggen die stärkste Kältetoleranz, gefolgt von Weizen und Gerste.

Am stärksten ist der Weizen betroffen, der zu einem frühen Termin und mit einer hohen Aussaatstärke ausgedrillt wurde. Diese frühen Winterweizenbestände sind aufgrund einer weit fortgeschrittenen Herbstentwicklung stärker von Auswinterungsschäden betroffen als die anderen. Verschiedene Winterweizensorten zeigen, je nach Winterfestigkeit, ebenfalls unterschiedliche Frostreaktionen. Wichtig ist hierbei zu bedenken, dass die Sorten ein unterschiedlich starkes Regenerationsvermögen haben. Aufgrund dessen können sich die Sortenunterschiede in den nächsten Wochen weiter differenzieren.

Um das Schadensausmaß der betroffenen Flächen festzustellen, ist ein Schnelltest der Austriebsfähigkeit zu empfehlen. Die geschädigten Pflanzen werden ausgegraben und bei Zimmertemperatur aufgetaut. Zur Reduktion der Transpiration müssen die Blätter und Wurzeln auf zwei Zentimeter gekürzt werden. Anschließend werden die Pflanzen in feuchtes Küchenpapier und Plastikbeutel gelegt, bei Zimmertemperatur und ausreichend Licht aufbewahrt. Nach 3-5 Tagen zeigen vitale Pflanzen grüne Triebspitzen. Die Weizenpflanzen brauchen etwas länger als Gerste (LLF MV 2016).

Behalten Sie Ihre Flächen im Auge und meiden Sie vorzeitiges Handeln. Schätzen Sie die Vitalität und das Regenerationsvermögen Ihrer Pflanzen genau ab. Die Pflanzen können bei milderen Temperaturen wieder neue Blattmasse entwickeln und alte, abgefrorene Blätter sterben ab. Zwar ist der Beschädigungsgrad sicherlich zu erkennen, dennoch sollten Sie vor einem Umbruch der Fläche die Kosten und somit die Wirtschaftlichkeit einer Neuansaat genau kalkulieren.

Anlegen einer Zählstrecke mit Zählstab

Anlegen einer Zählstrecke mit Zählstab

Kontrolle der Bestandesdichte und Startdüngung im Getreide

Eine wichtige Maßnahme vor dem Vegetationsbeginn ist die Kontrolle der Getreidebestände nach Winter. Zur Kontrolle der Bestände sollten Sie die Pflanzenzahl pro m², die Anzahl an kräftigen Trieben und die Anzahl an schwächeren Trieben ermitteln, um die Höhe der Stickstoff-Startgabe zu bestimmen. Bei 2-3 kräftigen Trieben pro Pflanze kann die Startgabe in gewohnter Höhe durchgeführt werden.

Demgegenüber sollten schwach entwickelte Pflanzen mit weniger als 2 kräftigen Trieben pro Pflanze oder sogar nur 7-8 Blättern höher angedüngt werden. Dabei sollte über einen Mehrnährstoffdünger nachgedacht werden, um die Pflanze und das Wurzelwerk zu unterstützen.

Ein nützliches Hilfsmittel, um den Befall bzw. die Pflanzenanzahl pro m² zu ermitteln, ist der Getreidezählstab, z. B. von KWS Getreide. Bestimmen Sie die Zählstrecke gemäß Drillreihenabstand (für verschiedene Drillreihenabstände auf dem Getreidezählstab angegeben). Legen Sie den Getreidezählstab der Länge nach entlang der Drillreihe aus und zählen Sie die Anzahl an Pflanzen entlang der gewählten Zählstrecke.

Diesen Vorgang sollten Sie an verschiedenen Stellen auf dem Schlag wiederholen und die gezählten Werte mitteln, um den Durchschnitt des Schlages zu erhalten. Sollte kein Zählstab zur Verfügung stehen, können Sie auch einen handelsüblichen Zollstock nutzen. Die Zählstrecke zu den jeweiligen Drillreihenabständen können Sie der Tabelle entnehmen. Die ermittelten Werte sollten nahe der Zielbestandesdichte der jeweiligen Kultur liegen.

Ermittlung Bestandesdichte

Ermittlung Bestandesdichte

Drillreihenabstand in cm Länge der Zählstrecke in cm
17 58,8
16 62,5
15 66,7
14 71,4
13 76,9
12 83,3
11 91,0
10 100

Tabelle 1: Länge der Zählstrecke bezogen auf den Drillreihenabstand

Herbizideinsatz im Getreide

Die Kontrolle des Unkraut- und Ungrasbesatzes sowie die Kontrolle auf Blattbefall der wichtigsten Krankheiten der jeweiligen Kulturart ist sinnvoll. Hierzu legen Sie den Zählstab zu einem Quadrat zusammen und zählen die Unkräuter und Ungräser bzw. ermitteln den Anteil an befallener Blattfläche durch die Krankheit in dem Quadrat auf einer Fläche von einem 1/10 m². Diese Zählung sollten Sie 5- bis 7-mal pro ha wiederholen. Je nach Schadschwelle kann ein Herbizideinsatz notwendig werden.

Unkrautzählrahmen zur Bemessung des Unkrautbesatzes

Unkrautzählrahmen zur Bemessung des Unkrautbesatzes

Ermittlung Unkrautbesatz

Ermittlung Unkrautbesatz