Düngung der Wintergetreide-Bestände im Frühjahr

Getreidebestand Raum Bovenau

Getreidebestand Raum Bovenau

14.02.2018

Die ersten Düngemaßnahmen im Getreide stehen regional an. Viele Flächen sind zurzeit mit Wasser gesättigt und sind nicht befahrbar bzw. nur nach Frost befahrbar. Es gilt daher zu beachten, dass grundsätzlich stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel, worunter neben Mineraldüngern auch Gülle, Jauche, Gärreste, Mist und Kompost fallen, nicht aufgebracht werden dürfen, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist.

Wassergesättigte Flächen sind daran zu erkennen, dass auf freier, ebener Fläche Wasserlachen sichtbar sind bzw. die Befahrbarkeit bei frostfreiem Boden nicht möglich ist. Gemäß der neuen Verordnung ist eine Düngung bei gefrorenem Boden nur zulässig, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Boden wird durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig.
    Damit ist gemeint, dass die oberste Bodenschicht soweit auftaut, dass ein Einsickern des Düngers in den Boden gewährleistet ist.
  • Ein Abschwemmen in oberirdische Gewässer oder auf benachbarte Flächen ist nicht zu besorgen.
  • Der Boden trägt durch Einsaat einer Winterkultur oder von Zwischenfrüchten im Herbst eine Pflanzendecke oder es handelt sich um Grünland, abgefrorene Zwischenfrüchte gelten nicht.
  • Die Aufbringmenge ist auf max. 60 kg Gesamt-N je ha beschränkt.

Bei Dauerfrost, d. h. an Tagen, an denen auch tagsüber keine positiven Temperaturen erreicht werden, ist eine Düngung nicht zulässig. Informationen über die zu erwartenden Temperaturen sowie Frost- und Auftautiefen können den Agrarwetter-Internetseiten des DWD entnommen werden. Letztlich ist zu beachten, dass ein Boden nicht aufnahmefähig ist, wenn nach dem Auftauen eine Wassersättigung zu verzeichnen ist.

Wie geschwächte Bestände andüngen?

Auf Grund der hohen Niederschlagsmengen im Herbst/Winter 2017/18 besitzt das Wintergetreide ein schwach ausgebildetes Wurzelwerk. Um das Wurzelwerk zu fördern wird eine Ammoniumnitrat-betonte Andüngung empfohlen. Der Nitratanteil ist dabei zur schnellen Förderung notwendig (z.B. mit ASS o. ä.). Zusätzlich ist bei einer schwachen Wurzelentwicklung eine Phosphat-Düngung über das Blatt effektiv und sollte zu Vegetationsbeginn ausgebracht werden (viele Produkte können z.B. mit Herbiziden gemischt werden).

Erste Nmin-Proben aus Schleswig-Holstein zeigen einen niedrigen Nmin-Wert (< 20 Kg N in 0 – 90cm, Lehmstandorte östl. Hügelland) aufgrund von Auswaschungen nach den erheblichen Niederschlägen im Herbst/Winter 2017/18. Ebenfalls können Schwefel, Kalium, Magnesium aber auch Calcium und Mikronährstoffe, wie z. B. Bor, durch die Niederschlagsmengen verlagert worden sein. Dies sollte unbedingt bei der Düngung berücksichtigt werden. Erhöhte Startgaben zur Förderung gestresster Bestände ziehen aufgrund der neuen Düngeverordnung eine reduzierte Abschlussdüngung nach sich, was Auswirkungen auf die Vermarktungsqualität haben wird. Dies gilt es bei der Düngebedarfsermittlung zu berücksichtigen.